Einwegbecher vs. Mehrwegbecher

Kaum ein anderer Gebrauchsgegenstand ist ein deutlicheres Sinnbild für die Wegwerfgesellschaft als der Einwegbecher. Viele Menschen haben in unserer Hektomatikwelt kaum noch Zeit, um sich irgendwo gemütlich hinzusetzen und ihren Kaffee ganz einfach aus der guten alten Porzellantasse zu geniessen. Denn dann wäre diese ganze Diskussion schlicht überflüssig. Stattdessen werden Coffee-to-go-Becher als praktische, ja als unentbehrliche Zeitgenossen empfunden. Allerdings haben sie gravierende Auswirkungen auf die Umwelt.

In diesem Sinne wird der Mehrwegbecher oft als umweltfreundliche Alternative empfohlen. Dies trifft aber keineswegs in jedem Fall zu. Auch stecken in Mehrwegbechern oft schädliche Stoffe, wie Analysen gezeigt haben. Was sollte diesbezüglich also beachtet werden?

Der Siegeszug von Coffee to go

Der Einwegbecher wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA erfunden. Eigentlich ging es darum zu verhindern, dass mehrere Menschen einen Becher gemeinsam nutzen und dadurch Krankheitserreger übertragen werden.

In den 1950er Jahren führte die Fastfood-Kette McDonald‘s aus Kostengründen (Reinigung, Bruch, Diebstahl) den Einwegbecher und Einwegverpackungen ein und fand schnell Nachahmer. Der Coffee to go war eine Idee des US-Konzerns 7-Eleven. Dies war die Geburtsstunde heisser Getränke in Einwegbechern zum Mitnehmen.

Nach Europa schaffte es der Coffee to go erst in den 1990er Jahren. Inzwischen gibt es kaum noch Lokale, Tankstellen oder Bäckereien, die den Kaffee-Einwegbecher nicht im Sortiment haben.

Warum der Einwegbecher die Umwelt belastet

Laut der Deutschen Umwelthilfe (4) werden allein in Deutschland jährlich rund 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Becher verbraucht. Die Einwegbecher landen samt Deckel nach etwa 15 Minuten im Müll und sorgen pro Jahr für 40.000 Tonnen Abfall. Oft werden die Becher nicht in den überquellenden öffentlichen Papierkörben entsorgt, sondern auf der Strasse oder in Parks achtlos weggeworfen. Selbst aber wenn Einwegbecher korrekt entsorgt werden, ist ein vollständiges Recycling kaum möglich.

Allerdings beginnt die Umweltbelastung bereits bei der Produktion. Für den schnellen Kaffee-Genuss in Deutschland müssen jährlich 43.000 Bäume gefällt und 1,5 Milliarden Liter Wasser eingesetzt werden. Dies entspricht dem Tagesverbrauch von mehr als 12 Millionen Menschen. Für die Herstellung der Papierfasern werden jährlich 320 Millionen kWh benötigt, also gleich viel Strom, wie rund 100.000 energiesparende Haushalte im selben Zeitraum verbrauchen.

Mitgebrachte Mehrwegbecher und die Hygiene

Die genannten Zahlen verdeutlichen klar, warum umweltbewusste Menschen Kritik an den Einwegbechern üben. Selbst Unternehmen, die das Konzept anbieten, sind auf der Suche nach Alternativen. Viele sehen im Mehrwegbecher eine Lösung. Da ein solcher immer wieder genutzt werden kann, trägt er natürlich zur Müllreduktion und zur Schonung der Ressourcen bei.

So sehen es die meisten Coffee-to-go-Anbieter mittlerweile gelassen, wenn ihre Kunden einen eigenen Becher mitbringen, der dann befüllt wird. Einige bieten in diesem Fall sogar einen Rabatt auf das Heissgetränk an. Doch gibt es diesbezüglich auch Kritiker wie z. B. das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen und der Deutsche Kaffeeverband. (2)

Sie argumentieren, dass ein derartiges Vorgehen schlichtweg unhygienisch sei und zur Verkeimung von Schankanlagen und Kaffeemaschinen führen könne. Die meisten Hygieneämter halten es für ausreichend zu kontrollieren, dass der mitgebrachte Mehrwegbecher sauber aussieht. Auch dürfe er nicht mit dem Abfüllstutzen in Berührung kommen und die Theke sei regelmässig zu reinigen.

Mehrwegbecher aus natürlichen Rohstoffen: Nichts als heisse Luft?

Viele Verbraucher entscheiden sich bewusst für Mehrwegbecher aus natürlichen Rohstoffen wie Maismehl oder Bambus, in der Meinung, dass es sich um eine umweltfreundliche Alternative handle.

Fakt ist den deutschen Verbraucherzentralen (6) zufolge aber, dass sich in diesen Bechern auch synthetische Stoffe wie Kunstharze verbergen und sie auch nicht nach Jahren auf dem Kompost verrotten werden. Selbst industrielle Kompostieranlagen zersetzen das Material nicht.

Recycling-Symbole auf den Verpackungen dieser Mehrwegbecher werden ebenfalls als Täuschung des Verbrauchers eingestuft. Denn die Mischung aus Kunstharz und natürlichen Materialien lässt sich nicht in die ursprünglichen Komponenten aufteilen oder einschmelzen. Es bleibt demzufolge nur das energetische Recycling – also die Verbrennung.

Gesundheitsgefährdende Stoffe in sogenannten natürlichen Mehrwegbechern entdeckt

Viele Menschen kaufen Mehrwertbecher aus natürlichen Rohstoffen auch im Glauben, dass diese – im Gegensatz zu Kunststoffbechern – der Gesundheit nicht schaden. Im Jahr 2019 hat die Stiftung Warentest (5) 12 Bambusbecher getestet und aus mehr als der Hälfte von diesen gingen sehr hohe Mengen Melamin ins Getränk über.

Daraufhin nahm das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (1) 56 Mehrwertbecher aus natürlichen Materialien unter die Lupe. Die Analysen ergaben, dass in 25 Prozent der Proben der spezifische Migrationsgrenzwert für Melamin und in 11 Prozent der Proben für Formaldehyd überschritten wurde.

Warum Mehrwegbecher aus Naturstoffen der Gesundheit schaden können

Melamin und Formaldehyd dienen als Bindemittel, um die organischen Bestandteile zusammenzuhalten. Werden nun heisse Getränke in einen entsprechenden Mehrwegbecher eingefüllt, gehen bedenkliche Mengen dieser Stoffe in den Kaffee, Kakao oder Tee über. Besonders bedenklich ist: Je öfter ein solcher Mehrwegbecher genutzt wird, was ja eigentlich sein Zweck ist, desto mehr Melamin landet im Getränk.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit liess verlauten, dass von den meisten Mehrwegbechern aus Bambus oder Maismehl eine Gefahr für die Gesundheit ausgeht. Denn während Melamin laut der Weltgesundheitsorganisation (8) vermutlich krebserregend ist und der Blase sowie den Nieren schaden kann, kann Formaldehyd (7) Allergien auslösen und wurde bereits als krebserzeugend für den Menschen eingestuft.

Was Sie beim Kauf von Mehrwegbechern unbedingt beachten sollten

Wer also der Umwelt und seiner Gesundheit etwas Gutes tun möchte, sollte sich für Mehrwegbecher aus Edelstahl, Glas oder Porzellan entscheiden. Denn diese Materialien sind für den Kontakt mit Heissgetränken geeignet. Auch hitzebeständige und recycelbare Kunststoffe wie etwa sortenreines Polypropylen (PP) kommen in Frage. Thermobecher haben überdies den Vorteil, dass sie das Getränk warm halten.

*Wir finden diesen Mehrwegbecher sehr gut.

Entscheidend ist ausserdem, dass der Umweltvorteil nur dann zum Tragen kommt, wenn der Mehrwertbecher oft genutzt wird und so eine grosse Menge an Einwegbechern ersetzen kann. Erst wenn der Mehrwegbecher mindestens 50-mal zum Einsatz kommt, rechnet sich der Aufwand für die Herstellung und die Entsorgung.

Mehrwegbecher mit Pfand: Umweltfreundlich, hygienisch und praktisch

Ein weiteres Problem ist, dass es zahlreichen Menschen schwerfällt, mit ihren Gewohnheiten zu brechen. Sie sind der Auffassung, dass ein Mehrwegbecher, der selbst mitgeschleppt und dann wieder nach Hause gebracht und gereinigt werden muss, nicht dem Konzept von Coffee to go entspricht.

Demzufolge sind inzwischen zahlreiche Projekte (3) mit Pfandbechersystem gestartet worden. Hierbei wird selbstverständlich auch darauf geachtet, dass die Mehrwegbecher aus recyclingfähigen Materialien bestehen und keine giftigen Stoffe enthalten. Ein Vorreiter in Deutschland war die Stadt Freiburg mit dem FreiburgCup.

Ein deutschlandweites Pfandsystem für Coffee-to-go Mehrwegbecher ist inzwischen der sog. RECUP. Und in Wien startete im Frühling 2019 ein Pilotversuch mit dem myCoffeCup. Hat man das Getränk ausgetrunken, kann der Becher einfach wieder bei einem der Partnerbetriebe oder myCoffeeCup-Rückgabeautomaten zurückgegeben werden. Der Einsatz für den Becher beträgt 1 Euro, den man in Form eines Gutscheins (digital oder Bon) zurückerhält und bei den Partnerbetrieben einlösen kann.

Mehrwegbecher, Einwegbecher oder besser gar kein Becher?

Wenn sich Ihnen die Möglichkeit bietet, sollten Sie derartige Pfandsysteme unterstützen. Denn diese tragen dazu bei, dass die Flexibilität des Coffee-to-go-Bechers erhalten bleibt und die Umwelt geschont wird. Noch besser wäre es zu überdenken, ob es wirklich nötig ist, unterwegs einen Kaffee zu trinken oder ob man aus dem Kaffeegenuss nicht lieber wieder etwas Besonderes macht, den man auf zu Hause oder das Café verlegt.

Wie auch immer: Umweltschutz ist hauptsächlich eine Sache des Verbrauchers. SIE entscheiden, was produziert und was gekauft wird, z. B. auch welche Mode über den Ladentisch geht, worüber Sie hier mehr lesen können: Wie Fast Fashion unsere Umwelt zerstört oder auch wie es sich mit der Nachhaltigkeit von Weihnachtsbäumen verhält: Weihnachtsbaum: Echt oder künstlich?

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Quellen

  1. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Gesundheitliche Risiken bei „Coffee-to-go“-Bechern, Pressemitteilung, November 2019
  2. Michael Gassmann, Die grosse Heuchelei um den Mehrweg-Kaffeebecher, Welt, August 2017
  3. Die Umweltberatung, Coffee to go – das geht auch umweltfreundlich!
  4. Deutsche Umwelthilfe, Umweltproblem Coffee to go-Einwegbecher – Die wichtigsten Fakten , September 2015
  5. Stiftung Warentest, Bambusbecher im Test – Die meisten setzen hohe Mengen an Schadstoffen frei, Juli 2019
  6. Verbraucherzentrale, Schadstoffe in Bambusgeschirr, November 2019
  7. National Institute of Environmental Health Sciences, Formaldehyde – Report on Carcinogens, Fourteenth Edition For Table of Contents, November 2014 
  8. World Health Organization, Melamine

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