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  • Vitamin E: Die Wirkung
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Vitamin E: Ein Antioxidans der Spitzenklasse

Jahrelang pries man Vitamin E als ein Anti-Aging-Vitamin der Spitzenklasse. Es mache schön und fruchtbar und biete ausserdem – so hiess es – hervorragenden Schutz vor Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs und Alzheimer. Nachdem die Menschen nun brav und jahrelang hochdosierte Vitamin-E-Pillen schluckten, wird jetzt verkündet, Vitamin E sei im besten Falle unwirksam, könne aber auch das Risiko für Schlaganfall und sogar das eines verfrühten Todes erhöhen. Was stimmt denn nun?

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Aktualisiert: 14 November 2022

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Vitamin E und seine Wirkungen

Vitamin E ist nicht einfach nur ein einzelner Stoff, sondern bezeichnet eine ganze Familie kraftvoller Antioxidantien. Dazu gehören z. B. die Tocopherole und die Tocotrienole.

Besonders gut erforscht ist das Alpha-Tocopherol. Obwohl man immer dachte, dass dieses auch die wirksamste Form des Vitamin E sei, stellte man jetzt fest, dass die Tocotrienole - im Hinblick auf die antioxidative Wirkung - teilweise noch bis zu 40 Mal wirksamer sein können.

Bislang zählt die Vitamin-E-Familie 16 Mitglieder, die als Antioxidantien unterschiedlich stark wirken können. Ein Antioxidans hat die Aufgabe, freie Radikale auszuschalten und auf diese Weise den Körper zu schützen. Freie Radikale sind Moleküle, in deren chemischen Struktur ein Elektron fehlt. Auf der Suche nach diesem Elektron greifen sie besonders gerne Zellwände an. Ein paar solcher Attacken steckt die Zelle mühelos weg.

Wird sie jedoch pausenlos von freien Radikalen angegriffen, dann kommt es zu deutlichen Membranschäden. Eine Zelle mit beschädigter Zellmembran kann ihre Funktionen nicht mehr ordnungsgemäss wahrnehmen. Je mehr Zellen nur noch fehlerhaft arbeiten oder gar sterben, um so eher kommt es zu spürbaren Alterserscheinungen ( Falten, Augenprobleme etc.) und chronischen Krankheiten.

Normalerweise wird eine Zelle etwa 10.000-mal pro Tag von freien Radikalen wegen eines Elektrons angepumpt. Ob die Zelle mit dem Elektron herausrücken muss oder nicht, hängt von ihrem Schutz ab. Der Zellschutz ist die Aufgabe der Antioxidantien, wobei neben den körpereigenen Antioxidantien (Glutathion, SOD u. a.) das Vitamin E gemeinsam mit Vitamin C und anderen Helfern direkt an der Front steht und die Zellmembranen beschützt.

Vitamin E für junge und gesunde Haut

Ein gesunder Vitamin-E-Pegel hilft somit, die Haut zu straffen und schenkt ein frisches, jüngeres Aussehen. Dies gelingt gleich doppelt so gut, weil Vitamin E auch den Gehalt an Kollagen in der Haut erhöht.

Wunden heilen schneller, da sich rasch neue Zellen bilden können, ohne dass sie von freien Radikalen angegriffen werden. Natürlich schützt Vitamin E die Haut auch vor der Sonne – sowohl innerlich als auch äusserlich. Letzteres wenn es in Form von natürlichen Vitamin-E-reichen Ölen und Fetten auf die Haut aufgetragen wird (z. B. Olivenöl oder Kokosöl).

Vitamin E bringt Narben zum Verschwinden

Vitamin E kann auch angewendet werden, um Narben auf der Haut zu mindern oder gar ganz verschwinden zu lassen. Dazu wird es in Form von Vitamin-E-reichen Ölen am besten kurz nach der Bildung der Narbe auf die saubere Haut aufgetragen. Machen Sie dies jeden Abend, damit das Öl über Nacht einwirken kann.

Vitamin E für glänzendes und gesundes Haar

Vitamin E kümmert sich auch um die Gesundheit und Vitalität der Haare. Das Haarwachstum wird beschleunigt und das Haar wird kräftiger – sowohl durch den regelmässigen Genuss von Vitamin-E-reichen Lebensmitteln als auch durch regelmässige Packungen mit Vitamin-E-reichen Ölen.

Vitamin E regelt die Cholesterinwerte

Vitamin E schützt auch die Zellen der Blutgefässe, hält die Arterienwände sauber und elastisch. Das ungünstige Cholesterin (LDL) wird von Vitamin E an der Oxidation gehindert. Folglich kann es sich nicht an den Arterienwänden ablagern. Vitamin E hat ausserdem enormen Einfluss auf die Blutgerinnung. Ist ausreichend Vitamin E vorhanden, dann können Blutgerinnsel ( Thrombosen) und damit auch Schlaganfall und Herzinfarkt verhindert werden.

Vitamin E bei Krebs und Diabetes

Vitamin E kann auch bei der Vorbeugung oder Bekämpfung von Krebs helfen. Es schützt die DNA der Zellen (unser Erbgut) vor Schäden, die dazu führen können, dass die Zelle entartet und zur Krebszelle wird. Ist bereits ein Tumor entstanden, sorgt Vitamin E für eine verminderte Wachstumsrate des Tumors.

Gleichzeitig unterstützt es das Immunsystem bei der Bekämpfung des Krebses. Bei Diabetes ist Vitamin E ebenfalls hilfreich. Hier erhöht es die Insulinempfindlichkeit der Zellen, so dass diese das Insulin wieder erkennen und folglich der Blutzuckerspiegel auf gesunde Art und Weise sinkt.

Vitamin E gegen Alzheimer

Vitamin E ist entscheidend für eine richtige Funktion des Gehirns. Es bewacht die Myelinscheide, ein schützender Mantel, der die Nervenzellen im Gehirn umgibt. Das führt zu einem verlangsamten Alterungsprozess und ist bei der Vorbeugung von Alzheimer hilfreich.

Vitamin E gegen Unfruchtbarkeit

Vitamin E gilt oft als DAS Fruchtbarkeitsvitamin schlechthin. Männer mit schlechter Spermienqualität und dadurch als Unfruchtbar einzustufen sind, sollen ganz besonders von Vitamin E profitieren, aber auch Frauen mit bislang unerfülltem Kinderwunsch können Ihre Fruchtbarkeit mit Hilfe einer vitalstoffreichen Ernährung kräftig unterstützen.

Vitamin-E-Präparate

Vitamin E wirkt im Körper zusammen mit vielen anderen Vitaminen und Enzymen. Vitamin E macht als Nahrungsergänzungsmittel daher nur dann Sinn, wenn Sie sich auch um alle anderen Vitalstoffe kümmern.

So braucht Vitamin E zum Beispiel Vitamin C, um optimal wirken zu können. Vitamin C aktiviert das Vitamin E wieder, nachdem dieses ein freies Radikal eliminiert hat, so dass es sofort wieder seine antioxidative Aktivität aufnehmen kann. Genauso hilft das körpereigene Antioxidans Glutathion bei der Arbeit des Vitamin E. Und selbst das CoEnzym Q10 unterstützt das Vitamin E bei seinen vielfältigen Tätigkeiten - um nur drei der zahlreichen Mitarbeiter des Vitamin E zu nennen.

Ideal sind Vitamin-E-Präparate, die den gesamten Vitamin-E-Komplex enthalten, was bedeutet: alle 8 Formen, nämlich 4 Tocopherolformen und 4 Tocotrienolformen. Dabei sollte die enthaltene Menge jedes einzelnen Tocopherols bzw. Tocotrienols angegeben sein (in IE und mg). Die Tagesdosis für Erwachsene umfasst bei Nahrungsergänzungen meist 200 bis 400 IE.

Wenn Sie Wert auf vegane Nahrungsergänzungsmittel legen, achten Sie auf vegane Softgelkapseln, da gerade bei fettlöslichen Vitaminen häufig Gelatinekapseln zum Einsatz kommen.

Vitamin E wirkt nicht?

Wenn nun bei manchen klinischen Studien herauskam, dass Vitamin E gar nicht wie erhofft wirkt, sondern sogar schädliche Auswirkungen haben kann, so lag dies nicht am Vitamin E an sich, sondern eher an der Dosierung, an der Art des Vitamin E und u. U. daran, dass der eine oder andere Begleitstoff nicht in der erforderlichen Menge vorhanden war.

Das Ergebnis waren Schlagzeilen wie: "Antioxidantien enttäuschen beim Gefässschutz" (Lancet, 361, 2003, 2017) oder "Erhöhtes Sterberisiko durch hochdosiertes Vitamin E" oder "Vitamin E schützt nicht vor kardiovaskulären Erkrankungen" – selbstverständlich ohne in den betreffenden Artikeln die näheren Zusammenhänge zu erklären.

Wie viel Vitamin E braucht man?

Der Vitamin-E-Bedarf wird offiziell mit den folgenden Werten angegeben:

  1. Säuglinge 0 - 4 Monate: 3 mg
  2. Säuglinge 4 - 12 Monate: 4 mg
  3. Kinder 1 - 4 Jahre: 5 - 6 mg
  4. Kinder 4 - 7 Jahre: 8 mg
  5. Kinder 7 - 10 Jahre: 9 - 10 mg
  6. Jugendliche 10 - 13 Jahre: 11 - 13 mg
  7. Jugendliche 13 - 15 Jahre: 12 - 14 mg
  8. Jugendliche und Erwachsene 15 - 25 Jahre: 12 - 15 mg
  9. Erwachsene 25 - 65 Jahre: 12 - 14 mg
  10. Erwachsene ab 65 Jahre: 12 - 13 mg
  11. Schwangere: 13 mg
  12. Stillende: 17 mg

Sind verschiedene Werte angegeben, z. B. 11 - 13 mg, dann gilt für Mädchen/Frauen stets die niedrigere Zahl und für Jungen/Männer die höhere.

Wie rechnet man die verschiedenen Einheiten von Vitamin E um?

1 mg Vitamin E entspricht 1,5 IE Vitamin E.

1 IE Vitamin E entspricht 0,67 mg Vitamin E.

Lebensmittel mit Vitamin E

Gute Vitamin-E-Quellen, also Lebensmittel mit viel Vitamin E, sind Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl, Mandeln, Haselnüsse, Sonnenblumenkerne, Erdnüsse und Moringa, wobei Weizenkeimöl und Sonnenblumenkerne so viel Vitamin E enthalten, dass man als Erwachsener seinen Tagesbedarf von etwa 13 mg schon allein mit 1 EL Weizenkeimöl oder 4 EL Sonnenblumenöl (1 EL = 15 g) decken könnte.

Zum Vergleich: 1 EL Olivenöl liefert nur 1,3 mg Vitamin E, ist jedoch aufgrund des besseren Fettsäureverhältnisses ( Omega-3/Omega-6) dem Sonnenblumenöl und Weizenkeimöl in der Küche vorzuziehen. Natürlich kann man dennoch ab und zu etwas dieser beiden Öle verwenden, aber eben nicht nur und nicht täglich in grösseren Mengen.

Den Bedarf an Vitamin E könnte man beispielsweise folgendermassen decken, wobei die jeweils enthaltene Vitamin-E-Menge in Klammern steht. Die Summe ergibt 17,3 mg Vitamin E. (Die jeweilige Verzehrmenge kann natürlich ganz dem persönlichen Energiebedarf angepasst werden):

  1. 20 g Haselnüsse oder Mandeln (5 mg)
  2. 10 g Sonnenblumenkerne (2 mg)
  3. 10 g Moringapulver (4 mg)
  4. 100 g Vollkornbrot (1 mg)
  5. 80 g Quinoa roh (1,1 mg)
  6. 30 g Haferflocken (0,4 mg)
  7. 1 EL Olivenöl (1,3 mg)
  8. 500 g Obst und Gemüse (durchschnittlich 0,5 mg Vitamin E pro 100 g, macht 2,5 mg)

Vitamin E: Ganz natürlich aus Moringa

Eine fast fettfreie Vitamin-E-Quelle ist Moringa, der sog. Meerrettichbaum, dem geradezu Wunderwirkungen nachgesagt werden. Ob wundersam oder nicht, fest steht, dass sein Vitamin-E-Gehalt in jedem Fall interessant ist.

Schon mit einer Tagesdosis von 10 g Moringablattpulver deckt man 30 Prozent des Tagesbedarfs an Vitamin E. Da Moringa natürlich nicht nur Vitamin E liefert, sondern darüber hinaus noch etliche andere Vitalstoffe in relevanten Mengen wie z. B. Calcium, Magnesium und die B-Vitamine ist Moringa eine gute Wahl, wenn man die Ernährung auf ganzheitliche Weise ergänzen möchte.

Vitamin E zur Therapie höher dosieren

In manchen Fällen aber wird Vitamin E in therapeutischen Dosen eingesetzt, die man allein mit der Ernährung gar nicht zu sich nehmen kann – wie z. B. bei der Makuladegeneration.

Dann aber wird nicht allein ein Vitamin-E-Präparat eingenommen, sondern noch viele andere Vitalstoffe mehr. Das Ziel ist, möglichst viele der erforderlichen Begleitstoffe zu sich zu nehmen, damit das Vitamin E ähnlich wirken kann, als würde es im natürlichen Verbund mit der Nahrung aufgenommen.

Im Falle der Makuladegeneration wird das Vitamin E daher von Vitamin C, Zink, Kupfer, Carotinoiden, Omega-3-Fettsäuren sowie ausgewählte weitere Antioxidantien begleitet. Details zu den ganzheitlichen Massnahmen bei Makuladegeneration finden Sie hier: Makuladegeneration – Ganzheitliche Massnahmen

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen
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