Teufelskralle: Ist die Teufelskralle blutverdunnend und erhoht sie Diabetes?
Hallo, liebes Team. In Ihrem Artikel zur Teufelskralle schreiben Sie: "Einer Studie zufolge verdünnt die Teufelskralle das Blut nicht (9)." Welche Studie ist das, wo finde ich einen Hinweis darauf? Ich bin etwas unsicher, da im Internet auch gegenteilig geschrieben wird. Meine Eltern nehmen jetzt beide das Pulver der Teufelskralle, mein Vater nimmt als Blutverdünner ASS und meine Mutter Eliquis, könnte das problematisch sein?
In puncto Diabetes lese ich im Netz auch beide Varianten, mal dass Teufelskralle den Zucker erhöht, mal dass sie ihn senkt. Was stimmt hier? Meine Mutter nimmt Teufelskralle, hat aber ziemlich hohen Zucker, will aber nicht spritzen, denn das ist der Anfang vom Ende. (Sie ist Mitte 80, macht Sport, ist schlank, isst sehr gesund und versucht alles, damit der Zucker runter geht, aber nichts funktioniert richtig und die Ärzte sind nicht hilfreich.)
Einen Arzt zu fragen, was meine Eltern betrifft, ist recht sinnfrei. Die haben von Naturmitteln keine Ahnung und würden garantiert abraten.
Über eine Antwort wäre ich sehr dankbar.
Liebe Grüße
Rosi
Hallo Rosi,
wenn Sie zu unserer Quellenliste nach unten scrollen und unter der Fußnote (9) schauen, finden Sie die Studie: 9) Moussard C, Alber D, Toubin MM, Thevenon N, Henry JC. A drug used in traditional medicine, harpagophytum procumbens: no evidence for NSAID-like effect on whole blood eicosanoid production in human. Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids. 1992 Aug;46(4):283-6.
Dies betrifft jedoch nur einen bestimmten Gerinnungsweg (Hemmung der Blutplättchenfunktion - wie es Aspirin tut). Daher wird in Fachinformationen und Wechselwirkungsdatenbanken zur Vorsicht geraten, wenn Blutgerinnungshemmer eingenommen werden, ob ASS oder Eliquis oder andere. Dies liegt daran, dass wohl einzelne Fallberichte mit einer verstärkten Blutungsneigung nach Einnahme der Teufelskralle vorliegen.
Naturheilmittel enthalten viele biologisch aktive Stoffe, deren Wechselwirkungen oft nicht vollständig untersucht sind. Gerade bei älteren Menschen kann auch die Empfindlichkeit bei der Einnahme von Kombinationen höher sein.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Kombination problematisch ist — viele Menschen nehmen solche Präparate ohne erkennbare Schwierigkeiten ein. Es hängt also vom einzelnen Menschen ab.
Zum Thema Diabetes gibt es Hinweise aus Labor- und Tierstudien, dass die Teufelskralle den Blutzucker eher senken könnte. Da es aber keine klinischen Studien gibt, gilt eine zuverlässige blutzuckersenkende Wirkung am Menschen als nicht belegt. Eine Blutzuckererhöhung durch Teufelskralle ist uns nicht bekannt, was nicht bedeutet, dass sie im Einzelfall nicht auftreten könnte.
Dass eine schlanke, aktive Frau trotz gesunder Ernährung hohe Zuckerwerte hat, kommt im höheren Alter durchaus vor. Vermutlich liegt es an der Genetik, das z. B. die Bauchspeicheldrüse nicht mehr so leistungsfähig ist oder sich eine Insulinresistenz einstellt, was möglicherweise bei weniger gutem Lebensstil dann schon Jahre zuvor eingetreten wäre.
Auch wir vermeiden Medikamente wo immer möglich. Doch in diesem Fall muss man klar sagen: Insulin bedeutet keinesfalls den „Anfang vom Ende“. Es ist hier sogar entscheidend für die weitere Gesundheit. Denn die Anwendung von Insulin verhindert Folgeschäden des dauerhaft erhöhten Blutzuckers. Dieser ist also bedeutend gefährlicher, z. B. für die Nieren, die Nerven und die Augen.
Eine Niereninsuffizienz oder eine Polyneuropathie würden dann nämlich ganze andere Kaliber an Medikamenten erfordern, von den Einschränkungen der Lebensqualität ganz abgesehen.
Gerade bei älteren Menschen geht es oft nicht um „perfekte“ Zuckerwerte, sondern darum, die beschriebenen Beschwerden und Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität zu erhalten. Manchmal reicht schon eine kleine Menge Insulin, z. B. nur abends ein langwirksames Basalinsulin.
Viele Grüße, Ihr ZDG-Team