Risiko für die Gesundheit

Viele Medikamente schaden der Lunge

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 01.11.2018
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Viele Medikamente schaden der Lunge
© gettyimage.de/MJ_Prototype

Lungenkrankheiten nehmen immer weiter zu – und nur selten kennt man die Ursache. In einer umfassenden Studie vom Oktober 2018 entdeckten Forscher nun, dass viele Medikamente, die routinemässig verordnet werden, ganz massiv die Lungen schädigen können. Es handelt sich dabei um Arzneimittel, die zur Behandlung von Herzproblemen, Arthritis und Krebs eingesetzt werden. Und da gerade diese drei Gesundheitsprobleme sehr viele Menschen betreffen, sind auch viele Patienten von den lungenschädigenden Nebenwirkungen der entsprechenden Medikamente betroffen.

Medikamente können Lungenkrankheiten verursachen

Lungenerkrankungen greifen in unserer Zeit immer weiter um sich. Oft ist das Rauchen ein Grund dafür. Immer öfter erkranken jedoch auch Nichtraucher. Die Ursachen sind meist unbekannt.

In einem systematischen Review (einer Übersichtsarbeit) untersuchten Forscher von mehreren Universitäten des Vereinigten Königreiches in Zusammenarbeit mit zwei Forschungseinrichtungen 27 Medikamente und ihre Auswirkungen auf die Lungengesundheit.

Es zeigte sich, dass viele Medikamente, die routinemässig bei Herz- und Gelenkbeschwerden oder auch bei Krebs verordnet werden, die Lungen so schädigen können, dass sich die sog. medikamentenbedingte interstitielle Lungenerkrankung entwickelt (engl. Abkürzung DIILD für drug-induced interstitial lung disease).

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Lungenschädigende Medikamente werden häufig verordnet

Die interstitielle Lungenerkrankung beschreibt eine Gruppe verschiedener Lungenerkrankungen, wobei nicht wie bei der COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) die Bronchien betroffen sind, sondern die Lungenbläschen. Es kommt zu einer entzündlichen Veränderung des Lungengewebes. Auch die Lungenfibrose gehört dazu. Man leidet an eher unspezifischen Symptomen, die bei allen Lungenerkrankungen auftreten: insbesondere an chronischem Husten und Luftnot.

Im Journal of Clinical Medicine schrieben die Forscher rund um Lungenfachärztin Dr. Nazia Chaudhuri, dass Medikamente mehr Menschen lungenkrank machten als bisher angenommen. Es handelt sich also um eine Nebenwirkung, die öfter auftritt als vermutet. Dies deshalb, weil die entsprechenden Medikamente sehr häufig verordnet werden, etwa gegen Herzbeschwerden oder Arthritis und damit gegen Krankheiten, die sehr weit verbreitet sind.

„Ärzte sollten sich der möglichen lungenschädlichen Wirkungen vieler Medikamente bewusst sein”, sagt Chaudhuri.

„Gerade neue Arzneimittel stellen hier ein stark unterschätztes Problem dar. Man sollte daher Methoden entwickeln, um diese Nebenwirkungen vorab erkennen zu können, bevor sie Schaden anrichten.”

27 Medikamente mit starken Nebenwirkungen

Die Forscher analysierten die Daten von 6.200 Patienten aus 156 wissenschaftlichen Arbeiten, um zu sehen, wie Medikamente die Lungengesundheit beeinträchtigen können. Besonders tragisch ist, dass sich die genannten Lungenkrankheiten unter Medikamenteneinnahme oft schleichend über viele Jahre hinweg entwickeln, ohne dass man sofort an ein ernstes Gesundheitsproblem denken würde. Das bedeutet auch, dass Nebenwirkungen oft erst Jahre nach der Zulassung des Medikaments zutage treten.

Die 27 Medikamente, die zur Entwicklung von chronischen Lungenerkrankungen beitragen könnten, sind die folgenden:

  • Bleomycin (Antibiotikum bei Krebs)
  • Gemcitabin (Chemotherapie bei Krebs)
  • Erlotinib (Lungen- und Pankreaskrebs)
  • Gefitinib (Bronchialkarzinom)
  • Panitumumab (Darmkrebs)
  • Cetuximab (Darmkrebs)
  • Everolimus (Krebs)
  • Temsirolimus (Nierenkrebs)
  • Sirolimus (Immunsuppressivum, etwa nach Organtransplantationen)
  • Ipilimumab (Hautkrebs)
  • Nivolumab (Lungen- und Hautkrebs)
  • Pembrolizumab (verschiedene Tumoren)
  • Atezolizumab (Krebs)
  • Avelumab (Krebs)
  • Durvalumab (Krebs)
  • Irinotecan (Darmkrebs)
  • Pemetrexed (Krebs, palliative Chemotherapie)
  • Methotrexat (Krebs, Autoimmunerkrankungen, Rheuma)
  • Infliximab (Autoimmunerkrankungen wie z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, rheumatoide Arthritis etc.)
  • Etanercept (Rheuma, Psoriasis)
  • Adalimumab (Autoimmunerkrankungen wie z. B. Morbus Crohn, Psoriasis rheumatoide Arthritis etc.)
  • Golimumab (chronisch entzündliche Darmerkrankungen, rheumatoide Arthritis)
  • Leflunomid (Immunsuppressivum bei Rheuma)
  • Amiodaron (Herzrhythmusstörungen)
  • Nitrofurantoin (Antibiotikum gegen Harnwegsinfekte)
  • Distamycin (Antibiotikum bei Krebs)
  • Carbamazepin (Antikonvulsivum gegen Epilepsie, auch bei psychiatrischen Erkrankungen)
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Millionen Betroffene weltweit

Weltweit werden jährlich zwischen 4,1 und 12,4 Millionen DIILD-Diagnosen gestellt. Die Sterblichkeitsrate ist mit mehr als 50 Prozent hoch. Oft erhalten DIILD-Patienten Steroide (Cortison), obwohl die Sinnhaftigkeit ihres Einsatzes bei diesen Erkrankungen umstritten ist.

„Das Thema Nebenwirkungen ist in diesem Bereich noch nicht gut erforscht“, sagt Professor John Waterton, Co-Autor der Studie. „Doch können wir sagen, dass die Nebenwirkungen der genannten Medikamente auf die Lungen weiter verbreitet sind als gedacht. Da so viele Menschen von diesen Nebenwirkungen betroffen sind, müssen wir dafür sorgen, dass Schäden der Lungen infolge der Medikamenteneinnahme so bald wie möglich erkannt werden.“

Aufmerksam bleiben – Nebenwirkungen vorbeugen

Ärzte sollten daher den Gesundheitszustand ihrer Patienten bei der Einnahme kritischer Medikamente oder besser aller Medikamente genau im Auge behalten und stets an mögliche Nebenwirkungen denken.

Wenn Sie selbst eines dieser Medikamente oder generell Medikamente nehmen müssen, bleiben Sie skeptisch, melden Sie Nebenwirkungen sofort Ihrem Arzt, ganz gleich wie gering diese zunächst scheinen sollten. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob es verträglichere Alternativen gibt. Holen Sie bei ernsthaften Erkrankungen immer auch eine Zweitmeinung ein, gerne auch eine Drittmeinung von einem ganzheitlich tätigen Therapeuten und denken Sie an ganzheitliche Massnahmen, die Ihre Beschwerden lindern können und die Sie oft problemlos zu Hause umsetzen können. Informationen dazu finden Sie hier: Krank – Was tun?

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