Orthorexia Nervosa
Menschen mit dem Verlangen sich möglichst gesund zu ernähren leiden, wenn es nach Ansicht mancher Psychologen ginge, an der umstrittenen Krankheit Orthorexia Nervosa, einer psychischen Essstörung.
Veröffentlichung am 02.09.2010 um 13:13 Uhr / Aktualisierung am 05.01.2012 um 12:54 Uhr 
(Zentrum der Gesundheit) - Sie ernähren sich gerne gesund? Kaufen dann und wann im Bioladen ein? Studieren das eine oder andere Zutatenetikett? Ja? Dann könnte es durchaus sein – auch wenn Sie sicher anderer Meinung sind – dass Sie psychisch krank sind. Jedenfalls wird die Essstörung namens Orthorexia nervosa genau so beschrieben. Ist diese „neue Krankheit" nun ernst zu nehmen oder ist sie nichts anderes als die gut getarnte Rechtfertigung jener, die einfach nicht von ihrem Junk Food lassen können?
Die Psycho-Fraktion unter den Ärzten bringt immer wieder Erstaunliches zustande. Während es bislang als vorbildlich galt, biologisch erzeugte Produkte zu kaufen, auf eine rundum ausgewogene Versorgung mit allen Vitaminen und Mineralien zu achten und Wert auf eine möglichst schonende Zubereitung der Mahlzeiten zu legen, definieren die Experten für verwirrte Geister dieses Verhalten jetzt als mentale Störung. Das ist wirklich kein Scherz.
Wenn Sie sich also darum bemühen, sich gesund zu ernähren, dann benötigen Sie diesen Ärzten zufolge aller Wahrscheinlichkeit nach eine Therapie inklusive psychotroper und nebenwirkungsreicher Medikation.
Die mentale Störung, die sich in einer gesunden Ernährungsweise äußert, wird Orthorexia nervosa genannt, was man mit „gesunde Essstörung“ übersetzen könnte (zu griechisch: orthós: der richtige und órexi: Appetit). Natürlich sagt das kein Arzt, weil sich das so gar nicht krank anhört. Übersetzt ins Griechische jedoch klingt das „Leiden“ zugegebenermaßen äußerst intelligent, wissenschaftlich und – was besonders wichtig ist – beunruhigend.
Die Namen der allermeisten Krankheiten entstehen auf diese Weise: Ärzte beschreiben einfach nur die Symptome, die sie sehen, und übersetzen diese – des besseren Klanges wegen (vordergründig natürlich der internationalen Verständigung mit anderen Ärzten wegen) – ins Lateinische oder ins Griechische.
Osteoporose zum Beispiel heißt nichts anderes als „Knochen mit Löchern drin“, was sich zugegebenermaßen ziemlich profan anhört. Stellen Sie sich einen Professor der Medizin vor, der über „Knochen mit Löchern drin“ referiert. Das ist schlicht unvorstellbar. Daher die weise klingenden Fremdwörter.
Kommen wir zurück zur „Orthorexia”-Krankheit. Die englische Tageszeitung „The Guardian“ berichtete: „An Orthorexia leidende Menschen haben meist strikte Regeln fürs Essen.
Sie weigern sich Zucker, Salz, Koffein, Alkohol, Weizen, Gluten, Hefe, Soja, Mais und Kuhmilchprodukte anzurühren – und das ist nur der Anfang ihrer strengen Ernährungsrestriktionen. Auch Nahrungsmittel, die mit Pestiziden oder Herbiziden in Kontakt gekommen sind oder künstliche Zusatzstoffe enthalten, kommen für sie keinesfalls in Frage.“
Es mag sich zwar ein bisschen seltsam anhören, wenn Menschen sich als mental gestört qualifizieren, nur weil sie keine Chemikalien und keinen Zucker im Essen haben möchten, doch die offiziellen Gesundheitsexperten, denen zufolge das so sein soll, neigen ja generell zu teilweise überschäumender Phantasie – ob nun aus eigenem Antrieb oder weil sie dafür bezahlt werden, mag dahingestellt bleiben.
Wer darauf achtet, Pestizide, Herbizide, Zucker und genetisch veränderte Nahrungsmittel wie Soja und Mais zu vermeiden, tickt also nicht mehr richtig. Selbstverständlich wird gleichzeitig das Essen von Junk Food als völlig normal angesehen, über dessen negative Auswirkungen auf die Gesundheit sich bloß keiner den Kopf zerbrechen möge.
Wenn Sie also industriell verarbeitete Nahrungsmittel zu sich nehmen, die voller synthetischer Lebensmittelzusatzstoffe und aufgrund ihrer Verarbeitung, ihrer minderwertigen Zutaten und ihrer teilweise wochenlangen Lagerung im Supermarkt extrem vitalstoffarm sind, ist das für die Experten vollkommen okay. Aber passen Sie bloß auf, dass keiner dieser Experten Sie dabei beobachtet, wie Sie Ihren Bioladen betreten und dort womöglich gewissenhaft das eine oder andere Zutatenetikett studieren. Man könnte Sie als geisteskrank und behandlungsbedürftig einstufen.
Noch schlimmer stünde es übrigens um Sie, wenn Sie im eigenen Garten Ihr Gemüse selbst anbauten, um sich mit möglichst frischen und gesunden Lebensmitteln zu versorgen. Das wäre dann das Endstadium.
Schon vor Jahren warnte man, dass sicher schon bald der Versuch unternommen werde, Brokkoli gesetzlich zu verbieten. Schließlich sei dieses Gemüse ziemlich gesund und enthalte krebsbekämpfende Phytonährstoffe. Klingt ziemlich übertrieben. Vor dem Hintergrund der Orthorexia-Definition ist diese Vermutung aber womöglich gar nicht so weit hergeholt.
Irgendwie erhält man immer mehr den Eindruck, dass unauffällig Maßnahmen ergriffen werden sollen, die es dem selbst denkenden und eigenverantwortlichen Menschen bald unmöglich machen könnten, selbst für seine Gesundheit zu sorgen und Krankheiten mit Hilfe eines natürlichen und gesunden Lebensstils vorzubeugen (siehe auch: Fragwürdiger Verbraucherschutz).
Gesundheitsbewusste Menschen werden mit der Schaffung dieser Krankheit nicht nur vorsätzlich ins lächerliche Abseits der Gesellschaft gedrängt, man hat künftig auch alle Rechtfertigungen der Welt, sie in psychiatrische Kliniken einzuweisen, da sie als mental instabile Menschen deutlich behandlungsbedürftig sind.
Hat man sie einmal in der Gummizelle, werden ihnen bewusstseinstrübende Psycho-Drogen injiziert und mästet sie mit der üblichen 08/15-Ernährung, die industriell verarbeitet, biologisch tot und voller giftiger Chemikalien ist. Klingt noch übertriebener als die Sache mit dem Brokkoli-Verbot, ich weiß, dürfte aber nicht gänzlich unmöglich sein.
Der Guardian ist außerdem sehr um eine mögliche Unterernährung der gesund Essenden besorgt. Er schreibt: „Die Besessenheit dieser Leute, Nahrungsmittel ständig in „gute Nahrungsmittel“ und „schlechte Nahrungsmittel“ einzuteilen, führt dazu, dass die an Orthorexia leidenden Menschen unterernährt sind.“
Bei all den Übergewichtigen, die uns umgeben, fällt ein gesund lebender und essender Mensch mit seiner schlanken Silhouette natürlich unmittelbar ins Auge. Das ist klar. Dies als Krankheitssymptom zu werten, um die allgemeine Überernährung zu rechtfertigen, zeugt jedoch nicht gerade von brillanter Intelligenz.
Sollte mit „Unterernährung“ eine Art Mangelernährung aufgrund fehlender Nähr- und Vitalstoffe gemeint sein, dann empfehle ich dem Guardian einen „Pig Mac“ und einen bunten Salat aus verschiedenen biologisch erzeugten Blattgemüsen, Kürbis- oder Pinienkernen, Avocado, Leinöl und Zitronensaft zwecks Nährstoffanalyse in ein Labor zu schicken.
Das Labor möge aber bitteschön nicht nur eine quantitative, sondern auch eine qualitative Analyse erstellen und dabei auch sekundäre Pflanzenstoffe, Enzyme, Chlorophyll sowie die Denaturierung von Eiweißen und Fetten bei Hitze, die Belastung mit Schadstoffen und auch die bei der Verstoffwechslung beider Gerichte entstehenden Säuren und Stoffwechselgifte in die Auswertung mit einbeziehen.
Daraufhin wird man im Salat fast ausschließlich positive Dinge entdecken, während in einem Hamburger kaum etwas gefunden werden kann, das den Organismus NICHT belastet. Leider wird sich für eine solch untypische Untersuchung kaum ein Labor finden. Denn wer will schon herausfinden – und Herausgeber, Verfasser und Informanten des Guardian werden da sicher keine Ausnahme darstellen – dass seine tägliche Nahrung, an die er von Kindesbeinen an gewöhnt ist und die er keinesfalls ändern möchte, nicht gerade die beste Wahl ist?
Es ist also kein Wunder, dass die Menschen heutzutage so krank sind: Wer ohne Unterbrechung von allen Seiten gezeigt und gesagt bekommt, dass all die hübsch verpackten Sachen im Supermarkt einfach wundervoll sind und dass gleichzeitig der Verzehr gesunder Nahrung ziemlich bedenklich sei und möglicherweise gar eine psychische Erkrankung darstelle, der glaubt das und wird nicht im Traum auf die Idee kommen, einen Bioladen zu betreten geschweige denn in seinem Garten den gekämmten Rasen umzustechen, um darauf ein Gemüsebeet anzulegen.
Von den Menschen wird verlangt, dass sie ihre Nahrungsmittel nicht in Frage stellen. Es ist, als sitze ihnen ein oberlehrerhafter Tyrann im Nacken und plappere Ihnen unentwegt ins Ohr: Setzen Sie sich hin, halten Sie den Mund, schieben Sie das Zeug in sich rein und schlucken Sie es verdammt noch mal runter. Hören Sie auf darüber nachzudenken, was Sie da essen und tun Sie einfach das, was Ihnen durch die Mainstream-Medien und die Werbung gesagt wird.
Wer den gesundheitlichen Nutzen von Junk Food in Frage stellt ist psychisch gestört, wussten Sie das noch nicht? Und wenn Sie sich „wie besessen“ um die Qualität Ihrer Nahrung kümmern (wie zum Beispiel durch das Lesen der Inhaltsstoffe), dann sind Sie einfach nur verrückt. Vielleicht sogar krank. Das wollen Sie doch nicht, oder? Also passen Sie sich bitte rechtzeitig an – bevor noch die Leutchen von der nächsten Psychoanstalt vor Ihrer Türe stehen und um ihre Begleitung bitten.
Aber warum, fragen Sie, sollte man gesundheitsbewusste Menschen derart angreifen wollen? Dr. Gabriel Cousens, ein amerikanischer Arzt, Psychologe, Familientherapeut und Meditationslehrer, hat sich eingehend mit dem Einfluss der Ernährung auf Spiritualität und Bewusstseinsentwicklung beschäftigt und kam zu dem Ergebnis: Nur mit einer lebendigen und natürlichen Nahrung kann spirituelles Bewusstsein erreicht werden.
Der Verzehr von Junk Food hält Ihren Geist nieder. Sie sind einfacher kontrollierbar, wenn industriell verarbeitete Nahrung Ihr Hirn umnebelt und es langsam aber sicher verkümmern lässt. Menschen, die von Junk Food leben, sind in der Regel fügsamer und verlieren schnell die Fähigkeit, für sich selbst zu denken. Sie glauben einfach alles, was ihnen im Fernsehen vermittelt wird oder von Menschen, die in scheinbar wichtigen Autoritätspositionen sitzen. Sie stellen selten in Frage, was sie tun und was wirklich in der Welt geschieht.
Menschen, die vitalstoffreiche und natürliche Nahrung lieben, versorgen Geist und Gemüt mit allen relevanten und intakten Nähr- und Vitalstoffen. Dadurch werden sie befähigt, die Realität um sie herum zu hinterfragen. Sie werden sich „bewusst“ und beginnen schließlich, hinter die konstruierte Wirklichkeit der „Matrix(1)“ zu blicken.
Eine solche Entwicklung des menschlichen Bewusstseins ist jedoch nicht erwünscht. Unsere Gesellschaft basiert auf Konsum. Gedankenloser und grenzenloser Konsum ist nur dort möglich, wo Menschen manipuliert und beeinflusst werden können. Menschen sollen blind Nahrung, Medikamente, Krankenversicherungen und Konsumgüter kaufen. Ihre höheren Gehirnfunktionen aber müssen dabei abgeschaltet bleiben.
Industriell verarbeitete vitalstoffarme Nahrungsmittel, die mit einer Vielzahl synthetischer Zusätze versehen sind, helfen dabei schnell und unauffällig. Warum, glauben Sie, ist stark verarbeitetes Essen aus Fertigzutaten weiterhin die Hauptnahrungsquelle in öffentlichen Schulen, Kantinen, Mensen, Krankenhäusern und Gefängnissen?
Dieses Essen verhindert den Zugang zu höheren Bewusstseinsebenen. Gleichzeitig sorgt man unentwegt dafür, dass die Menschen schön abgelenkt sind – mit Fernsehen, negativen Nachrichten voller Gewalt, Angst, Sport und Sex. Sie leben immer noch wie in alten römischen Zeiten und lassen sich kritik- und gedankenlos mit „Brot und Spielen“ ködern.
Wer so lebt, gilt in der heutigen Gesellschaft als „normal“. Normal deshalb, weil es eben so unglaublich viele Menschen – ja die überwältigende Mehrheit aller Menschen – gleichzeitig tun. Doch ist eine Lebens- und Ernährungsweise nur deshalb normal, weil alle sie praktizieren? Ja, denn normal bedeutet, der Norm entsprechend. Das, was die Masse tut entspricht der Norm.
Allerdings muss das, was normal ist, noch lange nicht richtig, noch lange nicht gut für die geistige und körperliche Gesundheit und noch lange nicht gesund für unseren Planeten sein. Wenn sie ein Lemming wären und sich alle ihre Mit-Lemminge über die Klippen stürzen, würden sie ebenfalls springen?
Wer sich von der Norm befreit, wer damit beginnt, für sich selbst zu denken und wer sich mit lebendiger Nahrung ernährt, hat sich für die „Rote Pille(1)“ entschieden. Wer sich lieber mit Brot und Spielen (Junk Food und TV) in den Dauerschlummerzustand (ver)schaukeln lässt, hat längst die „Blaue Pille(1)“ geschluckt, hat sich für ein fremdgesteuertes Leben in einer konstruierten Realität entschieden.
Wenn Sie bewusst leben möchten, wenn Sie die Kontrolle über Ihr eigenes Leben behalten möchten, essen Sie mehr gesunde, lebendige Nahrung. Aber erwarten Sie nicht, dass die Mainstream-„Experten“, all die Ärzte, Psychologen, Psychiater oder auch nur die so genannten Ernährungsberater das besonders gut finden werden. Sie sind alle darauf programmiert, Sie für „verrückt“ zu halten, sobald Sie anfangen, Normalo-Essen zu meiden und gesunde Nahrung zu wählen.
Was aber, wenn diejenigen, die sich gesund und bewusst ernähren, die geistig Gesunden sind? Was, wenn die wirklich Geisteskranken diejenigen sind, die Junk Food vergöttern? Was, wenn die einzige Möglichkeit, in der realen Welt aufzuwachen, darin besteht, lebendige Nahrung zu essen? Vielleicht finden Sie einige Menschen, die bereit dazu sind, ebenfalls die „Rote Pille“ zu wählen. Die meisten sind es nicht. Man kann ihnen die Tür zeigen, doch öffnen und hindurchgehen müssen die Menschen schon selbst.
(1) Matrix/Rote Pille/Blaue Pille: Matrix ist ein Science-Fiction-Film aus dem Jahre 1999. Die Fortsetzung gab es 2003. Hauptdarsteller Neo wird im Film vom Anführer einer geheimnisvollen Untergrundbewegung gefragt, welche Pille er nehmen möchte. Die Rote Pille oder die Blaue Pille. Nimmt er die Blaue Pille, dann werde er weiterhin in der „Matrix“ leben, sein Leben werde sich also nicht verändern. Nehme er jedoch die Rote Pille, entscheide er sich für die Wahrheit und werde das Leben so erleben, wie es wirklich ist. Die Matrix ist also das Leben, wie es uns von unserer Umwelt vorgegaukelt wird, ein Leben, in dem wir – natürlich völlig unbewusst – nur das tun, was andere möchten, dass wir es tun (Medien, Werbung, multinationale Konzerne und all ihre unerkannt bleibenden Drahtzieher im Hintergrund). Im Film wird dieser Sachverhalt science-fiction-mäßig in einer (vermutlich) übertriebenen Weise dargestellt. Nachdem er die Rote Pille genommen hatte, erwacht Neo in einer für ihn bis dahin unvorstellbaren Realität: Bis auf wenige Überlebende und Befreite werden alle Menschen von intelligenten Maschinen in riesigen Zuchtanlagen gehalten und dort als lebende Energiequellen genutzt. Ihre Körper sind an eine komplexe Computersimulation, die Matrix, angeschlossen, die ihnen eine komplette Scheinrealität vorgaukelt (die „normale“ Realität, die wir für real halten).
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