Fatigue gehört zu den häufigsten Beschwerden bei Long Covid
Das Post-COVID-Syndrom – auch Long Covid genannt – kann mit zahlreichen und sehr unterschiedlichen Beschwerden einhergehen. Zu den häufigsten und besonders belastenden Symptomen zählt die Fatigue.
Dabei handelt es sich um eine anhaltende und ausgeprägte körperliche und/oder geistige Erschöpfung, die sich auch nicht beheben lässt, wenn man sich gründlich ausruht oder viel schläft. Entsprechend schwer fällt es, den Alltag zu bewältigen, so dass die Arbeitsfähigkeit und natürlich auch die Lebensqualität massiv darunter leiden.
Man geht von einer beeinträchtigten Funktion der Mitochondrien aus – den Kraftwerken unserer Zellen. Sie können dann weniger Energie (in Form von ATP) bilden.
Kreatin könnte zu mehr Energie verhelfen
Kreatin könnte die ATP-Bildung und die Mitochondrien unterstützen. Denn der Stoff erhöht die Verfügbarkeit von Phosphokreatin. Phosphokreatin wiederum dient insbesondere in der Muskulatur als schnell verfügbarer Energiespeicher und ermöglicht eine rasche Neubildung von ATP.
Daher gilt Kreatin auch als beliebtes Nahrungsergänzungsmittel im Sport. Bei kurzen, intensiven Belastungen kann die kreatinbedingte schnelle Neubildung von ATP die Leistungsfähigkeit steigern und auch insgesamt den Kraft- und Muskelaufbau verbessern.
Forscher der São Paulo State University und des Clinical Hospital der Botucatu Medical School in Brasilien untersuchten, ob Kreatin die Fatigue bei Menschen mit Long Covid lindern kann. Die Studie erschien im März 2026 in der Fachzeitschrift Frontiers in Nutrition (1).
Drei Gruppen erhielten entweder Kreatin oder ein Placebo
An der randomisierten, einfach verblindeten und placebokontrollierten Pilotstudie nahmen 67 Erwachsene teil. 58 davon schlossen sie letztendlich dann auch ab.
Voraussetzung war unter anderem eine nachgewiesene COVID-19-Erkrankung sowie eine seit mehr als zwölf Wochen bestehende Fatigue.
Die Teilnehmer waren zwischen 40 und 64 Jahre alt und zu etwa 75 % Frauen. Sie wurden in drei Gruppen aufgeteilt:
- 6 g Kreatinmonohydrat pro Tag,
- 18 g Kreatinmonohydrat pro Tag oder
- 6 g Maltodextrin pro Tag als Placebo.
Das jeweilige Präparat wurde 4 Wochen lang einmal täglich in Wasser aufgelöst eingenommen – immer zur selben Tageszeit. (Die Einnahme nach einer Mahlzeit erhöht die Verträglichkeit).
Zusätzlich absolvierten alle Teilnehmer dreimal pro Woche dasselbe individuell angepasste Rehabilitationsprogramm mit Atemübungen sowie weiteren Übungen in den Bereichen Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Gleichgewicht.
Die eingesetzten Dosierungen sind auch jene, die im Sport zum Einsatz kommen. Sie sind also nicht übermäßig hoch. Details zum Einnahmeprotokoll von Kreatin lesen Sie in unserem Artikel Kreatin als Nahrungsergänzung – Die richtige Einnahme.
6 g Kreatin reduzierten die Fatigue
Zur Einschätzung der Fatigue verwendete man einen speziellen Fragebogen: die sogenannte Piper Fatigue Scale.
Gefragt wird z. B., wie stark die Fatigue empfunden wird, wie sehr sie die täglichen Aktivitäten beeinträchtigt, wie sie sich auf Stimmung und Motivation auswirkt und welche körperlichen Beschwerden damit verbunden sind.
Die Antworten werden zu einem Punktwert zusammengefasst. Je höher der Wert auf der Skala von 0 bis 10, desto stärker ist die Fatigue ausgeprägt.
Nach vier Wochen hatte sich die Fatigue bei den Teilnehmern, die täglich 6 g Kreatin eingenommen hatten, deutlicher gebessert als in der Placebogruppe. Der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch signifikant, also so deutlich, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht allein durch Zufall zustande gekommen war.
In der 18-g-Gruppe zeigte sich keine Besserung. Eine so hohe Dosis ist also weder nötig noch sinnvoll.
Auch die Griffkraft besserte sich bei 6 g Kreatin
Zusätzlich prüfte man, wie sich während der Kreatineinnahme die Muskelkraft in der Hand (Griffkraft) veränderte.
Die Griffkraft gilt als Hinweis darauf, wie gut ein Mensch seinen Alltag bewältigen kann und wie gut seine Lebensqualität ist. Denn je höher die Griffkraft, umso mehr kann man natürlich auch selbst erledigen, z. B. im Haushalt, man kann besser kochen, Geräte bedienen etc.
Für den Test mussten die Teilnehmer mit ihrer dominanten Hand ein Handdynamometer (spezielles Messgerät für die Griffkraft) so kräftig wie möglich zusammendrücken. Auch hier schloss die 6-g-Gruppe am besten ab von allen drei Gruppen.
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Kreatin wurde größtenteils gut vertragen
Die beobachteten Nebenwirkungen waren überwiegend gastrointestinaler Art. In der 6-g-Gruppe berichteten 22,7 Prozent über Übelkeit.
Blähbauch, Durchfall, Magenschmerzen, Flatulenz und Verstopfung traten jeweils bei nur 4,5 Prozent auf.
In der 18-g-Gruppe kam es deutlich häufiger zu Beschwerden.
Allerdings klangen die Beschwerden in der Regel innerhalb der ersten Tage wieder ab, was darauf hinweist, dass sich der Magen-Darm-Trakt anpasste und das Kreatin dann besser verwerten konnte.
Fazit: 6 g Kreatin pro Tag könnten bei Long-Covid-Fatigue helfen
Eine Nahrungsergänzung mit Kreatin könnte somit bei Long Covid in das Therapiekonzept integriert werden. Weitere natürliche Maßnahmen zur Verringerung der Fatigue und anderen Symptomen beim Post-COVID-Syndrom lesen Sie in unserem Artikel Long Covid – Natürliche Mittel.
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