Zentrum der Gesundheit
  • Kleine Portionen Rohkost
20 Mai 2022
5 min

Wer wenig isst, bleibt gesund und geistig jung

Wer wenig isst, kann dadurch den Alterungsprozess von Geist und Körper verlangsamen. Insbesondere das Gehirn profitiert offenbar von einer niederkalorischen Ernährung. Ganze 900 Gene, die an Alterungsprozessen im Gehirn und der Entstehung von Gedächtnisproblemen beteiligt sind, werden durch eine kalorienarme Ernährung ausgebremst.

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Wenigesser sind klar im Vorteil

Menschen, die weniger essen als andere, werden oft für diätbesessen oder extrem gehalten. Ja, oft glaubt man, sie seien gar schon von Magersucht bedroht – und das nur, weil sie es schaffen, sich auch am All-you-can-eat-Buffet nur gemässigte Mengen einzuverleiben.

Weniger essen bedeutet aber nicht automatisch auch, bald magersüchtig zu werden.

Weniger essen bedeutet, gezielt die richtigen Lebensmittel auszuwählen, also bewusster zu essen, aber auch langsamer zu essen, intensiver zu kauen und auf diese Weise auch mit weniger Nahrung genauso satt zu werden wie Menschen, die viel mehr essen.

Weniger essen wird als ungesund betrachtet, weil viele glauben, es sei eine Mangelernährung.

Dabei ist weniger essen oft gesünder als eine Ernährung, bei der haargenau die tägliche Kalorienzufuhr ausgerechnet und dem angeblichen Energiebedarf angepasst wurde – vorausgesetzt natürlich, dass gesund gegessen wird.

Diese Nachricht ist auch gar nicht neu. Denn schon lange weiss man, dass karg lebende Völker die ältesten Mitglieder haben und diese darüber hinaus meist auch geistig bis ins hohe Alter absolut auf zack sind.

Weniger Kalorien – Mehr Erfolg im Sport

Die russische Ärztin Galina Schatalova berichtet überdies von sportlichen Leistungen, die mit kleinen Mahlzeiten sehr viel besser ausfielen als mit der genau berechneten Sportlernahrung.

Natürlich wird inzwischen hochwissenschaftlich an diesem Thema gearbeitet. Und so zeigen auch neue Erkenntnisse der Forscherwelt, dass die oft als normal angesehene und von Ernährungsexperten empfohlene Kalorienmenge nicht annähernd so positive Auswirkungen auf den Organismus hat wie eine sog. niederkalorische Nahrung, also eine Nahrung mit weniger Kalorien.

Professor Stephen. D. Ginsberg und seine Kollegen vom US-amerikanischen NYU Langone Medical Center ermittelten beispielsweise in einer Studie, dass eine niederkalorische Ernährung der Entstehung von Gedächtnisproblemen und sogar Demenzerkrankungen vorbeugen kann.

Wer weniger isst, bekommt seltener Alzheimer

Zu Beginn der Studie war aus früheren Untersuchungen bereits bekannt, dass die Reduktion der Nahrungsenergieaufnahme insofern gesundheitliche Vorteile mit sich bringt, als dass bei Wenigessern die Aktivitäten von Alterungsgenen gestoppt werden.

Professor Ginsberg und seinem Team aus Neurowissenschaftlern gelang es jedoch, Veränderungen in der Aktivität von gleich 900 Genen nachzuweisen, die allesamt mit altersbedingten Gedächtnisproblemen im Zusammenhang stehen.

Gehirnleistung steigt mit Kalorienreduktion

Da weibliche Mäuse ein höheres Demenzrisiko als Mäusemänner aufweisen (was beim Menschen übrigens genauso ist), beobachtete Ginsbergs Team eine Gruppe weiblicher Mäuse.

Die eine Hälfte der Gruppe erhielt in Sachen Kalorienzahl normales Futter. Der Kaloriengehalt des Futters für die restlichen Tiere war um dreissig Prozent reduziert.

Im mittleren und hohen Erwachsenenalter der Mäuse untersuchten die Forscher die Hippocampus-Region der Tiere. In diesem Bereich des Gehirns werden Alzheimer-Anzeichen am frühesten sichtbar.

Dabei zeigte sich, dass eine niederkalorische Ernährung über ihren Einfluss auf 900 Gene dafür sorgte, dass die betreffenden Mäuse vor Alzheimer geschützt waren.

Wenigesser schneiden bei Intelligenztest besser ab

Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine Studie der Society for Neuroscience im Jahr 2013.

Professor Li-Huei Tsai und Kollegen erforschten ebenfalls den Zusammenhang von Nahrungskalorienaufnahme und Gedächtnisproblemen und entdeckten, dass eine 30-prozentige Kalorienreduktion die Ergebnisse bei Intelligenz- und Gedächtnistests verbesserte.

Wie wenig essen Stoffwechsel und Gesundheit verbessert

Im März 2018 zeigte eine Studie (1), die in Cell Metabolism erschien, wie gut sich eine kalorienreduzierte Kost auf den menschlichen Stoffwechsel auswirkt – auch auf den Stoffwechsel von schlanken Personen, also nicht nur von Übergewichtigen. Die Teilnehmer (gesunde normalgewichtige bis leicht übergewichtige Personen) sollten ihre tägliche Kalorienzufuhr für 2 Jahre um 25 Prozent reduzieren. Die Teilnehmer schafften jedoch nur eine Kalorienreduktion von 15 Prozent, was aber bereits weitreichende Auswirkungen hatte. 

Der Stoffwechsel verlangsamte sich während der Studienzeit. Das macht zunächst stutzig, denn eigentlich will man ja immer den Stoffwechsel ankurbeln und bringt einen verlangsamten Stoffwechsel mit dem unerwünschten Jojo-Effekt in Verbindung. Dabei scheint ein langsamer Stoffwechsel eine gute Sache zu sein – zumal die kalorienreduzierte Ernährung im vorliegenden Fall ja langfristig umgesetzt wird und daher kein Jojo-Effekt entstehen kann.

Ein langsamer Stoffwechsel, so die Forscher rund um Prof. Dr. Leanne Redman vom Biomedical Research Center in Baton Rouge, Los Angeles, ist effizienter, was weniger Sauerstoffradikale entstehen lässt und so den Zellen reichlich oxidativen Stress ersparen kann. Dem Organismus bleibt nun mehr Energie für andere Aufgaben übrig, z. B. für Reparaturen, Heilmassnahmen, Entgiftung und vieles mehr, was dann natürlich auch zu einem besseren Gesundheitszustand und einem stärkeren und widerstandsfähigeren Körper führt.

Wenig essen regt die Libido an

Schon in einer Untersuchung von 2016 (2) zeigte sich beispielsweise an 20- bis 50-jährigen Probanden, dass diese nach zweijähriger Kalorienreduktion um 25 Prozent – im Vergleich zur Kontrollgruppe, die ganz normal essen konnte – besser gelaunt waren, besser schliefen und eine bessere Libido hatten. Die Wenigesser nahmen ausserdem im Durchschnitt knapp 8 Kilogramm ab und verfügten ganz allgemein über einen besseren Gesundheitszustand.

Wer wenig isst, braucht viel Bewegung!

In einer weiteren Studie von 2016 (3) hatten die kalorienreduziert Lebenden jedoch einen höheren Knochendichteverlust, bewegten sich aber auch weniger, so dass empfohlen wird, bei einer kalorienreduzierten Ernährung auf viel Bewegung und eine gute Vitalstoffversorgung zu achten.

Wenn Sie also zu jenen Menschen gehören, die zwar gesund und ausgewogen, aber mengenmässig immer „wie ein Spatz“ essen, sich dabei aber wohl und munter fühlen, dann bleiben Sie dabei. Lassen Sie sich nicht weismachen, Sie täten etwas Ungesundes.

Und wenn zu Ihrer Familie ein solcher Wenigesser gehört, dann achten Sie auch hier lediglich darauf, dass er wirklich vollwertig und abwechslungsreich isst und evtl. eine passende Nahrungsergänzung zu sich nimmt, aber nötigen Sie ihn nicht dazu, grössere Nahrungsmengen aufzunehmen. Wenigesser verfügen möglicherweise noch über jenen gesunden Essinstinkt, der vielen von uns heutzutage abhanden gekommen ist und der vor Übergewicht und allen damit in Verbindung stehenden Zivilisationsproblemen schützt.

Bekommt man nicht Nährstoffmängel, wenn man wenig isst?

Ein Leser stellte uns die Frage, ob man nicht Gefahr laufe, Nährstoffmängel zu bekommen, wenn man wenig esse.

Unsere Antwort: Ja, das ist eine berechtigte Überlegung. Wenn Studien jedoch eine Tendenz dahingehend zeigen, dass Wenigesser insgesamt gesünder sind, ist schon das ein Zeichen dafür, dass Wenigessen nicht zwangsläufig zu einem Mangel führen muss. Wir vermuten, dass der Körper bei geringer Nahrungszufuhr die Nahrung besser verwertet und mehr Nährstoffe herausziehen kann. Bekannt ist dies auch, wenn ein Mangel vorliegt. Entsprechende Menschen nehmen dann mehr des jeweiligen Stoffes aus der Nahrung auf als Personen, die keinen Mangel haben.

Eventuell gehören Wenigesser auch zu jenen Menschen, die langsam essen und gründlicher kauen, was die Nährstoffverwertung erhöht. Möglicherweise ist bei Wenigessern auch die Darmflora gesünder, so dass die verbesserte Darmgesundheit ebenfalls zu einer besseren Nährstoffversorgung beitragen kann. Sicher gibt es noch weitere Aspekte, die wir noch nicht berücksichtigt haben.

Dennoch besteht natürlich ein Risiko, vor allem für Menschen, die spontan entscheiden, ab sofort weniger zu essen. In diesem Fall würden wir zu einer Nahrungsergänzung raten. Auf diese Weise kann man die Vorteile des Wenigessens geniessen und muss dennoch keinen Mangel befürchten. 

*Hier erhalten Sie eine gute Allround-Nahrungsergänzung zur Grundversorgung mit den wichtigsten Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen: Multi-Vitaminkomplex.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen
  1. (1)Redman LM et al., Metabolic Slowing and Reduced Oxidative Damage with Sustained Caloric Restriction Support the Rate of Living and Oxidative Damage Theories of Aging, March 22, 2018, DOI:https://doi.org/10.1016/j.cmet.2018.02.019
  2. (2)Martin CK, Redman LM, Roberts SB et al., Comprehensive Assessment of Long-term Effects of Reducing Intake of Energy (CALERIE) Phase 2 Study Group. Effect of Calorie Restriction on Mood, Quality of Life, Sleep, and Sexual Function in Healthy Nonobese Adults: The CALERIE 2 Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med. 2016 Jun 1;176(6):743-52. doi: 10.1001/jamainternmed.2016.1189. PMID: 27136347; PMCID: PMC4905696.
  3. (3)Romashkan SV, Das SK, Villareal DT, et al. Safety of two-year caloric restriction in non-obese healthy individuals. Oncotarget. 2016;7(15):19124-19133. doi:10.18632/oncotarget.8093
  4. (4)Priv. Doz. Stephen. D. Ginsberg et al., “Calorie-Restricting Diets Slow Aging, Study Finds”, NYU Langone Medical Center, November 2014, (Studie zeigt, dass niederkalorische Ernaehrung Alterung verlangsamt)
  5. (5)Priv. Doz. Li-Huei Tsai et al., “Reducing caloric intake delays nerve cell loss”, Society for Neuroscience, Mai 2013, (Reduktion von Kalorienaufnahme verzoegert Nervenzellverlust)