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Diabetes und Parkinson durch Statine

Statine sind ein gutes Geschäft – trotz Nebenwirkungen. Die Cholesterinsenker können Muskelschwäche verursachen sowie zu Leberproblemen, Nierenversagen und grauem Star beitragen. Selbst das Risiko für Diabetes und u. U. Parkinson können Statine erhöhen.

Aktualisiert: 26 April 2022

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Statine machen anfällig für Diabetes

Könnte es sein, dass Statine (Cholesterinsenker) nicht nur Diabetes, sondern sogar neurologische Erkrankungen wie z. B. Parkinson begünstigen?

Statine werden bei einem zu hohen Cholesterinspiegel verordnet. Andernfalls drohen Herzkrankheiten und Schlaganfälle, heißt es. Statine senken den Cholesterinspiegel meist sehr zuverlässig, in manchen Fällen aber nicht ohne Nebenwirkungen. Wer Statine regelmäßig und über Jahre hinweg einnimmt, hat ein erhöhtes Risiko für Muskelschwäche, Leberprobleme, Nierenversagen und den grauen Star.

Ob der Cholesterinspiegel in jedem Falle gesenkt werden muss, ist wieder ein anderes Thema. Zu hoch jedoch sollte er nicht steigen. Doch kann ein zu hoher Cholesterinspiegel auch über die Änderung der Lebens- und Ernährungsweise gesenkt werden – ganz ohne Nebenwirkungen.

(Manchen typischen Statin-Nebenwirkungen kann man vorbeugen - und zwar mit einer Einnahme von Coenzym Q10 als Nahrungsergänzung. Denn Statine senken den Coenzym-Q10-Spiegel, was das Risiko für Muskelschmerzen erhöht. Details erklären wir hier: Coenzym Q10 hilft bei Nebenwirkungen von Statinen.)

Statine erhöhen Diabetesrisiko

In einer finnischen Studie der University of Eastern Finland und des Kuopio University Hospital, die im Fachmagazin Diabetologia veröffentlicht wurde ( 2 ), zeigte sich, dass die Statine Simvastatin und Atorvastatin auch das Diabetesrisiko beträchtlich erhöhen können – und zwar umso mehr, je höher die eingenommene Dosis ist.

Professor Markku Laakso und Kollegen untersuchten in ihrer Studie die Daten von 8.749 Männern, die keinen Diabetes hatten. Sie waren zwischen 45 und 73 Jahre alt und nahmen Statine ein. Nun wollte man sehen, wie die Statine den Blutzuckerspiegel, die Insulinsensitivität der Zellen sowie die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse beeinflussten.

Im Laufe von sechs Jahren bekamen 625 der Männer eine Diabetesdiagnose. Andere Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkohol, Diabetes in der Familie, Alter und Betablocker- sowie Diuretikaeinnahme wurden in dieser Studie bereits berücksichtigt.

Das Ergebnis der Studie war sodann, dass die Statineinnahme das Diabetesrisiko um 46 Prozent erhöhte. Die Werte des oralen Glucosetoleranztests sowie des Nüchternblutzuckers stiegen während der Statintherapie signifikant. Die Insulinsensitivität der Zellen hingegen nahm um 24 Prozent ab (die Insulinresistenz nahm also zu), und die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse ging um 12 Prozent zurück. Statine verursachen also auf der ganzen Linie jene Probleme im Körper, die früher oder später zu einem Diabetes führen können.

Auch in einem Artikel von 2014 heißt es, dass besonders bei Patienten, bei denen bereits andere Risikofaktoren für Diabetes vorliegen, das Diabetesrisiko durch eine Statineinnahme steigen könne ( 6 ).

Am 5. März 2019 erschien eine weitere Studie, die einen Zusammenhang zwischen Statineinnahme und Diabetes zeigen konnte ( 1 ). Das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln stieg in dieser Untersuchung durch die Einnahme von Statinen um 38 Prozent. Besonders negativ wirkten sich Statine diesbezüglich bei übergewichtigen Personen aus sowie bei Personen, die bereits Probleme mit dem Blutzuckerspiegel hatten. Diesen Risikogruppen wird daher unbedingt empfohlen, ihr Gewicht zu normalisieren und während der Statineinnahme engmaschig ihre Blutzuckerwerte kontrollieren zu lassen.

Statine gegen Krebs?

Obwohl die möglichen negativen Nebenwirkungen der Statine bekannt sind, sucht man ständig nach möglichen positiven Zusatzwirkungen der Cholesterinsenker. So heißt es beispielsweise immer wieder, dass Statine auch die Krebssterblichkeit senken könnten ( 4 ) ( 5 ) - als wäre es erstrebenswert, die Sterblichkeit an Krebs mit einem Medikament hinauszuzögern, das einem dann in der gewonnen Lebenszeit Diabetes, Muskelschwäche oder Leber- und Nierenprobleme bescheren könnte.

Statine und das Parkinsonrisiko

In der Fachzeitschrift Movement Disorders wurde 2015 eine Arbeit veröffentlicht, in der amerikanische Forscher mitteilten, dass Statine das Parkinsonrisiko keinesfalls senken könnten (wie zuvor vermutet worden war) ( 3 ). Xuemei Huang, Professor für Neurologie am Penn State College of Medicine berichtet, dass es eine Verbindung zwischen hohen Cholesterinwerten und einem geringeren Parkinsonrisiko gäbe.

Auch sei es gemäß Beobachtungen an Parkinsonkliniken so, dass die Patienten trotz ihres im Allgemeinen hoch angesiedelten Alters seltener Opfer von Herzinfarkten und Schlaganfällen würden. Es wäre hier also offenbar selbst aus schulmedizinischer Sicht gar nicht in jedem Fall notwendig, den Cholesterinspiegel zu senken. Und wenn ein erhöhter Cholesterinspiegel sogar das Parkinsonrisiko reduziert, wäre es doppelt ungünstig, Parkinsonpatienten Statine zu verabreichen.

(Wussten Sie, dass bei Parkinson die Einnahme von Kreatin u. U. hilfreich sein könnte?)

Schützt höherer Cholesterinspiegel vor Parkinson?

Huang sagte:

Wir konnten feststellen, dass ein hoher Gesamtcholesterinspiegel und sogar ein hoher LDL-Cholesterinspiegel mit einem niedrigeren Parkinsonrisiko in Verbindung steht. Überdies konnten Statine im Laufe unserer Studie NICHT vor Parkinson schützen, ja sie schienen das Parkinsonrisiko langfristig eher zu erhöhen.

Warum es in der Vergangenheit auch Forscher gab, die glaubten, Statine können vor Parkinson schützen, erklärt Professor Huang folgendermaßen: Bevorzugt Menschen mit hohem Cholesterinspiegel nehmen bekanntlich Statine. Wenn jedoch Menschen mit erhöhtem Cholesterinspiegel gleichzeitig auch seltener Opfer der Parkinson-Krankheit werden, dann kann dies zu einer falschen Schlussfolgerung führen. Es ist hier der Cholesterinspiegel, der vor Parkinson schützt und nicht die Statine.

Vielleicht sind auch beide Eigenschaften kombiniert in den Erbanlagen verankert: Die Neigung zu einem hohen Cholesterinspiegel und die fehlende Neigung zur Parkinson-Krankheit.

Professor Huang rät: "Bevor wir nicht wirklich die Zusammenhänge zwischen Parkinson, dem Cholesterinspiegel und Statinen verstanden haben, sollten Ärzte sehr vorsichtig damit sein, Statine mit weiteren gesundheitlichen Vorteilen zu bewerben und entsprechend zu verordnen."

Wir erklären in unserem entsprechenden Artikel, wie man auf ganzheitliche und naturheilkundliche Weise seinen Cholesterinspiegel senken kann.

Update: Neue Studien zum Parkinsonrisiko durch Statine

Inzwischen wurden weitere Studien und Übersichtsarbeiten zum Parkinsonrisiko durch Statine veröffentlicht (2017, 2019 und 2022), in denen sich kein Zusammenhang oder sogar ein reduziertes Parkinsonrisiko durch eine Statineinnahme zeigte ( 7 ) ( 8 ) ( 9 ).

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.