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Lactoferrin aus fermentierten Bohnen und Linsen

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Frage richtet sich auf Herstellung von Lactoferrin ohne tierische Milch. Ich hab das Gefühl, dass man Lactoferrin aus fermentierten Gemüsen ebenso herstellen kann. Wie Natto oder Sauerkraut, nur will die Milchindustrie das auch verhindern. Theoretisch kann Lactoferrin auch in Natto entstehen. Soja hat nämlich ziemlich viel Eisen und ebenso Proteine oder Ackererbsen sind auch dafür geeignet. Ob jemand diesebezüglich evtl. Erfahrung gemacht hatte? Cranbeerysäfte killen Paradonthitisbakterien und Cranbeerysaft hat viel Eisen und ebenso Folsäure, was im Allg. Bakterien mit Vitamine D zusammen tötet.

2. März 2025
1 Antwort
Carina Rehberg
Carina Rehberg
ZDG-Redaktion
3. März 2025

Hallo, vermutlich reicht ein Gefühl nicht aus, um einen bestimmten Stoff aus neuen Rohstoffen herstellen zu können ;-), zumindest nicht mit Fermentation im Haushalt.

Lactoferrin ist ein eisenbindendes Glykoprotein, das natürlicherweise in Säugetiermilch vorkommt, insbesondere in Kuhmilch, Muttermilch und Kolostrum. Es hat starke antibakterielle, antivirale und immunmodulierende Eigenschaften.

Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass pflanzliche Fermente von Natur aus Lactoferrin enthalten. Lactoferrin ist ein tierisches Protein, das in Säugetiermilch gebildet wird – Pflanzen produzieren es nicht.

Fermentierte Lebensmittel wie Natto oder Sauerkraut enthalten andere eisenbindende Proteine und Peptide, aber kein echtes Lactoferrin.

Mit einigem technologischem Aufwand lässt sich Lactoferrin jedoch auch vegan bzw. mit Hilfe von Hefen aus pflanzlichen Nährmedien (Zuckern) herstellen. Die eingesetzten Mikroorganismen sind unseres Wissens nach gentechnisch verändert. Es handelt sich somit um einen technisch sehr aufwendigen Prozess, da es sich bei Lactoferrin auch um ein sehr komplexes Protein handelt.

Bevor die Milchindustrie entsprechende Entwicklungen im Bereich Lactoferrin verhindert, was vermutlich so oder so nicht möglich wäre, investiert sie lieber in die entsprechenden Firmen und kann auf diese Weise ebenfalls davon profitieren.

Viele Grüße, Ihr ZDG-Team

Runningdave
Runningdave
14. Juni 2025
Moin Katakat2, ich wollte mich an dieser Stelle auch kurz zu Wort melden (auch als jemand der mit der Milchlobby sehr unfreiwillig viel zu tun hatte) und wollte folgendes anmerken: Selbst wenn durch sogenannte "Präzisionfermentation" von Lactoferrin durch Hefezellen wir jetzt schon gross-technisch Lactoferrin OHNE Milch herstellen könnten, so würde es leider JAHRE dauern bis es zugelassen ist. Der Grund lautet "Novel Food", das ist eine EU Verordnung und sie bedeutet dass ein Lebensmittel VOR 1997 bereits in nennenswertem Umfang konsumiert werden musste ansonsten muss es erst bei der EFSA aufwendig und langwierig zugelassen werden. Das führt auch zur nächsten Herausforderung. Auch wenn es nicht direkt Laktoferrin in Pflanzen als Verbindung gibt, kann es natürlich artverwandte molekulare Verbindungen geben die als Komplexbildner fungieren können (also vereinfacht gesagt "Eisen-Schwämme). Aber wenn die Verbindungen aus für das EU-Lebensmittelrecht bisher unbekannten Pflanzen gewonnen werden würde (sagen wir mal aus Südostasien oder Lateinamerika), dann würden wir wieder vor dem Problem der notwendigen "Novel Food"-Zulassung stehen. Und nur mal als Beispiel: Chiasamen mussten auch für Novel Food zugelassen werden. Zu deiner Kasein Unvertäglichkeit - es kann sein dass manche Lactoferrin Produkte nicht ausreichend aufgereinigt sind, mein Hinweis wäre es mit Produkte zu versuchen, die als "kaseinfrei" ausgewiesen sind oder einen hohen Reinheitsgehalt haben.
katakata2
katakata2
4. März 2025
Liebe Frau Rehberg, vielen Dank für Ihre Antwort. Dann wird es in der Zukunft wahrscheinlich so aussehen, dass man eher aus Pflanzen Lactoferrin herstellt. Weil pflanzlicher Lactoferrin weder Lactose noch Kasein beinhaltet. Ich denke nicht, dass es so kompliziert ist, es aus pflanzlichen Basisgrundstoffen zu produzieren. Die Milchindustrie hat leider solche Massnahmen, wo Milchindustrie auch gegen pflazliche Milch wettert, indem es immer klarer ist, dass Milch ungefähr für 40% der Erdbevölkerung hilfsreich ist, für die Rest eher nicht. Ich hab Kaseinallergie und leider kann ich kein Lactoferrin zu mir nehmen, weil ich von Kasein enorme Gelenkenschmerze bekomme. Alias Entzündungen. Meine ganze Famile kann ab ca. 30 keine Milchprodukte verdauen. Leider ist es genetisch bei uns. Wie bei den Asiaten. Nur sind wir keine Asiaten von der Abstammung her, sondern Europäer. Bin sicher, dass man von Natto auch Bestandstoffe auf Lactoferrin modifizeiren kann. Das Gleiche ist bei Pentadecansäure, wovon die Milchindustrei sehr vehement verbreitet hatte: "Oh, man kann Pentadecansäure, was stärker als Astaxanthin ist, NUR in Milchprodukten zu finden." Tja. Durian, was eine Frucht aus Thailand ist, findet man mehr Pentadecansäure als in Milch selbst. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9135213/ Und anscheind ist stärkeres Antioxidant als Omega-3 und Astaxanthin zusammen. Das ist meine Meinung ebenso über Lactoferrin. Man mag die pflanzliche Varianten nicht so bekannt zu machen, weil es der Milchindustrie eindeutig schaden würde. Lactoferrin ist auch pflanzlich herstellbar. Gerade haben Sie es mir bewiesen. Vielen Dank noch einmal
Carina Rehberg
Carina Rehberg
4. März 2025
Hallo katakata2, ja, ich schrieb, dass es möglich ist, aber ich schrieb auch, dass es nur mit enormem technologischen Aufwand möglich ist. Wenn Sie aber denken, dass es nicht kompliziert ist, dann wäre es gut, Sie würden dies den unwissenden Firmen und Wissenschaftlern mitteilen, damit sich diese künftig den bisherigen Aufwand sparen können ;-) Ja, Milchunverträglichkeiten sind weit verbreitet. Lactoferrin enthält jedoch im Allgmeinen kein Kasein. Wenn Sie daher Lactoferrin nicht vertragen, dann haben Sie sicher auch gegen andere Milchproteine Unverträglichkeiten, nicht nur gegen Kasein. Viele Grüße Ihr ZDG-Team