Risiko für die Gesundheit

Kranke Darmflora macht Krebs aggressiv

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 22.06.2019
Kranke Darmflora macht Krebs aggressiv
© gettyimages.de/praetorianphoto

Wenn der Darm krank ist und die Darmflora aus dem Gleichgewicht, kann Brustkrebs aggressiv werden und schneller in andere Teile des Körpers streuen, so eine Studie der University of Virginia.

Inhaltsverzeichnis

Gestörte Darmflora macht Krebs aggressiv

Eine gesunde Darmflora besteht aus einer Gemeinschaft vorwiegend nützlicher Darmbakterien, die insbesondere den Dickdarm, in geringerer Anzahl aber auch den Dünndarm besiedeln. Eine gesunde Darmflora hat viele gesundheitliche Vorteile. Sie schützt die Darmschleimhaut, reguliert die Verdauung und Nährstoffverwertung, erleichtert bei Übergewicht die Gewichtsabnahme, wirkt entzündungshemmend, entgiftet und sorgt für ein starkes Immunsystem.

Eine gestörte Darmflora hingegen gilt als Risikofaktor vieler Erkrankungen und soll laut einer Studie vom Juni 2019 Brustkrebs aggressiv machen und zur Metastasierung anregen.

Mehr zum Einfluss der Darmflora auf die Gesundheit lesen Sie z. B. hier:

Besonders bei hormonempfindlichem Brustkrebs auf eine gesunde Darmflora achten!

Dr. Melanie Rutkowski, von der Abteilung für Mikrobiologie, Immunologie und Krebs an der University of Virginia stellte in ihrer Studie fest, dass eine Darmflorastörung einen bestehenden hormonempfindlichen Brustkrebs noch aggressiver werden lässt.

Bei den meisten Brustkrebsfällen – 65 Prozent und mehr – handelt es sich um einen hormonempfindlichen Brustkrebs. Ein hormonempfindlicher Brustkrebs verfügt über sog. Rezeptoren, also Andockstellen für bestimmte Hormone (Östrogen und Progesteron). Wenn diese Hormone an den Rezeptoren andocken, regen sie das Wachstum der Krebszellen an.

Tipp: Hier bitte zum nachlesen.

Kranke Darmflora führt zu schädlichen Entzündungsprozessen

„Als unsere Mäuse nach einer Antibiotikagabe eine Dysbiose (gestörte Darmflora) erlitten, kam es zu einer systemischen Entzündungsreaktion und auch zu Entzündungsprozessen im Brustgewebe“, erklärt Rutkowski. „In diesem entzündlichen Umfeld fiel es den Tumorzellen viel leichter, aus dem Gewebe ins Blut und in die Lungen zu wandern. Gerade die Lungen sind bei hormonempfindlichem Brustkrebs ein häufiges Ziel für Metastasen.“

Woran erkennt man, ob ein Krebs streuen wird oder nicht?

Nun ist es bei der Diagnose eines Brustkrebses aber keinesfalls einfach vorherzusagen, ob dieser Krebs nun streuen wird (also Metastasen bilden wird) oder nicht. Es gibt jedoch bestimmte Marker, die einen Hinweis auf das Metastasenrisiko geben.

Wenn die Patientin beispielsweise eine grosse Zahl bestimmter Immunzellen (Makrophagen) im betroffenen Brustgewebe hat, so deutet dies auf eine frühe Metastasenbildung des Krebses hin. Auch liegen Studien vor, die zeigen, dass ein hoher Kollagenanteil im Brustgewebe und im Tumor das Streuungsrisiko erhöhen kann.

Eine gestörte Darmflora nun konnte in Rutkowskis Studie beide Risikofaktoren begünstigen. Die Makrophagenzahl und der Kollagenanteil nahmen bei den Mäusen zu – und zwar deutlich und nachhaltig, so dass schon allein eine gestörte Darmflora ein frühes Zeichen für einen invasiven, also bald metastasierenden Krebs darstellen könnte.

Bei Krebs sollte eine gesunde Darmflora ein wichtiges Ziel der Therapie sein

Rutkowski betonte jedoch, dass Antibiotika nicht gefährlich seien und Brustkrebs-Patientinnen sie nicht ablehnen sollten, wenn diese Arzneimittel notwendig sein sollten, um eine Infektion zu bekämpfen. In vorliegender Studie seien sie lediglich eingesetzt worden, um die Auswirkungen einer chronischen Dysbiose auf den Krebs zu überprüfen. Die den Tieren verabreichte Dosis sei ausserdem viel höher gewesen und daher nicht mit herkömmlichen Antibiotikadosen zu vergleichen, die man für gewöhnlich Menschen verabreicht.

Die Schlussfolgerung der Studie sei daher nicht, Antibiotika zu meiden, sondern alles dafür zu tun, um eine gesunde Darmflora aufrecht zu erhalten.

Dazu gehörten die üblichen Empfehlungen für eine gesunde ballaststoffreiche Ernährung, viel Bewegung und ausreichend Schlaf. Setze man all das um, dann sollte auch die Darmflora gesund bleiben, was nun wiederum die Chancen erhöhe, erfolgreich eine Brustkrebserkrankung zu überstehen.

Mehr zu den passenden Massnahmen für eine gesunde Darmflora finden Sie hier:

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Quellen

  • Claire Buchta Rosean, Melanie R Rutkowski et al. Pre-existing commensal dysbiosis is a host-intrinsic regulator of tissue inflammation and tumor cell dissemination in hormone receptor-positive breast cancer. Cancer Research, 2019, canres.3464.2018 DOI: 10.1158/0008-5472.CAN-18-3464
  • University of Virginia Health System, Unhealthy gut promotes spread of breast cancer: Disrupting gut bacteria had profound, sustained effects, making cancer more aggressive, ScienceDaily, 10. Juni 2019, www.sciencedaily.com/releases/2019/06/190610111539.htm