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Nitrostress als Ursache vieler Erkrankungen

Nitrostress bezeichnet eine übermässige Belastung des Organismus mit oxidierten Stickstoffradikalen. Nitrostress kann viele Krankheiten, die bisher medizinisch kaum erklärbar waren, verursachen und verstärken. Dennoch wird der nitrosative Stress selten als Krankheitsursache in Betracht gezogen.

Fachärztliche Prüfung: Dr. med. Jochen Handel
Stand: 03 Mai 2026
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Nitrostress verhindert die normale Zellfunktion

Fast jeder kennt inzwischen den sog. oxidativen Stress, bei dem freie Sauerstoff-Radikale Körperzellen schädigen und es langfristig zu chronischen Krankheiten aller Art kommen kann. Nitrostress - auch nitrosativer Stress genannt - ist ebenfalls eine Form von oxidativem Stress, allerdings sind hier die Stickstoffmonoxid-Radikale (NO-Radikale) das Problem.

Eigentlich ist Stickstoffmonoxid (NO) ein wichtiger körpereigener Stoff, ohne den unser Körper nicht reibungslos funktionieren kann. So wirkt NO etwa als Teil unseres Immunsystems, entspannt Gefässe, senkt somit übermässig erhöhten Blutdruck und ist als Botenstoff aktiv.

Verwandeln sich die NO-Moleküle allerdings in NO-Radikale, produzieren diese im Körper hochgiftige Substanzen, schädigen unsere Zellen, unsere DNA (Erbsubstanz) und unsere Mitochondrien. Die Mitochondrien sind kleine Zellorgane, die als die Kraftwerke der Zellen bekannt sind. Dort wird Energie für alle unsere Körperabläufe produziert.

NO-Radikale beeinflussen überdies die Chemie der Zelle, verändern so den Zellstoffwechsel und behindern damit die Zelle in ihrer Funktion. Dies wiederum führt zu zahlreichen Problemen, denn jetzt kann die Zelle ihre spezifischen Aufgaben nicht mehr erfüllen. Einerseits fehlt ihr die Energie dazu, andererseits arbeitet sie nur noch fehlerhaft.

Nitrostress macht krank

Die genannten Zellstörungen können sich folgendermassen äussern:

Hat eine Zelle zuvor Entgiftungsenzyme oder körpereigene Antioxidantien (z. B. Glutathion ) produziert, fehlen diese nun und der Körper kann nicht mehr gut entgiften, was schon allein das Krankheitsrisiko massiv erhöht.

Hat eine Zelle Hormone hergestellt, kann es jetzt zu Hormonstörungen kommen, weil nicht mehr genügend Hormone vorhanden sind.

Hat die Zelle im Gehirn Botenstoffe produziert – Serotonin oder Dopamin – dann kommt es jetzt bei einem Mangel derselben zu Depressionen oder Antriebsstörungen oder auch "nur" zu depressiven Verstimmungen.

Hat die Zelle das Schlafhormon Melatonin gebildet und ist jetzt der Zellablauf infolge von Nitrostress gestört, kommt es zu Schlafstörungen.

Anhand dieser Beispiele zeigt sich bereits, wie verheerend sich nitrosativer Stress auswirken kann und wie unklug es ist, diese Problematik – ganz besonders im Krankheitsfall – zu ignorieren. Denn viele dieser Probleme sind wieder umkehrbar:

Wird der Nitrostress behandelt, verschwinden die meisten der Symptome. Allerdings sind unsere Mitochondrien, und hier besonders das eigene Erbgut dieser Zellkraftwerke, besonders anfällig für nitrosativen Stress. Besteht der Stress über Jahre hinweg, werden die Mitochondrien irreversibel geschädigt und können sich nicht mehr erholen. Besonders tragisch an dieser Tatsache ist, dass diese Schäden in der mitochondrialen DNA von der Mutter an ihre Kinder weitervererbt werden können. Man sollte daher frühzeitig aktiv werden!

Die möglichen Symptome von Nitrostress

Zu den zahlreichen Symptomen einer übermässigen Belastung mit NO-Radikalen zählen meist diffuse Probleme wie:

Energiemangel, Schmerzen, Depressive Verstimmungen/Depressionen, Schlafprobleme, Verdauungsbeschwerden und Lähmungserscheinungen, etc.

Aufgrund der zahlreichen, unspezifischen Auswirkungen, die nitrosativer Stress auf unseren Körper hat, werden viele Erkrankungen, für die die Wissenschaft bisher keine Erklärungen hatte, plötzlich erklär- und verstehbar. So hat man inzwischen erhöhten nitrosativen Stress bei den folgenden Krankheiten nachweisen können:

Chronisches Erschöpfungs-Syndrom (CFS), Reizdarm, Fibromyalgie, Multiple Sklerose, Rheumatoide Arthritis, Multiple chemische Sensitivität (MCS), Schuppenflechte (Psoriasis), Neurodermitis, Allergien, Depressionen und Angsterkrankungen sowie chronische Schlafstörungen.

Auch wenn die Rolle von Nitrostress an diesen Krankheitsgeschehen wissenschaftlich noch nicht vollends geklärt ist, sollte man dennoch immer auch Nitrostress als (Mit-)Auslöser dieser Erkrankungen in Betracht ziehen.

Die Ursachen von Nitrostress

Wie entsteht nun der vermehrte nitrosative Stress? In Zeiten besonderer Belastung beginnt unser Körper mit der Produktion von zusätzlichen NO-Molekülen. Hierzu zählen z. B. grosse körperliche und psychische Belastungen, virale und bakterielle Entzündungen, Schwermetall- und Chemikalienbelastungen, bestimmte Medikamente (Antibiotika, Statine, Zytostatika u. a.), Sauerstoffmangel, aber auch Schleudertrauma der Halswirbelsäule und Wirbelsäulenverletzungen.

Hat nun die vermehrte Bildung von Stickstoffmonoxid eingesetzt, beginnt oft ein Teufelskreis: NO (Stickstoffmonoxid) reagiert nun mit dem Sauerstoffradikal Superoxid und bildet das gefährliche Peroxinitrit, das die meisten Schäden hervorruft (NO + OO- = ONOO-). Peroxinitrit hat nun die unangenehme Eigenschaft, selbst wieder die Produktion von Stickstoffmonoxid und Superoxid anzukurbeln, die sich beide wiederum zu Peroxinitrit zusammenschliessen. Ist der Teufelskreis einmal in Gang, bleibt er auch dann bestehen, wenn die ursächlichen Auslöser bereits behoben wurden. Er befeuert sich von nun an selbst.

Die Diagnose von Nitrostress

Um Nitrostress nachzuweisen, gibt es die Möglichkeit eines relativ einfachen und kostengünstigen Urintests, den man problemlos beim Arzt oder Heilpraktiker vornehmen lassen kann. Es gibt auch Testkits für die Eigenanwendung zu Hause.

Bei dem Urintest werden normalerweise drei veschiedene Werte überprüft: Die Konzentration von Citrullin, das bei der Bildung von Nitrostress entsteht, von Methylmalonsäure, das einen Vitamin-B12-Mangel in den Zellen anzeigen kann und so als Indikator für nitrosativen Stress gilt, und von Nitrophenylessigsäure, die wiederum ein Folgeprodukt von nitrosativem Stress darstellt.

Die Normwerte

Nitrostress kann über die folgenden drei Werte überprüft werden:

Citrullin-Werte von über 2,9mg/g deuten auf Nitrostress hin. Normwerte liegen unter 2,9 mg/g Kreatinin.

Methylmalonsäure-Werte von über 2mg/g deuten auf Nitrostress hin. Normwerte liegen unter 2 mg/g Kreatinin.

Nitrophenylessigsäure-Werte von über 3µg/g deuten auf Nitrostress hin. Normwerte liegen unter 3,0 µg/g Kreatinin.

Mit diesen Massnahmen bekämpfen Sie Nitrostress

Obwohl sich Nitrostress relativ einfach nachweisen lässt, wird in der Praxis kaum auf eine Belastung hin getestet. Viele Patienten werden zudem von ihren Ärzten nicht ernst genommen, da rein organisch oft alles in Ordnung scheint. Ihre Leiden werden als psychosomatisch eingestuft und ein langer Leidensweg beginnt.

Dabei gibt es durchaus Massnahmen, nitrosativen Stress erfolgreich zu bekämpfen, den Teufelskreis zu durchbrechen und so weitere Schäden zu verhindern. Sechs dieser Massnahmen stellen wir Ihnen nachfolgend vor:

Vitamin B12 als natürlicher Gegenspieler von Nitrostress

Um den normalen Stickstoffprozess, der ja für uns lebenswichtig ist, zu regulieren, greift der Körper auf Vitamin B12 zurück. Dieses Vitamin regelt die normale NO-Produktion ebenso wie die Hemmung und Deaktivierung von überschüssigem Stickstoffmonoxid. Aus diesem Grund wird bei einer übermässigen Belastung mit nitrosativem Stress extrem viel Vitamin B12 verbraucht, was oft zu einem Vitamin-B12-Mangel führt: das Vitamin steht nun nicht mehr für seine normalen Funktionen zur Verfügung und es kann zu Vitamin-B12-Mangelsymptomen kommen.

Nachdem bei einer Nitrostress-Belastung oft höhere Mengen als die empfohlene Tagesdosis an Vitamin B12 verbraucht werden, sollte man Vitamin B12 hochdosiert einnehmen (ab 1000 µg pro Tag).

Die aktivsten Formen von Vitamin B12 im Kampf gegen nitrosativen Stress stellen Hydroxycobalamin und reduziertes Cobalamin dar. Nachdem zweiteres nicht medizinisch zur Verfügung steht, hat sich Hydroxycobalamin als sehr zuverlässig bei der Bindung von NO-Radikalen erwiesen. Cyanocobalamin und Methylcobalamin, welche normalerweise gerne als Nahrungsergänzung eingesetzt werden, haben sich dagegen als weniger bindungswillig an NO-Radikale gezeigt.

Steigt der in der obigen Tabelle angegebene Methylmalonsäurewerte auf über 2, dann liegt ein Vitamin-B12-Defizit vor, auch dann, wenn die Blutserumwerte des Vitamins normal zu sein scheinen. Die Serumwerte des Vitamin B12 sind daher nicht geeignet, um einen entsprechenden Mangel nachzuweisen. Für den Nachweis eines Vitamin-B12-Mangels stehen auch Eigentests zur Urinuntersuchung zur Verfügung.

* Hier finden Sie einen Vitamin B12 Test

Antioxidantien, Vitamine und Spurenelemente bekämpfen oxidativen Stress

Nachdem der Teufelskreis der Produktion von Peroxinitrit auch auf die Anwesenheit von "normalem" oxidativem Stress angewiesen ist, macht es natürlich Sinn, hier einzugreifen. Durch die Zufuhr von Antioxidantien, Spurenelementen und Mineralstoffen kann man die Produktion von Superoxid wirkungsvoll bremsen und so den Teufelskreis durchbrechen.

Besonders bedeutungsvoll in der Bekämpfung von oxidativem Stress sind hier einerseits Antioxidantien wie Curcumin, Astaxanthin und Sulforaphan, andererseits die antioxidativ wirksamen Vitamine, wie Vitamin C, Vitamin E, Vitamin A und Vitamin D.

Aber auch die Vitamine der B-Gruppe sind hierbei hilfreich. Ebenfalls sollte man auf eine ausreichende Zufuhr von Zink, Selen, Kupfer und Magnesium achten. Generell sollte man natürlich auch über eine gesunde Ernährung viele Antioxidantien zuführen und so der Bildung von oxidativem Stress entgegenwirken.

Bio-Gemüse bevorzugen

Konventionell angebautes Gemüse sollte generell gemieden werden. Biologisch angebautes Gemüse enthält mehr Antioxidantien als konventionell angebautes. Konventionelles Obst und Gemüse enthalten zudem grössere Mengen an Nitriten und Nitraten.

Dies sind Stickstoffverbindungen, die in der Landwirtschaft in Düngemitteln oder Pestiziden eingesetzt werden und leider in unserem Körper zu NO-Radikalen umgebaut werden können. Meiden Sie deshalb konventionell Angebautes und greifen Sie, wann immer möglich, auf Bio-Obst und Bio-Gemüse zurück.

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Tabakrauch und geräucherte bzw. gepökelte Lebensmittel meiden

Tabakrauch enthält eine Vielzahl an giftigen Komponenten, wie zum Beispiel Schwermetalle. Diese wiederum verursachen oxidativen Stress und nitrosativen Stress. Zusätzlich enthält Tabakrauch grosse Mengen an Stickstoff, der wiederum Nitrostress verstärkt.

Gepökelte Lebensmittel wiederum enthalten grössere Mengen an Nitraten und Nitriten, die den NO-Kreislauf befeuern. Meiden Sie deshalb verrauchte Räume, geben Sie das Rauchen auf und essen Sie keine geräucherten oder gepökelten Nahrungsmittel.

Entspannen Sie sich

Nachdem verstärkte psychische und physische Belastung die natürliche NO-Bildung anregt, sollten Sie beides meiden. Reduzieren Sie Stress, versuchen Sie sich an Entspannungstechniken, wie Meditation, die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training, Yoga, Tai Chi etc., um mit erhöhtem Stress besser umgehen zu lernen und versuchen Sie, stressige Situationen von vornherein zu meiden.

Körperlicher Stress ist ebenfalls nicht gut. Dies bedeutet aber nicht, dass Sie sich gar nicht mehr sportlich betätigen sollen: Vermeiden Sie besonders im Krankheitsfall übermässige Belastungen, beschränken Sie sich auf leichtes Ausdauertraining und gehen Sie dafür mehr spazieren.

Meiden Sie herkömmliche Kosmetika

In herkömmlichen Kosmetikprodukten stecken jede Menge giftige Verbindungen, die wir über die Haut aufnehmen. Ebenso finden sich eine Vielzahl von Stickstoffverbindungen aus herkömmlicher Landwirtschaft und Zusatzstoffen wie Konservierungsmitteln und Farbstoffen in den Produkten. Weichen Sie auf biologische Kosmetika aus. Diese schützen vor übermässiger Giftbelastung. Davon profitiert nicht nur Ihre Haut, sondern Ihr ganzer Organismus.

Wie Sie sich gesund ernähren können, um Nitrostress über die Ernährung so gering wie möglich zu halten, lesen Sie auf unserer Seite: Die 25 Regeln der gesunden Ernährung

Nutzen Sie unsere gesunden Rezepte, die Sie auf unserem Kochkanal ansehen können.

Wie Sie die körpereigene Entgiftung – die bei nitrosativem Stress meist unzureichend funktioniert – unterstützen können und wie Sie sich gleichzeitig mit Antioxidantien versorgen können, lesen Sie auf unserer Seite: Die ganzheitliche Entgiftung

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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