Gefährliche Sonnescremes
Synthetisch erzeugte Nanopartikel werden immer häufiger für in Sonnencremes verwendet. Sie gelten als ungefährlich, da sie bei den wenigen bisher durchgeführten Tests die Hautschutzschicht nicht durchdringen konnten. Doch das ist falsch!
Veröffentlichung am 26.02.2009 um 09:37 Uhr / Aktualisierung am 29.08.2011 um 13:48 Uhr 
(Zentrum der Gesundheit) - Synthetisch erzeugte Nanopartikel werden immer häufiger für die Herstellung von Kosmetika und Sonnenschutzmitteln verwendet. Sie galten bisher als ungefährlich, da sie bei den wenigen bisher durchgeführten Tests die Hautschutzschicht nicht durchdringen konnten. Doch die Ergebnisse scheinen geschönt worden zu sein.
Professorin Biancamaria Baroli von der chemisch-pharmazeutisch-technologischen Abteilung der Universität von Cagliari/Sardinien bezweifelt jedoch die Aussagekraft der bisherigen Testergebnisse, da sie auf Versuchen unter Laborbedingungen basieren und zudem eine absolut heile Haut voraussetzten.
Die Wissenschaftlerin hat nun Tests unter realen Bedingungen durchgeführt, deren Ergebnisse deutlich von denen der Laborversuche abweichen. So durchdrangen Nanopartikel die Lipid-Barriere und drangen bis in tiefe Hautschichten durch. Das Stratum corneum (Hornschicht der Oberhaut ) wurde regelmäßig durchdrungen, bei einer Anwendung von mit Nanopartikeln durchsetzten Reinigungsprodukten für die Haarpflege drangen die Partikel bis zu den Haarwurzeln vor.
Nach den Ergebnissen der von Biancamaria Baroli durchgeführten Tests bestimmen unterschiedliche Einflussfaktoren die Wahrscheinlichkeit des Eindringens in die Haut. Neben dem Grad der vorhandenen äußeren Verletzung der untersuchten Haut ist vor allem die Größe der Nanopartikel für diese maßgeblich, da kleinere Partikel besonders leicht eindringen. Am kritischsten sind Partikel, die kleiner als zehn Nanometer sind.
Von Bedeutung für die mögliche Gefahr durch Nanopartikel ist neben der Menge auch die verwendete Emulsion, zumal diese dazu führen kann, dass den Partikeln das Durchdringen der Schutzschicht der Haut erleichtert wird. Über das Zusammenwirken von Emulsionen und Nanopartikeln ist bisher noch zu wenig bekannt, als dass hier von Sicherheit gesprochen werden kann.
Als Schlussfolgerung aus ihren Untersuchungen gibt Professorin Biancamaria Baroli den Rat, keine Produkte mit Nanopartikeln zu kaufen, solange es keine Belege für ihre Ungefährlichkeit gibt. Das gilt besonders für Sonnenschutzmittel, weil die Haut gerade durch Sonnenbestrahlung vorgeschädigt sein kann, und dann besonders durchlässig für Kleinstpartikel ist. Nach wie vor gibt es genügend andere Kosmetikprodukte mit allen gewünschten Sonnenschutzfaktoren.
Umweltverbände und Verbraucherschützer liefen zunächst Sturm gegen die Nano-Euphorie der Industrie. Doch dann feierten sie es als Erfolg, als das EU-Parlament die Kennzeichnungspflicht für riskante Produktzusätze entschied: Am 24. März 2009 meldete die ARD-Tagesschau, dass Nano-Materialien in Sonnencreme und anderen Kosmetika gekennzeichnet werden müssen.
Solche Kennzeichnungen stehen dann in kaum lesbarer Schriftgröße und oft hinter unverständlichen Nomenklaturen versteckt auf den Packungen. Ohne Lupe und Lexikon der Chemie, Physik oder Medizin ist Auskunft Glücksache. Die Industrie behält Narrenfreiheit. In jener Tagesschau wurde auch Klartext gesprochen: "Nanotechnologie verspricht Milliardengewinne, gerade für die deutsche Industrie, die hier federführend ist ."
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