Vitamin B3
Ich bin an Ihrer Einschätzung bezüglich Vitamin B3 (Niacin) und des Risikos für Herz- und Gefäßkrankheiten interessiert. Ich beziehe mich auf einen Artikel der Ruhruni Bochum vom 02.03.2024.
Hallo,
die Studie der Ruhruni zeigt, dass zwei Niacin-Abbauprodukte (2PY und 4PY) das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle um das 1,6–2‑Fache erhöhen können. Es ist aber unklar, ob diese durch Nicotinsäure oder Niacinamid entstanden sind
Beide Varianten – Nicotinsäure und Niacinamid – können über den NAD‑Abbauweg zu diesen Metaboliten führen. Problematisch wird es aber erst bei dauerhaft überhöhter Niacin-Zufuhr, jenseits von 35–50 mg pro Tag, die z. B. durch angereicherte Lebensmittel oder hoch dosierte Supplements entstehen kann.
Gerade in den USA oder Kanada nehmen Menschen über angereicherte Lebensmittel (Mehl, Frühstückscerealien, Riegel) häufig zu viel B3 zu sich. Auch der heutige Hochdosis-Hype - wenn z. B. täglich und dauerhaft 500 mg B3 genommen werden - könnte das Herz-Kreislauf-Risiko gemäß der genannten Studie erhöhen.
Allerdings müssen die Studienergebnisse durch weitere Studien überprüft werden, denn die Metabolite sollten ja im Normalfall ausgeleitet werden, so dass es möglicherweise noch andere Mitfaktoren geben könnte, die überhaupt erst dazu führen, dass die Metaboliten sich anreichern und dann proentzündlich wirken können.
Entscheidend ist jedoch, dass man generell Vitamine (und andere Nahrungsergänzungen) immer wohlüberlegt nimmt, also in der individuell benötigten Menge, dass man Fertigprodukte auf Vitaminzusätze überprüft, dass man höhere Dosen nur kurweise und nicht jahrelang nimmt und vor allem, dass man sie nicht mit Allheilmitteln verwechselt (nach dem Motto "ich nehme hohe Vitamindosen, esse und lebe aber ansonsten suboptimal").
Viele Grüße, Ihr ZDG-Team