Studien zeigen: Probiotika können bei Bluthochdruck helfen

Würde man sich mehr seiner Darmflora widmen und z. B. regelmässig Probiotika einnehmen, dann wäre Bluthochdruck (höher als 140/90 mmHg) möglicherweise nicht so ein enormes Gesundheitsproblem in unserer Gesellschaft – wie verschiedene Studien zeigen.

Die Rolle der Darmflora wird inzwischen bei ganz unterschiedlichen Erkrankungen und Beschwerden erforscht, etwa bei Übergewicht, Parkinson, Depressionen, Arthritis, Autismus und eben auch bei Bluthochdruck. Schliesslich leidet bereits ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung jenseits der Dreissig an diesem Problem und jeder vierte Todesfall soll laut Ärztezeitung (7) auf Bluthochdruck zurückgeführt werden können.

Bei Bluthochdruck: Medikamente wirken oft nicht

Da bei vielen Menschen allein Abnehmen, Nichtrauchen und Alkoholabstinenz zu keiner merklichen Senkung des Blutdrucks führen und überdies die üblichen Blutdruckmedikamente bei einem Fünftel der Betroffenen nicht wirken, sind neue Lösungen gefragt.

Manche Forscher glauben, dass eine Störung des Immunsystems und des autonomen Nervensystems für therapieresistenten Bluthochdruck verantwortlich sein könnte. Letzteres ist das Nervensystem, das die Atmung, Verdauung und den Blutdruck reguliert. Inzwischen ist jedoch auch eine Störung der Darmflora im Gespräch, einen hohen Blutdruck zu begünstigen.

Patienten mit Bluthochdruck leiden – meist ahnungslos – an einer Darmflorastörung

In einer Studie von 2017 (1) analysierte man die Darmflora von 41 Personen mit gesundem Blutdruck, die Darmflora von 99 Bluthochdruckpatienten und die Darmflora von 56 Personen, die bereits die Vorstufe eines Bluthochdrucks hatten.

In den beiden zuletzt genannten Gruppen stellte man fest, dass die Darmflora über eine reduzierte Diversität verfügte (weniger Bakterien-Vielfalt) und eher schädliche Darmbakterien überhand genommen hatten (Prevotella und Klebsiella). Prevotella-Bakterien kommen auch z. B. bei Autoimmunerkrankungen (z. B. Arthritis oder Psoriasis) gehäuft vor.

Übertrug man die Darmflora der menschlichen Bluthochdruckpatienten auf Mäuse, die keine Darmflora hatten, entwickelten die Tiere ebenfalls einen Bluthochdruck. In einer weiteren Studie (von 2019 (2)) übertrug man sodann die Darmflora von gesunden Mäusen auf Mäuse mit Bluthochdruck, woraufhin der Blutdruck der Hypertonikermäuse wieder sank.

Es scheint bei Bluthochdruck also enorm wichtig zu sein, eine gesunde Darmflora zu haben.

Wie Probiotika Ihren Blutdruck senken können

Wie genau Probiotika bzw. wie die Darmflora den Blutdruck beeinflussen kann, ist noch nicht geklärt. Analysen (3) zeigen beispielsweise, dass Bluthochdruckpatienten weniger SCAF-bildende Bakterien in ihrer Darmflora haben. Mit SCAF werden die sog. kurzkettigen Fettsäuren abgekürzt. Kurzkettige Fettsäuren dienen hauptsächlich als Energiequelle für die Zellen der Darmschleimhaut und tragen auf diese Weise massgeblich zur permanenten Regeneration der Darmschleimhaut und somit zur Darmgesundheit bei.

Doch nicht nur das, kurzkettige Fettsäuren beugen auch Diabetes vor und wirken entzündungs- und krebshemmend. Fehlen sie, dann neigt ausserdem der Blutdruck dazu zu steigen.

Wie kann man nun die Darmflora wieder mit hilfreichen und blutdrucksenkenden Bakterienstämmen besiedeln? Probiotische Bakterien sind bekanntlich in Joghurt und anderen fermentierten Milchprodukten enthalten. Kann man diese Lebensmittel zur Blutdrucksenkung einsetzen?

Probiotische Milchprodukte sind keine zuverlässige Quelle für probiotische Bakterien

Aus 2013 stammt eine Meta-Analyse (6), in der man 14 Studien mit insgesamt mehr als 700 Teilnehmern überprüfte. Hierbei zeigte sich, dass mit probiotischen Bakterienstämmen fermentierte Milch (Joghurt, Dickmilch) in manchen Studien den Blutdruck bei Bluthochdruckpatienten senken kann (bei einem Verzehr von 100 bis 450 g pro Tag), in anderen Studien aber leider auch nicht.

Im Jahr 2014 erschien eine weitere Übersichtsarbeit (5), in der man anhand von 9 Studien zeigen konnte, dass die Einnahme von Probiotika (verschiedene Milchprodukte und auch Kapselprobiotika) unterschiedlich stark den Blutdruck senken kann und auch nur dann,

  • wenn der systolische Wert erhöht war (der erste Wert),
  • wenn die Probiotika mehr als 8 Wochen lang eingenommen wurden und
  • wenn das entsprechende Probiotikum möglichst zahlreiche Bakterienstämme enthielt (hohe Diversität/Vielfalt).

Der Verzehr von fermentierten Milchprodukten scheint also keine zuverlässige Massnahme zu sein, da man erstens selten weiss, welche probiotischen Bakterien geschweige denn wie viele davon im jeweiligen Produkt enthalten sind und zweitens nicht jeder Mensch Milchprodukte verträgt oder essen will. Wir würden daher zu Präparaten mit probiotischen Bakterien raten, die eine grosse Vielfalt und eine grosse Zahl lebender Bakterienstämme enthalten.

Welche Probiotika konnten in Studien den Blutdruck senken?

In der zuletzt genannten Analyse wurden jene probiotischen Bakterienstämme angegeben, die sich in Studien besonders gut auf den Blutdruck auswirkten (und auch jene, die sich gar nicht oder nur schwach auswirkten). Beachtet werden sollte hier immer auch die Möglichkeit, dass die nachfolgend genannten Bakterien nur deshalb so gut wirkten, weil sie in Kombination mit einem anderen Bakterien- oder Hefestamm gegeben wurden:

  • Enterococcus faecium gemeinsam mit Streptococcus thermophilus
  • Lactobacillus helveticus mit Saccharomyces cerevisiae (Bierhefe)
  • Lactobacillus plantarum
  • Lactobacillus casei gemeinsam mit S. thermophilus

Lactobacillus reuteri hingegen sowie die Kombinationen S. thermophilus, L. acidophilus mit B. infantis und B. animalis lactis mit L. acidophilus konnten den Blutdruck nur sehr wenig, wenn überhaupt senken. Gerade die nicht wirksamen Bakterienstämme kommen aber meist in den üblichen Joghurts zum Einsatz.

Die meisten der oben genannten wirksamen Bakterienstämme (ausser Bierhefe und E. faecium) finden sich z. B. im Probiotikum Combi Flora SymBio von effective nature. Man nimmt davon – wenn bereits Medikamente genommen werden, nach Absprache mit dem Arzt – kurweise über 3 Monate hinweg täglich 1 bis 2 Kapseln ein und beobachtet, was mit dem Blutdruck geschieht!

Quellen

  • (1)Li J et al., Gut microbiota dysbiosis contributes to the development of hypertension, Microbiome. 2017 Feb 1;5(1):14. doi: 10.1186/s40168-016-0222-x
  • (2)Toral M, Duarte J et al., Critical Role of the Interaction Gut Microbiota – Sympathetic Nervous System in the Regulation of Blood Pressure, Front. Physiol., 08 March 2019
  • (3)Qiulong Yan et al., Alterations of the Gut Microbiome in Hypertension, Front. Cell. Infect. Microbiol., 24. August 2017
  • (4)Durgan DJ et al., Role of the Gut Microbiome in Obstructive Sleep Apnea-Induced Hypertension, Hypertension. 2016 Feb;67(2):469-74
  • (5)Dr. Jing Sun et al., Effect of probiotics on blood pressure: a systematic review and meta-analysis of randomized, controlled trials, Hypertension, Juli 2014
  • (6)Dong JY et al., Effect of probiotic fermented milk on blood pressure: a meta-analysis of randomised controlled trials, The British Journal of Nutrition, Oktober 2013
  • (7)eb, Bluthochdruck für jeden vierten Todesfall verantwortlich, Ärztezeitung, 17.5.2013

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