Was ist ein Cheat Day? Passt er in die ketogene Ernährung?
Der Cheat Day ist ein Tag, an dem man alle bisherigen Ernährungsregeln über Bord werfen und nach Herzenslust essen darf, was man mag und auch wie viel man mag.
Besonders beliebt sind solche Cheat Days natürlich dann, wenn man gerade eine strenge Diät zum Abnehmen verfolgt oder eine stark einschränkende Ernährungsweise praktiziert, wie z. B. die ketogene Ernährung.
Viele Menschen halten oft nur deshalb ihre Diäten durch, weil sie sich die ganze Woche auf ihren Cheat Day freuen können.
Die ketogene Ernährung ist eine streng kohlenhydratarme Ernährung, die vor allem zu Beginn von vielen Menschen als stark einschränkend wahrgenommen wird. Viele Ketarier – Menschen, die ketogen leben – gönnen sich daher alle ein bis zwei Wochen einen Cheat Day, an dem sie dann so viele Kohlenhydrate essen, wie sie Lust haben.
Cheat Day bei ketogener Ernährung kann den Blutgefäßen schaden
Ein Cheat Day kann für Ketarier aber offenbar unter Umständen schädlich sein, wie eine Studie zeigte, die im März 2019 im Fachjournal Nutrients veröffentlicht wurde.
Denn schon eine einzige Dosis Kohlenhydrate kann – wenn diese im Laufe einer ketogenen Ernährung verspeist wird – die Blutgefäße so schädigen, dass sie aussehen wie Blutgefäße eines Menschen, der massive Herz-Kreislauf-Probleme hat (2).
Mit „einer Dosis“ sind allerdings 75 Gramm Glucose gemeint, was nicht gerade wenig ist. Von Traubenzucker-Bonbons wäre das ein kleines Tütchen, denn diese bestehen zu 100 Prozent aus Glucose.
Auch mit Gummibärchen, Toffifee oder After Eight lässt sich recht schnell eine große Glucosemenge aufnehmen.
Auch manche Sportgetränke oder Softdrinks, die mit Glucose-Fructose-Sirup gesüßt sind, liefern schnell viel Glucose. Denn sie bestehen häufig zu 6-10 % aus Glucose. Honig besteht zu 30-40 % aus Glucose, so dass schon ein Honigbrot merkliche Glucosemengen enthält.
Ketogene Ernährung wird meist zum Abnehmen praktiziert
„Die ketogene Ernährungsweise wird gerne zum Abnehmen praktiziert oder auch, um einen Diabetes Typ 2 besser in den Griff zu bekommen“, erklärt Jonathan Little, Studienautor und Professor an der University of Britsh Columbia in Kanada. „Man isst insbesondere fett- und proteinreiche Lebensmittel, aber nur sehr wenige Kohlenhydratquellen. Ziel der ketogenen Ernährung ist ein Zustand, der sich Ketose nennt.“
In der Ketose nutzt der Körper nicht mehr Kohlenhydrate, sondern nahezu ausschließlich Fett als Energiequelle, was dann auch dazu führt, dass die körpereigenen Fettreserven verbrannt werden und es zur meist erwünschten Gewichtsabnahme kommt.
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Die Studie: Eine Woche ketogen, dann ein Cheat Day
„Wir wollten wissen, was im Körper geschieht, wenn er – mitten in der Ketose – plötzlich eine Dosis Zucker (Glucose) bekommt“, erläuterte Cody Durrer, Leiter der Studie, das Ziel der Untersuchung.
„Da Blutzuckerspitzen und ein gestörter Zuckerstoffwechsel mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung stehen, schauten wir insbesondere auf die Blutgefäße und ob oder wie sich diese bei Eintreffen des Zuckerschubs veränderten.“
Neun gesunde junge Männer stellten sich für die Studie zur Verfügung. Sie sollten sich eine Woche lang ketogen ernähren (70 Prozent der täglichen Kalorienaufnahme sollten Fette sein, 20 Prozent Proteine und 10 Prozent Kohlenhydrate).
Vor dieser Woche und im Anschluss daran erhielten sie jeweils einen Drink mit 75 Gramm Glucose – ganz so, als würden sie einen Cheat Day einlegen.
Blutgefäße geraten schnell in einen sehr schlechten Zustand
„Zunächst schauten wir nach den Entzündungswerten und Hinweisen auf einen gestörten Zuckerstoffwechsel“, erklärte Durrer. „Stattdessen fanden wir Werte, die auf zuckerbedingte Schäden an den Blutgefäßwänden hindeuteten.”
Professor Little sagt, der Schuldige für diese Gefäßschäden sei vermutlich der Körper selbst, der auf den plötzlichen Zuckerschub mit bestimmten Mechanismen reagiert, die nun wiederum zu einem Absterben und Abstoßen der Blutgefäßwandzellen führen.
„Obwohl es sich um sehr gesunde junge Männer handelte, sahen ihre Blutgefäße nach dem Trinken des Glucosedrinks so aus wie Blutgefäße einer Person, die über eine eher bedauerliche Herz-Kreislauf-Gesundheit verfügt (1).“
Cheat Day mit viel Zucker macht Vorteile der Keto-Diät zunichte
Natürlich sind neun Teilnehmer eine sehr geringe Zahl, um konkrete Schlussfolgerungen zu ziehen, doch sollten die Ergebnisse gerade jenen zu denken geben, die sich ketogen ernähren und einen Cheat Day mit viel Zucker planen.
Denn dieser sollte besser ausfallen. Er könnte die positiven Auswirkungen der ketogenen Ernährungsform auf das Herz-Kreislauf-System wieder zunichtemachen.
Wenn Cheat Day, dann mit gesunden Kohlenhydraten
Allerdings wird auch niemand, der Wert auf eine gesunde Ernährung legt, am Cheat Day ausgerechnet stark gesüßte Naschwaren essen, sondern vielleicht etwas Brot, eine Portion Vollkornpasta und einen Fruchtsalat.
Ob ein Cheat Day mit diesen gesunden Kohlenhydraten dieselben negativen Auswirkungen hat, wie oben beschrieben, wurde in der vorgestellten Studie zwar nicht untersucht, darf jedoch bezweifelt werden. Denn in diesem Fall gelangen ja nicht innerhalb weniger Minuten große Glucosemengen ins Blut.