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Wie Fleisch Krebs verursacht

Fleisch kann das Risiko für Krebs erhöhen. Lange Zeit glaubte man, nur verarbeitete Fleischprodukte – also Wurst und Würstchen – erhöhen das Krebsrisiko. Jetzt hat man jedoch auch im unverarbeiteten Fleisch einen Stoff entdeckt, der zu den Krebsverursachern gehören könnte.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Stand: 11 Mai 2026
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Fleisch erhöht die Krebsgefahr

Der Verzehr von insbesondere rotem Fleisch wird schon seit längerer Zeit in Verbindung mit diversen gesundheitlichen Problemen gebracht. Dass Wurst und andere verarbeitete Fleischprodukte zu den krebserregenden Nahrungsmitteln gehören, gilt dabei als erwiesen.

Besonders Dickdarm- und Magentumore treten häufiger auf, wenn man gerne die genannten tierischen Produkte isst. Genauso aber auch Lungen- und Lebertumore.

Als Verursacher kommen schädliche Nitrosamine in Frage, die sich bevorzugt aus dem in Wurstwaren vorhandenen Nitrit entwickeln können.

Prof. Ajit Varki und sein Team von der University of California, San Diego School of Medicine haben noch einen weiteren potentiell problematischen Stoff in solchen Produkten ausfindig gemacht.

Schädlich: Der Stoff Neu5Gc

Rotes Fleisch (u. a. Schwein, Rind, Lamm, Wild, Känguru, Strauß und Ziege) hat einen hohen Myoglobingehalt. Myoglobin ist ein rotes, sauerstoffspeicherndes Protein in der Muskelzelle, das ihm seine rote Farbe verleiht.

Manche dieser Sorten (wenn sie von Säugetieren stammen) enthalten ein Kohlenhydrat namens Neu5Gc. Im menschlichen Körper kommt das Kohlenhydrat nicht vor (auch wenn der Mensch ebenfalls ein Säugetier ist).

Die kalifornischen Forscher vermuten, dass Neu5Gc für das steigende Tumorrisiko durch den Verzehr solcher Produkte verantwortlich sein könnte.

In ihrer Untersuchung kamen spezielle Mäuse zum Einsatz, die kein Neu5Gc im Körper haben – genau wie Menschen – und deren Organismen daher auch ähnlich wie menschliche Körper auf das Kohlenhydrat reagieren.

Risiko steigt um das Fünffache

Die Tiere erhielten Sorten (Rind, Schwein, Lamm), die besonders viel Neu5Gc enthalten. Nun zeigte sich, dass das Neu5Gc über die Blutbahn ins Gewebe transportiert wird und sich dort ablagert – mit ungünstigen Folgen, wie der Studienverlauf zeigte.

Obwohl die Mäuse keinen weiteren Auslösern ausgesetzt waren, entwickelten viele von ihnen nach dem Verzehr von Neu5Gc-haltigem Fleisch spontan Lebertumoren.

Die Leber ist ein Organ, in dem sich Neu5Gc bevorzugt ablagert. Die dort im Laufe der Studie entstandenen Tumoren enthielten nachweislich Neu5Gc. Insgesamt erhöhte sich das Tumorrisiko um das Fünffache im Vergleich zu einer Neu5Gc-freien Nahrung.

Mehr chronische Entzündungen

Prof. Varki und seine Kollegen erklären, dass der Organismus das Neu5Gc als Fremdkörper identifiziert und wie bei einer Immunreaktion Antikörper dagegen bildet (1)

Beim nächsten Konsum solcher Produkte erkennt das Immunsystem den Fremdkörper wieder. Es kommt zur erneuten Antikörperbildung sprich Immunreaktion und daraufhin zu Entzündungsprozessen.

Wenn nun immer wieder (bei vielen Menschen täglich) solche Speisen auf dem Teller landen, entwickeln sich schnell unmerkliche, aber chronische systemische Entzündungen. "Systemisch" bedeutet: Den gesamten Körper betreffend.

Entzündungen aber, die im gesamten Körper zirkulieren, können langfristig äußerst negative Folgen für die Gesundheit haben.

Auch die Entstehung von Arteriosklerose und Diabetes Typ 2 kann die Folge chronischer Entzündungen sein. Höchstwahrscheinlich spielt daher auch bei diesen Krankheiten der regelmäßige Verzehr von Neu5Gc eine ursächliche Rolle.

Höheres Risiko für eine Fettleber

Eine Fettleber wird zwischenzeitlich ebenfalls mit dem Verzehr solcher Produkte in Verbindung gebracht. Im Jahr 2017 berichteten Forscher, die Rotterdam Study habe ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit eine Fettleber zu entwickeln, umso größer war, je mehr tierische Proteinquellen die Betroffenen zu sich nahmen.

Wer sich hingegen bevorzugt pflanzlich ernährte, hatte ein deutlich geringeres Risiko, je an einer Fettleber zu erkranken. Gerade das Vorhandensein einer Fettleber jedoch kann nun wieder ganz erheblich das Risiko erhöhen, an Diabetes zu erkranken.

Fleisch scheint also über verschiedene Wege zu Diabetes führen zu können – einerseits über die Steigerung der Entzündungswerte und andererseits über die Fettleber.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf unserer Seite: Fettleber durch tierisches Protein.

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Je höher der Konsum, umso ungünstiger das Tumorrisiko

In einer Studie von 2009 zeigte sich anhand der Daten von einer halben Million Personen, dass jene mit einem besonders hohen Konsum von rotem Fleisch (2), ein um 25 % erhöhtes Risiko hatten, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Das Lungenkrebsrisiko war um 20 % erhöht und das Risiko für Speiseröhren- und Leberkrebs war zwischen 20 und 60 % erhöht.

Die Teilnehmer, die besonders häufig verarbeitete Produkte (Schinken, Wurst etc.) konsumierten, hatten ein 20 % höheres Risiko an Dickdarmkrebs und ein um 16 % höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.

Eine erhöhte Zufuhr von rotem und verarbeitetem Fleisch steht ebenfalls im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs bei Männern. Nach Meinung der Forscher kann 1 von 10 Lungen- bzw. Dickdarmkrebserkrankungen durch die reduzierte Aufnahme solcher Produkte vermieden werden.

Tumorerkrankungen in Verbindung mit einer falschen Ernährung

Eine umfassende systematische Überprüfung und Metaanalyse aus 2021 zeigte beispielsweise, dass ein hoher Verzehr von rotem Fleisch (3) das Risiko von Brust-, Gebärmutter-, Dickdarm-, Rektum- und Lungentumoren sowie dem Leberzellkarzinom erhöhte.

Ein hoher Verzehr von verarbeitetem Fleisch stand mit einem höheren Risiko von Brust-, Dickdarm-, Rektum- und Lungentumoren in Zusammenhang.

Ein höheres Risiko für Dickdarm-, Rektum-, Lungen- und Nierenzelltumoren wurde auch bei hohem Gesamtkonsum von rotem und verarbeitetem Fleisch beobachtet.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass es eine Vielzahl von karzinogenen Verbindungen enthält, die zum Teil auch erst beim Kochen oder Verarbeiten entstehen.

Karzinogene Verbindungen

Zu diesen möglichen Karzinogenen gehören z. B. das Häm-Eisen, Nitrate und Nitrite, gesättigte Fettsäuren, Hormone, das oben genannte Neu5Gc und (in verarbeiteten Produkten) viel Salz.

Alle diese Substanzen haben gezeigt, dass sie schädlich wirken können, indem sie den Hormonstoffwechsel beeinflussen, die Zellvermehrung erhöhen, die DNA schädigen, Insulin-ähnliche Wachstumsfaktoren anregen sowie die Zellschädigung durch freie Radikale fördern.

Weitere Studien sind jedoch nötig, um bestimmte Nährstoffe im Fleisch, wie z. B. Hämeisen, aber auch karzinogene Substanzen, wie heterocyclische Amine oder Nitrosamine, die durch bestimmte Kochmethoden entstehen, zu untersuchen, insbesondere in Bezug auf seltene Tumorarten.

Außerdem stellten die Forscher fest, dass bestimmte Praktiken bei der Tierhaltung, wie z. B. der Einsatz von Antibiotika, ebenfalls zur Kanzerogenität solcher Produkte beitragen könnten.

Pflanzenbasierte Ernährung schnitt besser ab

In einer Studie von 2022 zeigte die Analyse der Daten von mehr als 470.000 Personen das Folgende (4):

Krebsrisiko insgesamt

Wenig-Fleisch-Esser, Fischesser und Vegetarier hatten ein niedrigeres Gesamtkrebsrisiko (4) im Vergleich zu regelmäßigen Fleischessern (4).

Darmkrebs

Wenig-Fleisch-Esser hatten ein geringeres Risiko, insbesondere Männer.

Brustkrebs (postmenopausal)

Vegetarische Frauen hatten ein geringeres Risiko, das jedoch nach Anpassung an den BMI nicht mehr signifikant war. Das bedeutet, dass pflanzenbasiert essende Frauen meist auch ein gesünderes Körpergewicht haben.

Prostatakrebs

Fischesser und Vegetarier hatten ein geringeres Risiko für Prostatakrebs.

Fazit: Weniger Fleisch essen und das Krebsrisiko reduzieren

Insgesamt ist es in Bezug auf eine gute Prävention somit wichtig, den Verzehr deutlich zu reduzieren – ganz gleich ob unverarbeitete oder verarbeitete Produkte (Wurst, Schinken etc.).

Update 15.12.2024

Wir haben den Artikel um die Studien 2, 3 und 4 und um jeweilige Abschnitte ergänzt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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