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Demenz: Schulmediziner warnen vor der Naturheilkunde

Wissenschaftler warnten unlängst vor naturheilkundlichen Mitteln bei Demenz. Ihre Wirkung sei nicht belegt. Dabei wird ganz vergessen, dass auch die Wirkung der gängigen Demenzmedikamente alles andere als zufriedenstellend ist.

Fachärztliche Prüfung: Dr. med. Jochen Handel
Stand: 13 Mai 2026
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Bei Demenz: Schulmedizin oder Naturheilkunde?

Viele Menschen mit Demenz suchen neben der Schulmedizin nach weiteren Möglichkeiten, um Beschwerden zu lindern oder den Verlauf der Erkrankung günstig zu beeinflussen. Dabei stossen sie häufig auf Angebote aus der Naturheilkunde.

Im Fachjournal JAMA Network erschien im Januar 2019 ein Artikel, in dem sich die Autoren – drei Wissenschaftler der University of California, San Francisco – besorgt um die wachsende Verbreitung der sog. Pseudomedizin äusserten (1).

Besonders Demenzbetroffene und deren Angehörige seien die Zielgruppe entsprechend beworbener Massnahmen aus der Naturheilkunde, schrieben die drei Forscher. Man nutze die Angst der Betroffenen, um derartige „Pseudomedizin“ zu verkaufen.

Nachfolgend geben wir einige Vorwürfe des Artikels wieder und kommentieren diese. Dabei geht es nicht darum, ob nun die Naturheilkunde oder die Schulmedizin besser ist. Sinnvoll wäre vielmehr ein ehrlicher Blick auf beide Bereiche. Wo könnten sich schulmedizinische Behandlung und Massnahmen aus der Naturheilkunde ergänzen?

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Wer schon einmal mit einer ernsthaften Erkrankung beim Arzt war, kann ein Lied davon singen, wie sehr ihm die Worte des Arztes Angst und Panik einflössten.

Besonders angsteinflössend, wenn nicht sogar regelrecht lähmend sind Prognosen wie:

„Ihre Erkrankung ist chronisch und unheilbar, da kann man nicht mehr viel machen. Nehmen Sie Ihre Medikamente und lernen Sie, mit Ihrer Krankheit zu leben.“

Angesichts der wachsenden Zahl von Menschen, die ihre Krankheit – mit einem ganzheitlichen Konzept aus der Naturheilkunde – selbst heilten (ganz gleich ob Rheuma, Hashimoto, Krebs, Leukämie, Reizdarm oder was auch immer), sollte auch Schulmedizinern langsam klar sein, dass es „unheilbar“ nicht gibt bzw. man dieses Wort schon allein aus psychologischen Gründen dem Patienten gegenüber nicht ausspricht. Wenn nämlich auch Ärzte der Schulmedizin ihren Patienten Mut machen würden, blieben Heilberichte sicher keine Einzelfälle mehr.

Vorwurf 1: Naturheilkunde wirkt nicht – Schulmedizin schon

Die Zahlen der Demenzbetroffenen – so heisst es weiter in besagtem Artikel – werden immer weiter steigen. Weltweit gibt es bereits geschätzte 47 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind.

Daneben gibt es noch einmal so viele, die fürchten, irgendwann einmal Opfer dieser Krankheit zu werden.

Alle diese Menschen sind auf der Suche nach Möglichkeiten, wie sie ihre Demenzsymptome (oder die ihrer Angehörigen) lindern oder einer möglichen Demenzerkrankung vorbeugen könnten und seien daher ein „gefundenes Fressen“ für die Händler alternativmedizinischer Präparate.

Zwar seien diese Nahrungsergänzungen vollkommen legal, doch gäbe es für deren Wirkung in der wissenschaftlichen Literatur keinerlei Belege, zumindest nicht in Bezug auf Demenz.

Doch das Internet, Zeitungen und auch die Radio- oder TV-Werbungen seien voll mit Anzeigen oder Spots für Nahrungsergänzungsmittel, die einer Demenz vorbeugen sollen. Keines dieser heute bekannten Mittel könne den kognitiven Verfall aufhalten – so die drei Forscher.

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Es greift zu kurz, die Naturheilkunde pauschal als unwirksam oder gefährlich darzustellen. Wir haben auf unserer Seite zahlreiche Hinweise und Studien zu Mitteln aus der Naturheilkunde, die eine Demenztherapie begleiten könnten, vorgestellt.

Und auch die schulmedizinische Demenztherapie kann die Erkrankung nicht heilen, sondern den Verlauf bestenfalls etwas verzögern – und das oft nur bei einem Teil der Betroffenen.

Man weiss, dass die Wirkung schulmedizinischer Demenzmedikamente nicht nur zu wünschen übrig lässt, sondern man muss ausserdem mit teilweise schweren Nebenwirkungen rechnen (4).

Selbst auf der Gesundheitsinformationseite des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) liest man zur Wirkung von z. B. Memantin, eines der am meisten verordneten Demenzmedikamente, dass dieses nur bei 1 von 10 Menschen die Krankheit etwas verzögern könne. Das Risiko für Nebenwirkungen hingegen ist bei allen 10 Menschen gleich hoch (2). Dazu weiter unten mehr.

Vorwurf 2: Bei Naturheilkunde fehlen Belege für die Wirksamkeit

Meist würden Mittel aus der Naturheilkunde mit einzelnen Fall- oder Erfahrungsberichten beworben, die sehr überzeugend seien, aber natürlich nicht als Beleg für die Wirksamkeit dienen könnten, so wird die Alzheimer‘s Association zitiert.

Hersteller dieser Supplemente müssten keine Belege für die Wirksamkeit ihrer Mittel zur Verfügung stellen. Auch seien Nahrungsergänzungsmittel von der FDA (US-amerikanischen Lebensmittelbehörde) nicht etwa wie Medikamente auf ihre Sicherheit hin getestet, was gefährlich sei, denn schliesslich könnten diese Produkte einfach so ohne jedes Rezept gekauft werden.

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Leider schützen auch die für Demenzmedikamente vorliegenden Wirksamkeitsbelege nicht vor deren Gefährlichkeit, wie jeder weiss, der Beipackzettel lesen kann und hier vor allen Dingen die Rubrik „Nebenwirkungen“, die gerade bei Demenzmedikamenten ungewöhlich lange Listen mit teilweise höchst unangnehmen Symptomen und Beschwerden enthält – Listen, die man bei natürlichen Mitteln deshalb nicht findet, weil es sie nicht gibt.

Derzeit gibt es insbesondere vier Medikamente, die für die Behandlung der Demenz zugelassen sind: Drei sog. Cholinesterasehemmer (Donepezil, Rivastigmin und Galantamin) für die Therapie leichter bis mittlerer Demenzen sowie Memantin für moderate bis schwere Demenzen.

Memantin

Memantin (Handelsnamen: Axura®, Ebixa®) ist ein Stoff, der den Botenstoff Glutamat im Gehirn hemmt (5). Man hofft, mit der dämpfenden Wirkung von Memantin die Demenz etwas hinauszögern zu können. Man sieht also, dass das Medikament nicht dafür entwickelt wurde, eine Demenz zu heilen.

Zu langfristigen Wirkungen kann die Schulmedizin nicht das Geringste sagen, weil es dazu kaum Studien gibt. Die längsten Memantin-Studien dauerten meist um die 12 Monate – und das bei einer Erkrankung, die sich bekanntermassen über viele Jahre erstrecken kann.

Nebenwirkungen von Memantin

Zu den häufigen Nebenwirkungen vom Memantin zählen Schwindel, Kopfschmerz, Müdigkeit, Verstopfung, erhöhter Blutdruck und Schläfrigkeit.

Erhöhter Blutdruck gilt als enormer Risikofaktor für Demenz und sollte bei bereits bestehender Demenz unbedingt verhindert werden. Weitere Nebenwirkungen sind: Motorische Unruhe, Verwirrtheit und Halluzinationen.

Hier handelt es sich somit um genau jene Beschwerden, die mit einer Demenz einhergehen können.

Cholinesterase-Hemmer

Die Cholinesterase-Hemmer Donepezil (z. B. Aricept®), Galantamin (z. B. Reminyl®) und Rivastigmin (z. B. Exelon® von Novartis) sollen u. a. die Leistungsfähigkeit des Gehirns bei Demenzkranken positiv beeinflussen können (6). Die Mittel wirken dem bei Demenz üblichen Acetylcholinmangel entgegen. Acetylcholin ist – ähnlich wie Glutamat – ein Botenstoff im Gehirn.

Auch mit diesen Medikamenten wurden die meisten Studien nur auf eine Dauer von 3 bis 6 Monaten ausgelegt. Nur vereinzelt gibt es Studien, die ein oder zwei Jahre dauerten.

Lediglich von 2005 liegt eine dreijährige Studie vor, in der die Wirkung von Donepezil mit der von Vitamin E und in einer dritten Gruppe mit der Wirkung eines Placebos verglichen wurde. Nach Ablauf der ersten 12 Monate sah es zwar erst so aus, als könne Donepezil im Vergleich zu den beiden anderen Mitteln die Krankheit verlangsamen, am Ende der Studie jedoch war kein Unterschied zwischen den drei Gruppen mehr feststellbar (10).

Nebenwirkungen von Cholinesterase-Hemmern

Cholinesterase-Hemmer können zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen (abnormer und lebensbedrohender Muskelabbau mit nachfolgender Nierenerkrankung oder Veränderungen des Bewusstseins), weshalb eine entsprechende Warnung im Beipackzettel die Rubrik der Nebenwirkungen einleitet (7).

Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen der Cholinesterase-Hemmer zählen zudem Durchfall, Übelkeit und Kopfschmerzen, zu den immerhin noch häufig auftretenden Nebenwirkungen Ohnmacht, Schwindel, Schlaflosigkeit, Erbrechen, Inkontinenz, Tinnitus usw. usf.

Studien zur Medikamentensicherheit vom Hersteller finanziert

Zudem werden die sog. „Belege“ für schulmedizinische Medikamente ausschliesslich von den Herstellerfirmen herbeigeschafft (so auch bei Demenzmedikamenten), was deren Glaubwürdigkeit nicht gerade erhöht.

Denn wie oft hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass gerne nur die für den Hersteller nützlichen Studien präsentiert werden, während man die anderen – die entweder keinen Nutzen oder zu starke Nebenwirkungen ergaben – unauffällig verschwinden liess?

Vorwurf 3: Nahrungsergänzungen sind gefährlich

Zu den gefährlichen Supplementen gehöre beispielsweise das Vitamin E, das man überall kaufen könne und das sogar das Risiko für Schlaganfälle erhöhen könne, ja, es könne sogar zum Tode führen – und zwar, wenn man es im Übermass zu sich nehme.

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Das Risiko für eine bestimmte Schlaganfallvariante erhöhte sich in Vitamin-E-Studien tatsächlich, allerdings bei Dosen um die 260 bis über 500 mg Vitamin E, wobei es sich um die bis zu 40-fache Dosis des Vitamin-E-Tagesbedarfs handelt (der bei 12 mg liegt), was einer Überdosis gleichkommt. Überdosen sind jedoch NIEMALS ratsam – ganz gleich, welchen Stoff man nimmt.

Auch ist Vitamin E nicht mehr gerade DAS typische Nahrungsergänzungsmittel, das man bei Demenz oder zur Prävention derselben empfehlen würde, zumindest nicht als einziges Mittel.

Stattdessen kommt eine Kombination aus verschiedenen Massnahmen zum Einsatz: gesunde Ernährung, Bewegung, Gehirntraining und je nach Bedarf Nahrungsergänzungen wie z. B. Omega-3-Fettsäuren, Curcumin, Ginkgo, Vitamin B12 bzw. B-Komplex, Vitamin D und Vitamin K2, Magnesium und falls erforderlich auch Vitamin E in angemessener Dosis.

Zeitgleich müssen die Medikamente überprüft werden, die ältere Menschen oft in nicht mehr überschaubarer Menge und Zahl einnehmen und die nicht selten zu demenzähnlichen Symptomen führen können, etwa Antidepressiva, Schlafmittel, Diuretika, Anticholinergika oder auch die Kombination nicht kompatibler Medikamente, selbst Krankenhaus-Aufenthalte können zur Demenz führen.

Ein solch ganzheitliches Konzept ist weder gefährlich noch tödlich, sondern wirkt sich äusserst positiv auf das Befinden der Betroffenen aus – auch auf viele andere Beschwerden, Bluthochdruck, Diabetes, Herzkrankheiten und viele weitere mehr.

Vorwurf 4: Fragen nach Nahrungsergänzungen kosten den Arzt wertvolle Zeit

Kritisiert wird auch, dass Berichte zu Nahrungsergänzungen oft einen wissenschaftlichen Touch hätten, so dass der unbedarfte Verbraucher nicht mehr unterscheiden könne, ob es hier nun um echte Medikamente gehe oder um „Pseudomedizin“. Die letztere sei natürlich reine Geldverschwendung und potentiell schädlich – was im gesamten Artikel mindestens dreimal wiederholt wird.

Wenn man dann als Arzt in der Sprechstunde mit dem Patienten erst einmal über Nahrungsergänzungen diskutieren müsse, dann ginge wertvolle Zeit verloren, die der Arzt doch besser nutzen solle, um seinem Patienten schulmedizinische Therapien zu unterbreiten.

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Genau das ist schade, dass sich Ärzte in den allermeisten Fällen keine Zeit nehmen möchten, dem Patienten Tipps für begleitende Massnahmen aus der Naturheilkunde zu geben.

Von der Intelligenz, beide Therapieformen kombiniert einzusetzen – die Schulmedizin, wo sinnvoll, und die Naturheilkunde, wo hilfreich – ist man also noch meilenweit entfernt.

Vorwurf 5: Naturheilkunde ist reine Scharlatanerie

Selbstverständlich seien mit „Pseudomedizin“ auch nicht nur Nahrungsergänzungsmittel gemeint, sondern noch andere Massnahmen aus der Naturheilkunde, die das Demenzrisiko verringern oder entsprechende Symptome lindern könnten, wie etwa Entgiftungskuren, Chelattherapien, intravenös verabreichte Nährstoffe usw., was natürlich alles reine Scharlatanerie sei.

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Gerade „Entgiftungskuren“, wie z. B. eine Darmsanierung könnten sich auch bei einer Demenz positiv auswirken. Sie kosten nicht viel und können – wie jede ganzheitliche Massnahme – das Gesamtbefinden massgeblich verbessern.

Noch ist man in den Anfängen der Darmflora-Forschung, doch weisen schon erste Studien darauf hin, dass eine gestörte Darmflora die Demenzentwicklung fördern kann. Warum sich nicht schon jetzt um einen gesunden Darm kümmern und probiotische Präparate einnehmen?

Vorwurf 6: Bei Nahrungsergänzungen geht es nur um den Profit

In manchen Fällen – so die drei Forscher – könnte der behandelnde Arzt jedoch durchaus eine komplementäre Therapie aus der Naturheilkunde vorschlagen. Das aber sei dann etwas ganz anderes, da der Arzt ja keinen finanziellen Profit davon habe. Dieser müsse daher unbedingt seinen Patienten und deren Familien dabei helfen, zwischen echten evidenz-basierten Medikamenten und pseudomedizinischen Mitteln zu unterscheiden.

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Die Autoren des Artikels sind drei Wissenschaftler der University of California, San Francisco, darunter Dr. Gil D. Rabinovici, Professor der Neurologie, der nach eigenen Angaben von mindestens sieben Biotech- bzw. Pharmaunternehmen gesponsert wird, die allesamt u. a. fieberhaft an der Entwicklung von Medikamenten gegen Demenz arbeiten bzw. bereits mit solchen auf dem Markt sind.

Dr. Rabinovici mag also möglicherweise keine finanziellen Vorteile haben, wenn er Mittel und Massnahmen aus der Naturheilkunde empfiehlt. Doch er macht eindeutig Profite, wenn er von ihnen abrät und seinen Patienten stattdessen zu den Mitteln seiner Sponsoren rät.

Fazit: Naturheilkunde und Schulmedizin sinnvoll kombinieren

Bei Demenz brauchen Betroffene und Angehörige vor allem eines: ehrliche Information. Die Schulmedizin kann in bestimmten Situationen hilfreich sein, stösst bei Demenz aber an ihre Grenzen. Gleichzeitig sollte Naturheilkunde nicht pauschal als Pseudomedizin abgetan werden, nur weil nicht jede einzelne Massnahme bereits umfassend untersucht ist.

Der beste Weg ist daher kein Gegeneinander von Schulmedizin und Naturheilkunde, sondern eine sinnvolle und individuell zusammengestellte Kombination – zum Wohl der Betroffenen und ihrer Familien.

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Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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