Eisenpräparate sind nicht immer nötig
Viele Menschen nehmen regelmäßig Eisenpräparate - obwohl Sie gar zusätzliches Eisen brauchen würden. Nicht selten wird dabei auch noch recht hoch dosiert.
Eisenmangel ist heutzutage eine häufige und bekannte Mangelerscheinung, die mit typischen Symptomen wie körperlicher und geistiger Erschöpfung verbunden ist. Denn die roten Blutkörperchen können ohne Eisen den Organismus nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgen.
Wenn diese Symptome auftreten und ein Eisenmangel nachgewiesen wird, sind Eisenpräparate natürlich wichtig und sinnvoll. Meist kann man aber bereits mit einer gesunden vollwertigen Ernährung einem Eisenmangel zuvorkommen (viel frisches Obst und Gemüse in Kombination mit Pseudogetreide, Hülsenfrüchten, Nüssen und Saaten).
Ohne entsprechenden Bluttest aber sollten Sie keine Eisenpräparate einnehmen, da dann das Risiko für einen Eisenüberschuss und damit eventuell für schwere gesundheitliche Folgen besteht (1)
Eisenpräparate können das Immunsystem schwächen
Wenn die Eisenwerte aufgrund zu hoch dosierter Eisenpräparate immer höher steigen, dann kann dies zu einer Schwächung des Immunsystems führen.
Eine Studie zeigte, dass Eisenpräparate das gesunde Gleichgewicht der Darmflora bei Kindern negativ beeinflussen können (2). Die Eisenpräparate führten bei den Kindern dazu, dass sich schädliche Fäulnisbakterien auf Kosten nützlicher Darmbakterien vermehrten.
Da eine gesunde Darmflora die Grundlage für ein funktionierendes Immunsystem ist, kann sich ein Eisenüberschuss auf die Abwehrkräfte ungünstig auswirken.
Eisenüberschuss lässt Zellen altern
Einige weitere Studien kamen zu der Erkenntnis, dass ein Eisenüberschuss zur Produktion freier Radikale führt (4), was wiederum den Alterungsprozess unserer Zellen beschleunigt.
Eisen ist im Körper normalerweise an verschiedene Enzyme, Proteine oder Transportmoleküle gebunden und liegt - zum Schutz unserer Zellen - nicht frei im Körper vor.
Freies Eisen ist das Problem
Bei einem Eisenüberschuss sind jedoch alle Plätze an Enzymen, Proteinen oder Transportmolekülen bereits besetzt, was dazu führt, dass der Gehalt an freiem Eisen im Blut ansteigt.
Freies Eisen besitzt eine enorme Redox-Aktivität. Das bedeutet, wenn freies Eisen auf ein anderes Molekül im Körper trifft, kann es diesem Molekül ein Elektron entfernen.
So entsteht aus dem Molekül ein freies Radikal, das sich durch eine unausgeglichene Elektronenzusammensetzung, eine erhöhte Reaktivität und eine gewisse Aggressivität auszeichnet (6).
Freie Radikale sind gewissermaßen bestohlen worden und versuchen mit aller Kraft sich ein Elektron zurückholen. Trifft ein freies Radikal nun auf ein anderes Molekül, ein Protein, ein Enzym oder die Erbsubstanz, klaut es sich dort ein Elektron zurück. Dadurch entsteht an einer anderen Stelle ein freies Radikal, welches sich ebenfalls ein Elektron zurückholen möchte. Ein Teufelskreis!
Antioxidantien schützen!
Wenn sich diese Radikalbildung in Grenzen hält, kann der Körper sie durch Antioxidantien abfangen. Antioxidantien geben den bestohlenen Molekülen ihre Elektronen zurück und verhindern dadurch unkontrollierte Zellschäden.
Werden nun aber zu viele freie Radikale gebildet, sind nicht mehr genügend Antioxidantien da und es können große Schäden entstehen (3).
Eisenüberschuss - Risiko für Herzinfarkt steigt
Ein Überschuss an Eisen kann auch ein erhöhtes Herzinfarktrisiko mit sich bringen (12) (13) - besonders wenn noch andere Risikofaktoren, wie Bluthochdruck oder erhöhter Cholesterinspiegel vorliegen.
So fanden Wissenschaftler im Rahmen einer finnischen Studie mit mehr als 2000 Teilnehmern heraus, dass Männer, die regelmäßig zur Blutspende gehen und damit ihren Eisenspiegel im Blut immer wieder senken (8), seltener einen Herzinfarkt erleiden, als diejenigen, die kein Blut spenden.
Als zentraler Mechanismus gilt heute vor allem die oben genannte Redox-Aktivität des Eisens: Wenn durch freies Eisen freie Radikale entstehen, dann greifen diese verschiedene Zellstrukturen an und können insbesondere die Innenwände der Blutgefäße (Endothel) schädigen sowie zu chronischen Entzündungsprozessen beitragen.
Zudem kann Eisen die Oxidation von LDL-Cholesterin begünstigen, was wiederum die Entstehung einer Arteriosklerose fördern kann.
Eisenüberschuss allein ist zwar in der Regel kein unmittelbarer Auslöser eines Herzinfarkts, er kann aber im Zusammenspiel mit anderen Risikofaktoren zur Gefäßveränderung beitragen und damit das Risiko erhöhen.
Menstruation schützt vor Eisenüberschuss
Frauen im gebärfähigen Alter haben durch die regelmäßige Menstruation einen natürlichen Mechanismus, überschüssiges Eisen aus dem Körper auszuscheiden.
Mit jedem Blutverlust geht auch Eisen verloren, was dazu beiträgt, die Eisenspeicher und auch das Herz-Kreislauf-Risiko niedrig zu halten. Diesen natürlichen Schutz vor Herzinfarkt haben Männer nicht (10).
Nach den Wechseljahren, wenn die Menstruation ausbleibt und die Eisenspeicher im Körper ansteigen können, nähert sich das Infarktrisiko dann aber dem der Männer an.
Wie kommt es zu Eisenüberschuss?
Einerseits kann die Einnahme von Eisenpräparaten - wenn diese gar nicht erforderlich sind - zu einem Eisenüberschuss beitragen. Diese werden dann sofort abgesetzt, wenn sich ein Eisenüberschuss zeigt.
Andererseits sind es bestimmte Erkrankungen wie die Sichelzellanämie, die Thalassämie, das Myelodysplastische Syndrom oder die Hämochromatose, die sich u. a. durch eine übermäßige Speicherung von Eisen bemerkbar machen.
Die ersten drei Erkrankungen sind genetisch bedingt. Die Hämochromatose kann hingegen verschiedene Ursachen haben. Auch hier kommen Gendefekte in Frage, aber auch andere Erkrankungen oder Alkoholmissbrauch.
Eisenüberschuss natürlich beheben
Der Körper hat keine Möglichkeiten, Eisen bei vorliegendem Überschuss aktiv auszuleiten. Das heißt, übermäßig hohe Eisenspeicher werden langsam aufgebraucht, so dass man darauf achten muss, dass über die Nahrung möglichst wenig Eisen hinzukommt.
Bei Maßnahmen, die einen Eisenüberschuss reduzieren oder beheben, kommt es darauf an, aus welchen Gründen ein Eisenüberschuss besteht.
Blutspende / Aderlass
Oben wurde schon das regelmäßige Blutspenden als schützende Maßnahme genannt.
Menschen mit genetischer Hämochromatose dürfen in vielen Fällen ebenfalls Blut spenden, sofern keine Organschäden vorliegen und die Erkrankung gut kontrolliert ist.
Ob eine Spende möglich ist, hängt jedoch von den individuellen Gesundheitswerten und den Richtlinien des jeweiligen Blutspendedienstes ab.
Wenn eine Blutspende nicht möglich ist, kommt als Therapiekomponente bei genetisch bedingten Eisenspeicherkrankungen aber ohnehin der Aderlass zum Einsatz.
Lebensmittel gegen Eisenüberschuss
Bestimmte Lebensmittel können bei Eisenüberschuss den Eisenhaushalt regulieren helfen. Sie können zwar auch bei Eisenspeicherkrankheiten zum Einsatz kommen, genügen hier aber als alleinige Maßnahmen nicht.
Wenn jemand aber aufgrund einer Nahrungsergänzung zu hohe Eisenwerte hat, tragen die folgenden Lebensmittel und Tipps merklich dazu bei, dass der Wert schneller sinkt. Je nach Ausgangswert kann es dennoch Wochen bis Monate dauern, bis der Wert wieder ein gesundes Niveau erreicht hat.
Die folgenden Lebensmittel bzw. Lebensmittelbestandteile binden Eisen im Darm bzw. hemmen die Eisenaufnahme im Darm:
Polyphenole
Polyphenole aus Kaffee, Kakao und schwarzem und grünem Tee können - wenn sie zu einer eisenhaltigen Mahlzeit getrunken werden, die Eisenaufnahme aus dieser Mahlzeit deutlich senken.
Calcium
Calcium aus Milchprodukten (Milch, Joghurt, Käse), aber auch aus calciumhaltigen Nahrungsergänzungen hemmt die Aufnahme von sowohl pflanzlichem als auch tierischem Eisen - nicht stark, sondern moderat.
Wenn Sie also ohnehin Calcium einnehmen, könnten Sie es zu einer eisenhaltigen Mahlzeit nehmen. Nehmen Sie aber nicht einfach nur deshalb Calcium, weil Sie Ihren Eisenspiegel senken möchten, sondern tun Sie es nur, wenn Sie Calcium benötigen, weil Ihre Ernährung calciumarm ist.
Phytate
Phytate aus Vollkorn und Hülsenfrüchten können ohne Aufnahmeförderer (Vitamin C) gegessen werden, so dass der eisenbindende Effekt der Phytate überwiegt. In diesem Fall muss ein Brot natürlich auch keine lange Teigführung haben, da diese den Phytatgehalt reduziert.
Eisenaufnahmeförderer reduzieren
Eisenaufnahmeförderer sollten bewusst reduziert werden. Also Vitamin C nicht gemeinsam mit eisenhaltigen Lebensmitteln verzehren. Denn Vitamin C steigert die Eisenaufnahme deutlich.
Auch Alkohol kann die Eisenaufnahme fördern, daher besser kein Glas Wein zu den Mahlzeiten trinken. Organische Säuren, wie Zitronensäure und Milchsäure gelten ebenfalls als Förderer der Eisenaufnahme. Deshalb keine fermentierten Speisen, keine Zitrusfrüchte zu eisenhaltigen Lebensmitteln essen.
Tierische Eisenquellen meiden
Tierische Eisenquellen sollten bei hohen Eisenwerten am besten weggelassen werden. Denn das tierische Häm-Eisen ist besonders gut verfügbar (besonders aus rotem Fleisch und Innereien).
Kräuter und Gewürze
Mediterrane Kräuter wie Rosmarin, Salbei, Thymian, Oregano oder Gewürznelken können aufgrund ihres Polyphenolgehalts ebenfalls überschüssiges Eisen binden. Zusätzlich besitzen sie ein hohes antioxidatives Potenzial (9).
Allerdings erzielt die bindende Eigenschaft bei küchenüblichen Mengen kaum spürbare Effekte. Man müsste starke Tees aus den Kräutern trinken, die dann wieder geschmacklich eine Herausforderung sind.
Fazit: Eisenüberschuss besser vermeiden
Ein Eisenüberschuss sollte also besser vermieden werden, da freies Eisen im Körper schädliche Auswirkungen hat und das Herzinfarktrisiko erhöhen kann.
Die einfachste Maßnahme, Eisenüberschuss zu verhindern, ist das Meiden von Eisenpräparaten, wenn man keinen Bedarf hat.
Bei Eisenspeicherkrankheiten sieht die Situation anders aus, doch auch hier kann mit gut eingestelltem Therapieplan ungünstige Folgen und Risiken bestmöglich reduzieren.
Update 17.3.2026
Der Artikel wurde ergänzt und aktualisiert.