Eine Pille für mehr Freundlichkeit


Möchten Sie Ihren Charakter verändern? Kein Problem! Bald gibt es für jede Eigenschaft eine Pille.

Medikamente zur Bewusstseinskontrolle

Veröffentlichung am 21.04.2011 um 11:41 Uhr / Aktualisierung am 11.05.2011 um 13:10 Uhr  Drucken Sie diese Seite

(Zentrum der Gesundheit) - Eine Pille für mehr Freundlichkeit, eine für Geduld, eine andere für mehr Teamgeist, eine weitere für Taktgefühl und vielleicht noch eine für Toleranz. Das zumindest schwebt manchen Forschern vor, um aus unserem Planeten einen friedlicheren Ort zu machen. Hört sich alles prima an. Bleibt nur zu hoffen, dass die Pharmariesen dann auch die Nebenwirkungen unter Kontrolle bringen. Oder geht es nur darum, des Menschen Bewusstsein unter Kontrolle zu bringen?

Pille für mehr Freundlichkeit Mein Glück kommt künftig aus der Apotheke

Medikamente für ein kontrolliertes Verhalten

Nein, wir sind nicht unter die Science-Fiction-Autoren gegangen. Forscher aus Oxford erklärten kürzlich allen Ernstes, man plane, Medikamente zu entwickeln, mit deren Hilfe sich die Moralvorstellungen von Menschen verändern lassen können. Auf diese Weise könne man Menschen praktisch programmieren. Ihr Denken und ihr Benehmen ließe sich daraufhin relativ exakt kontrollieren. Sie würden sich nur noch so verhalten, wie es im Beipackzettel des entsprechenden Medikamentes stünde.

Empathie und Teamgeist statt Aggressivität

Die Wissenschaft hat sich bislang nicht sehr um die Frage gekümmert, wie sich die allgemeinen Moralvorstellungen verbessern lassen könnten. Das soll jetzt anders werden,

erklärte Dr. Guy Kahane vom Oxford Centre of Neuroethics in Großbritannien.

Es gibt mittlerweile einen wachsenden Fundus an Untersuchungen, die unter diesem Aspekt durchgeführt werden. Mehrere Studien zeigen, dass bestimmte Medikamente die Art und Weise beeinflussen können, wie Menschen sich angesichts eines moralischen Dilemmas verhalten, indem sie deren Fähigkeit zu Empathie und Teamfähigkeit steigern und gleichzeitig wunderbarerweise das Aggressionspotential senken.

Ein glücklicher Planet

Das klingt großartig. Man stelle sich vor: Ein Planet voller sich liebender und sich schätzender Menschen - und das womöglich pünktlich zum 12.12.2012. Zwar hätte wohl niemand gedacht, dass ausgerechnet dieses wundervolle Ziel mit Hilfe der Pharmaindustrie erreicht werden könnte, aber warum nicht?

Leider lässt sich ein gewisses Misstrauen bei all der Herrlichkeit dieser Idee nicht vermeiden. Schließlich gibt es bereits Pillen, die glücklich, selbstsicher und fröhlich machen sollen, bei einigen Menschen jedoch ganz anders wirken als ursprünglich beabsichtigt.

Prozac® beispielsweise ist ein Medikament, dass zur Vertreibung von Depressionen verordnet wird. Menschen, die es nehmen, werden meist äußerst harmoniebedürftig und zeigen ein vorbildliches Sozialverhalten.

Elternmord nach Prozac®

Dummerweise gilt das nicht für alle Menschen. Manche Prozac®-Konsumenten zeigen plötzlich eine gewisse Tendenz zu Gewaltausbrüchen. Ein junger Mann beispielsweise ermordete seinen Vater, indem er ihn mehrmals auf den Kopf schlug und auf ihn einstach. Anschließend prügelte er mit einem Stemmeisen auf seine Mutter ein und stach ihr ins Gesicht - all das, nachdem er Prozac® eingenommen hatte.

So stellt sich die Frage, ob die Herren Wissenschaftler ihre Arbeit bei der Entwicklung der neuen Alle-Menschen-lieben-sich-Pillen gründlicher erledigen werden oder ob sie auch diesmal bei den Nebenwirkungen versagen.

Wie Ehemänner zahm werden

Die Sorte Medikamente, die Kahane und seine Kollegen im Sinn haben, sind Designerdrogen, die extra dafür hergestellt und entwickelt werden, um den geistigen Zustand einer Person zu kontrollieren. Die Person wird Situationen aus einer neuen moralischen Perspektive bewerten. Sie wird nur noch solche Gedanken hegen, die zum Repertoire der betreffenden Pille gehören.

Wenn Sie also möchten, dass Ihr Chef Sie ab morgen über alles liebt und Ihnen den roten Teppich vor die Füße rollt, dann genügt es, ihm unauffällig Pille xy in den täglichen Kaffee zu schmuggeln und schon ist er rührend um Ihr Wohlergehen besorgt. Pille xx dagegen eignet sich für ungezogene Ehemänner ganz besonders gut. Ihr Gatte wird Sie daraufhin auf Händen tragen. Bösen Schwiegermüttern sollte man Pille x0 verabreichen. Sie werden alsbald verständnisvoll und sanft wie die Lämmlein auf der Wiese.

Geizigen Eltern, die sich weigern, vorzeitige Erbschaften auszubezahlen, gibt man nur eine winzige y0-Pille und schon sorgen deren plötzliche Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft für pralle Geldbeutel bei den ungeduldigen Nachkommen.

Gedankenkontrolle

Das Resultat der geplanten Medikamente ist also eine Art Gedankenkontrolle, die es einer Person ermöglicht, über eine andere zu herrschen, da diese unter dem Einfluss der Medikamente nicht mehr dazu in der Lage sein wird, eigene bewusste Entscheidungen zu treffen. Passen Sie also künftig auf, damit Ihnen niemand eine Pille unterjubeln kann...

Werden Sie die neuen Pillen schlucken?

Vermutlich wird die Sache jedoch ganz anders ablaufen. Nicht Ihr Angestellter, Ihre Ehefrau, Ihre Schwiegertochter oder Ihre Kinder werden eine potentielle Bedrohung für Sie, Ihr Bewusstsein und Ihre Gedanken darstellen, sondern Sie selbst. Sie selbst werden schließlich entscheiden, ob Sie Pillen dieser Art einnehmen werden oder nicht. Und Sie werden sie nehmen.

Rosarote Zukunftsvisionen

In den Medien wird von einem nahenden Weltuntergang die Rede sein. Von einem Ende aller Zeiten aufgrund der Lasterhaftigkeit, Faulheit und Unanständigkeit der Menschen. Man wird uns erklären, dass nichts anderes uns retten kann als die neuen rosaroten Pillen. Nur wenn wir sie schlucken - immer und regelmäßig - können wir eine schöne heile Welt schaffen und uns bis in alle Ewigkeit glückselig in den Armen liegen.

Und genauso, wie Sie sich jetzt impfen lassen, wie Sie brav fluoridierte Zahncremes verwenden, jodiertes Salz über Ihr Essen schütten, zwanglos Berge von wunderbarem Fertigfood mit einer Fülle synthetischer Lebensmittelzusatzstoffe verschlingen und bei Unwohlsein nichts anderes glauben, als das, was Ihr Arzt Ihnen erzählt.

Genauso werden Sie bald der Meinung sein, die neuen rosaroten Pillen seien für alle Menschen gut und wichtig. Oder etwa nicht?

Quelle

Quelle


Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und anderen Gesetzen zum Schutz geistigen Eigentums. Dieser Artikel darf mit unserer Genehmigung kopiert und verbreitet, jedoch nicht verändert werden.

Möchten Sie weiterhin von uns informiert werden?

Wir informieren 1-2 mal monatlich über neu veröffentlichte Artikel.
Melden Sie sich zu unserem kostenlosen Newsletter an.

zum kostenlosen Newsletter anmelden

Weitere themenrelevante Artikel:



Alles neu macht der Mai!

Wir werden den Mai nutzen, um unsere Kommentarfunktion weiter zu verbessern.

(1)

SST
geschrieben am: Donnerstag, 21. April 2011, 21:56
eMail-Adresse hinterlegt
Geht es nur mir so, aber dieser Artikel erinnert mich schwer an die Filme "1984", "Equilibrium", "Fahrenheit 451" oder "THX 1138". Pillen für mehr Freundlichkeit, ich glaube es hackt! Wenn es Pillen gegen Dummheit gäbe, würden die Einschaltquoten für DSDS, Supermodel, TV Total und ähnlich toxische Formate gegen 0 sinken. Dann würde es auch einen Rückgang dieses sich immer mehr ausbreitenden Konsum-Fatalismus geben.

Zentrum der Gesundheit:

Hallo SST,
vielen Dank für Ihren Kommentar.
Ihr Vorschlag ist nicht übel ;-) Bitte bedenken Sie aber, dass die von Ihnen genannte Indikation (Dummheit) nach Meinung der Verantwortlichen kaum einer Behandlung bedarf. Im Gegenteil. Sie erleichtert die Durchsetzung verschiedentlicher Maßnahmen (siehe Beispiele am Schluss des betreffenden Artikels) ganz ungemein.
Liebe Grüße
Ihr Team vom
Zentrum der Gesundheit

Diese Informationen werden nach bestem Wissen und Gewissen weitergegeben. Sie sind ausschliesslich für Interessierte und zur Fortbildung gedacht und keinesfalls als Diagnose- oder Therapieanweisungen zu verstehen. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden irgendeiner Art, die direkt oder indirekt aus der Verwendung der Angaben entstehen. Bei Verdacht auf Erkrankungen konsultieren Sie bitte Ihren Arzt oder Heilpraktiker.