Fragen zur Antibiotika-Prophylaxe für meine Tochter
Liebes ZDG-Team,
meine Tochter ist 12 Wochen alt und leidet an einem Nierenreflux. Laut Behandlungsrichtlinien ist eine Antibiotika-Prophylaxe für ein Jahr vorgesehen, um Harnwegsinfekte zu verhindern, die bei Nierenreflux-Kindern die Nieren schädigen können.
Zunächst habe ich mich gegen die Antibiotikagabe gesträubt. Nach einem auffälligen Urintest haben wir jedoch das erste Antibiotikum verabreicht. Der Urintest stellte sich später als falsch-positiv heraus, was die Antibiotika-Gabe unnötig machte. Trotz der Entwarnung des Tests und unserer Bedenken riet der Nephrologe zur Prophylaxe. Nach drei Wochen riet uns ein Kinderurologe, das Antibiotikum abzusetzen, was wir taten.
Leider trat eine Woche später ein Harnwegsinfekt auf, der mit einem Klinikaufenthalt und intravenösem Breitbandantibiotikum behandelt werden musste. Um weitere Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, haben wir uns schweren Herzens entschieden, die Antibiotika-Prophylaxe für ein Jahr fortzuführen.
Meine Fragen:
- Könnte der Infekt nach dem ersten Absetzen der Prophylaxe durch eine Beeinträchtigung des Scheiden Mikrobioms entstanden sein? Wir haben etwa drei Wochen Antibiotika gegeben. Ich frage mich, ob das Mikrobiom dadurch geschwächt wurde und der Infekt erst dadurch auftrat.
- Wie kann ich die Auswirkungen der Antibiotika auf den Darm minimieren? Wir geben bereits Begaja-Tropfen und Omni Biotic Panda. Ich stille teilweise, werde dies aber nicht das ganze Jahr schaffen. Gibt es weitere Maßnahmen / bessere Produkte zur Darmunterstützung bei so einen kleinen Kind?
- Die Klinik hat geraten, prophylaktisch ein Mittel gegen Pilzbefall im Mund zu verabreichen. Gibt es noch andere unterstützende Maßnahmen?
- Könnt ihr uns aufmuntern? Ich mache mir Sorgen wegen möglicher langfristiger Folgen wie Adipositas oder ADHS durch die Antibiotika-Gabe. Wenn wir den Darm unterstützen, gibt es dann weniger Risiko für solche Folgen?
Ich leide sehr unter der Antibiotika-Gabe. Es fällt mir schwer, sie zu akzeptieren, weshalb mein Mann die Gabe übernehmen muss. Ich kann es einfach nicht.
Vielen Dank für eure Rückmeldung!
Hallo Christina,
auf Ihre erste Frage gibt es wohl keine Antwort. Denn niemand kann wissen, was passiert wäre, wenn überhaupt keine AB gegeben worden wären. Dies hängt auch vom Schweregrad des Nierenrefluxes ab und von den Prognosen. Fakt ist natürlich, dass AB grundsätzlich das Mikrobiom beeinflussen. Aber auch ohne Antibiotika hätte der Infekt wahrscheinlich irgendwann stattgefunden - je nach Schweregrad des Refluxes.
Allerdings werden AB zur Prophylaxe niedriger dosiert und es werden im Allgemeinen auch andere AB verwendet als jene, die hochdosiert zur Therapie eingesetzt werden. Die Prophylaxe-AB wirken sich meist weniger negativ auf das Mikrobiom aus als die Therapie-AB, auch wenn erstere langfristig gegeben werden.
Besonders negativ auf die Gesundheit Ihres Kindes und die seiner Nieren wirken sich Infekte aus, so dass Ihre Entscheidung zur Prophylaxe erst einmal gut war. Denn Nierenschäden müssen unbedingt verhindert werden.
Ganz entscheidend wäre tatsächlich, dass Sie Ihr Baby so oft und so lange wie möglich stillen. Es gibt für das Mikrobiom und die Gesundheit Ihres Kindes nichts Besseres. Kein Probiotikum oder sonst eine Maßnahme kann das Stillen ersetzen oder das Nicht-Stillen kompensieren. Stillen beugt auch Mundsoor vor bzw. verringert das Risiko. Selbst wenige Milliliter Muttermilch pro Tag können einen sehr positiven Effekt haben! Probiotika wirken ferner besser in Kombination mit Muttermilch.
Milchsäurebakterien könnten zur Soorprophylaxe auch lokal (z. B. mit dem Finger aufgetragen) werden, denn manche Probiotika-Stämme wie Lactobacillus rhamnosus GG oder reuteri wirken antifungal. Sie könnten z. B. ein wenig vom Probiotikum (Pulver oder Tropfen) mit abgekochtem (und natürlich wieder abgekühltem) Wasser oder Muttermilch anrühren und nach dem Stillen direkt auf die Mundschleimhaut tupfen.
Die von Ihnen gewählten probiotischen Präparate sind sehr sorgfältig ausgesucht und ergänzen sich gut. Bleiben Sie dabei!
Ihre Angst vor Langzeitfolgen (z. B. ADHS, Adipositas) durch Antibiotika ist nachvollziehbar, kann aber durch eine gute Mikrobiom-Unterstützung, gesunde Lebensweise und emotionale Stabilität deutlich relativiert werden. Wie geschrieben, geht es jetzt darum, bleibende Nierenschäden zu verhindern. Diese können Ihr Kind sehr viel stärker beeinträchtigen als ein mögliches ADHS oder Übergewicht, zumal diese beiden Problematiken ja nicht zwangsläufig entstehen, da sie multifaktoriell sind, es also noch viele weitere Voraussetzungen braucht, damit diese Folgen auftreten würden.
Gerade weil Sie so kompetent sind, sich so gut kümmern, Alternativen suchen und begleitende Maßnahmen umsetzen, tun Sie das Bestmögliche für Ihr Baby und reduzieren Langzeitfolgen auf ein Minimum.
Möglicherweise könnte die "Windelfrei"-Erziehung (Ausscheidungskommunikation) eine hilfreiche Säule in Ihrer Therapie werden. Dabei kommt es zu häufigerer Blasenentleerung, was zu weniger Blasendruck und weniger Restharn führt und so dazu beiträgt, das Reflux- und Infektrisiko zu senken. Der seltenere Windelkontakt könnte überdies zu einem besseren Mikrobiom führen. Der Ansatz erfordert jedoch viel Zeit, Geduld und Elternbeteiligung.
Alles Gute und viele Grüße, Ihr ZDG-Team