Zentrum der Gesundheit
Nach Krebsoperation abhängig von Schmerzmitteln

Nach Krebsoperation abhängig von Schmerzmitteln

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(Zentrum der Gesundheit) – Krebs ist schlimm genug. Kaum aber hat man die OP überstanden, gibt es Schmerzmittel. Oft sind es Opioide, starke Schmerzmittel, die abhängig machen können. Nach zwei Wochen sollten sie eigentlich abgesetzt werden. Bei mindestens 10 Prozent aller Krebspatienten ist jedoch gerade das nicht der Fall – so eine amerikanische Studie. Sie nehmen die Medikamente monatelang und werden schliesslich schmerzmittelsüchtig. Besonders häufig findet man eine Schmerzmittelabhängigkeit bei Krebspatienten, die nicht nur operiert wurden, sondern auch eine Chemotherapie erhalten haben.

Schmerzmittel mit Abhängigkeitspotential gehören häufig zur Krebs-Therapie

Schmerzen bei Krebs müssen keinesfalls ertragen werden. Doch sollte der Patient auch umfassend über den richtigen Umgang mit Schmerzmitteln aufgeklärt werden. Andernfalls kann es insbesondere bei Opioiden zu Abhängigkeiten kommen, die neben den Sorgen rund um den Krebs zu weiteren Problemen führen.

Zu den Opioiden gehören beispielsweise die Wirkstoffe Codein, Tramadol, Fentanyl, Hydrocodon oder Oxycodon. Problematisch bei diesen Mitteln ist, dass ein Gewöhnungseffekt eintreten kann, man also immer höhere Dosen braucht, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Setzt man Opioide überdies plötzlich ab, kommt es zu Entzugserscheinungen.

10 bis 20 Prozent der Krebspatienten nehmen zu lange Schmerzmittel ein

Forscher der University of Michigan schrieben am 19. Oktober 2017 in der Online-Ausgabe des Journal of Clinical Oncology, dass mehr als 10 Prozent derjenigen, die erstmals nach einer Krebsoperation (also nie zuvor) Opioide bekommen, die Schmerzmittel auch noch drei bis sechs Monate nach ihrer OP einnehmen. Ausgewertet wurden die Daten von fast 40.000 Krebspatienten.

Noch grösser ist das Risiko einer Abhängigkeit, wenn die Patienten nach ihrer Operation auch eine Chemotherapie erhalten. In dieser Patientengruppe sind es gar 15 bis 21 Prozent, die weit über den geplanten Zeitraum hinaus Opioide einnehmen, manchmal noch ein Jahr nach der Therapie – und zwar in Dosen, die sechs Tabletten à 5 mg Hydrocodon entsprechen.

Hydrocodon ist ein Opioid zur Schmerzlinderung, aber auch zur Behandlung starken Hustens. „Fünf bis sechs Tabletten pro Tag sind die typische Dosis, um postoperative Schmerzen zu bekämpfen”, sagt Studienautor Dr. Jay Lee, Chirurg an der Universitätsklinik in Michigan. „Weniger typisch ist es jedoch, diese Dosis noch Monate später zu nehmen, zumal wir – die entsprechenden Chirurgen – meist dachten, ihre Patienten hätten nur in den ersten zwei Wochen nach der Operation Opioide erhalten und nähmen diese schon längst nicht mehr.“ Wer aber drei bis sechs Monate nach einer Operation immer noch Opioide in den genannten Dosen einnimmt, zählt zu den chronischen Schmerzmittelkonsumenten und ist massiv suchgefährdet.

Opioide bei Schmerzen durch Chemotherapie nicht so sinnvoll

Eine Chemotherapie kann extrem schmerzhafte Komplikationen mit sich bringen, die sehr schwer zu behandeln sind. Oft werden nun Opioide verordnet, obwohl sie bei dieser Art von Schmerzen häufig gar nicht besonders effektiv sind.

Wohlgemerkt, es handelt sich hier nicht um palliative Einsätze der Schmerzmittel, sondern um eine begleitende Medikation bei kurativen Therapien heilbarer Krebsformen, z. B. bei Brustkrebs im Anfangsstadium, bei Darmkrebs oder Hautkrebs.

Während palliative Therapien einem unheilbar Erkrankten lediglich noch etwas mehr Lebensqualität schenken sollen und aufgrund der kurzen Lebenszeit hier mittel- und langfristige Nebenwirkungen nicht oder kaum mehr relevant sind, handelt es sich bei kurativen Therapien um Massnahmen bei heilbaren Erkrankungen. Hier müssen unbedingt die Nebenwirkungen berücksichtigt werden.

Nicht nur in den USA, auch in Deutschland werden zu oft Opioide verschrieben

Allein in den USA sind mehr als zwei Millionen Menschen von verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln vom Typ der Opioide abhängig – mit steigender Tendenz, da die Mittel in den letzten 25 Jahren immer häufiger verordnet werden. In Deutschland hingegen, so heisst es gern, gäbe es das Problem so gut wie gar nicht – wegen der strengen Regeln der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtmVV) und des Betäubungsmittelgesetzes (BtmG).

Gleichzeitig konnte man im Jahrbuch Sucht 2017 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen lesen, dass die von deutschen Ärzten verordneten Opioidmengen in den letzten Jahren enorm gestiegen seien, nämlich um fast ein Drittel zwischen 2006 und 2015.

Auch gehöre die Medikamentensucht zur zweithäufigsten Abhängigkeit in Deutschland. Auf Platz 1 liegt der Tabak, auf Platz 3 der Alkohol. Zwar bezieht sich die Medikamentenabhängigkeit zu einem grossen Teil auf frei in der Apotheke erhältliche Schmerzmittel. Dennoch würden auch die starken Schmerzmittel immer häufiger verschrieben – selbst in Fällen, in denen sie nicht unbedingt erforderlich wären.

Schmerzmittelmissbrauch besonders häufig bei Krebspatienten 

Krebspatienten sind besonders empfänglich für den Missbrauch von Schmerzmitteln, erklärt Dr. Lee. Zunächst einmal leiden sie noch immer am Trauma der Krebsdiagnose, sind also psychisch viel labiler als andere Kranke. Dazu kommt der Schmerz invasiver Therapien sowie ein Pflegepersonal, das nicht selten aus sehr vielen Personen besteht und gerne einmal den Überblick über die Medikamentenverordnungen verliert.

„Die Therapie von Krebsschmerzen ist natürlich eine Herausforderung, und Opioide sind ein essentieller Bestandteil des Therapieplans dieser Patienten“, sagt Lee. „Daher waren Krebspatienten auch nie betroffen, wenn es mal wieder um Einschränkungen der Opioid-Verordnungen ging.“ Nichtsdestotrotz sollte auch eine (heilbare) Krebserkrankung kein Freifahrtschein für endlosen Opioidkonsum sein.

Abhängigkeit vermeiden: Schmerzmittel nach Krebs-OP nur nach Anweisung nehmen

Wer Schmerzmittel vom Typ der Opioide nach einer kurativen Operation benötigt, sollte diese möglichst schnell wieder – innerhalb von zwei Wochen – absetzen. Allerdings langsam und nicht abrupt. Auch ist es empfehlenswerter, die Mittel – wenn sie schon benötigt werden – in gleichmässigen Abständen einzunehmen, damit die Schmerzen gar nicht erst wieder kommen.

Es ist also nicht sinnvoll, immer erst zu warten, bis die Schmerzen wieder stark sind. Im Gegenteil. Gerade diese Vorgehensweise fördert offenbar die Entstehung einer Abhängigkeit. Gehen Sie daher nach Anweisung vor und nehmen Sie die Medikamente stets nur ein, wenn sie auch erforderlich sind. Sobald es Alternativen gibt, greifen Sie nach diesen!

Wenn Sie sich für Erfahrungsberichte von Krebspatienten interessieren, die sich mit ganzheitlichen Methoden heilen konnten, lesen Sie hier weiter: Erfahrungsberichte Selbstheilung

Quellen:

  • Jay Soong-Jin Lee, Lesly A. Dossett et al. New Persistent Opioid Use Among Patients With Cancer After Curative-Intent Surgery. Journal of Clinical Oncology, 2017, (Quelle als PDF)
  • Michigan Medicine – University of Michigan. "For 1 in 10 cancer patients, surgery means opioid dependence.", ScienceDaily, 1. November 2017, (Quelle als PDF)
  • Aponet.de, Opioid-Abhängigkeit auch in Deutschland? 3. November 2017, (Quelle als PDF)
  • Gross G, Abhängigkeit von Schmerzmitteln – Ärzte verordnen immer mehr Opioide, 4.7.2017, spiegel online, (Quelle als PDF)
  • DHS Jahrbuch Sucht 2017, (Quelle als PDF)

Ausbildung zum Ernährungsberater an der Akademie der Naturheilkunde


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