Wie Säureblocker das Risiko für Covid-19 erhöhen könnten

Säureblocker vom Typ PPI (Protonenpumpeninhibitoren) erkennt man an der Endung -prazol. Die Wirkstoffe heissen Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol, Lansoprazol etc. Die Arzneimittel werden bei vielen Magenproblemen verordnet, etwa bei Reflux, aber auch als "Magenschutz", wenn Medikamente eingenommen werden, die dem Magen schaden könnten, z. B. Schmerzmittel oder manche Antibiotika.

Die Verordnungen von PPI haben in den letzten Jahren derart zugenommen, dass man bereits von einer Überverschreibung spricht. Während im Jahr 1998 nur 1,6 Prozent der Patienten ihren Hausarzt mit einem entsprechenden Rezept verliessen, waren es im Jahr 2015 schon 7,6 Prozent, was umso bedenklicher ist, da Säureblocker zahlreiche Nebenwirkungen haben können (4). Ein erhöhtes Risiko für Covid-19 gehört zu diesen Nebenwirkungen offenbar dazu, wie eine im Juli 2020 veröffentlichte Studie ergab (1, 2).

Säureblocker begünstigen bakterielle Infektionen

Da Säureblocker die Bildung der Magensäure hemmen, die Magensäure aber die wichtige Aufgabe hat, Krankheitserreger abzutöten, begünstigen Säureblocker Infektionskrankheiten. Das Risiko für Salmonellen-, Campylobacter- oder auch Clostridium-difficile-Infektionen steigt unter einer PPI-Therapie bis auf das Sechsfache (3).

Mit Campylobacter-Bakterien kann man sich über nicht ausreichend erhitztes Fleisch, Rohwurst oder auch verunreinigtes Wasser infizieren. Zu den Symptomen können Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Bauchkrämpfe, Übelkeit und Durchfall gehören. Clostridium difficile wird hingegen von erkrankten Menschen übertragen oder auch über Gegenstände, die eine infizierte Person angefasst hatte (Schmierinfektion). Auch hier sind starke Durchfälle die Folge.

Alle diese Bakterien sind weit verbreitet und dennoch erkranken nicht alle Menschen, die mit Campylobacter oder Salmonellen in Berührung kommen. Nur jene erkranken, die entsprechend anfällig sind – und PPI machen anfällig, da sie durch die Hemmung der Magensäure eine wichtige körpereigene Abwehrstrategie ausser Gefecht setzen.

PPI könnten auch anfällig für Covid-19 machen

PPI scheinen nun nicht nur für Bakterien anfälliger zu machen, sondern auch für manche Viren. So soll bei PPI-Patienten das Risiko für Covid-19 deutlich höher sein als bei Personen, die diese Medikamente nicht nehmen – laut Dr. Brennan Spiegel, Professor der Medizin am Cedars Sinai Medical Center in Los Angeles. Spiegels Studie zu diesem Thema wurde am 7. Juli 2020 im The American Journal of Gastroenterology veröffentlicht (1, 2).

Frühere Studien hätten bereits ergeben, dass PPI anfälliger für Infekte mit dem SARS-CoV-1-Virus machen können, einem Virus, der mit SARS-CoV-2 verwandt ist, dem Verursacher von Covid-19.

Wenn PPI nun die Säurebildung im Magen hemmen, dann steigt dort auch der pH-Wert. Ein höherer pH-Wert im Magen aber lässt die Viren ungehindert passieren. Sie gelangen in den Darm und können dort Beschwerden verursachen. Ja, sie können von dort sogar in andere Organe wandern, z. B. in die Lungen. "Es hat also einen guten Grund, dass unser Magen Säure bildet", sagt Spiegel.

Studie: Risiko für Covid-19 steigt durch Säureblocker auf fast das Vierfache

Professor Spiegels Studie wurde anhand der Daten von über 53.000 Personen durchgeführt, die alle an Sodbrennen oder Reflux litten. 6,4 Prozent davon testeten positiv für SARS-CoV-2.

  • Wer von den 53.000 Personen nun einmal täglich PPI nahm, hatte ein mehr als doppelt so hohes Risiko, zu den positiv Getesteten zu gehören als Personen, die diese Medikamente nicht nahmen.
  • Wer zweimal täglich PPI nahm, hatte sogar ein fast viermal so hohes Risiko, zu den positiv Getesteten zu gehören.
  • Wer hingegen zur Bekämpfung seines Refluxes oder Sodbrennens statt PPI die sog. H2-Blocker nahm (auch H2-Rezeptor-Antagonisten genannt), hatte sogar ein etwas geringeres Risiko, infiziert zu sein. H2-Blocker hemmen die Magensäurebildung nicht ganz so stark wie PPI.

Selbstverständlich hatte man in der Studie auch andere bedeutsame Faktoren berücksichtigt, wie das Alter, Geschlecht, sozialer Status, Einkommen, Vorerkrankungen (Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Diabetes etc.) usw. Auch wurde betont, dass man zunächst nur einen Hinweis auf eine Korrelation gefunden habe, ohne zu wissen, ob sich daraus auch eine Kausalität ableiten lasse.

Dennoch wies Spiegel darauf hin, dass Ärzte PPI wirklich nur dann verordnen sollten, wenn diese Mittel auch tatsächlich erforderlich seien.

Professor sagt: Risiko für Covid-19 ist niedrig

Dr. Brian Lacy, Professor an der Mayo Clinic in Jacksonville, Florida stimmt Spiegel zu, da PPI seiner Ansicht nach viel zu häufig verschrieben werden, auch Menschen, die diese Medikamente gar nicht wirklich brauchen. Dennoch seien PPI bei manchen Erkrankungen wichtig, etwa bei einer Speiseröhrenentzündung oder bei Magengeschwüren, so Lacy, der auch Mitherausgeber des American Journal of Gastroenterology ist.

Lacy fügt interessanterweise hinzu, dass das Risiko, überhaupt Covid-19 zu bekommen, niedrig sei. Daher solle auch das fast vervierfachte Risiko durch PPI nicht dazu führen, die Medikamente abzusetzen oder in den entsprechenden wirklich wichtigen Fällen nicht mehr zu verordnen.

Das können Sie tun, wenn Sie Säureblocker brauchen

Sollten Säureblocker nötig sein, könnten Sie Ihren Arzt fragen, ob Sie auch erst einmal mit H2-Blockern starten könnten.

Risikogruppen (Raucher, Ältere, Personen mit Vorerkrankungen), die bereits PPI nehmen und womöglich sogar zweimal täglich, sollten mit ihrem Arzt besprechen, ob man die Einnahme vielleicht auf einmal täglich reduzieren könnte – zumal es bereits Hinweise darauf gäbe, dass eine zweimalige Einnahme gegenüber einer einmaligen keine Vorteile böte, so Spiegel.

Wer PPI bei schweren Erkrankungen verschrieben bekommt, sollte darauf achten, sie nach Ausheilung der Problematik rechtzeitig wieder auszuschleichen, um nicht in den Teufelskreis der Abhängigkeit zu geraten, was dazu führen würde, dass man schliesslich immer höhere Dosierungen benötigt.

Wer PPI bei COPD nimmt (Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung), soll laut einer Studie von 2011 sogar etwas besser vor Erkältungserkrankungen (Rhinoviren) geschützt sein, die andernfalls die Krankheit verschlimmern könnten (5). Gleichzeitig weist eine neuere Untersuchung (von 2018) darauf hin, dass PPI gerade bei COPD eher gefährlich sein könnten, da sie deutlich das Risiko für Lungenentzündung erhöhen, was unbedingt vermieden werden sollte (6). Integrieren Sie daher in Ihre COPD-Therapie besser auch ganzheitliche Massnahmen, die nicht nur einen möglichen Reflux bessern, sondern auch die COPD selbst, wie Sie im genannten Link lesen können.

Wer PPI bei Reflux oder leichteren Beschwerden erhält, sollte mit seinem Arzt besprechen, ob man nicht vielleicht erst mit Alternativen starten könnte. Denn neben all den möglichen Nebenwirkungen können PPI - wie oben erklärt - auch abhängig machen. Ist man die Mittel erst einmal gewöhnt, hat man Schwierigkeiten, wieder von ihnen loszukommen. Es lohnt sich daher enorm, nach Alternativen Ausschau zu halten. Diese finden Sie im vorigen Link.

Auch hatte sich in einer Studie gezeigt, dass schon allein eine bestimmte Ernährung einen Reflux mindestens genauso gut bessern kann wie PPI, so dass es sich auch lohnen könnte, zunächst eine Ernährungsumstellung in Erwägung zu ziehen.

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Quellen

  1. Harrison L, Proton Pump Inhibitors Tied to COVID-19 Risk, 9. Juli 2020, Medscape, 
  2. Chey WD, Spiegel BMR et al., Increased Risk of COVID-19 Among Users of Proton Pump Inhibitors, American Journal of Gastroenterology, Juli 2020, 
  3. Vaezi MF et al., Complications of Proton Pump Inhibitor Therapy, REVIEWS IN BASIC AND CLINICAL GASTROENTEROLOGY AND HEPATOLOGY, Gastroenterology, 2017; 153: 35 – 48, 
  4. Harrison L, Improper Proton Pump Inhibitor Prescriptions Criticized, Medscape, 22. Mai 2019, 
  5. Sasaki T et al., A new strategy with proton pump inhibitors for the prevention of acute exacerbations in COPD, Ther Adv Respir Dis, (2011) 5(2) 91103, DOI: 10.1177/1753465810392264, 
  6. Shou-Wu Lee et al., The impact of acid-suppressing drugs to the patients with chronic obstructive pulmonary disease: A nationwide, population-based, cohort study, J Res Med Sci. 2015 Mar; 20(3): 263–267