Olivenöl
Olivenöl ist voller Nährstoffe und gilt seit Jahrhunderten in vielen Kulturen als traditionelles Nahrungsmittel.
Veröffentlichung am 16.12.2009 um 09:04 Uhr / Aktualisierung am 04.01.2012 um 16:26 Uhr 
(Zentrum der Gesundheit) - Olivenöl schützt bewiesenermaßen die Gesundheit. Forscher entdecken im Öl der mediterranen Frucht immer mehr Substanzen mit teilweise überwältigenden Wirkungen, zum Beispiel bei Brustkrebs, Herzerkrankungen, Diabetes und neuerdings auch bei Depressionen und dem sog. Metabolischen Syndrom(1).
Olivenplantage in ItalienIn den Mittelmeerländern sind die Menschen gesünder. Dort erkranken weit weniger Menschen an Arteriosklerose und Herzinfarkt als in unseren nördlichen Breiten. Auch ist die Sterblichkeitsrate auf Grund von Dickdarmkrebs dort bedeutend niedriger. Wissenschaftliche Untersuchungen kamen bei der Suche nach dem Schutzfaktor dieser Menschen dem Olivenöl als einem Hauptbestandteil der mediterranen Ernährung auf die Spur.
In Ländern wie Griechenland, Spanien und Süditalien dient das Olivenöl als Hauptfettquelle. Tierische Fette dagegen werden nur wenig verwendet. Da es einen nicht mehr zu leugnenden Zusammenhang gibt zwischen der Aufnahme von tierischen Fetten und dem Risiko, nicht nur an Dickdarmkrebs, sondern auch an Brust-, Prostata- oder Eierstockkrebs zu sterben, ist klar derjenige im Vorteil, der zu hochwertigen pflanzlichen Fettquellen, insbesondere zu Olivenöl greift.
Olivenöl enthält einfach ungesättigte Fettsäuren. Samenöle wie Sonnenblumenöl und Distelöl hingegen enthalten mehrfach ungesättigte Fettsäuren, während tierische Fette voller gesättigter Fettsäuren sind. Im Hinblick auf den Cholesterinspiegel war man sich lange Zeit sicher, gesättigte Fettsäuren (Butter, Schmalz, Wurst, fettes Fleisch, fetter Käse) lassen ihn in die Höhe schnellen, mehrfach ungesättigte drosseln ihn wieder.
Das stimmt zwar heute immer noch, nur weiß man inzwischen, dass die mehrfach ungesättigten Fettsäuren das Gesamtcholesterin senken (also nicht nur das „böse“ LDL-Cholesterin, sondern auch das „gute“ und daher sehr nützliche HDL-Cholesterin). Die einfach gesättigten Fettsäuren des Olivenöls hingegen weisen nur das LDL-Cholesterin in seine Schranken, also jenes Cholesterin, das für die Ablagerungen in den Blutgefäßen verantwortlich ist. Das gute HDL-Cholesterin, das zum Abtransport der schädlichen Gefäßablagerungen führt, bleibt hingegen unangetastet.
Auch hatte sich eine erhöhte Aufnahme von einfach ungesättigten Fettsäuren in Studien äußerst positiv auf Magen- und Darm-Geschwüre sowie auf Gallensteine ausgewirkt. Die Magensäuresekretion wird durch das Olivenöl verringert und der Gallensteinbildung wird vorgebeugt.
Weitere Untersuchungen zeigten, dass selbst das Risiko für Pankreaskrebs durch den vielfältigen Einsatz von Olivenöl gesenkt werden kann. Und letztendlich soll die olivenölreiche mediterrane Küche auch bei der Prävention von Depressionen behilflich sein.
Der hohe Gehalt an Vitamin E und Antioxidantien verzögert zusammen mit den ungesättigten Fettsäuren den Alterungsprozess menschlicher Zellen, insbesondere der Hautzellen. Dieser Effekt macht sich auch dann bemerkbar, wenn Olivenöl äußerlich als Hautpflegeöl zum Einsatz kommt. Direkt nach dem Sonnenbaden aufgetragen soll es nachweislich die Gefahr für Hautkrebs reduzieren.
Jetzt haben Wissenschaftler zudem herausgefunden, dass die im Olivenöl vorhandenen Polyphenole (siehe (2)) solche Gene unterdrücken, die für die Entstehung von Entzündungen zuständig sind.
Genau diese Entzündungsgene sind es, die wiederum beim sog. Metabolischen Syndrom(1) aktiv sind. Dieses Syndrom macht sich durch vier äußerst weit verbreitete Gesundheitsprobleme bemerkbar: Diabetes, Übergewicht (insbesondere im Bauchbereich), hoher Cholesterinspiegel und Bluthochdruck.
Es handelt sich also um eine Zusammenfassung jener Symptome, die letztendlich zu Arteriosklerose, Herzkrankheiten, Schlaganfall und vielen weiteren lebensverkürzenden Ereignissen führen können. Studien haben bereits gezeigt, dass der regelmäßige Genuss von Olivenöl bei Diabetikern zu einem günstigen Blutzuckerprofil führt.
Eine in der Fachzeitschrift BMC Genomics veröffentlichte Studie untersuchte jene Genveränderungen, die von den Polyphenolen im Olivenöl ausgelöst werden. (Phenole sind in nennenswerten Mengen lediglich in echtem nativen Olivenöl Extra enthalten). Die randomisierte Doppel-Blind-Studie wurde in Spanien von Francisco Perez Jimenez von der Universität in Cordoba geleitet und umfasste 20 Teilnehmer, die alle am Metabolischen Syndrom litten.
Über einen Zeitraum von sechs Wochen nahmen die Patienten keinerlei Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente zu sich und erhielten alle dieselbe fettarme und kohlenhydratreiche Ernährung. Das Frühstück der Testgruppe war mit polyphenolreichem nativem Olivenöl Extra zubereitet. Die Kontrollgruppe frühstückte dagegen eine Mahlzeit mit ausgesprochen niedrigem Polyphenolgehalt.
Nach den Mahlzeiten wurde das Blut der Probanden untersucht. Man überprüfte 15.000 Gene und deren Veränderungen. Das polyphenolreiche Olivenöl hatte ganz offensichtlich einen regulativen Einfluss auf fast 100 Gene. Interessanterweise stand ein Großteil dieser hundert Gene in direktem Zusammenhang mit der Entstehung des Metabolischen Syndroms, also mit Diabetes, Übergewicht, einem hohen Cholesterinspiegel, Bluthochdruck und folglich auch mit koronaren Herzerkrankungen sowie Arteriosklerose.
Der Zusammenhang zwischen diesen Gesundheitsproblemen und der Ernährung ist nicht mehr von der Hand zu weisen. Wenn also bereits geringfügige Änderungen im Ernährungsverhalten – wie die Verwendung von hochwertigem nativen Olivenöl Extra – derart positive Ergebnisse nach sich ziehen, dann sollte das doch wirklich jeden zu einer Ernährungsumstellung in Richtung „mediterrane Kost“ motivieren können.
Allerdings muss an dieser Stelle definiert werden, was unter einer typisch mediterranen Ernährung zu verstehen ist. Fast Food und Fertigpizza, H-Milch und der Verzehr von viel fettem Fleisch werden mittlerweile auch im Süden immer beliebter, so dass die aktuelle Ernährungsweise dieser Völker heute kaum mehr als Vorbild dienen kann. In Wirklichkeit stammt die Idee der „Mittelmeerküche“ von Beobachtungen, die im Griechenland der 60er Jahre stattfanden.
Damals ernährten sich die Bewohner Kretas und vieler anderer griechischen und süditalienischen Regionen von viel frischem Gemüse, frisch geernteten Früchten und mäßigen Mengen Milchprodukten in Form von Joghurt und Rohmilchkäse aus Schaf- oder Ziegenmilch. Sie verzehrten nur geringe Mengen Fisch und nur selten Geflügel oder etwas Schaffleisch. Eier gab es pro Woche etwa so viele, wie man an einer Hand abzählen konnte.
Zubereitet waren die Mahlzeiten mit Olivenöl und zum Essen gab es etwas Rotwein.
Heute versorgt sich auch der Mittelmeerraum fast ausschließlich mit verarbeiteten Produkten der Lebensmittelindustrie, verbraucht massenhaft Fleisch- und Milcherzeugnisse aus Massentierhaltung, und auch das nach wie vor tonnenweise verwendete Olivenöl hat längst nicht mehr die gesundheitsfördernde Qualität wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Daher sind die mediterranen Völker derzeit auf dem besten Wege, die nördlichen Regionen auch in Sachen Krankheitsanfälligkeit bald einzuholen.
Olivenöl kann also nur dann all die oben aufgezählten positiven Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben, wenn es von bester Qualität ist. Niedrige Qualitäten enthalten dagegen nicht nur wenig oder keine nützlichen Inhaltsstoffe mehr, sondern sogar schädliche Substanzen. Lesen Sie hier mehr über die Qualität von Olivenöl und wie Sie gutes Olivenöl von schlechtem unterscheiden können.
(1)Metabolisches Syndrom: Das Metabolische Syndrom vereint in sich vier verschiedene Symptome: Insulinresistenz, Adipositas (Fettleibigkeit), Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen. Da diese vier Risikofaktoren für koronare Herzkrankheiten und Arteriosklerose selten unabhängig voneinander in Erscheinung treten, fasst man sie auf diese Weise zusammen und nennt sie gelegentlich auch „Tödliches Quartett“.
(2)Phytonährstoffe werden auch Phytamine oder sekundäre Pflanzenstoffe, etc. genannt. Im Gegensatz zu Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten tragen sekundäre Pflanzenstoffe nicht direkt zum Wachstum der Pflanze bei. Es handelt sich um Substanzen, die der Pflanze ihre Farbe geben oder sie vor Fraßfeinden, Bakterien oder Pilzen schützen.
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(1)
Sehr geehrtes ZdG-Team, zuerst vielen Dank für Ihre großartige Website. Die Tatsache, dass Sie auf alle seriösen Fragen eine ausführliche und professionelle Antwort haben, macht Sie zu einer sehr vertrauenswürdigen Informationsquelle! Meine Frage: Aus Ihren Artikeln habe ich entnommen, dass Leinöl (wegen der Omega 3 Fettsäuren) und Extra Vergines Olivenöl (wegen der oben beschriebenen Eigenschaften) die scheinbar besten Öle für den menschlichen Organismus sind.
1. Kann ich meinen Salat mit einer Mischung aus beiden Ölen (in Verhältnis 50-50) zubereiten oder hätte der Körper Probleme mit der optimalen Verwertung der Inhaltstoffe?
2. Ich habe gelesen, Leinöl und Hanföl sowie einige weitere Öle verfügten lediglich über kurzkettige Omega
3 Fettsäuren, welche nur bedingt die Omega 3 - Vorräte im Gehirn versorgen könnten. Der Artikels verwies auf langkettige Omega 3 Fettsäuren, wie sie ausschließlich in Fischöl und Lebertran zu finden wären.
Danke für die Antwort!
Liebe Grüße, Mischa
Hallo Mischa,
vielen Dank für Ihre Mail.
Das Wichtigste in Sachen Öle und Fette ist, dass die verzehrten Öle in möglichst naturbelassener Form und in Kombination mit ebenfalls möglichst wenig industriell verarbeiteten Lebensmitteln gegessen werden. Ersteres bedeutet, dass nach Möglichkeit, natürliche fettreiche Lebensmittel (Nüsse, Ölsaaten, Oliven, aber auch Kokosöl, Kokosmus oder gar Rohmilchbutter und Bio-Eier) bevorzugt werden. Sind Öle erwünscht, dann ist darauf zu achten, dass sie in erstklassiger Qualität vorliegen, da Öle - gerade jene, die reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind - sehr leicht oxidieren und dann keineswegs mehr günstig sind. Beim Kauf von Ölen ist folglich nicht nur auf Kaltpressung zu achten, sondern auch darauf, dass die Öle sehr frisch sind und nur dann verzehrt werden, wenn bereits der Händler eine optimale Lagerung (bei Leinöl gekühlt und dunkel) garantieren kann. Darüber hinaus sind Pflanzenöle, die reich an Omega-6-Fettsäuren sind, wie z. B. Sonnenblumenöl zu meiden.
Der Organismus kann aus kurzkettigen Omega-3-Fettsäuren, wie sie in Lein- und Hanföl vorkommen, selbständig die langkettigen Omega-3-Fettsäuren bilden, allerdings nur bis zu einem Anteil von 10 Prozent, was jedoch völlig ausreichend ist. Wenn Leinöl also pro 100 Gramm 55 Gramm Alpha-Linolen-Säure enthält, dann kann der Organismus daraus - eine gesunde Stoffwechselaktivität vorausgesetzt - 5,5 Gramm langkettige Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) herstellen.
Vom Leinöl sollte folglich täglich nicht mehr als 1 Esslöffel verzehrt werden, da diese Menge bereits ausreicht, um die in den USA empfohlene EPA/DHA-Zufuhr zu realisieren. In Deutschland wird als Tagesbedarf weniger als die Hälfte der amerikanischen Werte angegeben, so dass mit einem Esslöffel Leinöl die in Deutschland empfohlene Menge sogar noch überschritten wird. Ob Sie diese Menge Leinöl mit Olivenöl mischen, bleibt Ihnen überlassen.
Wenn bei speziellen gesundheitlichen Problemen (z. B. chron. Entzündungen) die EPA/DHA-Menge erhöht werden soll, dann könnten beispielsweise Krillöl-Kapseln - kurweise verabreicht - zum Einsatz kommen. (Infos zu Krillöl finden Sie z. B. hier:
Liebe Grüsse
Ihr Team vom
Zentrum der Gesundheit