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  • Titandioxid, gefährlich

Titandioxid ist nun doch gefährlich!

Seit mehr als vier Jahren (Anfang 2017) warnen wir vor Titandioxid, einem Zusatzstoff in Lebensmitteln, Arzneimitteln und Zahncreme. Verbraucherzentralen gaben stets Entwarnung, der Stoff sei unbedenklich. Jetzt hat sich gezeigt, Titandioxid ist gefährlich und soll deshalb verboten werden.

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13 August 2021

Wie Titandioxid der Gesundheit schadet

Titandioxid ist seit Jahrzehnten als Lebensmittelzusatzstoff (E171) zugelassen. Er kommt in Suppen vor, in Brühen, Saucen, Backwaren, Käse (insbesondere weisse Sorten, wie z. B. Mozzarella), Fertigdressings, Kaugummis, Süssigkeiten, Zuckerstreuseln, Backmischungen, Brotaufstriche, Kakaopulver und vielem mehr. Auch als Überzugsmittel für Arzneimittel (Tabletten) und Nahrungsergänzungsmittel ist Titandioxid weit verbreitet, genauso in Zahncreme.

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In unserem Artikel Titandioxid – ein Stoff, den Sie meiden sollten schrieben wir schon 2017, dass Titandioxid schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann. Der glänzendweisse Farbstoff wirkt sich insbesondere auf den Darm schädlich aus, irritiert die Darmflora, löst chronische Entzündungsprozesse aus und kann Krebs begünstigen sowie das Immunsystem schwächen.

EFSA: Titandioxid nun doch nicht mehr sicher

Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hielt Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff in der Vergangenheit für relativ unbedenklich, hat nun aber im Frühsommer 2021 ihre Meinung geändert. Das führte wiederum dazu, das ein Verbot von E171 als Lebensmittelzusatzstoff nun auch auf EU-Ebene diskutiert werden wird, so twitterte Stella Kyriakides – EU-Gesundheitskommissarin – am 6. Mai 2021 (1).

Auf der Seite der EFSA las man, Titandioxid könne nicht mehr länger als sicherer Lebensmittelzusatzstoff betrachtet werden. Es bestehe der Verdacht einer möglichen Erbgutschädigung durch Titandioxid. Nehme man Titandioxid mit Lebensmitteln auf, dann sei zwar die Resorption gering, doch könne sich der Stoff im Körper ansammeln. Dazu komme eine unzureichende Datenlage, so dass Titandioxid nicht sicher sei – weder für Tiere noch für Verbraucher und auch nicht für die Umwelt (2).

Verbraucherschützer liessen Verbraucher jahrzehntelang Titandioxid essen

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Artikel aus der taz vom 9. Mai 2021 (6). Dort heisst es, „Verbraucherschützer fordern schon seit Jahren, den auf Etiketten E171 genannten Weissmacher nicht mehr in Nahrungsmitteln zu verwenden.“

Die Verbraucherzentrale, die sich so sehr um die Konsumenten sorgt und daher u. a. regelmässig vor Nahrungsergänzungsmitteln warnt, kann damit aber nicht gemeint sein. Denn auf deren Website las man noch Ende 2020 (als Stand der Informationen wurde damals der 10. Dezember 2019 angegeben), dass zwar das Einatmen von Titandioxid als krebserregend gelte, die orale Aufnahme aber durch den Verzehr von mit Titandioxid versetzten Lebensmitteln gelte laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) momentan als unbedenklich.

Es heisst dort zwar auch, dass die Daten zu Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit sowie zur Entwicklung bei Nachkommen nicht ausreichend seien, weshalb es keine diesbezüglich unbedenkliche Menge gäbe und somit auch keine vorgeschriebene Höchstmenge. Es gelte das Prinzip „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Dennoch würde auch die EFSA Titandioxid als unbedenklich einstufen (4).

ZDG-LeserInnen meiden Titandioxid schon seit 4 Jahren!

Erst im Mai 2021 wurde der Text der Verbraucherzentrale dann EFSA-konform geändert (5). Wir hingegen veröffentlichten unseren eingangs verlinkten Artikel zu Titandioxid, in dem wir raten, den Stoff zu meiden, bereits am 7. Februar 2017 – und am 3. Mai 2019 berichteten wir, dass Frankreich hier eine Vorreiterrolle spielt und Titandioxid verboten hat.

Unzählige Male erhielten wir daraufhin Lesermails und sonstiges Feedback mit dem Hinweis, dass wir wohl nicht richtig informiert seien, da doch offizielle Stellen, wie die Verbraucherzentralen, die EFSA und das BfR ausdrücklich erklärten, wie unbedenklich der Stoff sei.

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Wer also diesen Behörden sein Vertrauen schenkte, konsumiert seit Jahrzehnten einen Stoff, der schon immer schädlich war, zu dem nur erst jetzt die Datenlage so vollständig ist, dass auch die offizellen Stellen nicht mehr behaupten können, er sei harmlos. Wer hingegen auf die ersten Warnmeldungen von Seiten reagierte, die man gerne in die Ecke der Verschwörungstheoretiker verbannt, nimmt seit mindestens vier Jahren kein Titandioxid mehr zu sich.

Die Titandioxid-Lobby versucht Verbot zu verhindern

Wenn Sie nun aber glauben, Titandioxid werde sicherlich schnell aus Lebensmitteln verbannt, haben Sie womöglich die Titandioxid-Lobby vergessen. Gerade in Brüssel ist diese stark vertreten und wird alles dafür tun, dass ein Verbot so schnell nicht durchgesetzt werden kann. Schliesslich geht es um ein Millionengeschäft. Laut eines Plusminus-Beitrages vom 4. August 2021 hat die Titandioxid-Lobby in Brüssel die grösste PR-Agentur zur Unterstützung angeheuert. Lobbyisten hätten sich bereits aktiv an Schlüsselpersonen und Abgeordnete der Mitgliedsstaaten in Brüssel gewandt, um das Verbot „diplomatisch“ zu verhindern (3).

Als 2019 die EU-Kommission empfiehlt, Frankreichs Titandioxid-Massnahmen auf die EU auszudehnen, macht die Titandioxid-Lobby auch in Deutschland Druck. Der Lebensmittelverband fordert die Bundesregierung in einem Brief ans Verbraucherministerium auf, der Empfehlung der EU-Kommission nicht zu folgen. Offenbar hat sich die Bundesregierung auf die Seite der Industrie geschlagen. Denn obwohl Titandioxid seit einigen Jahren öffentlich in der Kritik steht, hat die zuständige Ministerin Julia Klöckner erst jetzt (Sommer 2021) nach den Warnungen der EFSA ein Verbot in Erwägung gezogen (3).

Laboranalyse zeigt: mehr gefährliche Nanopartikel als erwartet

Als besonders gefährlich gilt Titandioxid in Nanogrösse. Im Allgemeinen wird der Nanoanteil auf maximal 10 Prozent geschätzt. Plusminus liess zur Überprüfung des Nanoanteils 10 titandioxidhaltige Produkte im Labor untersuchen. Spitzenreiter waren weisse Zuckerstreusel und Kakaopulver mit 67 und 84 Prozent Nanopartikel am Gesamttitandioxidgehalt.

Doch selbst wenn Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff verboten würde, bliebe der Stoff nach wie vor in Arzneimitteln und Zahncreme enthalten. Mehr als 30.000 Medikamente (Tabletten) in der EU sind mit Titandioxid überzogen. Fragt man die Hersteller nach dem Grund, wird einem erklärt, Titandioxid schütze die Medikamente vor Licht. Das aber ist kaum nachvollziehbar, da Medikamente ja grundsätzlich lichtgeschützt verpackt sind.

Und was die Zahncreme betrifft, so sind gerade Kinder vom enthaltenen Titandioxid betroffen, da sie häufiger als Erwachsene einen Teil der Zahncreme schlucken. Professor Gerhard Rogler, Direktor der Klinik für Gastroenterologie an der Uniklinik Zürich weist auf Studien hin, die gezeigt hätten, dass Kinder besonders hohe Titandioxidwerte im Körper haben (3).

Wie Sie Titandioxid vermeiden

Titandioxid ist auf Lebensmitteln, Arzneimitteln, Nahrungsergänzungsmitteln, Zahncreme und anderen Produkten deklariert. Wenn Sie also beim Einkauf die Zutaten- bzw. Inhaltsstofflisten checken und dort Titandioxid, titanium dioxide, E171 oder CI 77891 (Kosmetika/Zahncreme) lesen, dann kaufen Sie das Produkt einfach nicht.

Wenn es Ihr Lieblingsprodukt ist, dann schreiben Sie den Hersteller an und fordern ihn auf, den Stoff zu entfernen. Wenn Ihre Tabletten Titandioxid enthalten, dann sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Alternativen. Gerne können Sie auch hier die entsprechende Pharmafirma anschreiben. Denn je höher der Druck aus der Bevölkerung, desto eher geschieht etwas.

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Ramona, Absolventin

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Quellen
  1. (1) Stella Kyriakides, Twitter
  2. (2) EFSA, Titanium dioxide: no longer considered safe as feed additive, 16. Juni 2021
  3. (3) Plusminus, ARD, 4. August 2021
  4. (4) Verbraucherzentrale, Glitzer in Lebensmitteln – Schön und gesund?, Stand 10. Dezember 2019, Webarchiv
  5. (5) Verbraucherzentrale, Glitzer in Lebensmitteln – Schön und gesund?, Stand 7. Mai 2021
  6. (6) Maurin J, EU will Farbstoff E171 verbieten: Jahrzehntelang im Essen, taz, 9. Mai 2021