Glyphosat schädlich für die Nerven

Glyphosat ist ein freiverkäufliches Unkrautvernichtungsmittel. Es kann die Zellen des peripheren Nervensystems beeinträchtigen, so Neurowissenschaftler der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Essen im November 2018.

Allerdings spielt hier nicht nur das Glyphosat eine Rolle. Denn glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel enthalten oft nicht nur Glyphosat, sondern noch weitere Zutaten, die meist weder deklariert noch näher benannt werden. Die Studie der Essener Forscher wurde in der renommierten Fachzeitschrift Acta Neuropathologica veröffentlicht.

Einfluss auf Nervensystem wurde noch gar nicht untersucht

Glyphosathaltige Mittel werden von ihren Befürwortern als harmlos bezeichnet. Glyphosatgegner jedoch weisen auf die mögliche krebserregende Wirkung dieser Mittel hin. Zwar ist auch 40 Jahre nach Markteinführung nicht endgültig geklärt, ob Glyphosat nun tatsächlich Krebs verursachen kann oder entzündungsfördernde Eigenschaften hat. Doch sollte schon allein der Verdacht wachsam werden lassen.

Der Einfluss von Glyphosat auf das Nervensystem wurde bislang noch kaum untersucht, was Wissenschaftler der Arbeitsgruppe für klinische und experimentelle Neuroimmunologie unter der Leitung von Dr. Mark Stettner des Uniklinikums Essen nun nachgeholt haben. Sie untersuchten sowohl die Wirkung von reinem Glyphosat als auch von frei verkäuflichen Glyphosat-Präparaten (z. B. des Breitbandherbizids Roundup) auf die Zellen des peripheren Nervensystems.

Unkrautvernichtungsmittel enthalten nicht deklarierte Substanzen

Gerade die im Handel befindlichen Glyphosat-Präparate (Roundup) enthalten nicht eindeutig deklarierte Hilfsstoffe, die im Verdacht stehen, eine hohe Toxizität aufzuweisen, also giftig für Mensch und Tier sind, erklärte Dr. Stettner.

Bekannt ist lediglich, dass in Roundup-Produkten Glyphosat in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten ist sowie sog. Netzmittel, die dafür sorgen, dass das Herbizid an den Pflanzen besser haften bleibt. Als Netzmittel kommt häufig Talgamin zum Einsatz (auch POEA abgekürzt, das offenbar einen Anteil von bis zu 15 Prozent ausmachen kann. Weitere Zusatzstoffe gibt man nicht an.

Roundup programmiert Zellen um

Die Wissenschaftler gaben nun verschiedene Konzentrationen beider Substanzen, also reines Glyphosat sowie Roundup (Mischpräparate) zu Zellkulturen aus Nervenzellen und sogenannten Schwannzellen. Letztere bilden die Myelinscheide der Nervenzellen, also die schützende Isolierschicht, die u. a. für das Überleben der Nervenzellen relevant ist.

Roundup führte zu einem Abbau der Myelinscheiden und verhinderte ausserdem, dass diese neu gebildet werden konnten (und somit deren Regeneration). Die Schwannzellen werden von Roundup regelrecht „umprogrammiert“, nämlich von der myelinbildenden Zelle mit Schutzfunktion fürs Nervensystem zu einer entzündungsfördernden Zelle ohne jede Schutzfunktion.

Glyphosat weniger problematisch als die nicht benannten weiteren Inhaltsstoffe

„Unsere Daten weisen darauf hin, dass nicht benannte Inhaltsstoffe in glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln zum schädigenden Einfluss auf das Myelin führen. Das Glyphosat selbst spielt möglicherweise nur eine untergeordnete Rolle“, sagt Dr. Fabian Szepanowski, (Biologe in der Arbeitsgruppe für klinische und experimentelle Neuroimmunologie, Neurologische Klinik, UK Essen), der an der Studie massgeblich beteiligt war.

Da es sich zunächst um Zellstudien handelt, können die Ergebnisse der Studie natürlich noch nicht direkt auf den Menschen übertragen werden. Allerdings weiss man nun, dass durchaus die Möglichkeit einer Nervenschädigung durch glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel besteht.

Glyphosathaltige Mittel nicht verwenden!

Unkrautvernichtungsmittel sind nicht nur in der Landwirtschaft, sondern gerade bei Hobbygärtnern sehr beliebt! Bitte verwenden Sie diese zweifelhaften Mittel nicht mehr! Unkraut kann meist mit völlig ungefährlichen Methoden entfernt werden. Viele Wildpflanzen sind überdies essbar und äusserst gesund!

Denken Sie auch an Insekten, Schmetterlinge und Vögel! Alle diese Tiere können in sterilen Rasen-Koniferen-Kulturen nicht überleben. Schenken Sie Lebensraum, indem Sie Unkräuter nicht mehr als auszurottende Feinde, sondern als wertvolle Wildpflanzen betrachten und wo immer möglich einfach stehen lassen.

Quellen

  • Pressemitteilung Universitätsmedizin Essen, Privatdozent Dr. Dr. Mark Stettner, Klinik für Neurologie, Pressesprecher, Burkhard Bscher, Pflanzenschutzmittel können Nerven schädigen

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