Krebs: Pasteurisierte Kuhmilch unter Verdacht


Harvard-Studie warnt vor krebserregendem Hormongehalt in Kuhmilch aus industriellen Milchbetrieben. Ist Rohmilch die bessere Alternative?

 



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letzte Aktualisierung am 02.05.2016  Drucken Sie diese Seite Artikel als PDF herunterladen

Krebserregende Hormone in Milch

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(Zentrum der Gesundheit) – Milch zählt vermutlich zu den umstrittensten Lebensmitteln. Die einen schätzen sie vor allem als Calcium-Quelle und verzehren sie regelmässig auch in Form von Joghurt, Käse und Co. Andere lehnen sie aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen ab. Dass Milch jedoch nicht gleich Milch ist, macht eine Studie der Harvard University zum Hormongehalt in Kuhmilch deutlich. Entgegen der gängigen Meinung aus der Milchindustrie entpuppt sich das weisse Elixier tatsächlich weniger als "Muntermacher" denn als hormongeladener potentieller Krebserreger.

Milch und Milchprodukte enthalten krebserregende Hormone © OLENA GIZOVA 254914621- Shutterstock.com

Pasteurisierte Kuhmilch enthält krebserregende Hormone

Der mögliche Zusammenhang zwischen Krebs und Hormonen, die durch die Nahrung aufgenommen werden, ist Wissenschaftlern seit langem ein Dorn im Auge. Eine Studie der Harvard University setzte pasteurisierte Kuhmilch aus industriellen Milchbetrieben nun mit hormonbedingten Krebserkrankungen in Verbindung.

Hinsichtlich der Östrogenbelastung für den Menschen macht uns Kuhmilch am meisten Sorgen, da sie eine beträchtliche Menge an weiblichen Geschlechtshormonen enthält,

erklärte Dr. Ganmaa Davaasambuu, Ph.d., Leiterin der Studie. Das krebserregende Potential von natürlichen Östrogenen sei bis zu 100.000-mal höher als beispielsweise jenes von hormonähnlichen Substanzen in Pestiziden.

Das gesundheitliche Risiko von pasteurisierter Milch führten die Wissenschaftler auf den fabrikartigen Melkprozess in der Massentierhaltung namens "concentrated animal feeding operations" (CAFO) zurück. Milch der auf diese Weise gemolkenen Kühe enthalte zu viel Estronsulfat.

Diese Östrogenverbindung steht unter Verdacht, Hoden-, Prostata- und Brustkrebs erzeugen zu können. Doch was unterscheidet industrielle von traditionellen Melkpraktiken?

Industrielle Melkprozesse bewirken Hormonanstieg in Milch

In industriellen Molkereien werden Kühe bis zu 300 Tage im Jahr gemolken, um das Milchpotential der "Nutztiere" möglichst auszuschöpfen. Vor allem das Melken trächtiger Kühe könnte jedoch eine Ursache für hormonbedingte Krebserkrankungen sein. Denn je weiter eine Kuh in ihrer Schwangerschaft ist, desto hormonhaltiger ist ihre Milch. So enthält Milch hochschwangerer Kühe einen bis zu 33-mal höheren Estronsulfat-Gehalt als Milch von Kühen, die gerade gekalbt haben.

Besonders eindeutig zeigte sich die Hormondifferenz zwischen Kuhmilch aus modernen Milchbetrieben und Rohmilch von mongolischen Kühen.

In traditionellen Hirtengesellschaften wie der Mongolei werden Kühe nur für den Eigenbedarf gemolken, und zwar höchstens fünf Monate im Jahr und nur im Frühstadium einer Schwangerschaft,

begründete Dr. Davaasambuu die Messwerte der international angelegten Studie. Entsprechend falle das Hormonlevel mongolischer Kuhmilch deutlich niedriger aus.

Der Konsum extrem hormonhaltiger Milch- und Milchprodukte aus profitgesteuerter Milchwirtschaft ist für das Forschungsteam der Harvard University ein klares Indiz für die Häufigkeit hormonbedingter Krebserkrankungen. Der Zusammenhang zwischen Milch und Krebs ist jedoch schon länger bekannt, wie frühere Studien belegen.

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Auch frühere Krebsstudien verwiesen auf Milchkonsum

In einer internationalen Vergleichsstudie bestätigte sich Dr. Davaasambuus Hypothese, dass der Verzehr von Milchprodukten die Wahrscheinlichkeit erhöhe, an Krebs zu erkranken. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und Krebsraten in 42 Ländern. Es stellte sich heraus, dass es eine Beziehung zwischen Milch- bzw. Käsekonsum und Hodenkrebs gibt. Am höchsten waren die Krebsraten in der Schweiz und in Dänemark, in Ländern also, wo Käse eine Art Nationalessen ist. Länder wie Algerien, in denen Milchprodukte seltener konsumiert werden, melden hingegen weniger Krebserkrankungen.

Ein deutlicher Zusammenhang zwischen Milch und Krebs zeichnet sich auch in Japan ab. So sei mit dem gesteigerten Milchkonsum im Laufe der letzten 50 Jahre auch die Zahl der Prostatakrebs-Erkrankungen gestiegen. Brustkrebs-Studien warnten wiederum konkret vor Milch und Käse. Eine weitere Studie bestätigte, dass Ratten, die mit Milch gefüttert wurden, eher Tumoren entwickelten als Ratten, die stattdessen Wasser tranken.

Als Konsumenten müssen wir den gesundheitlichen Nutzen von handelsüblichen Milchprodukten, wie er uns seitens der Milchlobby verkauft wird, hinterfragen. Versteckt sich hinter der Massenware Milch nicht vielmehr eine geschickt vermarktete Mogelpackung?

Pasteurisierung – Heutige Milch ist kein Naturprodukt mehr

Kinder, trinkt Milch, damit ihr gross und stark werdet! Erwachsene, trinkt Milch für starke Knochen! – So ähnlich lauten die Parolen der Milchwerbung, die uns tagtäglich unserer Gesundheit zuliebe die Extra-Portion Milchans Herz legen. Zwar schätzten schon die alten Sumerer, Ägypter, Inder, Griechen und Römer vor tausenden von Jahren frische Milch als heilsames Elixier und begannen die Quark-, Butter- und Käsezubereitung zu kultivieren. Die heutige handelsübliche Supermarktausgabe ist jedoch kein echtes Naturprodukt mehr und ihre heilkräftigende Wirkung ist äussert fraglich.

Die Milch, die wir heutzutage zu uns nehmen, hat kaum noch etwas mit der Milch zu tun, die unsere Vorfahren getrunken haben,

stellte Dr. Davaasambuu in der Harvard University Gazette klar.

Entscheidend für die "Milchwende" war die Entdeckung ihrer Haltbarmachung im 19. Jahrhundert durch Louis Pasteur. Die sogenannte Pasteurisierung umfasst die Erhitzung der Milchauf 60 bis 90 Grad und ihre darauffolgende schnelle Abkühlung. Bei diesem Verfahren werden sowohl schädliche Mikroorganismen als auch Milchsäurebakterien abgetötet. Letztere lassen Frischmilch normalerweise schnell sauer werden. Die Pasteurisierung bescherte uns stattdessen die haltbare "H-Milch". Die industrielle Milchwirtschaft war geboren. Doch zu welchem Preis?

Massenproduktion fördert Massenbeschwerden

Aus dem massvollen Milchkonsum unserer Vorfahren hat sich in unseren Breitengraden eine regelrechte Milch-Völlerei entwickelt. Rund 67 Liter Milch verbraucht der Durchschnittsdeutsche im Jahr. Entsprechende Regieanweisungen für unseren Milchkonsum gibt die Milchindustrie in Form von Werbung nach dem Motto "Mehr is(s)t mehr". Mögliche Begleiterscheinungen, die unsere moderne haltbare Milch mit sich bringen kann (z.B. Erkältungs- und Infektionsanfälligkeit, Darmprobleme, Atemwegs- und Hauterkrankungen), werden in den Mainstream-Medien geradezu totgeschwiegen.

Denn mit der Pasteurisierung haben wir nicht nur eine längere Haltbarkeit von Milch gewonnen. Die Erhitzung zerstört auch das für die Milchzuckeraufspaltung wichtige Enzym Laktase. Laktoseintolerante Menschen bekommen das Fehlen dieses Verdauungshelfers in Form von Durchfall, Blähungen, Krämpfen oder Völlegefühl zu spüren. Zur Unverträglichkeit von Kuhmilch könnten auch das durch die Pasteurisierung denaturierte Milcheiweiss (Kasein) oder das durch die Homogenisierung veränderte Milchfett führen. Fraglich ist darüber hinaus der tatsächliche Vitamin- und Mineraliengehalt in erhitzter Milch sowie der Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Osteoporose. (Weitere Informationen zur Qualität von Kuhmilch finden Sie hier: Qualität von Kuhmilch)

Mit der Krebsstudie der Harvard University erreicht die industrielle Milchproblematik jedoch eine neue Dimension. Dank der "verbesserten" Produktionsbedingungen und des Pasteurisierungsverfahrens wurden aus Weidekühen Milchmaschinen und aus frischer Rohmilch wurde ein hormonhaltiges Kunstprodukt. Es ist Milch von Kühen, die ihr Leben unter Medikamenteneinfluss in der Massentierhaltung fristen, mit schwer verdaulichem Kraftfutter gemästet werden und sich jährlich einer künstlichen Besamung unterziehen müssen, um uns Menschen eine nahezu lückenlose Milchproduktion zu ermöglichen.

Ist biologische Rohmilch von artgerecht gehaltenenWeidekühen deshalb die bessere Wahl?

Rohmilch als Alternative?

Auch Rohmilch-Produzenten müssen sich den Vorwurf einer zweifelhaften Praktik gefallen lassen. Keine andere Spezies als der Mensch bedient sich an der Milch artfremder Lebewesen. Auch die unbehandelte Rohmilch von Weidekühen sollte einzig und allein ihren Kälbern vorbehalten sein.

Nichts destotrotz betont Dr. Davaasambuu die Komplexität von Milch als Lebensmittel. Sie liefert wertvolle Nährstoffe wie Calcium und Vitamin D. Im Gegensatz zu wärmebehandelter Milch aus industriellen Milchbetrieben enthält Roh- bzw. Vorzugsmilch von Gras fressenden Kühen, die für den menschlichen Verzehr lediglich gefiltert wird, zudem sämtliche Aminosäuren, Omega-3-Fettsäuren, B-Vitamine, Vitamin C, Folsäure und Enzyme wie Laktase, welche durch die Pasteurisierung grösstenteils zerstört würden.

Die in Rohmilch angesiedelten Bakterien sollen ausserdem die Verdauung optimieren, das Immunsystem stärken sowie Allergien und Asthma vorbeugen können. Zu untersuchen ist dieHeilwirkung von Rohmilch bei Autoimmunerkrankungen. Ebenfalls diskutiert werden die möglicherweise präventiven oder gar heilenden Eigenschaften von Rohmilch-Substanzen im Fall von Arthritis, Arteriosklerose und Krebs.

Ob Rohmilch tatsächlich in der alternativen Krebstherapie zum Einsatz kommen sollte, bleibt offen. Als gesichert gilt aber, dass Rohmilch aufgrund der auf sechs Monate begrenzten Melkperiode deutlich weniger krebserregende Hormone enthält als die industriell gezapfte Variante.

Die Milchindustrie zeigt sich gleichwohl unbeeindruckt von den gesundheitlichen Vorzügen von Rohmilch. Zu effektiv ist das Konzept der massentauglichen Milchwirtschaft, als dass die Interessen von Rohmilchbauern auf Gehör stossen könnten.

Fazit

Milch in ihrer heute handelsüblichen Qualität muss als industriell verarbeitetes Kunstprodukt betrachtet werden, das dem menschlichen Organismus eher schadet als nützt. Sie wirkt nicht nur säurebildend und verschleimend, sondern rückt auch Laktoseintoleranten und Kasein- bzw. Molkeneiweissallergikern zu Leibe. Krebsstudien wie jene der Harvard University sollten Verbraucher zum Umdenken bewegen und zu Alternativen greifen lassen.

Dr. Davaasambuu plädiert für eine gemässigte Milchwirtschaft im Sinne des mongolischen Models, in der schwangere bzw. hochschwangere Kühe nicht gemolken werden, um die Hormongefahr einzudämmen. Dabei könnten wir dem Milch-Dilemma problemlos entkommen, indem wir auf nährstoffreiche pflanzliche Milch wie Hafer-, Reis-, Mandel-, Haselnuss- oder Sesammilch zurückgreifen und unseren Calcium-Bedarf über grünes Blattgemüse decken.

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(1)

VeggieMetzger
geschrieben am: sonntag, 30. dezember 2012, 19:28
eMail-Adresse hinterlegt

Vielen Dank für diesen sehr interessanten Artikel, auf den ich durch einen Hinweis auf Utopia.de gestoßen bin. Das Thema wird leider in dem jüngst im oekom verlag erschienen Buch nicht gewürdigt. Das wäre mal eine Rezension wert. Für alle, die auf Milch verzichten wollen, gibt es tolle Alternativen, auch im Bereich Süßigkeiten




Zentrum der Gesundheit:

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