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Glutensensitivität: Nicht mehr länger Einbildung

Glutensensitivität: Nicht mehr länger Einbildung

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(Zentrum der Gesundheit) – Glutensensitivität wurde lange als eine Art Einbildung betrachtet. Betroffene hätten eben gelesen, dass Gluten ungesund sei. Und wenn sie dann glutenhaltige Speisen zu sich nähmen, zeigten sie einschlägige Symptome – natürlich nicht, weil Gluten tatsächlich schädlich sei, sondern nur weil die Leute das eben ganz fest glaubten. Folglich nahm die Mehrheit der Schulmediziner das Problem nicht ernst. Das wird sich bald ändern. Denn die wissenschaftlichen Beweise für die Existenz der Glutensensitivität mehren sich.

Wissenschaftlich bewiesen: Glutensensitivität

Wer Gluten nicht verträgt, hat Zöliakie. Wer aber keine Zöliakie hat, muss gefälligst Gluten vertragen – so in etwa die bisherige Meinung der Schulmedizin. Die sog. Glutensensitivität, bei der man nach Glutenverzehr Symptome entwickelt, obwohl man nicht an Zöliakie leidet, wurde als esoterisches Konstrukt betrachtet, etwas, das man nicht ernst nahm und nur milde belächelte.

Zwar existieren schon seit den 1970er Jahren Berichte von Patienten, die auf Gluten reagierten, obwohl sie keine Zöliakie hatten. Doch gab man dem Phänomen keinen Namen, ignorierte es also einfach.

Inzwischen gibt es dafür jedoch eine eigene Bezeichnung: zöliakieunabhängige Glutensensitivität oder nicht-zöliakiebedingte Glutensensitivität – abgekürzt NCGS.

Die Symptome der zöliakieunabhängigen Glutensensitivität

Die NCGS zeigt sich uneinheitlich, das heisst mit sehr unspezifischen, individuellen Symptomen. Einerseits gehören dazu Verdauungsbeschwerden:
 

Andererseits können es auch ganz andere, teilweise sehr unspezifische Symptome sein, wie z. B.
 

Die Diagnose: Alles andere als einfach

Bei der Zöliakie treten ganz ähnliche Symptome auf, mit dem Unterschied, dass man die Zöliakie eindeutig diagnostizieren kann, die NCGS hingegen nicht. Bei einer Zöliakie zeigen sich spezifische Schäden an der Dünndarmschleimhaut (Biopsie), und bestimmte Antikörper können im Blut festgestellt werden.

Reagiert jemand auf Gluten mit den beschriebenen Symptomen, ohne jedoch die zöliakietypischen Diagnosemerkmale aufzuweisen, dann liegt eine NCGS nahe. Man diagnostiziert die NCGS also hauptsächlich über den Ausschluss einer Zöliakie bei nahezu identischen Symptomen.

Zwar werden bei einer vermuteten NCGS in manchen Fällen Tests auf Antikörper gegen bestimmte Glutenbestandteile durchgeführt, doch fallen diese Tests natürlich dann negativ aus, wenn jemand auf andere Glutenbestandteile reagiert, die mit diesen Tests nicht überprüft werden, worüber wir schon hier geschrieben hatten: Sechs Zeichen für Glutenintoleranz

Glutensensitivität: Nicht mehr länger Einbildung

Es ist also fast schon nachvollziehbar, wenn die Schulmedizin aufgrund der verschwommenen Sachlage nicht wirklich an die Existenz der Glutensensitivität (auch Glutenintoleranz genannt) glaubt und sie in die Schublade "Alles nur Einbildung!" gepackt hat.

Von dort kann sie jetzt aber wieder ganz offiziell herausgenommen werden, denn Wissenschaftler erbrachten in den letzten Jahren mehrfach den Nachweis dafür, dass es sie gibt, die zöliakieunabhängige Glutensensitivität und damit auch den Beweis dafür, dass all die Betroffenen keinesfalls eingebildete Kranke sind, sondern an sehr realen Beschwerden leiden.

Wissenschaftliche Studien beweisen Existenz der Glutensensitivität

Biesiekierski et al. berichteten schon 2011 im American Journal of Gastroenterology von ihrer doppelblinden Studie, in der sie die NCGS bei Personen mit Reizdarmdiagnose beobachtet konnten.

2012 dann zeigten Carroccio et al., dass etwa 30 Prozent aller Patienten mit Verdauungsbeschwerden bei einer Weizenprovokation mit Symptomen reagierten. Die Studienautoren sprachen hier somit von NCWS-Patienten, also von einer Weizensensitivität.

2015 stellten Di Sabatino et al. in einem doppelblinden Crossover-Versuch fest, dass 20 Prozent der Magen-Darm-Patienten definitiv auf Gluten reagierten, ohne an einer Zöliakie erkrankt zu sein.

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Die GLUTOX-Studie

Ganz aktuell ist die italienische sog. GLUTOX-Studie, deren Resultate 2016 im Fachjournal Nutrients vorgestellt wurden. Diese Untersuchung wurde über ein Jahr hinweg in 15 verschiedenen ambulanten Gesundheitszentren in Italien durchgeführt (vom Herbst 2013 bis zum Herbst 2014). Beteiligt waren 140 Erwachsene , die an chronischen Magen-Darm-Beschwerden litten.
 

  • 40 hatten eine Reizdarm-mit-Durchfall-Diagnose,
  • 14 eine Reizdarm-mit-Verstopfung-Diagnose,
  • 20 litten an einem Reizdarm mit abwechselnder Symptomatik (mal Durchfall, mal Verstopfung),
  • 12 waren chronisch magenkrank mit Beschwerden hauptsächlich nach dem Essen,
  • 10 litten an Oberbauchschmerzen und Brennen (epigastrisches Schmerzsyndrom) und
  • 41 hatten andere, nicht näher diagnostizierte Magen-Darm-Beschwerden.
     

Die Beschwerden traten auffälligerweise immer besonders dann auf, wenn die Betroffenen irgendetwas gegessen hatten, das Gluten enthielt. Zöliakie, chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn etc.), psychische Störungen, systemische Autoimmunerkrankungen und eine Weizenallergie konnten ausgeschlossen werden.

Glutenfreie Ernährung: 75 Prozent der Patienten erleben eine Besserung ihrer Beschwerden

Die Untersuchung wurde in zwei Phasen durchgeführt. In Phase 1 wurde geschaut, wie die Beteiligten auf eine dreiwöchige glutenfreie Ernährung reagierten. 75 Prozent erlebten eine Besserung durch die glutenfreie Ernährung. Nebenwirkungen dieser Ernährungsform wurden keine beobachtet.

In Phase 2 erhielten jene, die auf die glutenfreie Ernährung mit einer Besserung reagiert hatten, weiterhin eine strikt glutenfreie Ernährung. Zusätzlich aber gab man ihnen 7 Tage lang täglich jeweils 7 Kapseln, die entweder Gluten oder ein Placebo enthielten – 4 zum Mittagessen und 3 zum Abendessen. Die Glutenmenge der Kapseln (5,6 g) entsprach der Glutenmenge von 80 g Pasta.

Dann legte man eine 7-tägige Pause ohne Kapseln ein, bevor man die Gluten- und Placebogruppe tauschte. Jetzt erhielten jene, die zuvor die Glutenkapseln erhalten hatten, die Placebokapseln und umgekehrt. Insgesamt dauerte Phase 2 also drei Wochen lang.

Die durchführenden Ärzte wussten genausowenig wie die Patienten, welche Kapseln nun die Glutenkapseln und welche die Placebokapseln waren. Lediglich der Kapsellieferant wusste Bescheid.

Von den 101 Patienten, die so gut auf die glutenfreie Ernährung reagiert hatten, nahmen nur 98 an Phase 2 teil. Die 3 Aussteiger waren so glücklich über die Besserung ihrer Beschwerden, dass sie fürchteten, durch das in Phase 2 zu verzehrende Gluten einen Rückfall zu erleiden, was sie unter allen Umständen vermeiden wollten.

Auch andere Getreidesubstanzen können zu Unverträglichkeiten führen

Ein Drittel der verbliebenen Patienten konnte nach Phase 2 in zwei Gruppen eingeteilt werden. Die Hälfte könnte tatsächlich einem sog. Nocebo-Effekt erlegen sein, schien sich die Glutensensitivität also nur einzubilden. Andererseits könnten diese Patienten auch auf andere Getreidesubstanzen mit Beschwerden reagieren. Denn Weizen und andere Getreide enthalten ja nicht nur Gluten als Substanz, auf die Menschen mit Unverträglichkeiten reagieren können.

Im Getreide finden sich auch die sog. ATIs (Amylase Trypsin Inhibitoren), die ebenfalls Ursache einer glutenunabhängigen Glutensensitivität darstellen können. Auch die sog. FODMAPs können zu Verdauungsbeschwerden nach dem Verzehr entsprechender Lebensmittel führen. FODMAP ist die Abkürzung für "fermentable oligo-, di- and monosaccharides and polyols".

Dabei handelt es sich um Mehrfachzucker, Zweifachzucker und Einfachzucker sowie um bestimmte Alkohole (Polyole). Diese Stoffe kommen bekanntlich in vielen Lebensmitteln vor, aber insbesondere in Getreideprodukten. Wer also glutenhaltige Lebensmittel meidet, reduziert automatisch auch die FODMAP-Menge seiner Ernährung. Und seine Beschwerden – wenn diese FODMAPs-bedingt sind – nehmen ab.

Glutenfreie Ernährung ist ein Versuch wert!

Die andere Hälfte hingegen (14 Prozent der ursprünglichen 101 Patienten) hingegen konnte als eindeutig glutensensitiv diagnostiziert werden. Ihnen ging es schlechter, wenn sie Gluten assen (auch dann, wenn sie nicht wussten, ob sie Gluten in den Kapseln hatten oder ein Placebo) und sehr viel besser, wenn sie glutenfrei lebten. Sie litten an einer zöliakieunabhängigen Glutensensitivität.

Wer also an chronischen Magen-Darm-Beschwerden leidet, mit einer Reizdarmdiagnose nach Hause geschickt wird und nur rein symptomatisch behandelt wird, nicht selten auch nur noch Antidepressiva verschrieben bekommt, sollte einfach einmal ein paar Wochen glutenfrei leben.

Die Chancen stehen gut, dass sich die Beschwerden stark bessern oder gar ganz verflüchtigen.

Informationen zur glutenfreien Ernährung finden Sie hier: Glutenfreie Ernährung – Leicht und lecker

Tipps zum glutenfreien Backen lesen Sie hier: Glutenfrei backen

Quelle:


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