Alkohol ist schädlich für das Gehirn
Risiko für die Gesundheit

Schon 1 alkoholisches Getränk schadet dem Gehirn

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 08.07.2018
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Schon 1 alkoholisches Getränk schadet dem Gehirn
© istockphoto.com/webphotographeer

Viele Menschen geniessen das abendliche Glas Wein und glauben, dass sich dieser gemässigte Alkoholkonsum keinesfalls schädlich auf die Gesundheit auswirke. Schliesslich ist man nach einem Glas eines alkoholischen Getränks noch lange nicht betrunken. Die Konzentrationsfähigkeit ist genausowenig eingeschränkt wie das Reaktionsvermögen – so glaubt man zumindest. An vielen Stellen wird überdies suggeriert, dass ein Glas Rotwein am Tag sogar sehr gesund sei. Für das Gehirn trifft das jedoch nicht zu, wie Forscher der Universität von San Diego im März 2018 verkündeten.

Schon ein Drink ist schlecht für’s Gehirn

Jeder weiss, dass bei einem Rausch Nervenzellen im Gehirn absterben. Dass aber auch der gemässigte Alkoholkonsum dem Gehirn schaden kann, ist unbekannt. Ja, man glaubt sogar, das tägliche Glas Rotwein sei vorteilhaft für die Gesundheit, zumindest für das Herz-Kreislauf-System. Doch was nützt ein gesundes Herz, wenn es im Gehirn zu Problemen kommt?

Forscher der University of San Diego veröffentlichten im März 2018 im Online-Fachmagazin PLOS One eine Studie, derzufolge schon ein einziger Drink die Entscheidungsfähigkeit des Betreffenden deutlich beeinträchtigen kann. Man muss sich also nicht erst eine Flasche Wein zu Gemüte führen, um Auswirkungen auf das Gehirn zu erzielen. Ein einzelnes Glas genügt dazu vollkommen – mit dem Unterschied, dass man es nicht merkt und nach wie vor glaubt, der gemässigte Alkoholkonsum sei völlig harmlos.

An der kalifornischen Studie nahmen 18 junge Männer und Frauen zwischen 21 und 34 Jahren teil. Sie tranken zu gesellschaftlichen Anlässen Alkohol, was bedeutete, dass sie ein bis dreimal pro Woche jeweils 1,5 bis 4 Drinks zu sich nahmen.

Das Lebertrio

Kognitive Kontrollfähigkeit leidet unter Alkohol

Für die Studie sollten sie – unter Ablenkung – eine bestimmte Aufgabe am Computer erledigen, während man ihre „kognitive Kontrollfähigkeit“ überprüfte. Unter kognitiver Kontrolle versteht man Prozesse, die es ermöglichen, „die Informationsverarbeitung und das Verhalten von Moment zu Moment je nach aktuellen Zielen adaptiv zu variieren und nicht starr und unflexibel zu bleiben.“

Ein einfaches Beispiel: Eine Person hat sehr grossen Hunger. Auf dem Tisch steht ein Teller mit einem üppig belegten Brot. Die Person greift nicht danach, isst also nichts, setzt stattdessen Prioritäten und bringt beispielsweise erst die Kinder zur Schule, weil diese andernfalls zu spät kommen würden oder erledigt erst eine andere wichtige Aufgabe, bevor sie sich entschliesst zu essen.

Schon 1 Drink reduziert Frequenz der Thetawellen um die Hälfte

In besagter Untersuchung überprüfte man nun die Reaktionszeit und Treffsicherheit der Probanden bei einem Computertest – einmal nach einem alkoholischen Getränk und ein andermal nach einem alkoholfreien Drink (Orangensaft). Die Teilnehmer mussten auf dem Bildschirm farbige Quadrate ordnen, während zur Ablenkung ständig sog. Scheinquadrate über den Bildschirm huschten. 

Während des Tests waren die Teilnehmer an einem Magnetoenzephalographen (MEG) angeschlossen, der ihre Gehirnwellen (Beta- und Thetawellen) und damit ihre Gehirnaktivitäten aufzeichnete. Betawellen spielen eine Rolle bei der Bewegungskontrolle, Thetawellen zeigen, wie es um die Entscheidungsfähigkeit bestellt ist.

Es zeigte sich, dass ein einzelner Drink die Betawellen nicht sonderlich zu verändern schien. Bei den Thetawellen jedoch kam es zu einer Reduzierung der Frequenz. Sie war nur noch halb so hoch wie jene in der Orangensaftgruppe. Die Alkoholgruppe schnitt bei der Aufgabe zudem schlechter ab, obwohl ihre Reaktionszeit noch nicht verlangsamt war.

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Entscheidungsfähigkeit nimmt ab

Die Forscher gaben bekannt, dass nur ein einziger alkoholischer Drink die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, beeinträchtigen kann, obwohl man sich dessen nicht bewusst ist. Da die Bewegungskontrolle nicht eingeschränkt ist, man sich also keinesfalls betrunken oder beschwipst fühlt, glaubt man trügerischerweise, man sei im Vollbesitz seiner kognitiven Fähigkeiten, was aber nicht der Fall ist und unternimmt Aktivitäten, die nun unter Alkoholeinfluss nicht so sicher, klar und umfassend ausgeführt werden können als ohne Alkohol im Blut und Gehirn.

Auch nach nur 1 Drink besser nicht mehr Autofahren

„Beim Autofahren beispielsweise”, so Studienautorin und Psychologin Lauren Beaton, „agieren wir oft automatisch und ohne viel nachzudenken. In brenzligen Situationen aber sollte man in der Lage sein, diese Automatisierung zu überwinden und dank der kognitiven Kontrolle die Situation flexibel lösen zu können. Steht der Fahrer jedoch unter Alkoholeinfluss, dann sind die erforderlichen schnellen Entscheidungen nicht mehr möglich.“

Man sollte also auch nach nur einem Drink nicht mehr Auto fahren. Genauso sollte man andere Aktivitäten, die eine sichere und flexible Entscheidungsfähigkeit erfordern, nicht nach dem Feierabendbierchen oder dem abendlichen Glas Wein erledigen.

Wie überdies schon ein täglicher Drink zur Entstehung einer Leberzirrhose beitragen kann, lesen Sie hier: Leberzirrhose nach nur einem Drink pro Tag. Alkohol ist also generell eine schlechte Idee – auch in kleinen Mengen – sowohl im Hinblick auf die Gesundheit als auch im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns.

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