Risiko für die Gesundheit

Harnwegsinfekte durch Hühnchenfleisch?

  • Autor: Anita Berger
  • aktualisiert: 04.09.2018
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Harnwegsinfekte durch Hühnchenfleisch?
© istockphoto.com/GMVozd

Harnwegsinfekte sind extrem lästig und schmerzvoll. Steigt die Infektion in die Nieren auf, kann es zu einer Nierenentzündung bis hin zu bleibenden Nierenschäden kommen. Daher werden oft sehr schnell Antibiotika verordnet. Handelt es sich jedoch um einen immer wiederkehrenden Harnwegsinfekt und werden immer wieder Antibiotika genommen, dann sind Nebenwirkungen vorprogrammiert. Über die Ursachen von Harnwegsinfekten weiss man noch wenig. Forscher vermuten nun, dass Hühnchenfleisch als Überträger der problematischen Bakterien fungieren könnte.

Was ist ein Harnwegsinfekt?

Bei einem Harnwegsinfekt (Blasenentzündung) verspürt man ein Brennen in der Blase und den Harnwegen. Ständiger Harndrang führt zu häufigen Toilettenbesuchen, wo der Urin nur noch tröpfchenweisen, aber äusserst schmerzhaft den Körper verlässt. Als Verursacher gelten bestimmte Bakterien, seltener auch Pilze.

Was sind die Ursachen eines Harnwegsinfektes?

Als Ursachen gelten offiziell Faktoren wie Harnsteine, angeborene Fehlbildungen, Diabetes, Tumoren, ein Dauerblasenkatheter und ein geschwächtes Immunsystem. Die auslösenden Bakterien – in 80 Prozent aller Harnwegsinfekte ist es Escherichia coli – kämen überdies aus dem eigenen Stuhl, weshalb man mit dem Toilettenpapier nie von hinten nach vorn, sondern in umgekehrter Richtung wischen soll.

Kann Hühnchenfleisch zu Harnwegsinfekten führen?

Bei vielen Frauen aber, die unter Blasenentzündungen leiden, trifft keine dieser angeblichen Ursachen zu. Sie achten auf den richtigen Umgang mit dem Toilettenpapier, trinken viel Wasser und gehen nach dem Sex sofort zur Toilette, damit keine fremdartigen Keime die Harnröhre aufsteigen können. Könnte das Hantieren mit Hühnchenfleisch eine Ursache sein?

Forscher der George Washington University schrieben Ende August 2018 im Fachjournal der American Society for Microbiology (mBio), dass ein bestimmter Bakterienstamm aus der Escherichia coli-Familie, der sich in Hühnchen- und Truthahnfleischprodukten befinde, beim Menschen zahlreiche Infektionen verursachen könne, so auch Harnwegsinfekte.

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Können Bakterien aus Fleisch auf den Menschen übertragen werden?

Man weiss, dass E. coli von Mensch zu Mensch übertragen werden kann und zwar nicht etwa nur beim Sex. Es genügt dazu, im selben Haushalt zu leben. Besonders häufig lässt sich dies dort beobachten, wo es besonders viele Bakterien gibt und die Menschen zudem unter einem schwachen Immunsystem leiden, wie etwa in Altenheimen oder Krankenhäusern.

In vorliegender Studie jedoch zeigten die Wissenschaftler, dass ein solcher E. coli-Stamm auch von Hühnchenfleisch (Escherichia coli ST131-H22) auf den Menschen übertragen werden kann und Harnwegsinfekte, aber auch auch andere schwerwiegende Infekte verursachen kann. Nicht alle E. coli-Stämme sind Krankheitserreger, doch gerade jene im Geflügel gehören zu den Krankheitsverursachern. Sie sind ausserdem besonders gut in der Lage, von der Blase ins Blut zu wandern, was allein in den USA bei vielen tausend Menschen pro Jahr zum Tode führt. 

Frühere Studien zu diesem Thema sind nicht mehr aktuell

Zwar hatten frühere Studien Fleisch als Quelle für besagte Bakterienstämme ausgeschlossen, doch zeigte sich nun, dass diese Studien nicht sorgfältig genug durchgeführt worden waren. Das Team von Dr. Lance B. Price, Leiter des Antibiotic Resistance Action Center (ARAC) an der George Washington University konnte nachweisen, dass es viele verschiedene krankheitsverursachende E. coli-Stämme gibt und einer davon (ST-131) aus kontaminiertem Geflügelfleisch auf den Menschen übergehen kann.

Genau jene Bakterien aus Fleisch lösen beim Menschen Harnwegsinfekte aus

Price und Kollegen analysierten ein Jahr lang die unterschiedlichsten Hühnchen-, Truthahn- und Schweinefleischproben aus sämtlichen grossen Supermarktketten vor Ort (Flagstaff/Arizona). Gleichzeitig sammelten sie Urin- und Blutproben von Patienten, die im örtlichen Krankenhaus behandelt wurden.

80 Prozent der 2.452 Fleischproben waren mit E. coli infiziert. Genauso 72 Prozent der Urin- und Blutproben der Patienten. Über eine Auswertung des Bakterien-Genoms (der Gesamtheit aller Gene) stellten die Forscher nun fest, dass genau jene E. coli-Stämme, die im Geflügel vorkamen, beim Menschen Harnwegsinfekte auslösten.

Auch konnte anhand dieser Studie nun festgehalten werden, dass die Bakterien tatsächlich vom Geflügel auf den Menschen übertragen werden und nicht etwa umgekehrt.

Vorsicht bei Hühnchenfleisch und anderem Geflügel!

Geflügelprodukte werden für gewöhnlich nicht auf jene E. coli-Stämme untersucht, die beim Menschen Harnwegsinfekte verursachen können. Daher sollte man – wenn man überhaupt noch Geflügel essen möchte – in der Küche sehr vorsichtig mit dem Fleisch umgehen und es gut durchkochen, empfiehlt Dr. Price.

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