Pharmaindustrie


Die Pharmaindustrie scheut sich nicht, eigene Bewertungen für neue Medikamente von scheinbar unabhängigen Gesundheitsexperten in Fachzeitschriften zu veröffentlichen, um auf diese Weise mögliche Nebenwirkungen herunterzuspielen.
 

Ghostwriting der Pharmaindustrie

Veröffentlichung am 04.06.2008 um 16:05 Uhr / Aktualisierung am 01.12.2011 um 14:38 Uhr  Drucken Sie diese Seite

(Zentrum der Gesundheit) - Unglaublich, aber wahr: Pharmafirmen schreiben die Bewertungen zu ihren eigenen Medikamenten in der Regel selbst. Es wird allerdings so dargestellt, als hätten unabhängige Gesundheitsexperten, denen ausschließlich das Wohlergehen der Verbraucher am Herzen liegt, diese Bewertungen verfasst.

Bewertung

Nebenwirkungen werden verharmlost

Wen wundert es angesichts dessen noch, dass diese Bewertungen nichts anderes sind, als wirkungsvolle Werbeanzeigen der Pharmafirmen, wobei die Nebenwirkungen der Medikamente ganz selbstverständlich heruntergespielt werden.

  • die Ghostwriter geben sich als Autoren dieser Bewertungen aus
  • die Bewertungen werden von den Pharmafirmen in medizinischen Fachzeitschriften veröffentlicht
  • während des Zulassungsverfahrens werden diese Bewertungen von den Pharmafirma als unabhängige wissenschaftliche Forschungsergebnisse hingestellt. Damit soll die Sicherheit des neuen Medikamentes belegt werden…

So wurden z.B. zwei verschiedene Versionen zu einer Alzheimer Studie gefunden: In dem Entwurf der Studie fand sich in dem Feld, das normalerweise für den Namen des federführenden Autors vorgesehen ist, lediglich der Vermerk "externer Autor". In der veröffentlichten Version wurden dann allerdings die Namen von mehreren akademischen Forschern aufgeführt.

"Wissenschaftliche Beweise"

Beim Ghostwriting präsentieren die Pharmafirmen letztendlich ihre eigenen - schriftlichen- Werbeanzeigen als wissenschaftliche Beweise. Währenddessen behaupten dieselben Firmen, daß Kräuter, die sich seit Tausenden von Jahren nachweislich als effektiv und sicher erwiesen haben, aufgrund des fehlenden wissenschaftlichen Nachweises gefährlich sind.

Interessenskonflikt auch in den USA

Im Jahr 2005 wurde von einer Beratergruppe der FDA, der insgesamt 32 Mitglieder angehören entschieden, dass das Medikament Vioxx® wieder auf den Markt gebracht werden soll. Bei dieser Entscheidung wurde vollkommen ignoriert, dass der Pharmariese Merck® dieses Medikament vom Markt nehmen musste, weil mehrere 10.000 Menschen im Zusammenhang mit der Einnahme von Vioxx® weltweit an Herzversagen gestorben waren.

Nun ist es allerdings sinnvoll, sich das Abstimmungsergebnis näher anzusehen: 10 der 32 Mitglieder hatten nachgewiesenermaßen finanzielle Verbindungen zu Merck®.
Das genaue Ergebnis lautete wie folgt:

  • 8 von 22 Beratern (36%) ohne finanzielle Verbindungen, waren für eine Wiedereinführung von Vioxx®
  • 9 von 10 Beratern (90%) mit finanziellen Verbindungen wollten Vioxx® wieder auf dem Markt sehen

Selbstverständlich bestehen diese Berater darauf, daß ihre Entscheidungen nichts mit ihren finanziellen Beziehungen mit Merck zu tun haben.

Verbindung zu Pharmariesen verstärkt

Es mag unverständlich erscheinen, aber doch hat die FDA nach dem Vioxx -Skandal die Verbindungen zu der Pharmaindustrie noch verstärkt. Mittlerweile fordert die FDA tatsächlich, daß Pharmafirmen - wie beispielsweise die Firma Merck® - für Schäden, die durch ein von der FDA genehmigtes Medikament entstanden sind, nicht verantwortlich gemacht werden sollten…


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