Schüchternheit als Krankheit
Die amerikanische Psychiater-Vereinigung ist der Meinung das Schüchternheit als Krankheit anzusehen sei und diese dringend mit einer medikamentösen Therapie behandelt werden muss.
Veröffentlichung am 30.08.2010 um 15:00 Uhr / Aktualisierung am 16.02.2011 um 09:57 Uhr 
(Zentrum der Gesundheit) - Wer gerne isst, hat eine Essstörung. Wer schüchtern ist, braucht psychiatrische Betreuung. Wer gelegentlich einen Wutanfall bekommt, sollte dringend Pillen schlucken und wer Zukunftsängste hat, ist längst überfällig. Das zumindest ist die Meinung mancher Psychiater. Wenn deren aktuellen Wünsche in Erfüllung gehen sollten, gibt es außerdem bald das sog. Psychosen-Risiko-Syndrom. Jeder, der keine Symptome zeigt, aber nach Ansicht der Psychiater irgendwann einmal Symptome einer psychischen Störung bekommen könnte, kann in diese Kategorie fallen und ist somit aus prophylaktischen Gründen behandlungsbedürftig.
Schüchternheit soll nach den Plänen von Psychiatern bald als Krankheit angesehen und medikamentös behandelt werden!Wie auch immer man sich verhält, die Amerikanische Psychiater-Vereinigung (American Psychiatric Association, APA) scheint der Meinung zu sein, man sei mental gestört und brauche dringend eine medikamentöse Therapie.
Zu den neuen Vorschlägen für das amerikanische Psychiatrie-Handbuch DSM (Diagnostic and Statistical Manual), in dem sämtliche mentalen Störungen definiert sind, gehören unter anderem frühkindliche Wutanfälle, Zukunftsängste bei Teenagern und krankhafte Fresssucht. Wenn diese Vorschläge angenommen werden, dann gelten diese drei Erscheinungen als psychische Erkrankungen, können medikamentös behandelt werden und würden den Pharmakonzernen Profite in Milliardenhöhe bescheren.
Das DSM wird oft als die Bibel der Psychiatrie bezeichnet. Dieses Handbuch übt einen enormen Einfluss auf das amerikanische Gesundheitssystem aus und hat Auswirkungen auf ziemlich jedes Rädchen in diesem System von den Versicherungsgesellschaften und den Herstellern medizinischer Produkte bis zu den Universitäten und sogar bis in die Gefängnisse hinein. Auch die Gerichte und Staatsanwälte messen dem Inhalt des DSM große Bedeutsamkeit bei.
Im DSM findet man wohl annähernd jede menschliche Emotion, jeden Charakterzug und jeden Gefühlsausdruck, zu dem Menschen fähig sein könnten, als psychische Krankheit beschrieben. Als Krankheit, die nach Meinung der Psychiater unbedingt eine psychiatrische Betreuung und vor allem auch eine medikamentöse Behandlung erfordere. Von den gefährlichen Nebenwirkungen der eingesetzten Psychopharmaka spricht natürlich keiner.
Christopher Lane, Professor an der Northwestern University und Autor eines kritischen Buches über das DSM (Shyness: How Normal Behavior Became a Sickness, zu deutsch: Schüchternheit: Wie ein normales Verhalten zu einer Krankheit wurde) meinte zu den neuen Vorhaben der APA:
„Die APA öffnet dadurch ganz klar eine weitere Pandorabüchse mit dem Ziel, noch mehr Kinder und Teenager medikamentös behandeln zu können. Dabei handelt es sich um Kinder und Teenager, die im Rahmen einer ganz natürlichen Entwicklung auch einmal Phasen emotionaler Aufgewühltheit durchmachen.“
Stellen Sie sich einmal vor, wenn Fresssucht tatsächlich als psychische Erkrankung klassifiziert würde! Auf einen Schlag könnte man Millionen Amerikaner als geisteskrank bezeichnen. Und selbst wenn all jene essfreudigen Menschen aus der DSM-Klassifizierung ausgeschlossen würden, die ohne psychisch krank zu sein zu viel essen, so blieben immer noch genug sog. Essgestörte, die den Umsatz psychotroper Medikamente äußerst schwungvoll ankurbeln würden.
Doch damit nicht genug. Der Rat der APA hat noch eine weitere grandiose Idee. Man plane, eine ganz neue Erkrankungskategorie in das DSM aufzunehmen. Diese Kategorie solle „Risikosyndrome” genannt werden. Darunter würden Menschen fallen, die zwar noch nicht an einer psychischen Störung leiden, aber unter Verdacht stehen, das Potential einer solchen zu besitzen.
Diese Menschen gelten demnach als Träger des „Psychosen-Risiko-Syndroms“. In die Kategorie der Risikosyndrome könne man beispielsweise auch Teenager einsortieren, die ein „Übermaß an Misstrauen und Wahnvorstellungen“ zeigten sowie „durch eine unorganisierte Sprache und durch unorganisierte Verhaltensweisen“ auffielen. Wie jedoch beurteilt und eingeschätzt werden können soll, wer nun das Potential zu einer psychischen Störung in sich trägt und wer nicht, wenn noch gar keine Symptome ersichtlich sind, bleibt das Geheimnis der APA.
Die APA machte deutlich, dass das Ziel ihrer Revisionen darin liege, den Menschen so früh wie möglich eine mentale Störung zu diagnostizieren, selbst bevor diese tatsächlich an einer solchen zu leiden haben. So könnten diese Menschen schon frühzeitig in Behandlung gehen. „Angesichts der Ernsthaftigkeit von psychotischen Störungen und den Hinweisen darauf, dass eine frühe Behandlung derselben positive Langzeitwirkungen haben könnte, waren wir der Meinung, dass es wichtig sei, diese Leiden so früh wie möglich zu entdecken,“ erklärte Dr. William Carpenter aus der Arbeitsgruppe „Psychotische Störungen“ der APA.
Mögliches Fazit der Geschichte: Endlich sind alle Menschen potentielle Psycho-Patienten, können rein prophylaktisch mit Psychopharmaka behandelt werden und das Glück der Psycho-Docs ist perfekt.
Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und anderen Gesetzen zum Schutz geistigen Eigentums. Dieser Artikel darf mit unserer Genehmigung kopiert und verbreitet, jedoch nicht verändert werden.
Diese Informationen hier werden nach bestem Wissen und Gewissen weitergegeben. Sie sind ausschließlich für Interessierte und zur Fortbildung gedacht und keinesfalls als Diagnose- oder Therapieanweisungen zu verstehen. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden irgendeiner Art, die direkt oder indirekt aus der Verwendung der Angaben entstehen. Bei Verdacht auf Erkrankungen konsultieren Sie bitte Ihren Arzt oder Heilpraktiker.

(1)