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Bewegung in der Schlaganfall-Nachsorge

Bei einem Schlaganfall treten oft Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit und des Sprachvermögens auf. Mit einer gezielten Nachsorge lassen sich diese Beeinträchtigungen jedoch häufig sehr gut wieder zurückbilden. Zwar ist Physiotherapie ein fester Bestandteil der Schlaganfall-Nachsorge, die verordneten Therapieeinheiten reichen jedoch oft nicht aus. Eine intensives und gezieltes Training könnte den Rehabilitationsprozess deutlich verbessern.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Stand: 06 Mai 2026
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Bewegungstherapie in der Schlaganfall-Nachsorge

Schlaganfälle gehören in den Industrienationen zu den häufigsten Todesursachen. Sie entstehen, wenn ein Blutgefäß im Gehirn entweder durch ein Blutgerinnsel verschlossen wird oder platzt.

In beiden Fällen ist die Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns unterbrochen, wodurch Nervenzellen geschädigt werden oder absterben. Die Folgen sind häufig dauerhafte Beeinträchtigungen des zentralen Nervensystems.

Das Ausmaß der darauffolgenden körperlichen Einschränkungen ist sehr unterschiedlich. Es reicht von leichten Bewegungsstörungen bis hin zu ausgeprägten Lähmungen einer Körperhälfte.

Rehabilitation hilft, um Fähigkeiten wieder zurückzugewinnen

Ziel der Rehabilitation ist es, Betroffene dabei zu unterstützen, verloren gegangene Fähigkeiten so weit wie möglich zurückzugewinnen und ihre Selbstständigkeit im Alltag schrittweise zu verbessern.

Physiotherapeutische Maßnahmen sind insbesondere dann erforderlich, wenn Hirnareale betroffen sind, die für die Steuerung von Bewegungen verantwortlich sind, etwa der motorische Kortex oder Hirnstammstrukturen.

Körperliches Training statt herkömmlicher Physiotherapie

In der Praxis kommen verschiedene Behandlungsformen zum Einsatz, darunter gezielte Bewegungsübungen, manuelle Techniken sowie Wärme- oder Entspannungsanwendungen. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass der Umfang der Bewegungstherapie in der Nachsorge häufig nicht ausreicht.

Auf einem Kongress im Jahr 2012 wurde ein rehabilitativer Ansatz vorgestellt, der nicht auf Medikamente, sondern auf systematisches körperliches Training setzt.

Forschungen deuten darauf hin, dass regelmäßige Bewegung nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit verbessert, sondern auch zur Erholung kognitiver Funktionen beitragen kann (1).

Aerobic und Krafttraining regenerieren kognitive Fähigkeiten

Regelmäßiges Bewegungstraining verbessert das Sprach-, Denk- und Urteilsvermögen sowie das Gedächtnis von Schlaganfall-Patienten innerhalb von sechs Monaten um etwa 50 Prozent. Zu diesem Ergebnis gelangte eine Studie des Rehabilitation Institute in Toronto. In einer Pressemitteilung schlug die Forschungsleiterin Dr. Susan Marzolini vor:

Wenn wir kognitive Fähigkeiten durch ein gezieltes Bewegungstraining verbessern können, was zugleich physische Vorteile mit sich bringt, dann sollten solche Übungen zum Standard eines Nachsorgeprogramms werden.

An den Untersuchungen nahmen 41 Personen teil, von denen 70 Prozent infolge eines Schlaganfalls unter Gehproblemen litten und deshalb auf einen Rollator oder einen Gehstock angewiesen waren.

Die Probanden absolvierten fünfmal die Woche ein Aerobic-Programm, das exakt auf ihre physischen Beeinträchtigungen abgestimmt wurde und Bewegungen aus dem täglichen Leben imitierte, darunter einfaches Gehen, Kniebeugen und Gewichtheben.

Erstaunlicherweise wirkten sich die Übungen nicht nur positiv auf die körperliche Verfassung der Patienten aus (v. a. Gehvermögen, Muskelkraft), sondern verbesserten auch die Hirnfunktionen. Vor allem in puncto Konzentration und Organisation wurden deutliche Fortschritte erzielt. Marzolini schlussfolgerte:

Unsere Ergebnisse liefern beeindruckende Hinweise darauf, dass man durch die Steigerung der kardiovaskulären Fitness durch Aerobic und durch den Aufbau von Muskelmasse mittels Krafttraining insgesamt den Gesundheitszustand des Gehirns von Schlaganfallpatienten signifikant verbessern kann.

Regelmäßiges Tai-Chi unterstützt Gleichgewicht

In der Fachzeitschrift Neurorehabilitation and Neural Repair wurde bereits im Jahr 2009 die positive Wirkung von Tai-Chi für Schlaganfall-Opfer vorgestellt. Eine sechsmonatige Studie der Hong Kong Polytechnic University zeigte, dass Patienten, die Tai-Chi praktizierten, ihr Gleichgewicht verbessern konnten und somit das Risiko für Stürze reduzierten (4).

Unter der Leitung von Dr. Stephanie S. Y. Au-Yeung unterzogen sich 136 Menschen, die mindestens sechs Monate zuvor einen Schlaganfall erlitten hatten, zwölf Wochen lang ein bestimmtes Training. Eine Gruppe der Testpersonen führte herkömmliche Übungen durch, die zweite Gruppe praktizierte Tai-Chi (an ihre Fähigkeiten angepasst).

Die Übungen wurden jeweils 4 Stunden pro Woche durchgeführt. Eine Stunde davon unter Aufsicht, die anderen 3 Stunden zu Hause. Während sich bei der ersten Gruppe nur eine minimale Verbesserung des Gleichgewichts einstellte, erzielte die Tai-Chi-Gruppe deutliche Erfolge bei gleichgewichtsorientierten Tests (3) (z. B. Gewichtsverlagerung, Balance auf einer beweglichen Plattform).

Tai-Chi hat den Vorteil, dass man es leicht lernen und gut allein zu Hause durchführen kann. Es fördert außerdem einen gesunden Atemrhythmus und wirkt entspannend.

Angepasste Trainingseinheiten für schnelle Rehabilitation

Regelmäßige Bewegung und gezieltes körperliches Training sollten nicht erst als Therapieform in Erwägung gezogen werden, sondern ein selbstverständlicher Teil unseres Alltags sein.

Ein gesunder Lebenswandel sei entscheidend, um einen Schlaganfall zu verhindern, davon zu genesen und einem weiteren vorzubeugen, erklärte Ian Joiner, Leiter der kanadischen Heart and Stroke Foundation, in einer Pressemitteilung.

"Diese Studien verdeutlichen, wie wichtig regelmäßige Bewegung und sportliche Betätigung nach einem erlittenen Schlaganfall für den Patienten sind",

sagte auch Dr. Mark Bayley, Co-Rektor des Kanadischen Schlaganfall-Kongresses und medizinischer Leiter des Neurological Rehabilitation Program am Toronto Rehab.

Die Notwendigkeit von körperlichem Training mag zwar keine Neuheit sein, doch kommen gezielte Übungen als Bestandteil der Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten häufig zu kurz.

Dr. Susan Marzolini betont deshalb: "Angepasste Trainingseinheiten sind somit äußerst wichtig für Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, denn wir sind der festen Überzeugung, dass sie einen großen gesundheitlichen Nutzen bieten."

Fazit: Schlaganfall-Nachsorge – die beste Kombination

Die beste Nachsorge im Bereich der Bewegungstherapie ist also, mehrere Therapie- bzw. Trainings- und Bewegungsformen zu kombinieren. Ideal ist – abgesehen von normaler Bewegung wie regelmäßige Spaziergänge – die Kombination aus Physiotherapie, Aerobic, Krafttraining und Tai-Chi.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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