Frankensteins Küche: Geklonte Tiere
Rinder für die Fleischproduktion werden aus Kadavern geklont.
Veröffentlichung am 11.01.2011 um 10:42 Uhr / Aktualisierung am 27.02.2012 um 17:19 Uhr 
(Zentrum der Gesundheit) - Fleisch von geklonten Rindern liegt in den USA längst in den Verkaufstheken. Dank der Enthüllungen einer auf das Klonen von Rindern zur Fleischproduktion spezialisierten US-Firma (J. R. Simplot Company in Idaho), erfahren wir nun, dass Rinder zum Zwecke der Fleischproduktion direkt aus Tierkadavern geklont werden.
Um das perfekte Steak zu erhalten werden ettliche Rinder geschlachtet und wieder geklontUnd so funktioniert es: Eine große Zahl Kühe wird geschlachtet und zu Steaks verarbeitet. Diese werden dann auf ihren Geschmack hin, ihre Konsistenz und auf andere für Steakesser wichtige Eigenschaften getestet.
Von jedem einzelnen Steak wird das Ursprungstier aufgeschrieben. Außerdem werden dem Kadaver Körperzellen entnommen, damit - sollte das Steak besonders gut schmecken - Material zum Klonen vorhanden ist. Nachdem alle Steaks bezüglich ihrer Qualität eingeschätzt wurden, schnappt man sich die Kadaverzellen derjenigen Rinder, deren Steaks am besten schmeckten und entnimmt ihnen die für den Klonvorgang nötige DNS (Erbsubstanz).
Jetzt braucht man Eizellen, die man sich aus lebenden Kühen holt. In diese Eizellen injiziert man die neue Steak-DNS und pflanzt sie daraufhin wieder in die Kühe ein (oder auch in andere Kühe).
Die daraufhin geborenen Kälber sind aber für die Steakesser noch immer nicht perfekt genug. Sie werden gemästet, geschlachtet und wiederum testweise verspeist. Dieser Kreislauf wird über mehrere Generationen hinweg wiederholt, um auf diese Weise Klonrinder zu "entwickeln", die Fleisch produzieren, das so schmecken soll, wie der Mensch sich das in seinen kühnsten Steak-Träumen immer schon gewünscht hat.
Die treibende Kraft hinter diesem Projekt ist der Chef der Klonfirma J.R. Simplot Company in Idaho. Scott Simplot glaubt nämlich fest daran, dass Klonen die Rindfleischproduktion verbessern könne. Sein erklärtes Ziel ist es, den Standard des amerikanischen Steaks zu heben.
Er schwärmt daher auch folgendermaßen: "Wir möchten dasjenige Tier finden, das dieses eine großartige Steak produziert - und wenn wir es gefunden haben, dann wollen wir es natürlich auch wieder und wieder reproduzieren." Seine Vision ist daher: "Jedes Mal, wenn wir in einem Restaurant ein Steak essen werden, wird es immer wieder denselben einzigartigen Geschmack besitzen."
Und sein Angestellter Brady Hicks berichtet den BBC News begeistert: "Die Tiere hängen an einer Fahrschiene, die direkt zur Fleischtheke führt. Wir entscheiden uns für diejenigen Kadaver, die genau die Schlachtkörper-Eigenschaften aufweisen, die wir uns erhoffen. Durch die Technik des Klonens können wir das Tier quasi "wiederbeleben".
Klonfleisch stammt also von geklonten Rindern, die ihren Ursprung in den toten Körperzellen anderer Rinder haben, die aufgrund ihrer sagenhaften Steakqualitäten zwar leider schon tot sind, daher aber dringend wiederbelebt werden müssen, damit man sie baldmöglichst erneut töten und erneut zu Steaks verarbeiten kann.
Der Begriff "Wiederbelebung" ist hier allerdings ein wenig fehl am Platze, da er doch allzu leicht mit positiven Ereignissen in Verbindung gebracht wird und sicher nicht zum traurigen Schlachteralltag der Fleischbranche passt.
Nun geht es in Wirklichkeit natürlich nicht darum, dass man überall und jederzeit ein großartiges Steak mit Einheitsgeschmacksgarantie kaufen oder essen können soll, sondern es geht darum, konkurrenzfähig zu bleiben oder besser noch, die Konkurrenz auszuschalten.
Um dieses Ziel zu erreichen, waren Skrupel schon immer das Letzte, was findige Geschäftsleute an den Tag legten. Wer in der Fleischbranche tätig ist, will Fleisch verkaufen und damit möglichst schnell reich werden. Das gelingt mit kaum einer Methode besser als mit dem Klonen.
Geklonte Tiere bzw. deren besonderes Erbgut lässt sich nämlich patentieren und schon muss jeder Bauer, dessen Tiere - ob sie nun wirklich vom patentierten Klon abstammen oder nur zufällig einige seiner Gensequenzen enthalten - Gebühren an den Patentinhaber bezahlen.
Auf diese Weise lassen sich langfristig die Gewinne mit einem geringstmöglichen Aufwand maximieren. Wenn das auf Kosten von täglich vielen Millionen Tierleben geschieht, nun, dann ist das nichts weiter als Pech für diejenigen, die als Tier geboren wurden.
Klonfleisch gibt es natürlich längst in den Fleischtheken der USA. Bereits vor zwei Jahren verkündete die US Food and Drug Administration FDA(1), dass Fleisch und Milch von geklonten Tieren sicher sei und daher bedenkenlos gegessen werden könne.
Doch wissen wir, dass die FDA viele Produkte für sicher hält, die äußerst umstritten sind und gewiss nicht als unbedenklich bezeichnet werden können (z. B. Aspartam, gentechnisch veränderte Lebensmittel oder so manche Lebensmittelzusatzstoffe), so dass das Urteil dieser Behörde leider noch lange nicht zu unser aller Beruhigung beizutragen vermag.
Es scheint, dass sich die Methoden der Lebensmittelindustrie nicht mehr sehr von jenen unterscheiden, wie sie im Hause Frankenstein gang und gäbe sind. Aus Teilen toter Körper wird mit Hilfe eines Prozesses, den man elegant "Wiederbelebung" nennt, neues Leben kreiert, das aber gar nicht als Leben wahrgenommen wird, sondern nur noch als künftiges Steak und so auch möglichst schnell in ein solches umgewandelt wird.
Das Resultat wird daraufhin an Konsumenten verkauft, die von alldem kaum etwas ahnen, denn Klonfleisch muss nicht als solches deklariert werden. Scott Simplot selbst findet das nur richtig. Schließlich, so meinte er in einem Interview im Jahre 2007, wäre eine entsprechende Deklarierung schlecht fürs Geschäft und würde ein solches verhindern, noch bevor es richtig ins Laufen gekommen wäre.
Und genau dort liegt der Hund begraben: Die Fleischindustrie weiß genau, dass die Verbraucher keinen Schimmer davon haben, woher ihr Fleisch kommt und sich statt dessen glückselig der Illusion hingeben, dass ihr Steak zu Lebzeiten ein wildromantisches Prärie-Dasein führte, sich des nachts von freundlichen Cowboys in den Schlaf singen ließ und nach einem ausgefüllten Leben schließlich auf eigenen Wunsch hin und mit einem mitfühlenden Geistlichen an der Seite human erlöst wurde. Eine wunderbare Vorstellung, doch befindet sie sich in ähnlicher Entfernung von der Realität wie der Himmel von der Hölle.
In den USA gibt es bislang keine Möglichkeit herauszufinden, ob das Fleisch, dass man an der Supermarkttheke kauft oder in einem Restaurant isst, von geklonten Tieren stammt oder nicht. Und so soll es auch bleiben.
Die Industrie wird ihre Lobbyisten unaufhörlich daran arbeiten lassen, eine Deklarierungspflicht für Klonfleisch zu verhindern - genauso wie die gentechnische Industrie - bislang höchst erfolgreich - daran arbeitet, dass ihre Produkte nicht als "gentechnisch verändert" deklariert werden müssen.
Selbstverständlich wird bei all den gewinnorientierten Machenschaften der Fleischindustrie kein Gedanke an die Rinder verschwendet, an ihr Leben, ihr Leiden und ihr tägliches Massensterben. Auch über die Auswirkungen der industriellen Viehzucht auf die Umwelt wird kein Wort verloren.
Finden Sie es nicht manchmal auch beängstigend, von Milliarden Mitmenschen umgeben zu sein, die all das als völlig normal betrachten? Die sich - trotz ihres doch so erhabenen Menschseins - um das Wohlergehen anderer Wesen genauso wenig scheren wie eine Katze, wenn sie mit der Maus spielt?
Zwar ist Klonfleisch in der EU bislang noch nicht zu haben. Doch lehnten wir einst auch gentechnisch veränderte Nutzpflanzen ab und mittlerweile diskutiert man nur noch die Höhe einzelner Schwellenwerte, weil sich Genpflanzen und ihre Spuren in unseren Lebensmitteln verbreiten - ob wir das nun wollten oder nicht.
Folglich dürfte es sich nur noch um eine Frage der Zeit handeln, bis auch in unseren Supermärkten Frankenstein-Fleisch aus wiederbelebter Steak-DNA die Kühltheken bevölkert. Wenn wir Glück haben, wird es entsprechend deklariert werden.
Deutlich wahrscheinlicher jedoch wird es eine mehr oder weniger einleuchtende Erklärung dafür geben, warum es keinesfalls deklariert werden kann. Denn wie wir alle wissen: Wahrheitsgetreu deklarierte Lebensmittel sind nun mal schlecht fürs Geschäft.
(1)FDA: Die Food and Drug Administration ist die behördliche Lebensmittelüberwachung und die Arzneimittelzulassungsbehörde der Vereinigten Staaten und ist dem Gesundheitsministerium unterstellt. Sie wurde 1927 gegründet, ihr Sitz ist in Rockville (Maryland).
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