Statine wirken bei der Hälfte der Patienten nicht wie versprochen

Statine werden zur Cholesterinsenkung verordnet, und zwar dann – so heisst es – wenn Lebensstiländerungen nicht den gewünschten Erfolg brachten. Allerdings wird in der Praxis so gut wie kein Patient ernsthaft über die erforderlichen Lebensstiländerungen informiert, geschweige denn bei deren Umsetzung unterstützt und betreut.

Die Medikamente hingegen sind schnell verordnet. Die Nebenwirkungen nimmt der Patient in Kauf, wurde ihm doch gesagt, dass er ohne Statine Gefahr läuft, einen Herzinfarkt oder ähnlich Schlimmes zu erleiden. Jetzt zeigte sich in einer Studie, dass die Cholesterinsenker bei der Hälfte der Patienten nicht einmal wie versprochen wirken.

Individuelle Therapien statt pauschale Statinverordnungen

Veröffentlicht wurde die Studie im Fachjournal Heart. Sie bestätigt frühere Untersuchungen mit ähnlichen Ergebnissen und zeigt, dass Patienten individueller betreut werden müssen, wenn man deren Risiko für tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren möchte. Allein die Verordnung von Statinen hilft hier also nicht unbedingt, so die Forscher der University of Nottingham.

Medizinische Leitlinien: Cholesterinspiegel muss um 40 Prozent gesenkt werden

Die üblichen Leitlinien zur Eindämmung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bzw. von Todesfällen durch diese Erkrankungen geben an, dass die Cholesterinsenker den LDL-Cholesterinspiegel um mindestens 40 Prozent senken müssen.

Um zu überprüfen, inwieweit dieses Ziel erreicht wird und wie die Statingabe das Risiko für künftige Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflusst, analysierten die Wissenschaftler aus Nottingham die Daten von 165.411 Patienten im Alter von durchschnittlich 62 Jahren, die seit mindestens zwei Jahren Statine einnahmen – und zwar nur wegen erhöhter Cholesterinwerte, also nicht etwa wegen eines vorangegangenen Schlaganfalls oder wegen bereits vorhandener Herzkrankheiten.

Trotz vorbildlicher Cholesterinsenkung treten Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf

Es zeigte sich, dass bei mehr als der Hälfte der Patienten (51 Prozent) die anvisierte Senkung des Cholesterinspiegels nicht erreicht wurde. Auch traten trotz Statineinnahme bei 22.798 Personen Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf.

Interessant ist, dass die Statine bei 10.656 dieser Erkrankten wie gewünscht den Cholesterinspiegel gesenkt hatten – wieder einmal ein deutliches Zeichen dafür, dass allein ein hoher Cholesterinspiegel nicht zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt (wenn überhaupt).

Ärzte sollen stärkere Statine verordnen

Da man jedoch feststellte, dass jene Personen, bei denen die Statine nicht wie erwartet den Cholesterinspiegel gesenkt hatten, ein um 22 Prozent höheres Risiko hatten, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln als jene, bei denen die Medikamente ordnungsgemäss gewirkt hatten, sucht man nun nach Erklärungen, warum manche Patienten nicht so gut auf Statine reagieren als andere.

Dr. Márcio Bittencourt vom University Hospital Sao Paolo in Brasilien glaubt, sowohl Ärzte als auch Patienten seien das Problem. Ärzte würden häufig zu schwache Medikamente verordnen, möglicherweise weil sie sich nicht darüber im Klaren seien, dass stärkere Statine auch wirksamer seien und dabei natürlich keine Nebenwirkungen hätten.

Einfluss der Lebensweise auf Herz und Kreislauf ist – laut Arzt – Pseudowissenschaft

Bittencourt betont: „Die Gesellschaft und insbesondere die Patienten müssen über die wissenschaftlichen Belege all der Vorteile einer cholesterinsenkenden Therapie und gleichzeitig auch über die pseudowissenschaftliche Anti-Statin-Propaganda aufgeklärt werden.“

Aus unserer Sicht ist es immer wieder erstaunlich, dass es noch heute Mediziner wie Dr. Bittencourt gibt, die glauben, Krankheit liesse sich mit einem oder gar mehreren Medikamenten vorbeugen, die glauben, allein der Cholesterinspiegel sei für eine Herz-Kreislauf-Problematik verantwortlich und kaum werde er gesenkt, könne in diesem Bereich nichts mehr passieren, die ausserdem so tun, als hätten Medikamente keine Nebenwirkungen und die eine gesunde Ernährung, Bewegung und eine Reduzierung des Körpergewichts als pseudowissenschaftliche Anti-Statin-Propaganda abtun.

Cholesterinspiegel natürlich senken und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ohne Nebenwirkungen vorbeugen

Im World Journal of Cardiology schrieb hingegen Kardiologe Dr. Robert DuBroff schon 2015: „Die Erwartung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie die koronare Herzkrankheit könnten allein durch die Senkung des Cholesterinspiegels behoben oder verhindert werden, ist unbegründet. Wir sollten ganz im Gegenteil die Ungereimtheiten in der Cholesterintheorie sehen und die für das Herz-Kreislaufsystem bewiesenen Vorteile einer gesunden Lebensweise anerkennen.“

In unserem Artikel Cholesterin natürlich senken lesen Sie, was Ihr Herz-Kreislaufsystem tatsächlich benötigt, um vor den entsprechenden Erkrankungen geschützt zu bleiben und wie dieses Ziel mit ganzheitlichen Massnahmen – ganz ohne Nebenwirkungen – erreicht werden kann.

Quellen

  • Ralph Kwame Akyea, Joe Kai, Nadeem Qureshi, Barbara Iyen, Stephen F Weng, Sub-optimal cholesterol response to initiation of statins and future risk of cardiovascular disease, Heart, 2019
  • BMJ, Half of patients on statins fail to reach 'healthy' cholesterol level after 2 years: Tailored treatment needed to stave off heightened heart disease/stroke risk, say researchers, ScienceDaily, 15. April 2019
  • Robert DuBroff und Michel de Lorgeril, Cholesterol confusion and statin controversy, World J Cardiol. 2015 Jul 26; 7(7): 404–409

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