Was ist Curcumin?
Curcumin ist der Hauptwirkstoff in Kurkuma (Curcuma longa) – eine Heilpflanze und ein beliebtes Gewürz aus Indien und Südostasien.
Bei Curcumin handelt es sich um einen sekundären Pflanzenstoff, der zu den Polyphenolen gehört. Aufgrund seiner intensiven gelben Farbe findet er auch in der Lebensmittelindustrie als Farbstoff (E100) Verwendung.
Der Pflanzenstoff hat eine entzündungshemmende und antioxidative Wirkung und kann bei sehr vielen Erkrankungen und Beschwerden helfen: von Arthrose über Diabetes bis hin zu Autoimmunerkrankungen und Krebs.
Aus diesem Grund ist der gelbe Stoff als Nahrungsergänzungsmittel sehr beliebt und weit verbreitet.
Unterschied zwischen Curcumin und Kurkuma
Curcumin ist der Hauptwirkstoff in Kurkuma, der hauptsächlich für die Wirkung der Wurzel verantwortlich sein soll. Der Gehalt in Kurkuma ist allerdings recht gering, er macht durchschnittlich nur ca. 3 % aus (30 mg pro Gramm Pulver oder frischer Wurzel) (1).
Daher wird der Stoff oft isoliert und konzentriert angewendet. Doch wirkt er selbst in dieser hochkonzentrierten Form nicht unbedingt besser als Kurkuma.
Denn Kurkuma enthält noch viele weitere Pflanzenstoffe. Diese können ebenfalls eine positive Wirkung haben und außerdem die Wirkung von Curcumin verstärken. Darüber erfahren Sie mehr in unserem Beitrag Kurkuma wirkt besser als Curcumin.
In unserem Beitrag Kurkuma: Wirkung und Anwendung gehen wir zudem ausführlich auf Kurkuma ein.
Curcuminoide
Curcuminoide sind eine Gruppe von Pflanzenstoffen aus Kurkuma, von denen Curcumin das Hauptcurcuminoid darstellt. Daneben gibt es noch Demethoxy-, Bisdemethoxy- und Cyclocurcumin.
In diesem Artikel geht es um die Wirkung insbesondere von Curcumin und Kurkumaextrakten. Letztere enthalten hoch konzentriertes Curcumin und in geringeren Mengen weitere Curcuminoide.
Wie wirkt Curcumin auf den Körper?
Zu Curcumin gibt es unzählige Studien: Es ist vermutlich der am besten untersuchte Pflanzenstoff überhaupt. In diesem Abschnitt stellen wir Ihnen die Wirkungen vor, zu denen die beste Evidenz vorliegt. Zu den meisten hier vorgestellten Wirkungen gibt es große Meta-Analysen, die die Wirkung bestätigen.
Meta-Analysen umfassen immer mehrere Studien und sind daher aussagekräftiger als einzelne Studien. Denn meist gibt es zwischen Studien eine große Variabilität.
Diese Meta-Analysen teilen Studienteilnehmer auch oft in Untergruppen ein – z. B. nach Alter, Geschlecht oder Gewicht – und analysieren diese Gruppen zusätzlich. Diese sog. Subgruppen-Analysen tragen auch dazu bei, zu verstehen, warum der Pflanzenstoff in manchen Studien keine Wirkung zeigt bzw. in welchen Fällen er wirkt und in welchen nicht.
Oft ist seine Wirkung sogar mit der von Medikamenten vergleichbar oder besser. Darüber erfahren Sie mehr in unserem Beitrag Kann Curcumin Medikamente ersetzen?
Vermutlich kann der Pflanzenstoff noch bei vielen anderen Beschwerden und Erkrankungen helfen, zu vielen gibt es zwar noch keine Meta-Analysen, aber zumindest einzelne Studien, die eine positive Wirkung nahelegen, z. B. die folgenden:
Gegen Entzündungsprozesse
Curcumin hat eine gute entzündungshemmende Wirkung. Denn es senkt effektiv entzündungsfördernde Botenstoffe, was in Studien gut beobachtet werden kann.
In einer Studie mit 117 Probanden mit metabolischem Syndrom nahmen die Teilnehmer für 8 Wochen zwei Mal täglich je 500 mg Curcumin plus 5 mg Piperin oder ein Placebo ein.
Nach den 8 Wochen waren die Entzündungsmarker TNF-alpha, IL-6, TGF-beta und MCP-1 in der Curcumin-Gruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (9).
Allerdings gibt es zwischen einzelnen Studien auch eine recht große Unterschiede im Ergebnis, so dass sich Entzündungsmarker nicht in allen Studien senken ließen.
Eine umfangreiche Untersuchung aus dem Jahr 2023, die insgesamt 10 Meta-Analysen mit insgesamt 5.870 Probanden umfasste, hat das näher analysiert und entdeckt, dass das Alter, die Dosis und die Einnahmedauer einen großen Einfluss haben.
Curcumin kann beispielsweise bei älteren Probanden Entzündungsmarker besser senken als bei jüngeren. Die Autoren führen das darauf zurück, dass Entzündungsprozesse mit dem Alter zunehmen. Der Pflanzenstoff senkt Entzündungsmarker also insbesondere dann, wenn sie stark erhöht sind.
Auch die Einnahmedauer ist relevant: Nach über sieben Wochen sind eher statistisch relevante Ergebnisse zu erwarten.
Überraschende Ergebnisse gab es bei der Dosis. Denn mehr ist nicht immer besser. IL-6 ließ sich mit einer Dosis unter 700 mg pro Tag im Schnitt besser senken als mit einer höheren Dosis (10).
Allerdings könnte hier die Bioverfügbarkeit auch einen Einfluss haben. Dies wurde in der Untersuchung nicht berücksichtigt. Eine andere Studie kam aber zu dem Schluss, dass die entzündungshemmende Wirkung besser ist, wenn die Bioverfügbarkeit (z. B. durch Piperin) erhöht wird (11).
Gegen oxidativen Stress
Curcumin erhöht die Aktivität antioxidativer Enzyme wie Superoxiddismutase (SOD) und Katalase (CAT) und fördert so den Abbau schädlicher freier Radikale. Dies ist ein weiterer Mechanismus, mit dem der Pflanzenstoff Entzündungen entgegenwirkt. Denn chronische Entzündungen gehen mit oxidativem Stress Hand in Hand.
Entzündungsfördernde Immunzellen setzen freie Radikale frei. Freie Radikale hingegen verursachen Schäden in den Zellen, die Entzündungsprozesse in Gang setzen.
Eine Studie mit 60 stark übergewichtigen jungen Mädchen konnte das gut zeigen. Die Probandinnen nahmen für 10 Wochen entweder täglich 500 mg Curcumin mit einer Mahlzeit oder ein Placebo ein.
Nach den 10 Wochen war die gesamte antioxidative Kapazität (TAC) erhöht. Sie definiert die Fähigkeit des Körpers, reaktive Sauerstoffradikale (ROS) zu neutralisieren. Auch MDA, ein Marker für oxidativen Stress, sank signifikant (12).
Bei Arthrose
Arthrose geht mit Entzündungen in den Gelenken einher, die die Symptome verstärken. Entzündungshemmende Substanzen haben daher das Potenzial, Arthrose zu lindern.
Eine große Meta-Analyse aus dem Jahr 2021, die 16 Studien mit insgesamt 1820 Patienten mit Kniearthrose umfasste, kam zu dem Schluss, dass Kurkumaextrakte und Curcumin Knieschmerzen signifikant lindern und die körperliche Bewegungsfähigkeit verbessern können.
Fünf der 16 Studien verglichen auch die Wirksamkeit des Pflanzenstoffs mit der von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Die Meta-Analyse fand schließlich heraus, dass Curcumin ähnlich wirksam wie die Medikamente ist, aber 12 % weniger Nebenwirkungen verursacht.
Es gab allerdings auch große Unterschiede zwischen den Studien. In manchen Studien wirkte der Pflanzenstoff deutlich besser als in anderen, z. B. gilt: Je höher der BMI, desto geringer die Wirkung (13). Bei Übergewichtigen wirkt der Stoff also nicht so gut.
In einer der Studien erhielten die 139 Probanden mit Kniearthrose entweder 3-mal täglich 500 mg Curcumin oder 2-mal täglich 50 mg Diclofenac.
Nach zwei und vier Wochen war die Linderung der Symptome in beiden Gruppen vergleichbar und es gab keinen signifikanten Unterschied (14). 28 % in der Diclofenac-Gruppe benötigten allerdings H2-Blocker gegen Sodbrennen. Sodbrennen ist eine häufige Nebenwirkung von Diclofenac.
Bei Diabetes Typ 2
Auch bei Diabetes Typ 2 ist der Pflanzenstoff vielversprechend. Denn er kann die Blutzuckerregulation verbessern. Dies ist auch teilweise auf die entzündungshemmende Wirkung zurückzuführen. Denn chronische Entzündungen fördern Insulinresistenz, die Ursache von Diabetes.
Eine Verringerung von Entzündungen führt dazu, dass Zellen wieder besser auf Insulin reagieren und Zucker leichter aus dem Blut aufnehmen.
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2024 umfasste 18 Studien mit insgesamt 1.382 Diabetespatienten. Sie kam zu dem Schluss, dass Curcumin den Nüchternblutzucker und den HbA1c (Langzeitzucker) signifikant senken kann (15).
Eine der 18 Studien umfasste beispielsweise 100 Diabetespatienten, die täglich entweder 500 mg Curcumin plus 5 mg Piperin oder ein Placebo einnahmen. Nach drei Monaten war in der Pflanzenstoffgruppe der Nüchternblutzucker im Schnitt um 9 mg/dl gesunken und der HbA1c um 0,9 %. Der Unterschied zur Kontrollgruppe war statistisch signifikant (16).
Bei schlechten Cholesterinwerten
Der gelbe Stoff kann sich auch positiv auf die Cholesterinwerte auswirken. Eine groß angelegte Untersuchung aus dem Jahr 2025, die 26 systematische Reviews und Meta-Analysen umfasste, kam zu dem Schluss:
Curcumin kann sich insbesondere positiv auf das LDL-Cholesterin und die Triglyceride (Blutfette) auswirken.
In der Untersuchung fand man zudem heraus, dass die Wirkung bei Stoffwechselerkrankungen, insbesondere Diabetes Typ 2, am größten ist. Auch eine erhöhte Bioverfügbarkeit (z. B. durch Piperin), eine Studiendauer von mindestens 8 Wochen und eine Kombination mit Sport hatten einen positiven Einfluss (17).
In einer der Studien gab es 117 Probanden mit metabolischem Syndrom. Sie nahmen 2-mal täglich 500 mg Curcuminoide plus 5 mg Piperin oder ein Placebo ein.
Nach 8 Wochen waren LDL-Cholesterin, Gesamtcholesterin und Triglyceride in der Pflanzenstoff-Gruppe signifikant gesunken und HDL-Cholesterin signifikant gestiegen (18).
Weniger Schlaganfall und Herzinfarkt
Da Curcumin den Cholesterinspiegel senkt, antioxidativ wirkt (und somit die gefährliche Oxidation des Cholesterins reduziert), die Blutfettwerte reguliert, den Blutzucker in Schach halten hilft, das Blut verdünnt und die Blutgefäße schützt und alle diese Faktoren andernfalls das Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko erhöhen können, trägt der Pflanzenstoff in jedem Fall dazu bei, vor diesen unerwünschten Ereignissen zu bewahren.
Eine Studie konnte auch die gefäßschützende Wirkung des gelben Stoffs bestätigen. Die Wirkung war mit der eines Statins (Avarstatin) vergleichbar (19).
Bei Alzheimer
Eine Besonderheit des Curcumins ist, dass es die Blut-Hirn-Schranke passieren kann und daher auch im Gehirn seine antioxidative und entzündungshemmende Wirkung zeigt.
Man vermutet somit, dass es vor neurodegenerativen Erkrankungen (20) wie Alzheimer oder anderen Demenzen schützen kann, die bekanntlich mit oxidativem Stress und entzündlichen Reaktionen einhergehen.
Eine Untersuchung vom April 2018 überprüfte die bisherige Studienlage und kam zum Ergebnis, dass der Stoff in jedem Falle ein gewisses Potenzial besitze, die zu Alzheimer führenden krankhaften Prozesse zu verhindern oder wenigstens zu lindern (21). Ob dies jedoch ausreiche, um tatsächlich vor der Krankheit zu schützen, wisse man noch nicht.
Eine chinesische Übersichtsarbeit aus demselben Jahr hingegen kommt zum Ergebnis, dass Curcumin zur Prävention und Therapie von Alzheimer eingesetzt werden sollte, da die wissenschaftliche Basis ausreiche, um von einer Schutzwirkung auszugehen (22).
Zur Krebsvorbeugung
Curcumin soll die Tumorbildung verhindern können, also krebsvorbeugend wirken (23).
Der Pflanzenstoff wirkt dabei als Schalter spezieller Transkriptionsfaktoren. Diese Transkriptionsfaktoren regulieren Gene, die für eine Tumorbildung benötigt werden. Der Pflanzenstoff schaltet die betreffenden Transkriptionsfaktoren offenbar aus, und das Wachstum sowie die Ausbreitung der Krebszellen werden gestoppt.
Zusätzlich festigt der gelbe Stoff laut amerikanischer Wissenschaftler die Membranen der Körperzellen und erhöht damit deren Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheitserregern.
Interessant ist, dass nur die gesunden Zellen gestärkt und stabilisiert werden, während die Membran von Krebszellen in den entsprechenden Untersuchungen durch den Einfluss des Curcumins sogar durchlässiger wurde und an Stabilität verlor.
Die krebshemmende Wirkung ist bei Tieren gut untersucht, beim Menschen ist die Datenlage allerdings sehr begrenzt.
Weniger Nebenwirkungen bei Krebstherapie
In einer großen Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 analysierte man 34 Studien mit insgesamt 2.580 Krebspatienten, die während ihrer Krebstherapie Curcumin einnahmen.
Linderung von
Curcumin konnte einer häufigen Nebenwirkung von Chemo- und Strahlentherapien entgegenwirken (24), der oralen Mukositis (Entzündung der Mundschleimhaut). Besonders bei Krebstherapien im Kopf-Hals-Bereich kommt es zu diesen Entzündungen.
In einer Studie nahmen 61 Krebspatienten während der Bestrahlung entweder 3-mal täglich 500 mg Kurkumaextrakt nach dem Essen ein oder ein Placebo. Nach 3 Wochen wiesen in der Placebogruppe 22,6 % der Patienten eine Mukositis vom Grad 1 auf (das Anfangsstadium von insgesamt 4 Graden).
71 % wiesen bereits eine Mukositis Grad 2 auf, 6,4 % sogar Grad 3.
In der Kurkumaextrakt-Gruppe hingegen wiesen 86,7 % nur eine Mukositis Grad 1 auf, nur 10 % Grad 2 und kein Patient Grad 3 oder höher. Die Unterschiede zwischen den Gruppen blieben bis zum Ende der Behandlung bestehen und auch bis 2 Monate danach (25).
Geringerer Gewichtsverlust
Für eine andere Studie nahmen 60 Mundkrebs-Patienten, die mit Chemotherapie behandelt wurden, 2-mal täglich je 500 mg Kurkumaextrakt ein, 3-mal täglich je 500 mg Kurkumaextrakt oder ein Placebo.
Nach 6 Wochen Chemotherapie hatten die beiden Kurkumaextrakt-Gruppen signifikant weniger Gewicht verloren als die Placebogruppe. In der Placebogruppe hatten 75 % mehr als 3 kg Gewicht verloren. In der Kurkumaextrakt-Gruppe mit 1 g täglich waren es 60 % und in der Gruppe mit 1,5 g täglich nur 25 % (26).
Der geringere Gewichtsverlust wird zumindest teilweise auf die mildere Mukositis in den beiden Kurkumaextrakt-Gruppen zurückzuführen sein. Es könnte aber noch weitere Mechanismen geben, mit denen Curcumin dem Gewichtsverlust entgegenwirkt.
Bei einer Krebserkrankung sollte die Einnahme mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.
Bei Migräne
Eine Meta-Analyse, die 4 Studien mit insgesamt 170 Migränepatienten umfasste, kam zu dem Schluss, dass Curcumin die Migräne-Intensität und -Dauer verringern kann, insbesondere bei Patienten über 35 Jahren (27).
In einer diesen Studien nahmen z. B. 44 Frauen mit Migräne entweder 2-mal täglich je 500 mg Curcumin oder ein Placebo ein. Nach 8 Wochen war in der Pflanzenstoff-Gruppe der CGRP-Wert signifikant gesunken.
CGRP ist ein Peptid, das während einer Migräneattacke von den Nervenenden freigesetzt wird.
Außerdem sank die Migränedauer von ursprünglich 21,8 Stunden auf 11,5 Stunden. Für die Bestimmung der Intensität wurde die VAS-Skala genutzt. Die Skala geht von 0 (keine Schmerzen) bis 10 (Schmerzen höchster Intensität). Die Intensität sank von ursprünglich 7,6 auf 3,6 (28).
Bei Depressionen
Chronische Entzündungen stehen mit Depressionen in Verbindung. Aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkung könnte Curcumin daher auch bei Depressionen helfen.
Eine Meta-Analyse mit insgesamt über 530 Teilnehmern zeigte, dass der Stoff als Begleittherapie Depressionen und Angstzustände zu lindern scheint. Bei moderaten Depressionen ist die Evidenz am höchsten (29).
In einer der Studien nahmen 56 Probanden mit mittelschweren Depressionen entweder 2-mal täglich je 500 mg oder ein Placebo. In ersterer hatten die Depressionen nach 8 Wochen im Vergleich zur Placebogruppe signifikant nachgelassen.
Bei den Angstzuständen gab es allerdings keinen signifikanten Unterschied zur Placebogruppe (30).
Bei Autoimmunerkrankungen
Aufgrund seiner entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften ist der Pflanzenstoff auch bei Autoimmunerkrankungen sehr vielversprechend.
Bei Psoriasis
In einer Meta-Analyse (26 Studien, darunter 7 Humanstudien) zeigte sich, dass Curcumin entweder allein oder als Begleittherapie bei Patienten mit Psoriasis hilfreich sein kann. Bei der chronisch entzündlichen Hauterkrankung verläuft die Teilung der Hautzellen beschleunigt.
Der Pflanzenstoff nun kann laut Tierstudien bei Psoriasis verschiedene Entzündungsmarker senken und hemmt überdies die Zellteilung (in Zellstudien) (31).
In einer der Humanstudien verwendeten 63 Patienten (mit milder bis mittelschwerer Psoriasis) entweder nur eine Cortison-Creme (Methylprednisolon) oder aber sie nahmen zusätzlich 2 g Curcumin täglich ein.
Nach 12 Wochen konnte die Psoriasis in beiden Gruppen deutlich gelindert werden, in der Pflanzenstoff-Gruppe aber nahmen die Symptome deutlicher ab und der Entzündungsmarker IL-22 konnte reduziert werden (32).
Bei Gelenkrheuma und Colitis ulcerosa
Auch bei rheumatoider Arthritis (Gelenkrheuma) und Colitis ulcerosa ist die Wirkung des gelben Pflanzenstoffs gut untersucht.
Eine Meta-Analyse mit 6 Studien konnte zeigen, dass 250 – 1500 mg täglich über einen Zeitraum von 8-12 Wochen bei diesen Erkrankungen verschiedene Entzündungsmarker senken kann (33).
Bei anderen Autoimmunerkrankungen kann der Stoff vermutlich ebenfalls helfen, was aber zum Großteil (noch) nicht gut untersucht ist.
Die Bioverfügbarkeit
Curcumin hat eine sehr schlechte Bioverfügbarkeit. Das bedeutet, dass beim Verzehr nur sehr geringe Mengen ins Blut gelangen, ca. 1 %. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Stoff auch nur in sehr geringen Mengen über die Darmwand aufgenommen wird. Außerdem bleibt er nicht lange im Blut, da er in der Leber schnell abgebaut wird.
Es gibt allerdings einige Möglichkeiten, die Bioverfügbarkeit zu erhöhen.
Bioverfügbarkeit mit Piperin verbessern
Piperin, ein sekundärer Pflanzenstoff aus schwarzem Pfeffer, kann die Bioverfügbarkeit um ca. das 20-Fache erhöhen. Dazu muss mindestens 1 % Piperin hinzugefügt werden (2).
Nachteile von Piperin
Allerdings erhöht Piperin auch die Bioverfügbarkeit von vielen anderen Stoffen, auch von Medikamenten. Deswegen ist es wichtig, zwischen piperinhaltigen Präparaten und Medikamenten einen zeitlichen Abstand von mehreren Stunden einzuhalten.
Mit Fett kombinieren
Da Curcumin fettlöslich ist, wird es in Verbindung mit Fett im Darm besser aufgenommen, was die Bioverfügbarkeit erhöht. Deswegen wird empfohlen, den Stoff mit einer fetthaltigen Mahlzeit einzunehmen.
Erhitzen
Auch Erhitzen kann die Aufnahme von Curcumin verbessern. Daher kann der Pflanzenstoff durch Kochen besser aufgenommen werden.
In unserem Beitrag Bioverfügbarkeit von Kurkuma verstärken erfahren Sie mehr darüber.
Präparate mit höherer Bioverfügbarkeit
Es gibt noch weitere Möglichkeiten, die Bioverfügbarkeit zu erhöhen. Dies ist insbesondere für Personen interessant, die kein Piperin vertragen oder aus anderen Gründen darauf verzichten möchten.
Mizellares Curcumin
Bei mizellarem Curcumin wird der Pflanzenstoff in kleine Kügelchen verpackt, sogenannte Mizellen. In Mizellen verpackt kann der Pflanzenstoff im Darm besser aufgenommen werden, wodurch die Bioverfügbarkeit ca. 185-fach erhöht wird (3).
Ein Problem ist aber, dass mizellares Curcumin meist den Emulgator und Konservierungsstoff Polysorbat 80 enthält, der den Darm schädigen kann. Man findet Polysorbat 80 auch als Zusatzstoff in Lebensmitteln.
Dort kommt er allerdings nur in geringen Mengen vor und ist daher weitestgehend unbedenklich. Bei mizellarem Curcumin macht der Konservierungsstoff aber einen Großteil des Produkts aus. Daher ist diese Curcuminform nur für kurze Zeiträume (kurweise über 3 - 4 Wochen) zu empfehlen, besonders wenn bereits Darmprobleme vorliegen.
Curcumin-Phospholipid-Komplexe
Hier ist das Prinzip ähnlich wie bei mizellaren Präparaten: Das Curcumin wird in wasserlösliche Kügelchen verpackt, was die Bioverfügbarkeit erhöht. Bei den Phospholipiden handelt es sich meist um Sojalecithin.
Curcumin-Phospholipid-Komplexe haben eine 29-fache höhere Bioverfügbarkeit als ungebundenes Curcumin (4). Auch wenn sie die Bioverfügbarkeit nicht so stark verbessern wie bei mizellaren Präparaten, sind sie aufgrund ihrer Inhaltsstoffe aber zu bevorzugen.
Cyclodextrin-Curcumin-Komplexe
Auch hier wird der Pflanzenstoff wieder so verpackt, dass es wasserlöslich wird. Cyclodextrin-Komplexe können die Aufnahme um das 40-Fache erhöhen (5).
Wirkt Curcumin trotz schlechter Bioverfügbarkeit?
Da der Pflanzenstoff so eine geringe Bioverfügbarkeit hat, wird seine Wirkung oft angezweifelt. Viele Studien werden auch an isolierten Zellen durchgeführt. Hier hat man das Problem der Bioverfügbarkeit nicht.
Wie aber soll Curcumin bei oraler Einnahme wirken, wenn nur ein Bruchteil bei den Zellen ankommt?
Wirkung über den Darm
Eine Möglichkeit, die sehr plausibel und mittlerweile gut untersucht ist, könnte die folgende sein: Viele positive Wirkungen von Curcumin sind darauf zurückzuführen, dass der Stoff die Darmgesundheit verbessert.
Insbesondere aus Tierstudien weiß man, dass er die Darmflora positiv beeinflussen kann (6). Außerdem kann der Pflanzenstoff die Darmbarriere stärken (7).
Der Darm wirkt auf den ganzen Körper und ein kranker Darm erhöht das Risiko für chronische Erkrankungen. Die positive Wirkung von Curcumin auf den Darm könnte also erklären, warum es bei so vielen Beschwerden und Erkrankungen helfen kann.
Wirkung über Abbauprodukte
Außerdem können bestimmte Darmbakterien den Stoff in andere Verbindungen umwandeln (Abbauprodukte/Derivate), die nun wiederum eine höhere biologische Aktivität aufweisen als Curcumin selbst (8).
Man sollte sich also nicht zu stark auf die Bioverfügbarkeit fokussieren. Sie ist vermutlich gar nicht so relevant.
Die Dosierung
Üblich sind Dosierungen von ca. 250 mg bis 1.500 mg täglich - und zwar kurweise (8 bis 12 Wochen), was als unproblematisch gilt, wenn Sie keine Medikamente nehmen, die mit Curcumin wechselwirken könnten (siehe Abschnitt weiter unten) und keine Gallenerkrankungen haben.
Denn in Studien verursacht Curcumin selbst bei der Einnahme von mehreren Gramm täglich nur sehr selten Nebenwirkungen. Allerdings gehen die meisten Studien nur über einen Zeitraum von einigen Wochen oder Monaten.
Auch wenn der Pflanzenstoff kurzfristig sehr sicher zu sein scheint, gibt es kaum Daten zur langfristigen Sicherheit. Deswegen wird davon abgeraten, entsprechende Präparate längerfristig hoch dosiert zu nehmen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht 3 mg Curcumin pro kg Körpergewicht täglich langfristig als sicher an (34). Bei einem Körpergewicht von 80 kg wären das also 240 mg.
Dies beinhaltet aber alle Quellen, also nicht nur Nahrungsergänzungsmittel, sondern auch Gewürze (Curry) oder Fertigprodukte. Letzteres deshalb, da Kurkuma auch als Lebensmittelfarbstoff verwendet wird.
Insbesondere bei der Einnahme von Medikamenten ist es ratsam, Curcumin vorsichtig zu dosieren, da der Pflanzenstoff mit vielen Medikamenten wechselwirken kann. Darüber erfahren Sie mehr im Abschnitt weiter unten über Wechselwirkungen mit Medikamenten.
Wie nimmt man Curcumin ein?
Da der Pflanzenstoff fettlöslich ist, sollten Sie ihn mit einer fetthaltigen Mahlzeit einnehmen. Die Uhrzeit spielt keine Rolle.
Bei höherer Dosierung (über 500 mg täglich), empfiehlt es sich, die tägliche Menge auf kleinere Dosen aufzuteilen. Denn der Stoff wird schnell abgebaut, so dass bei häufiger Einnahme kleinerer Mengen der Organismus gleichmäßig damit versorgt wird.
Die Nebenwirkungen
Die Verträglichkeit ist im Allgemeinen sehr gut. Die Einnahme verursacht in der Regel daher auch keine Nebenwirkungen.
In seltenen Fällen kann es vor allem bei höheren Dosierungen im Grammbereich zu Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit und Durchfall sowie zu Kopfschmerzen und Müdigkeit kommen.
Wer sollte Curcumin nicht nehmen?
Der Pflanzenstoff sollte nicht bei Gallensteinen und anderen Gallenproblemen genommen werden. Denn er regt die Produktion von Gallensäuren an. Dadurch könnten sich Gallensteine lösen, wodurch es zu einer Gallenkolik kommen kann.
In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte der Stoff ebenfalls nicht genommen werden, weil es nicht ausreichend Daten zur Sicherheit gibt.
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Curcumin kann mit einigen Medikamenten wechselwirken. Der Pflanzenstoff wirkt blutverdünnend und kann die Wirkung von Blutverdünnern verstärken.
Außerdem kann er den Blutzuckerspiegel senken. Menschen mit Diabetes müssen daher aufpassen, dass der Blutzuckerspiegel nicht zu weit absinkt.
Zudem kann die Wirkung bestimmter Medikamente verstärkt werden, etwa von manchen Chemotherapeutika, von Tamoxifen (Brustkrebsmedikament) und von Celecoxib, einem entzündungshemmenden Schmerzmittel.
Bei der Einnahme von Eisen sollte ein zeitlicher Abstand von einigen Stunden liegen, da Curcumin Eisen binden und somit seine Wirkung einschränken kann.
Dass Curcumin mit Medikamenten wechselwirkt, bedeutet nicht, dass es nicht mit diesen Medikamenten kombiniert werden kann. In vielen Fällen ist eine Kombination möglich, aber die Dosierung der Medikamente muss angepasst werden.
Deswegen ist es bei Medikamenteneinnahme ratsam, die Einnahme von Nahrungsergänzungen mit dem Arzt zu besprechen.
Welches Curcumin ist das beste?
Beim Kauf des passenden Präparats haben Sie die Qual der Wahl. Es gibt unzählige Präparate auf dem Markt, wobei es sich nicht sagen lässt, welches nun das beste ist. Es kommt auf die persönliche Verträglicheit und die Dauer der Einnahme an.
Um Ihnen die Auswahl etwas zu erleichtern, geben wir Ihnen hier einen kleinen Überblick.
Curcumin
Hierbei handelt es sich um annähernd reines Curcumin, das oft keine weiteren Kurkumabestandteile enthält. Entweder liegt es ungebunden vor oder ist in Mizellen, Phospholiden oder Cyclodextrinen „verpackt“. Diese Präparate enthalten in der Regel kein Piperin.
* Hier erhalten Sie ein mizellares Präparat (mit 25 mg Curcumin pro Tag).
* Hier finden Sie ein Präparat mit Phospholipiden (mit 200 mg Curcumin pro Tag).
* Hier finden Sie ein Präparat mit Cyclodextrin (mit 150 mg Curcuminoide pro Tag).
Kurkuma-Extrakte
Kurkuma-Extrakte enthalten Curcuminoide in konzentrierter Form. Der Gehalt dieses Wirkstoffkomplexes liegt meist bei ca. 95 %, wovon Curcumin einen Großteil ausmacht.
Außerdem enthalten Kurkuma-Extrakte noch weitere Bestandteile der Kurkumawurzel wie ätherische Öle und weitere sekundäre Pflanzenstoffe. Diese können die Bioverfügbarkeit von Curcumin erhöhen.
Hier wird häufig Piperin zugesetzt, um die Bioverfügbarkeit noch weiter zu erhöhen.
* Hier erhalten Sie einen Kurkuma-Extrakt mit Piperin (mit 380 mg Curcuminoide und 252 mg Curcumin pro Tag).
Kurkuma-Pulver
Kurkuma-Pulver enthält nur einen kleinen Teil Curcumin. Wie bereits weiter oben erwähnt, bedeutet dies aber nicht zwangsläufig, dass das Pulver weniger gut wirkt, da die Wurzel noch viele weitere Pflanzenstoffe enthält. Auch hier enthalten Präparate oft Piperin.
Es handelt sich um Grunde um "normales" Kurkuma, das es auch als Gewürz zu kaufen gibt, aber mit Piperin versetzt ist. Manchmal ist auch einfach schwarzer Pfeffer enthalten, die natürliche Piperinquelle.
Komplexpräparate
Häufig findet man Komplexpräparate, die sowohl Kurkuma-Extrakt als auch Kurkuma-Pulver enthalten. Die Kombination ist durchaus sinnvoll: Sie liefert einerseits isoliertes Curcumin und noch weitere nützliche Inhaltsstoffe von Kurkuma. Es gibt diese Präparate mit und ohne Piperin.
* Hier finden Sie ein hochwertiges Präparat mit Kurkuma-Extrakt und Kurkuma-Pulver (300 mg Curcuminoide pro Tag).
Fazit: Curcumin hat ein unglaublich großes Wirkspektrum
Beim näheren Blick auf die wissenschaftliche Literatur bekommt man schnell den Eindruck, dass Curcumin bei fast allem helfen kann. Auch wenn nicht jede Wirkung gut durch klinische Studien belegt ist, weist Curcumin dennoch eine beeindruckende pharmakologische Wirkung auf.
