Wie Tanzen bei Parkinson helfen kann

Parkinson, auch Schüttelkrankheit oder Schüttellähmung genannt, ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung des Nervensystems, die zu Zittern und Bewegungsstörungen führt.

Bei der Behandlung von Parkinson ist die übliche Vorgehensweise – Medikamente und tiefe Hirnstimulation – nicht ausreichend um Gang- und Gleichgewichtsstörungen zu behandeln, so ein Review der Wissenschaftler Gage und Storey aus dem Jahr 2004 zum Thema Rehabilitation bei Parkinson (5). Deshalb seien andere Ansätze erforderlich, um Verbesserungen in den vier Schlüsselbereichen zu erreichen und die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Die vier Schlüsselbereiche sind: Gangart, kognitive Bewegungen, Gleichgewicht sowie Muskelkraft und Mobilität (2). Tanzen kann hier helfen. Denn mit Tanzen können Verbesserungen in allen vier Schlüsselbereichen erzielt werden, erklärt Gammon Earhart, Professorin an der Washington University School of Medicine in ihrer Veröffentlichung zum Thema Tanz als Therapie für Menschen mit Parkinson.

Tanztherapie bei Parkinson: Lebensqualität steigt

Tanzen erleichtert Parkinson-Erkrankten die Bewegung. Es kann sowohl frei getanzt werden als auch nach vorgegebenen Mustern, wie z. B. beim Tango, bei welchem Parkinson-Patienten beispielsweise auch eine bestimmte Strategie zum Rückwärtslaufen erlernen können. Beim Tanzen, insbesondere mit einem Partner, wird das Halten des Gleichgewichts geübt. Tanzen kann die Muskeln und die Flexibilität (z. B. der Gelenke) stärken bzw. steigern.

Aber Tanzen ist nicht nur eine unterhaltsame soziale Angelegenheit, die sich positiv auf die motorischen Störungen der Parkinson-Krankheit auswirken kann. Tanzen im sozialen Umfeld kann darüber hinaus die Motivation Parkinson-Erkrankter fördern und deren Lebensqualität verbessern (1, 2, 5).

Ein weiterer Review zu diesem Thema zeigt ebenfalls, dass eine Tanztherapie die Lebensqualität und das Gesundheitsverhalten von Parkinson-Patienten positiv beeinflussen kann. Das Tanzen hilft dabei, den eigenen Körper wieder besser kontrollieren zu können. Die soziale Interaktion mit einem Tanzpartner trägt zusätzlich zu einer höheren Lebensqualität bei (3, 9).

Bei Parkinson: Auch Störungen im kognitiven Bereich

Neben den typischen motorischen Symptomen der Krankheit treten oft auch schon vor Beginn der Erkrankung leichte Beeinträchtigungen im kognitiven Bereich auf. Betroffen sind vor allem die Funktionen, mit denen das Denken und Handeln bestimmt wird. Man nennt diese Funktionen auch exekutive Funktionen. Sie umfassen das Arbeitsgedächtnis, die kognitive Flexibilität und die Inhibition.

Ein gutes Arbeitsgedächtnis äussert sich darin, dass man Handlungspläne erstellen und befolgen kann, Lösungen für Probleme finden kann und sich auch kurzfristig Zahlen, z. B. eine Telefonnummer merken kann. Parkinson-Patienten mit Störungen in diesem Bereich wirken oft sehr umständlich in ihren Handlungen, können sich nur noch wenige Zahlen (z. B. vier) merken und können sich häufig auch nicht mehr so ausdrücken, dass andere verstehen, was sie nun eigentlich mitteilen wollen.

Liegen Störungen im Bereich der kognitiven Flexibilität vor, können sich Betroffene nicht mehr gut auf neue Situationen einstellen, die vielleicht einer Planänderung bedürfen. Man fährt beispielsweise eine gewohnte Strecke und trifft plötzlich auf eine Strassensperre. Jetzt ist kognitive Flexibilität gefordert, um dennoch – jetzt auf anderem Weg – das ursprüngliche Ziel erreichen zu können.

Mit Inhibition ist die Fähigkeit gemeint, gewisse Handlungen oder Verhaltensweisen zu unterdrücken, wenn sie gerade nicht sinnvoll erscheinen bzw. andere Handlungen in der aktuellen Situation zielführender sind. In einer lebhaften Diskussion beispielsweise zeigt sich oft, wie wenige Menschen über eine gute Inhibitionsfähigkeit verfügen, da sie es nicht schaffen, sich wenigstens zeitweise zurückzunehmen und den anderen ausreden zu lassen. Patienten mit Parkinson, die in diesem Bereich an einer Störung leiden, wirken impulsiv und zeigen u. U. in manchen Situationen unangebrachtes Verhalten.

Tanzen verbessert kognitive Funktionen bei Parkinson

Tanzen nun hat genau auf die beschriebenen exekutiven Funktionen positive Auswirkungen – das zeigt eine Analyse von sieben Studien der chinesischen Wissenschaftler Zhang et al. aus dem Jahr 2019. Darin hatte man verschiedene Therapiewege bei der Parkinson-Krankheit miteinander verglichen. Einerseits kam die Tanztherapie – entweder als alleinige Behandlung oder in Kombination mit anderen Therapiemethoden – zum Einsatz. Zum Vergleich untersuchte man auf der anderen Seite Patienten, die nicht mit Tanz-, sondern mit klassischer Parkinsontherapie behandelt wurden oder gar keine Behandlung erhielten.

Es zeigte sich, dass die Tanztherapie deutliche Verbesserungen ergab – und zwar gerade im Bereich der exekutiven Funktionen, während es in anderen Bereichen (z. B. Depressionen, Apathie) zu keinen merklichen Veränderungen kam, was jedoch auch an der Kürze der Studien liegen könnte (4, 7, 8).

In diesen Videos sehen Sie, wie eine Tanztherapie bei Parkinson aussehen und was sie bewirken kann: Tanztherapie gegen Parkinson und Tango gegen Parkinson

In welchem Krankheitsstadium kann man von Tanztherapie profitieren?

Laut Prof. Earhart können sowohl Menschen mit fortgeschrittener Erkrankung als auch Parkinson-Erkrankte, die noch nicht von Gleichgewichtsstörungen oder Stürzen betroffen sind, von einer Tanztherapie profitieren. Als Voraussetzung gelte meist nur, dass man sich noch mindestens drei Meter mit oder ohne Hilfsmittel, jedoch ohne Unterstützung durch eine andere Person auf den eigenen Beinen fortbewegen kann (1).

Wie oft und wie lange sollten Parkinson-Patienten tanzen?

Prof. Earhart, die verschiedene Studien zum Thema „Tanzen bei Parkinson“ verglich, erscheint eine zehnwöchige Tanztherapie als sinnvoll. Wie oft und wie lange dabei pro Woche am besten getanzt werden sollte, ist bisher noch nicht erforscht. In den meisten von Eahrhart untersuchten Studien tanzten die Patienten zwei- bis dreimal in der Woche jeweils 60 bis 90 Minuten (1).

Mehr über Tanztherapie, warum tanzen sich positiv auf die Gesundheit eines jeden Menschen auswirken kann und welche Erkrankungen man ausserdem mit einer Tanztherapie behandeln kann, berichten wir hier: Tanztherapie: Wie tanzen heilen kann

Über Parkinson und mögliche Ursachen der Erkrankung berichten wir in diesen Artikeln:

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Quellen

  1. Earhart, Gammon M.; Dance as Therapy for Individuals with Parkinson Disease; European journal of physical and rehabilitation magazine; Juni 2009
  2. Keus, S. H. et al.; Practice Recommendations Development Group Evidence-based analysis of physical therapy in Parkinson's disease with recommendations for practice and research. Mov Disord. 2007;22(4):451–60
  3. Bräuninger, Iris; Aktuell aus der Tanz-, Bewegungs- und KörperpsychotherapieForschung: Medizinische Anwendungsfelder und Perspektivenwechsel auf den Körper; Rheinhardt e-journals
  4. Zhang Q et al., Effects of dance therapy on cognitive and mood symptoms in people with Parkinson's disease: A systematic review and meta-analysis; Complementary Therapies in Clinical Practice; S. 12 – 17; August 2019
  5. Gage, H.; Storey L.; Rehabilitation for Parkinson's disease: a systematic review of available evidence, August 2004; PubMed; in Earhart, Gammon M.; Dance as Therapy for Individuals with Parkinson Disease; European journal of physical and rehabilitation magazine; Juni 2009
  6. Mendrek A., From depression to Parkinson's disease: The healing power of dance; Medical express; 5.12.2019
  7. Scheffels J et al., Screening exekutiver Funktionen bei Parkinson-Patienten durch den neuen Schnelltest PAL-5; Georg Thieme Verlag KG; Stuttgart, New York
  8. Neuronation; Exekutive Funktionen: Ihr Schlüssel für mehr Lebensqualität;  abgerufen am 16.12.2019
  9. Hackney ME, Bennett CG, Dance therapy for individuals with Parkinson’s disease: improving quality of life. Journal of Parkinsonism and Restless Legs Syndrome 4, 17–25, 2014