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Schilddrüsenkrebs: Wohnungsgifte als Risikofaktor

Schadstoffe in Möbeln und im Hausstaub könnten das Risiko für Schilddrüsenkrebs beeinflussen. Eine Humanstudie zeigt, dass bestimmte Flammschutzmittel in Wohnräumen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Schilddrüsenkrebs verbunden sind. Im Folgenden wird erläutert, welche Chemikalien dabei auffielen und wie sich die Schadstoffbelastung im eigenen Zuhause verringern lässt.

Stand: 28 September 2026
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Chemikalien in der Wohnung: Risiko für Schilddrüsenkrebs steigt

Die meisten Wohnungen und Häuser sind mit Wohngiften belastet. Die Chemikalien, z. B. sog. Flammschutzmittel (auch Brandhemmer), stecken in Polstermöbeln, in den Vorhängen und im Teppichboden, ja sogar in Elektrogeräten. Sie sollen verhindern, dass die Wohnung im Falle eines Falles allzu schnell in Flammen aufgeht. Gerade aber Flammschutzmittel sind nicht nur umweltschädliche, sondern direkt auch gesundheitsschädliche Gifte.

Laut einer Studie vom April 2017 handelt es sich bei manchen Flammschutzmitteln um eindeutige Risikofaktoren für die Entwicklung der derzeit häufigsten Schilddrüsenkrebsform (1) – des papillären Schilddrüsenkarzinoms PTC (Papillary Thyroid Cancer).

Wohngifte imitieren Schilddrüsenhormone und schädigen so die Schilddrüse

Schilddrüsenkrebs ist eine jener Krebsformen, die – insbesondere in den USA – immer häufiger auftritt", so Studienleiterin Dr. Julie Ann Sosa, Professorin für Chirurgie und Medizin an der Duke University School of Medicine in Durham, North Carolina. "Neue Studien lassen annehmen, dass Umweltfaktoren für diese wachsende Zunahme des Schilddrüsenkrebses verantwortlich sind."

Aus vielen früheren Studien weiss man, dass manche Wohngifte wie Flammschutzmittel zu den sog. Endokrinen Disruptoren gehören. Diese Stoffklasse imitiert im Organismus körpereigene Hormone, hat also hormonähnliche Wirkung und kann daher Störungen im Hormonhaushalt verursachen. Die Chemikalien können direkt die Schilddrüsenfunktionen beeinträchtigen, da sie eine den Schilddrüsenhormonen ähnliche Struktur haben und daher im Organismus auch ähnlich wie die Schilddrüsenhormone wirken.

Je mehr Chemikalien in der Wohnung, umso höher das Risiko für Schilddrüsenkrebs

Unsere Untersuchungsergebnisse zeigen, dass eine höhere Belastung mit Flammschutzmitteln in der eigenen Wohnung auch mit einem höheren Risiko einhergeht, irgendwann einmal eine Schilddrüsenkrebsdiagnose zu erhalten. Vergleicht man den Schweregrad eines Schilddrüsenkrebses, so zeigt sich auch hier eine Korrelation zur Chemikalienbelastung des Wohnumfeldes", erklärt Sosa.
Unsere Studie ist absolut einzigartig, da wir uns nicht auf Tier- oder Laborversuche konzentrierten, sondern konkret den Hausstaub von unseren Studienteilnehmern auf Chemikalienrückstände wie z. B. von Flammschutzmitteln untersucht haben."

Flammschutzmittel im Hausstaub als Hinweis auf die Belastung

Die Forscher entnahmen aus den Haushalten von 140 Studienteilnehmern Hausstaubproben. Alle Teilnehmer lebten seit durchschnittlich 11 Jahren in ihren Wohnungen bzw. Häusern und waren durchschnittlich 48 Jahre alt. 70 der Teilnehmer litten bereits an Schilddrüsenkrebs, 70 nicht und dienten daher als Kontrollgruppe.

Dann entnahm man den Probanden Blut und untersuchten dieses auf eine Belastung mit zwei Flammschutzmitteln aus der Klasse der sog. PBDEs (Polybromierte Diphenylether): Es handelte sich um Decabromdiphenylether (BDE-209), das am häufigsten verwendete PBDE sowie um Tris(2-chlorethyl)phosphat (TCEP), ein Organophosphat-Flammschutzmittel.

Je mehr Flammschutzmittelrückstände wir im Hausstaub der Teilnehmer fanden, umso stärker war ihre Chemikalienbelastung im Blut. Je mehr Flammschutzmittel im Hausstaub auffindbar waren, umso eher wahrscheinlich war es zudem, dass die Personen an Schilddrüsenkrebs litten", sagt Professor Sosa.

Risiko für Schilddrüsenkrebs steigt in belasteten Wohnungen bis auf das 14-Fache

Teilnehmer mit höheren BDE-209-Konzentrationen im Hausstaub hatten eine mehr als doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, zur Gruppe der Schilddrüsenkrebspatienten zu gehören. Bei einer bestimmten Tumoruntergruppe ohne BRAF-V600E-Mutation zeigte sich sogar eine 14-fach erhöhte Odds.

Teilnehmer mit hohen TCEP-Werten im Hausstaub hatten ein 4-mal so hohes Risiko, bei einer Schilddrüsenkrebsdiagnose an deutlich aggressiveren Tumoren zu erkranken (die sich über die Schilddrüse hinweg ausdehnen), als Menschen, die in weniger belasteten Wohnungen leben.

Schützen Sie Ihre Wohnung vor Chemikalien!

Flammschutzmittel sind insbesondere in Polstermöbeln enthalten (aber auch in Autositzen), in Teppichböden, manchen Vorhängen (Sonnenschutzrollos), elektrischen und elektronischen Geräten (Fernseher, Computer), Matratzen und in Baumaterialien (Isolationsmaterialien, Montageschäume u. ä.).

Es lohnt sich daher – besonders wenn bereits eine Schilddrüsenerkrankung vorliegt oder Schilddrüsenkrebs in der Familie schon auftrat – beim Kauf von Einrichtungsgegenständen auf umweltverträgliche und möglichst chemiefreie Qualität zu achten.

Im Zweifel fragen Sie beim Hersteller, ob Flammschutzmittel oder sonstige Chemikalien verwendet wurden. Inzwischen gibt es etliche Möbel- und Wohntextilienhersteller, die entsprechend chemiefreie Ware anbieten. Ihre Suchmaschine hilft Ihnen weiter.

Wenn Sie Ihre Wohnung erst neu eingerichtet haben, dann könnten bestimmte Zimmerpflanzen dabei helfen, den Schadstofflevel Ihrer Wohnung wenigstens etwas zu reduzieren: Die Top Ten der luftreinigenden Zimmerpflanzen (auf unserer Seite)

Natürlich helfen auch eine gesunde Ernährung, eine gute Darm- und Lebergesundheit und regelmässige Massnahmen zur Entgiftung dem Organismus dabei, besser mit Schadstoffen aus der Umwelt zurecht zu kommen.

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Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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