Ketogene Diät bekämpft Grippe-Virus

Die ketogene Diät oder ketogene Ernährung ist eine fettreiche und gleichzeitig sehr kohlenhydratarme Ernährungsform. Sie gehört somit zur Gruppe der Low-Carb-Diäten. Bei der ketogenen Ernährung reduziert man den Verzehr von Kohlenhydraten und isst stattdessen sehr viel Fett. Dadurch gelangt der Organismus in einen anderen Stoffwechselzustand, den man Ketose nennt.

In der Ketose nutzt der Körper insbesondere Fett als Energiequelle. Werden nun also kaum noch Kohlenhydrate gegessen, kommt es zu einem sinkenden Blutzucker- und auch zu einem sinkenden Insulinspiegel, was zahlreiche gesundheitliche Vorteile mit sich bringen kann.

Einer dieser Vorteile scheint einer Stude vom November 2019 zufolge ein stärkeres Immunsystem zu sein (1). Das Forscherteam um die beiden Professoren Akiko Iwasaki und Visha Deep Dixit an der Yale University konnte an Mäusen zeigen, dass die ketogene Ernährung die körpereigene Abwehr derart positiv beeinflusst, dass diese viel besser dazu in der Lage war, das Grippe-Virus zu bekämpfen.

Grippe kann in manchen Fällen tödlich enden

Die echte Grippe, auch Influenza genannt, ist eine akute Erkrankung der Atemwege. Sie ist eine ernsthafte, mitunter auch lebensbedrohliche Krankheit, die durch Grippeviren ausgelöst wird. Erkältungen oder „grippale Infekte“ dagegen werden von anderen Erregern verursacht (2).

Die Influenza zählt zu den Krankheiten, die durch Epidemien in manchen Jahren eine immense Bedrohung für bis zu 20 % der Bevölkerung darstellen kann, insbesondere für alte oder immungeschwächte Personen.

So traten in Deutschland erst in der Wintersaison 2017/18 über 25.000 zusätzliche Todesfälle auf (3) – im Vergleich zur „statistischen Normalsterblichkeit“. Diese wurden den direkten oder indirekten Folgen einer Infektion mit dem Influenza-Virus zugeschrieben.

Bei ketogener Ernährung weniger grippebedingte Todesfälle

Die Mäuse der Yale-Forscher erhielten nun entweder eine ketogene Diät (90 % Fett und weniger als 1 % Kohlenhydrate) oder eine eher fettarme und kohlenhydratreiche Diät (18 % Fett und 58 % Kohlenhydrate).

Nach einer Infektion mit dem Influenza-A-Virus verloren die Keto-Mäuse weniger Gewicht und der Sauerstoffgehalt im Blut blieb eher erhalten als bei den normal essenden Mäusen. Letzteres spricht für einen effizienten Gasaustausch und damit für einen guten Gesundheitszustand der Lungen, was bei einer Grippe erstaunlich ist. Infolgedessen kam es in der Keto-Gruppe auch zu weniger grippebedingten Todesfällen als in der normal essenden Gruppe.

Was aber war in der Keto-Gruppe der Grund für den guten Zustand der Lungen? Einerseits kam es im Lungengewebe zu einer verstärktene Bildung von schleimbildenden Gamma-Delta-T-Zellen. Der Schleim dieser speziellen Abwehrzellen kann das Virus „einfangen“ und unschädlich machen.

Andererseits bremste die ketogene Diät die sogenannten Inflammasome aus, bestimmte Proteinkomplexe im Innern der Zellen, die für die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen zuständig sind. Je besser also die Inflammasome blockiert wurden, umso geringer die Entzündung in den Lungen und umso milder der Verlauf der Grippe.

Low-Carb-Diät aktiviert zusätzliches Immunsystem

Schon im Jahr 2010 schrieben Bonner Wissenschaftler im Magazin Nature, dass eine Low-Carb-Diät infolge des von ihr verursachten niedrigen Insulinspiegels einen Genschalter namens FOXO aktiviert, welcher unser „zweites“ Immunsystem steuert. (4)

Dieses befindet sich direkt am Tatort, also dort, wo Krankheitserreger als erstes im Körper eintreffen (z. B. auf der Lungenschleimhaut, im Darm oder auf der Haut) und zerstört umgehend Bakterien oder Viren, indem es deren Zellwände auflöst. Die Zahl der Krankheitserreger verringert sich dadurch, das „erste“ Immunsystem wird entlastet und der jeweilige Organismus erkrankt seltener (4).

Womöglich spielte dieser Effekt auch bei den Resultaten der aktuellen Studie eine zusätzliche Rolle als „Multiplikator“, wurde von den Yale-Forschern aber nur nicht überprüft.

Ist die ketogene Diät eine Alternative zur Grippeimpfung?

Gegen die Grippe bzw. das Influenza-Virus soll man sich bekanntlich jedes Jahr auf’s Neue impfen lassen. (2) Vielleicht könnte auch eine bestimmte Ernährungsform, z. B. die ketogene Ernährung – wie vorliegender Artikel zeigt – eine Alternative zur Grippeimpfung sein oder auch zusätzlich praktiziert werden, zumal die Impfeffektivität der Grippeimpfung im Allgemeinen zu wünschen übrig lässt. Im Jahr 2017/18 lag diese insgesamt bei nur 15 Prozent! Bei der Influenza-B sogar nur bei 1 Prozent und das, obwohl Experten eine Impfeffektivität von 39 Prozent erwartet hatten (5).

Sich allein auf die Impfung zu verlassen, ist daher keine gute Idee. Falls Sie die ketogene Ernährung ausprobieren möchten, halten Sie sich an die folgenden Lebensmittel: gesunde Fette und Öle, Nüsse, Fisch sowie eine Vielzahl stärkefreier oder stärkearmer Gemüse, während Kohlenhydrate wie Getreide, Pasta, Brot, stärkereiches Gemüse und ein Übermass an Obst vermieden bzw. reduziert werden. Natürlich meidet man auch die üblichen Kandidaten, wie Zucker, Süssigkeiten, Gebäck, Alkohol, Fruchtsäfte und Softdrinks.

Wie Sie der Grippe vorbeugen können

Zusätzlich können prophylaktisch immunstimulierende Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden wie insbesondere Vitamin A, Vitamin C, Zink, frischer Ingwersaft, Kurkuma, Honig und Zwiebeln. Dazu immunregulierende Substanzen wie Vitamin D3, Omega 3 und Selen.

Mit diesen Massnahmen im Zusammenspiel mit einer täglichen Stressreduktion sowie ausreichend Schlaf, Erholung und ab und zu auch moderater Bewegung an frischer Luft sollten Sie gut gegen die anstehende Grippehochsaison von Januar bis März gewappnet sein.

Viele weitere Tipps zur Vorbeugung einer Grippe finden Sie hier: Wie Sie einer Grippe vorbeugen können

Quellen

  1. Emily L. Goldberg, Ryan D. Molony, Eriko Kudo, Sviatoslav Sidorov, Yong Kong, Vishwa Deep Dixit and Akiko Iwasaki: Ketogenic diet activates protective γδ T cell responses against influenza virus infection, in Science Immunology 15 Nov 2019: Vol. 4, Issue 41
  2. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – www.infektionsschutz.de
  3. Der Tagesspiegel – www.tagesspiegel.de: Stärkste Grippewelle der vergangenen 30 Jahre in der Saison 2017/2018, 30.09.2019
  4. Dr. med. Ulrich Strunz: Wieso macht die Tomate dick?: Schlank und fit für immer - Kohlenhydrate aufspüren und austricksen, Heyne-Verlag 2011
  5. Müller C, RKI ZUR INFLUENZAIMPFUNG 2017/18, Warum wirkte die Grippeimpfung in der vergangenen Saison so schlecht? 17.9.2018, Deutsche Apotheker-Zeitung

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