Der Darm steuert Emotionen


Verschiedene Forscher haben sich in den letzten Jahren vermehrt mit der Kommunikation zwischen Darm und Gehirn beschäftigt. Unser Darm kann scheinbar unsere Emotionen steuern.

Der Darm steuert Emotionen

Veröffentlichung am 22.09.2011 um 11:21 Uhr / Aktualisierung am 14.05.2012 um 17:55 Uhr  Drucken Sie diese Seite

(Zentrum der Gesundheit) - Verschiedene wissenschaftliche Studien haben in den letzten Jahren bestätigt, dass unser Darm direkt mit unserem Gefühlszentrum im Gehirn in Kontakt steht. Nicht nur die Ernährung, sondern auch das Immunsystem und sogar die Darmflora sind wohl in der Lage unsere Emotionen zu steuern. Erfahren Sie hier, wie Sie mit Hilfe einer gesunden Ernährung Ihren Darm und dadurch auch Ihre Psyche unterstützen können.

Der Darm steuert Emotionen Mehr Freude im Leben dank einer optimalen Darmgesundheit

Gesunde Ernährung macht glücklich

Jeder von uns weiss mit Sicherheit aus eigener Erfahrung, dass es einen Zusammenhang zwischen der Ernährung, beziehungsweise dem Darm und unseren Emotionen gibt. Scheinbar kann sowohl die Psyche Einfluss auf den Magen-Darm-Trakt nehmen, als auch umgekehrt.

Gerade in Sprichwörtern oder Volksweisheiten ist diese Verbindung fest in unserer Sprache verankert und bestätigt sich immer wieder: Man hat „Schmetterlinge im Bauch“, wenn man verliebt ist, Stress „schlägt auf den Magen“, Hunger kann schon mal zu schlechter Laune führen und Schokolade hilft zumindest kurzfristig gegen Liebeskummer.

Auch uralte Heilmethoden wie beispielsweise die ayurvedische Heilkunst aus Indien bauen seit tausenden von Jahren auf den Zusammenhang zwischen Ernährung und Emotionen. Aber wie funktioniert das?

Der Darm steuert Emotionen

In den letzten Jahren wurde dieses Thema vermehrt von der Wissenschaft aufgegriffen, um dem Grund der Verbindung von Ernährung und Emotionen auf die Spur zu kommen. Neurogastroenterologen (Forscher im Bereich der Neurowissenschaften des Magen-Darm-Tranktes) wie Peter Holzer - Professor für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität in Graz - sind sich sicher, dass nicht nur die Nahrung an sich, sondern auch unser Darm einen enormen Einfluss auf unsere Emotionen nimmt:

Unsere Gemütslage wird vom Darm viel stärker beeinflusst, als wir uns das bisher träumen liessen

Die Bedeutung des Darms

Da unser Darm zahlreiche Falten und kleine Ausstülpungen besitzt, nimmt er eine 100 mal grössere Oberfläche als unsere Haut ein. Er besitzt zudem ein eigenes, sehr grosses Nervensystem, zahlreiche Zellen, die Signalmoleküle ausschütten, oder Signale wahrnehmen können und beinhaltet neben einer riesigen Anzahl an Darmbakterien auch den grössten Teil unseres Immunsystems. Betrachtet man diese Punkte, wird einem schnell bewusst, welche Wichtigkeit der Darm für uns hat - aber nicht nur für die körperliche, sondern auch für die geistige Gesundheit.

Die Forschung hat verschiedene Theorien aufgestellt, wie der Darm unsere Emotionen steuern kann und versucht jeden Tag neue Puzzelteile in diesem komplexen System aufzudecken. Der aktuelle Stand der Forschung lässt sich grob wie folgt zusammenfassen:

Unser Darm kann entweder über sein komplexes Nervensystem oder über das Immunsystem mit unserem Gehirn Kontakt aufnehmen und so scheinbar die Emotionen steuern. Es können sowohl die Inhaltsstoffe und die Konsistenz der Lebensmittel, als auch verschiedene Signale der Darmbakterien an der Kommunikation zwischen Darm und Gehirn beteiligt sein. Wahrscheinlich spielen alle Faktoren zusammen und ergeben eine vielschichtige Reaktion in unserem Gehirn.

Fleisch speichert Emotionen

Wir berichteten schon vor Jahren darüber, dass Fleisch Emotionen der Tiere speichert und unsere Emotionen beim Verzehr dieses Fleischs beeinflussen kann. (Lesen Sie den ganzen Artikel hier: Fleisch speichert Emotionen) Dieser Artikel wurde oft kritisiert und als unwissenschaftlich bezeichnet. Doch betrachtet man die Tatsache, dass unser Darm und die Inhaltsstoffe unserer Nahrung tatsächlich unsere Gefühle beeinflussen können, lassen sich viele Passagen des Texts mittlerweile wissenschaftlich belegen. Wenn Tiere aus nicht artgerechter Haltung ständig unter Stress stehen, kann es durchaus sein, dass bestimmte Stoffe gebildet werden, die sich im Muskelfleisch oder bestimmten Organen ablagern und später beim Verzehr dieses Fleisches von unserem Darm wahrgenommen werden und dadurch unsere Emotionen beeinflussen.

Die Psyche über den Darm heilen?

Gerade für Menschen, die an Depressionen leiden, könnten all diese Punkte von grosser Bedeutung sein. Früher wurde die Ursache für psychische Erkrankungen nur im Gehirn gesucht, doch mittlerweile ist man auch dazu übergegangen, die Psyche mit der Ernährung und dem Darm in Verbindung zu bringen. Ernährung und Depressionen hängen wohl doch dichter zusammen als vermutet.

Serotoninmangel bei Depressionen

Verschiedene Ursachen können unseren Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen, was konsequenterweise zu psychischen Erkrankungen führen kann. Liegt beispielsweise ein Mangel des Hormons Serotonin vor, kann das zu Depressionen führen, denn Serotonin ist in unserem Gehirn dafür verantwortlich, Glücksgefühle zu vermitteln. Doch auch der Serotoninmangel kommt durch irgendeine Ursache zustande, was man nicht vergessen sollte.

Weitere Informtionen finden Sie auch in den folgenden Artikeln:

Serotonin im Darm

Ein interessanter Punkt ist, dass Serotonin nicht nur bei der Glücksgefühl-Vermittlung eine Rolle spielt, sondern auch im Darm für die Muskelbewegung und damit für eine gesunde Verdauung verantwortlich ist. Verschiedene Forscher vermuten, dass auch andere Verdauungshormone bei der Erkrankung an Depressionen beteiligt sind, da bei Depressiven scheinbar veränderte Zusammensetzungen dieser Hormone beobachtet wurden. Der Hormonhaushalt ist ein hoch komplexes System, der bis ins feinste Detail abgestimmt ist. Gerät dieser aus dem Gleichgewicht, kommt es zu einer Vielzahl an Konsequenzen, die sowohl die Verdauung, als auch die Emotionen betreffen können.

Stimmungsaufhellende Lebensmittel

Für die Bildung von Serotonin werden verschiedene Stoffe wie die Aminosäure Tryptophan, Vitamin C, Magnesium, Mangan, Omega-3-Fettsäuren und auch Zink benötigt. Um die Bildung von Serotonin sicherzustellen, muss der Körper natürlich mit all diesen Stoffen ausreichend versorgt sein. Auch Sonnenlicht ist durch die damit verbundene Vitamin D Produktion bekannterweise ein wichtiger Faktor, um glücklich zu sein. (Lesen Sie mehr zu diesem Thema in folgendem Artikel: Vitamin D im Winter)

Bei kleineren Stimmungstiefs gerade im Winter können bestimmte Lebensmittel helfen, die Serotoninproduktion etwas anzukurbeln:

Schokolade und zuckerhaltige Speisen erhellen zwar auch kurzfristig die Stimmung, weil sie den Blutzuckerspiegel anheben, sind aber in den dafür benötigten Mengen ungesund und machen ausserdem noch dick. Ein weiterer Nachteil ist, dass Zucker wie eine Droge wirkt: erstens kann Zucker süchtig machen und zweitens ist das folgende Tief nach einem Stimmungs-Hoch, das durch Zucker hervorgerufen wurde, umso schwerer zu überwinden - wie bei einer Droge eben.

Eine gesunde und noch dazu leckere Seelennahrung bei schlechter Laune ist beispielsweise die Kombination aus kleingeschnittenen Bananen mit Sonnenblumenkern-, Kürbiskern-, Mandel- oder Cashewmus.

Darmgesundheit gegen Depressionen

Um jedoch dauerhaft glücklich zu sein, sollte man mehr tun, als nur diese kleinen Stimmungsaufheller zu essen. Depressionen werden scheinbar stark durch die gesamte Ernährung und die Kommunikation von Darm und Gehirn gesteuert. Verschiedene Studien kamen zu dem Schluss, dass eine gesunde Ernährung, die auf viel frischem Obst, Gemüse und guten Fetten basiert, Depressionen lindern kann und für dauerhaft gute Emotionen sorgen kann. Einerseits müssen unserem Körper alle nötigen Nähr- und Mineralstoffe zur Verfügung stehen und andererseits muss auch die Darmflora intakt sein. Denn wie bereits erwähnt, haben wohl auch die Darmbakterien einen Einfluss auf unser Befinden.

Darmgesundheit und Autismus

Die Wissenschaftler fokussieren sich mehr und mehr auf die Bedeutung unseres Darms in Bezug auf unsere Psyche. Nicht nur Depressionen sondern auch andere psychische Erkrankungen und sogar der Autismus scheinen in Zusammenhang mit der Darmflora zu stehen. Verschiedene Forschungen konnten zeigen, dass bei autistischen Kindern die Darmflora im Vergleich zu gesunden Kindern extrem verändert ist. Warum das so ist, konnte noch nicht herausgefunden werden, doch alleine diese Ergebnisse, zeigen, dass die kleinen Bewohner in unserem Darm mehr zu sagen haben als man denkt.

Die Darmbakterien kommunizieren mit uns

Die Darmbakterien verständigen sich untereinander und mit unserem Körper über verschiedene Signale. Je nachdem wie es den Darmbakterien geht, schütten sie bestimmte Signalstoffe aus. In unserer Darmwand sitzen zahlreiche Rezeptoren, also bestimmte Proteine, die wie Antennen ein Signal empfangen können. Stoffe, die in unserem Darm freigesetzt werden (entweder aus der Nahrung oder von den Darmbakterien) werden mit Hilfe dieser Rezeptoren wahrgenommen. Da die Rezeptoren über Nerven mit dem Gehirn verbunden sind, gelangen die Signale aus dem Darm auch in unseren Kopf, wo sie viele Prozesse und höchstwahrscheinlich auch die Emotionen steuern.

Einer der führenden Wissenschaftler auf diesem Forschungsfeld - Emeran Mayer, Professor an der University of California in Los Angeles (UCLA) - sagte zu diesem Thema:

Die Verbindungen zwischen Gehirn und Darm verlaufen immer in beide Richtungen. Deshalb ist es so schwer, zu sagen, was die Ursache und was die Folge ist. Wenn aber die Mikroben im Darm tatsächlich mit psychischen Problemen zusammenhängen, könnte man dort eventuell mit einer Behandlung ansetzen.

Glücklich durch Entschlackung

Beim Fasten und der damit verbundenen Entschlackung werden ebenfalls eine Vielzahl an Botenstoffen ausgeschüttet, die uns glücklich machen. Wissenschaftler behaupten, dass dies evolutionär begründet sei, um uns während schwieriger Zeiten mit Nahrungsmittelknappheit bei Laune zu halten. Doch abgesehen davon, lassen die oben genannten Zusammenhänge darauf schliessen, dass sich unsere Darmgesundheit durch eine Entschlackung verbessert, was wiederum an unser Gefühlszentrum weitergeleitet wird.

Darmreinigung für gute Emotionen

Eine logische Schlussfolgerung aus diesen Tatsachen wäre, dass eine Darmreinigung unsere Emotionen positiv beeinflussen kann. Eine Darmreinigung befreit einerseits den Darm von angelagerten Krusten und baut andererseits die Darmflora auf. Beides ist gewissermassen die Grundlage für eine funktionierende Kommunikation zwischen Darm und Gehirn und damit auch die Grundlage für positive Emotionen.

All diese Punkte zeigen einmal mehr, dass die gesamte Gesundheit zu einem grossen Teil von der Gesundheit des Darms abhängt. Also, halten Sie Ihren Darm sauber und achten Sie auf eine gesunde, glücklich-machende Ernährung.

Quellen

  • Emeran A. Mayer „Gut feelings: the emerging biology of gut–brain communication“Nature Reviews Neuroscience 12, 453-466 (August 2011)
    (Darm Gefühle: Die Biologie der Darm-Gehirn Kommunikation)
    [Quelle als Link] [Quelle als PDF]
  • Gershon MD „Review article: serotonin receptors and transporters -- roles in normal and abnormal gastrointestinal motility.“ Aliment Pharmacol Ther. 2004 Nov;20 Suppl 7:3-14.
    (Die Rolle von Serotonin für die Muskelbewegung im Darm)
    [Quelle als Link] [Quelle als PDF]
  • Adams JB et al., „Gastrointestinal flora and gastrointestinal status in children with autism--comparisons to typical children and correlation with autism severity.“ BMC Gastroenterol. 2011 Mar 16;11:22.
    (Die Rolle der Darmflora bei Kindern mit Autismus)
    [Quelle als Link] [Quelle als PDF]
  • de Theije CG et al., „Pathways underlying the gut-to-brain connection in autism spectrum disorders as future targets for disease management.“ Eur J Pharmacol. 2011 Jul 27.
    (Die Verbindung zwischen Darm-Gehirn Kommunikation zu Autismus)
    [Quelle als Link] [Quelle als PDF]
  • Gonzalez A et al., „The mind-body-microbial continuum.“ Dialogues Clin Neurosci. 2011;13(1):55-62.
    (Die Verbindung von Geist, Körper und Mikroorganismen)
    [Quelle als Link] [Quelle als PDF]



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