US-Gesundheitsbehörde geht unter die Hacker
FDA nutzt illegale Methoden, um ihre eigenen Mitarbeiter zu überwachen und um einen Skandal zu verhindern, in dessen Mittelpunkt sie selbst stehen würde.
Veröffentlichung am 20.02.2012 / Aktualisierung am 16.01.2013 
(Zentrum der Gesundheit) - Die US-Gesundheitsbehörde FDA hackte sich mit Spionagetechnologien in die privaten Mailkonten ihrer eigenen Wissenschaftler. Die betroffenen Forscher wollten mit skandalösen Insider-Informationen über die FDA an die Öffentlichkeit gehen, um Patienten vor möglicherweise gefährlichen medizinischen Geräten zu schützen, die von der FDA bereits zugelassen worden waren.
Die US-Gesundheitsbehörde durchsuchte die privaten Mailkonten ihrer WissenschaftlerDie ganz offensichtlich schon länger bestehende kriminelle Neigung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA kam jetzt ans Tageslicht. Die Behörde soll eine Spionagesoftware genutzt haben, um sich mit deren Hilfe illegalerweise in die privaten Gmail-Konten von mindestens einem halben Dutzend ihrer eigenen Top-Wissenschaftler zu hacken.
Wie sich herausstellte, handelte es sich bei den betroffenen Mitarbeitern um dieselben Personen, die als so genannte Whistleblower (Insider, die mit skandalösen Informationen an die Öffentlichkeit gehen) in Erscheinung traten und den Kongress davon in Kenntnis setzen wollten, dass die FDA medizinische Geräte zulasse, welche das Leben unschuldiger Patienten bedrohen könnten.
Die FDA entliess die Whistleblower, die eigentlich nur das taten, was eigentlich die Aufgabe der FDA sein sollte: die Gesundheit der Menschen zu schützen. Jetzt haben die sechs Wissenschaftler und Ärzte am U.S. District Court Klage gegen ihren alten Arbeitgeber eingereicht, weil sie sich illegaler interner Einschüchterung ausgesetzt sahen und ausserdem der Meinung sind, unberechtigterweise entlassen worden zu sein.
In der Klageschrift wird ferner beschrieben, wie sich FDA-Manager über zwei Jahre lang in die privaten Mailkonten der Kläger gehackt haben sollen. Dabei habe die FDA auch jene Mails abgefangen, die eigentlich ausschliesslich an den Kongress gerichtet waren und diesen von fragwürdigen FDA-Entscheidungen unterrichten sollten. Die Washington Post hat bereits einige der gehackten Mails veröffentlicht1.
Interessanterweise waren die betreffenden Manager, die an der Spitze der Überwachungsaktion standen, dieselben, die zuvor in jene Korruptionsfälle verwickelt waren, von denen die Whistleblower dem Kongress Kenntnis geben wollten. Auch die FDA-Rechtsanwälte sollen sich schuldig gemacht haben, da sie unerlaubterweise Beweise gegen die FDA verschwinden liessen und auf diese Weise die Justizbehörden behinderten.
Die sechs Ex-Wissenschaftler der FDA, die bis vor kurzem - als Teil des Systems - selbst noch unberührbar waren, wurden nun, da sie es wagten, sich zum Wohle der Bevölkerung einzusetzen, zu den Opfern dieses Systems. Die Macht, die sie einst genossen haben, wird jetzt gegen sie selbst eingesetzt. Regierungsbehörden scheinen Menschen routinemässig zu überwachen, zu entlassen oder zu bedrohen, wenn sie es wagen, die Wahrheit auszusprechen.
Ganz besonders interessant ist dieser Vorgang aber, wenn man ihn im Vergleich mit den Geschehnissen rund um die Hackerattacke auf Sarah Palins privates Emailkonto im Jahr 2008 betrachtet. Damals hatte ein Student der University of Tennessee , David Kernell, sich in das Mailkonto der republikanischen Politikerin gehackt und einige sehr peinliche Mails ans Tageslicht befördert.
Der Student wurde schliesslich wegen eines Kapitalverbrechens verurteilt (Justizbehinderung), da er Mails auf seinem Computer gelöscht hatte – und das, obwohl er nicht wusste, dass bereits gegen ihn ermittelt wurde.2
Reuters hat kürzlich berichtet:
„Während am Montag das Gesetz vom betreffenden Gericht noch als „sehr vage formuliert“ bezeichnet wurde, schloss es dennoch mit der Feststellung, dass es im Fall Kernell zur Anwendung gebracht werden könne.”
Man darf nun gespannt bleiben, ob dieses Gesetz auch im Fall der FDA-Manager zur Anwendung kommen wird. Die Chancen stehen jedoch mehr als schlecht, da die Gesetze erfahrungsgemäss zwar für die „kleinen Leute“ gelten, aber nicht unbedingt für die kriminellen Subjekte so mancher korrupter Behörden.
Wie der Anwalt Jonathan Emord in seinem Buch „The Rise of Tyranny” beschreibt, ist die FDA ähnlich der TSA (US-Bundesbehörde für Innere Sicherheit) eine bürokratische Behörde, die offenbar vollkommen ausser Kontrolle geraten sei. Ihre Direktoren würden ernannt und nicht gewählt, weswegen es keinerlei öffentlichen Rechtfertigungszwang der Beamten gebe und weshalb Direktoren der FDA, die sich etwas zu Schulden haben kommen lassen, nicht zur Rechenschaft gezogen würden. Neue Bestimmungen, die von den Behörden wie FDA, DEA (US-Drogenbekämpfungsbehörde), TSA, ATF (Bundespolizeibehörde für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoffe) oder USDA (US-Landwirtschaftsministerium) aufgestellt werden, müssten nicht durch den Kongress abgesegnet werden und seien zudem keinem öffentlichen Beratungsgremium unterworfen. Diese Behörden schrieben ganz problemlos ihre eigenen „Gesetze“ und oktroyierten diese der Bevölkerung - oft auch mit Waffengewalt.
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