Mammographie
Frauen werden durch Informationen der Krebsindustrie verunsichert. Die Ärzte erstellen viel zu schnell Diagnosen und verordnen unnötig oft eine Mammographie. Dies kann das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, zusätzlich erhöhen.
Veröffentlichung am 19.10.2010 um 12:12 Uhr / Aktualisierung am 27.02.2012 um 16:53 Uhr 
(Zentrum der Gesundheit) - Ein dänisches Forscherteam stellte fest, dass die Gefahr, an Brustkrebs zu sterben, um so geringer wird, je seltener sich Frauen einer Mammographie unterziehen. Die verstärkt stattfindenden Mammographien hatten keinerlei positive Effekte.
Frau beim Mammographie-ScreeningIn Dänemark wird seit Anfang der neunziger Jahre ein Mammographie-Screening-Program für Frauen angeboten, die (...) entweder in Kopenhagen oder auf der Insel Fünen leben.
Die sog. Kopenhagen-Studie hatte im Jahre 2005 die Ergebnisse dieses Brustkrebs-Früherkennungsprogrammes ausgewertet und verkündet, dass die enorm gestiegene Zahl der Mammographien für die nun um 25 Prozent gesunkene Zahl jener Frauen verantwortlich wäre, die in Kopenhagen an Brustkrebs gestorben seien. Regelmäßige Mammographie-Screenings schienen dieser Studie zufolge also wirklich Leben zu retten.
Dann aber stellten Wissenschaftler des ebenfalls in Kopenhagen ansässigen Nordischen Cochrane Centers fest, dass die Kopenhagen-Studie einige methodische Fehler aufwies und daher keine sonderliche Aussagekraft besitze. Sie werteten jene Daten aus, die in der Kopenhagen-Studie ignoriert worden waren – und kamen zu einem vollkommen anderen Ergebnis, nämlich: Die verstärkt stattfindenden Mammographien hatten keinerlei positiven Effekt.
Die Wissenschaftler beklagten, dass in der Kopenhagen-Studie lediglich die Daten aus Kopenhagen ausgewertet worden seien, nicht aber diejenigen von der Insel Fünen. Man hatte außerdem nur eine bestimmte Altersgruppe in die Analyse mit einbezogen. Besonders auffallend jedoch war, dass die Zahl der Brustkrebs-Sterbefälle bereits drei Jahre nach Einführung des Mammographie-Programmes zu sinken begonnen hatte.
Diese Tatsache aber lasse gleich von vornherein einen positiven Zusammenhang ausschließen, da ein beim Screening früherkannter Tumor nicht innerhalb von drei Jahren gleichzeitig wachsen könne, behandelt werden und schließlich die Frau unter Umständen sterben lassen könne. Der Verdacht liege also nahe, dass es sich beim Rückgang der Sterblichkeitsrate um eine bloße Korrelation handle und die sinkende Zahl der Brustkrebsopfer folglich ganz andere Ursachen habe.
Das Forscherteam verglich die Brustkrebstodesfälle in Kopenhagen und Fünen (wo Mammographie-Screening-Programme angeboten wurden) mit denen aus solchen Regionen, wo es keine Mammographie-Screening-Programme gab. Sie untersuchten sowohl die Sterberaten in den zehn Jahren vor Beginn der Mammographie-Screenings als auch jene in den zehn Jahren nach Einführung des Screenings. Die Ergebnisse dieser Analyse zeigten, dass die Todesfälle auf Grund von Brustkrebs bei Frauen zwischen 55 und 74 Jahren in den Gebieten mit regelmäßigen Screenings um 1 Prozent sanken. In Gebieten aber, wo keine regelmäßigen Screenings üblich waren, sank die Sterberate der Frauen aus derselben Altersgruppe um 2 Prozent.
Ein ähnlicher Trend konnte auch bei jüngeren Frauen festgestellt werden. Die Brustkrebssterblichkeit der 35- bis 54jährigen Frauen sank um 5 Prozent in den Screening-Gebieten und sogar um 6 Prozent in den Regionen ohne Screening. Die Altersgruppe der 75- bis 84jährigen Frauen zeigte schließlich überhaupt keinen Unterschied mehr zwischen der Brustkrebssterblichkeit in den verschiedenen Regionen.
Wie konnte in der Kopenhagen-Studie dann aber die Rede davon sein, dass die Sterblichkeitsrate um 25 Prozent gesunken ist? Diese Zahl suggeriert, dass durch Vorsorgeuntersuchungen mit Mammographie-Screenings von 100 Frauen 25 weniger an Brustkrebs sterben.
In Wirklichkeit sehen die Zahlen in vielen Studien aber beispielsweise so aus: Von 1000 Frauen, die am Screening teilnehmen, sterben drei an Brustkrebs. Ohne Screening sterben vier (nur in diesem Beispiel, nicht in der Realität!). Die relative Risikoreduktion von vier auf drei beträgt 25 Prozent. Eine solche Zahl – ohne die entsprechende Erklärung über ihr Zustandekommen – führt natürlich zu (beabsichtigten?) Missverständnissen und die meisten Frauen überschätzen daher ganz enorm den Nutzen einer Mammographie.
„Wir waren nicht in der Lage einen Effekt des dänischen Screening-Programmes auf die Sterblichkeitsrate festzustellen,“ schlossen die Forscher in ihrer Studie, die erst kürzlich im British Medical Journal (BMJ) veröffentlicht wurde. „Eine viel wahrscheinlichere Erklärung für die sinkende Mortalitätsrate bei Brustkrebs könnte in besseren Lebensbedingungen, besseren Behandlungsmethoden oder einer Abnahme der Risikofaktoren begründet sein.“
So würden beispielsweise heutzutage weitaus weniger Frauen mit der bislang als Brustkrebs-Risikofaktor geltenden Hormonersatztherapie behandelt werden.
Zwei Mitglieder des dänischen Forschungsteams veröffentlichten in der Märzausgabe des polnischen Fachblattes Polskie Archiwum Medycyny Wewnetrznej einen erneuten Bericht zum Thema Mammographie-Screening. Darin fassten sie ihre Forschungsergebnisse mit den folgenden Worten zusammen: „Mammographien können in manchen Fällen tatsächlich einen vorzeitigen Tod durch Brustkrebs verhindern und den betroffenen Frauen eine Therapie mit einer weniger aggressiven Therapie als üblich ermöglichen.
Viel mehr Frauen jedoch werden aufgrund von Mammographien überdiagnostiziert, bekommen gar falsche Positivergebnisse und erhalten daraufhin vollkommen unnötige Behandlungen.“ Genau diese Frauen sind es dann, die zu den scheinbar positiven Bewertungen von Mammographie-Screenings führen. Frauen, die ohne Screening mindestens genauso gesund blieben und genauso alt werden würden wie mit Screening.
Die Betonung liegt hier auf „mindestens“, denn der Schock einer Krebsdiagnose (dass es eine falsche war, werden die betreffenden Frauen nie erfahren) und die Nebenwirkungen der unnötigen Behandlungen sorgen dafür, dass die Frauen eine weitaus schlechtere Ausgangsposition bezüglich ihrer Lebenserwartung und gesundheitlicher Allgemeinverfassung haben als Frauen, die nie das Vergnügen einer Mammographie hatten.
In den letzten Jahren erschienen außerdem immer mehr Studien, die Mammographien sogar direkt als Auslöser für einige Krebserkrankungen bezeichnet hatten. In den Archives of Internal Medicine im Jahre 2008 beispielsweise wurde eine Untersuchung veröffentlicht, die einen direkten Zusammenhang zwischen dem Beginn flächendeckender Mammographien und einer wachsenden Brustkrebsrate (nicht Sterblichkeits-, sondern Erkrankungsrate) in Europa enthüllte.
Generelle Brustkrebsfrüherkennung nach dem 69. Lebensjahr bietet keinen Vorteil
Das ist hier kein Aufruf, sich bei einer Krebsdiagnose nicht behandeln zu lassen. Es geht viel mehr hauptsächlich darum, dass man sich Informationen aus verschiedenen Quellen holt und sich nicht nur auf die Aussagen der Schulmedizin verlässt. Es geht um das eigene Leben – Überleben. Und genau deswegen sollte man auch dementsprechend Eigenverantwortlich damit umgehen, also die Verantwortung nicht zur Gänze an andere abschieben. Letztendlich ist es immer Ihre eigene Entscheidung, welche Methode der Behandlung Sie für sich auswählen. Denn niemand außer Ihnen selbst, wird die Konsequenzen dafür tragen müssen.
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