Alle über 50 sollten Vitamin D einnehmen
Seit vielen Jahren wird der Einfluss einer Vitamin-D-Nahrungsergänzung auf die verschiedensten Erkrankungen erforscht. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf chronisch entzündlichen Erkrankungen, auf Diabetes, Atemwegserkrankungen und Krebs.
Vitamin D ist jenes Vitamin, das unter Einfluss der Sonnenstrahlung (UVB) in der Haut gebildet werden kannn. Es wird daher auch Sonnenvitamin genannt.
Drei Meta-Analysen (in denen qualitativ hochwertige klinische Studien vergangener Jahre ausgewertet wurden) kamen dabei zum Schluss, dass eine Nahrungsergänzung mit Vitamin D die Krebssterblichkeitsrate um 13 Prozent reduzieren würde.
Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) übertrugen diese Ergebnisse auf Deutschland und errechneten, dass in Deutschland 30.000 Menschen weniger an bösartigen Tumorerkrankungen sterben würden und den Menschen 300.000 Jahre Lebenszeit geschenkt werden könnte, wenn alle Deutschen ab 50 Jahren das Sonnenvitamin als Nahrungsergänzung einnehmen würden (1) (2). Veröffentlicht wurde die Studie am 4. Februar 2021 in Molecular Oncology.
Mit Vitamin D über 250 Millionen Euro sparen!
„In vielen Ländern der Welt ist die Krebssterblichkeitsrate im Laufe des letzten Jahrzehnts glücklicherweise gesunken“, sagt Hermann Brenner, Epidemiologe am DKFZ. „Da aber gerade Arzneimittel gegen bösartige Tumore enorme Kosten verursachen, handelt es sich um einen teuren Erfolg. Vitamin D ist dagegen vergleichsweise billig.“
Gerade in der älteren Bevölkerung und besonders bei Tumorpatienten ist ein Vitamin-D-Mangel weit verbreitet.
Brenner und Kollegen berechneten auch die Kosten, die entstehen würden, wenn die gesamte deutsche 50-plus-Bevölkerung das Vitamin einnehmen würde (täglich 1.000 IE für 25 Euro pro Jahr). Sie stellten das Ergebnis jener Summe gegenüber, die man aufgrund nicht mehr erforderlicher Tumortherapien sparen würde.
Für die durchschnittliche Tumortherapie im letzten Lebensjahr eines Patienten veranschlagten die Wissenschaftler 40.000 Euro. Die Ersparnis durch Vitamin D betrug 254 Millionen Euro pro Jahr.
Finnland: Krebssterblichkeit um 20 Prozent niedriger
Brenner ist ferner der Meinung, man könne auf das routinemäßige Überprüfen des individuellen Vitamin-D-Spiegels verzichten, da man bei 1000 IE keine Überdosis befürchten müsse. Die Kosten für eine entsprechende Kontrolle wurden in seiner Studie daher nicht berücksichtigt – nicht zuletzt deshalb nicht, weil eine solche vorherige Kontrolle in den meisten Vitamin-D-Studien ebenfalls nicht stattfand.
„Da Vitamin D u. U. derart positive Auswirkungen auf die Sterblichkeit durch bösartige Tumorerkrankungen haben könnte (von den eingesparten Kosten ganz zu schweigen), sollten wir nach Möglichkeiten Ausschau halten, wie wir den weit verbreiteten Vitamin-D-Mangel in der älteren Bevölkung Deutschlands beheben können“, findet Brenner.
„In vielen Ländern werden Lebensmittel schon seit Jahren mit dem Vitamin angereichert – etwa in Finnland, wo die Krebssterblichkeit um 20 Prozent niedriger ist als in Deutschland. Dazu kommen noch weitere gesundheitliche Vorteile des Vitamins, das z. B. auch die Sterblichkeit durch Lungenerkrankungen senken kann.
Die Nahrungsergänzung mit Vitamin D ist außerdem so sicher, dass wir sie bekanntlich auch Neugeborenen für eine gute Knochengesundheit geben (Rachitisprophylaxe).“
Im Sommer Vitamin D in der Sonne tanken
Wenn man dann auch noch bedenke, dass man seinen Vitamin-D-Spiegel in der warmen Jahreszeit völlig kostenlos optimieren könne. Dies ist dann der Fall, wenn man einfach – so das DKFZ – dreimal wöchentlich für jeweils 12 Minuten in die Sonne geht und dabei darauf achtet, dass Gesicht, Hände sowie wenigstens Teile der Arme und Beine unbedeckt sind und auch nicht mit einem Sonnenschutzmittel eingecremt wurden.
Keine Angst vor Hautkrebs!
Zwar hat man tatsächlich ein höheres Risiko für bösartige Hauttumore, wenn man sich viel (!) in der Sonne aufhält, doch ist genauso bekannt, dass Sonnenanbeter eine größere Chance haben, ihren Hautkrebs dann auch wieder zu besiegen.
Ja, es ist sogar so, dass man davon ausgeht, dass mehr Menschen an einem unzureichenden Vitamin-D-Spiegel vorzeitig an (irgendeinem) Krebs sterben als jene, die aufgrund von Sonnenbädern am schwarzen Hautkrebs (malignen Melanom) sterben.
„Auf einen Toten durch das Melanom kommen 30 Menschen, die (mit Sonnenbädern oder einer entsprechenden Nahrungsergänzung – Anm. ZDG-Red.) vor dem Krebstod bewahrt werden könnten“, las man in der Pharmazeutischen Zeitung schon im Jahr 2008 (3).
Verbraucherschützer raten von Vitamin D meist ab
Die Hinweise des DKFZ sind umso interessanter vor dem Hintergrund, dass die sog. Verbraucherschützer wie die Verbraucherzentralen oder die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE im Allgemeinen von einer Nahrungsergänzung mit Vitamin D abraten.