So erlebt ein deutscher Arzt die Corona-Krise in seiner Praxis

Aus den Medien erfährt man insbesondere die neuesten Zahlen der Corona-Infizierten und natürlich der Corona-Toten. Wie wenig aussagekräftig Zahlen sind, haben wir bereits hier erläutert (Wie Sie mit der Angst vor dem Coronavirus umgehen unter Tipp 1).

Auch sieht man im TV und Internet seit Wochen nichts anderes als vermummte Gestalten. Sie transportieren Kranke oder Tote – oder sie desinfizieren. Wie aber sieht es eigentlich direkt in einer Arztpraxis aus?

Dort dürfte das Telefon bei den – wie immer betont wird – exponentiell steigenden Infiziertenzahlen nicht mehr stillstehen. Wir haben daher (am 25. März 2020) einen Arzt befragt (der anonym bleiben möchte), wie er seinen Praxis-Alltag in Corona-Zeiten erlebt. Er ist in einer ganzheitlich orientierten Gemeinschaftspraxis in Deutschland tätig und immer wieder auch als Notarzt im Einsatz.

ZDG: Wie ist in Corona-Zeiten die Stimmung unter den Patienten?

Ich habe noch keinen Corona-Infizierten gesehen. Und im Praxisalltag spielt Corona auch von Seiten der Patienten so gut wie keine Rolle.

ZDG: Wollen Ihre Patienten auf Corona getestet werden?

Einige wenige fragten am Anfang der Panikmache in den Medien nach dem Test. In der letzten Woche keiner mehr.

ZDG: Testet man in der Arztpraxis die Patienten auf Corona? 

Doch wir testen schon, allerdings nur in begründeten Fällen nach dem sog. Flussdiagramm des RKI, d.h. dass aus logistischen und medizinischen Gründen nur Patienten getestet werden sollen, die Kontakt mit Infizierten hatten oder von einem Risikogebiet zurückkommen und Erkältungssymptome wie Fieber, Schnupfen und Co. haben.

Inwieweit der Test überhaupt Gültigkeit hat, da er bis dato nicht validiert ist und angeblich nur in 48% der Fälle richtig testet, und was er überhaupt testet (die Corona-Viren der letzten Jahre oder ausschließlich SARS Cov2) können wir den Patienten nicht sicher sagen.

ZDG: Wie sieht es mit der „ganz normalen“ Grippe aus? Gibt es mehr Grippefälle als sonst?

Nein, eher weniger.

ZDG: Wird auch auf Grippeviren getestet, wenn jemand mit verdächtigen Symptomen in die Praxis kommt oder nur auf Corona? 

(Hinweis ZDG: Denn allein am klinischen Bild kann man Corona, Grippe und grippalen Infekt nicht unterscheiden.)

Da gegen Ende des Winters 60-70 % aller Patienten, die eine Hausarztpraxis aufsuchen, wegen Erkältungssymptomen kommen, macht es keinen Sinn, die Patienten zu testen – zumal das Ergebnis keine therapeutische Konsequenz hat! Getestet wird nur auf explizite Nachfrage und bei speziellem Krankheitsverlauf (schneller Krankheitsbeginn mit hohem Fieber, starkes Krankheitsgefühl etc.).

ZDG: Wurde in den letzten Jahren in der Grippesaison immer auf Grippe getestet? 

(Hinweis ZDG: Das wäre sinnvoll, um die Menschen sofort unter Grippe-Quarantäne zu stellen. Schliesslich ist die Grippe sehr ansteckend und kann tödlich enden - ähnlich wie Covid-19. Wurde nicht getestet, dann sind auch die derzeit bekannten Grippezahlen der letzten Jahre nicht relevant.)

Nein, es wurde nur in Einzelfällen getestet. 

ZDG: Müssen Grippefälle gemeldet werden? Die getesteten oder auch die Verdachtsfälle? 

Theoretisch müsste jeder positiv auf Influenza Getestete gemeldet werden, in der Praxis wird dies jedoch von den meisten Ärzten vernachlässigt.

ZDG: Kommen mehr Leute als sonst zum Arzt, auch wenn sie nur leichte Erkältungssymptome haben, nur aus Angst, mit dem Coronavirus infiziert zu sein?

Nein. Interessant ist dazu eine Mitteilung der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, in der Folgendes zu lesen war: „Der Coronavirus bringt die medizinische Versorgung gerade an ihre Grenzen“. Aber nicht wegen irgendwelcher Infizierten, sondern „weil in allen Praxen und Apotheken jederzeit damit zu rechnen ist, dass Mitarbeiter/innen in Quarantäne bleiben müssen oder dass aufgrund fehlenden Schutzmaterials die Arbeit eingeschränkt wird. In Facharzt- und Zahnarztpraxen ist bereits ein teilweise deutlich spürbarer Rückgang der Patientenzahlen zu verzeichnen.“

Da die Praxen angewiesen sind, ihren Patienten zu sagen, dass sie – wegen angeblicher Ansteckungsgefahr – nur noch in dringenden Fällen die Praxis aufsuchen sollen, ist in unserer Praxis deutlich weniger zu tun. Auch Kollegen sagen, dass sie zur Zeit maximal auf ein Viertel der sonst üblichen Patientenzahlen kommen.

Sollte es im ambulanten Bereich dennoch einmal zu Engpässen kommen, so nur deshalb, weil viele niedergelassene Ärzte den Routinebetrieb heruntergefahren haben, um Patienten, Personal und sich selbst vor Ansteckung zu schützen.

ZDG: Wie sieht es in den Krankenhäusern aus?

Engpässe im stationären Bereich gibt es durchaus - und zwar insbesondere deshalb, weil die Kliniken ebenso wie alle Branchen zur Zeit unter Personalmangel leiden, und ganze Stationen schliessen, weil das Pflegepersonal wegen der Quarantäne zu Hause bleiben muss oder auch weil Kinder zu Hause zu betreuen sind. 

Ein weiterer Grund für Personalmangel ist die Tatsache, dass blind per Telefon ausgestellte Krankmeldungen exorbitant zunehmen! Viele nutzen die Gelegenheit, um sich krankschreiben zu lassen - auch ohne dass ein Grund dafür vorliegt.

ZDG: Da man bei Corona-Symptomen den Arzt anrufen soll, müsste bei all den Infizierten Ihr Telefon ja nicht mehr still stehen. Ist das so? 

Nein, das Telefonaufkommen ist nur gering höher, da unsere Patienten wissen, dass ein grippaler Infekt oder eine Grippe – egal ob durch Influenza oder Corona – keine therapeutische Konsequenz hat ausser die üblichen, bekannten Mittel, besonders Naturheilmittel, die es alle frei verkäuflich in jeder Apotheke gibt.

ZDG: Erleben Sie als Notarzt mehr Menschen mit Atemnot aufgrund grippaler Infekte als sonst?

Nein. Ich hatte in den letzten vier Wochen 8-mal Notdienst (Fahrdienst) im Ärztlichen Bereitschaftsdienst (mit ca. 3-10 Patienten pro Dienst) und in jeder freien Minute ca. täglich einen Hausbesuch im privatärztlichen Akutdienst. Es waren Dienste wie immer, d. h. sowohl Fallzahlen als auch Diagnosen waren wie eh und je. Und auch für 90 % der Patienten war Corona nicht das Thema. Gäbe es den Test nicht und würde man nicht ständig in den Medien darüber hören, würden wir von Corona im ärztlichen Alltag nichts merken. Erst, wenn das Corona-Virus angesprochen wird, fällt bei einigen die Angst und Verunsicherung zum leidigen Thema auf.

ZDG: Werden Sie von der Ärztekammer informiert? Erhalten Sie Anweisungen, wie Sie sich bei Patienten mit grippalen Infekten zu verhalten haben?

Ja, man wird seitenweise und von allen Seiten bombardiert mit ausführlichen Instruktionen zum Umgang mit dem Virus. Zusammengefasst geht es dann aber letztendlich um nicht viel mehr als

1. den politischen Willen zur solidarischen Hilfe,
2. den Zusammenhalt in schweren Zeiten,
3. die Probleme bei der Beschaffung von Schutzkleidung und Masken,
4. Instruktionen über Hygieneregeln in der Praxis inkl. der Order, dass Patienten nur noch einzeln im
Wartezimmer und am Tresen bedient werden sollen etc.
5. dass man an bestimmten Stellen Abstrich-Entnahmestellen oder spezialisierte Ambulanzen einrichten will. Diese gibt es aber de facto erst seit wenigen Tagen.

Um dort getestet zu werden, benötigen Patienten jedoch die Indikationsstellung durch ihren Arzt und eine Überweisung. D.h. wir Ärzte bekamen von der Kassenärztlichen Vereinigung folgende Infos:

Der niedergelassene Arzt entscheidet über die Indikation zum Abstrich. Immer noch gilt das Flussdiagramm des RKI (Robert Koch Institut). Begründete Verdachtsfälle werden telefonisch in der Abstrichstelle angemeldet. Von dort erhalten sie eine Uhrzeit (und evtl. Nummer). Die Patienten erhalten vom niedergelassenen Arzt eine Laborüberweisung (mit Stempel der Praxis): Auftrag "PCR Coronavirus“

ZDG: Gibt es sonst irgendwelche Erfahrungen/Erlebnisse, die für Aussenstehende wissenswert wären?

Was mich erschüttert ist, dass selbst medizinisch einigermassen aufgeklärte, normalerweise ganzheitlich eingestellte Patienten mit ökologischem Bewusstsein sich komplett durch die Medien verunsichern lassen und nun Angst geschürt zu Hause sitzen, was ihnen nicht gut bekommt.

Noch erschütternder für mich ist ein Bericht in der Medical Tribune, dass eine Berliner Fachärztin für Allgemeinmedizin angezeigt wurde, nur weil sie in einem nüchtern-seriösen Ratgeber an ihre Patienten neben der Priorität zur Einhaltung der Hygieneregeln auch Arsenicum album C30 als homöopathisches Unterstützungsmittel in der Corona-Krise empfohlen hat.

Dies ist – evtl. im Wechsel mit Gelsemium C30 – ein auch bei anderen guten homöopathischen Therapeuten bekanntes und auch in Indien empfohlenes und erfolgreich in der Corona-Krise eingesetztes Mittel. (Hinweis: In Indien gibt es an 7 Universitäten Lehrstühle für Homöopathie. Diese ist in Indien – zusammen mit der traditionellen Ayurvedischen Medizin – gleichrangig mit der konventionellen Medizin.)

Ich fürchte deshalb sehr um die zunehmende Diffamierung und Hetze gegen die Naturheilkunde im Allgemeinen und die Homöopathie im Speziellen, aber auch ganz allgemein um unsere freie Therapeuten- und Therapiewahl und die zunehmende Einschränkung von Grundrechten in Deutschland.

ZDG: Herzlichen Dank für dieses Interview und alles Gute!

Unsere Ratschläge in Sachen Corona-Virus

Wenn Sie sich weniger für Panikmache interessieren, als vielmehr wissen möchten, was Sie selbst tun können, um gesund und fit zu bleiben (schliesslich gibt es noch andere Viren und Krankheiten, vor denen man geschützt sein will), findet bei uns viele Informationen: Hausmittel zum Schutz gegen Viren

Update 17.4.2020 - Gibt es Neues aus der ärztlichen Praxis in Corona-Zeiten?

ZDG: Seit unserem Interview sind etwas mehr als drei Wochen vergangen. Hat sich die Situation inzwischen verschärft?

Antwort: Ich hatte 24-h-Notdienst (Fahrdienst) im ärztlichen Bereitschaftsdienst in Heidelberg, wo wir normalerweise im Schnitt 10-15 Hausbesuche fahren würden. Ich hatte jedoch in 24 Stunden nur 1 Leichenschau bei einer 94-Jährigen, die aus Altersgründen im Altenheim verstorben war und 1 telefonische Beratung, sonst nichts!!! 

Das gleiche Bild im Notdienst Mosbach, wo ich die letzten 4 Wochen ebenfalls sehr viele Notdienste gemacht habe! Sogar vom Rettungsdienst Mosbach kommt die Meldung, dass insgesamt eher weniger Einsätze zu fahren sind als sonst. In den Arztpraxen ist weiterhin nichts los (ca. ein Viertel der Patienten als sonst). 

Der Sohn meiner Praxiskollegin arbeitet als Anästhesist in der Klinik und erzählt, dass sie alle früher nach Hause gehen als sonst, weil nichts zu tun ist. Viele Beschäftigte in den Krankenhäusern machen fast so etwas wie Kurzarbeit. 

Am 14.04. bekam ich ein Werbe-Fax(!) – siehe Anhang 1 (Anm. ZDG: Anhang liegt der ZDG-Redaktion vor) – von der Uniklinik Mannheim verschickt an uns niedergelassene Ärzte, wir mögen doch bitte weiterhin Patienten zuweisen! D. h. sie fürchten, dass ihnen die Patienten ausgehen und müssen schon Werbung machen, da die Fallzahlen wohl stark rückläufig sind. Ich kann mich nicht erinnern, dass es so etwas schon mal gab!

ZDG: Herzlichen Dank für Ihr Update und alles Gute!

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