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Die neun Schein-Argumente der Fleischesser

Die neun Schein-Argumente der Fleischesser

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(Zentrum der Gesundheit) – Für Fleischverzehr gibt es keine überzeugenden Argumente. Ein internationales Forscherteam untersuchte kürzlich, mit welchen Argumenten Fleischliebhaber ihren Fleischverzehr zu verteidigen suchen. Sie stiessen dabei immer wieder auf dieselben vier Begründungen. Wir stellen diese vier und noch fünf weitere Gründe der Fleischesser vor und zeigen aus einem ganz anderen Blickwinkel: Es gibt keinen Grund für Fleischverzehr.

Warum essen Sie Fleisch?

Warum essen Sie Fleisch? Diese Frage stellten Wissenschaftler der psychologischen Fakultät der Lancaster University 192 Erwachsenen (u. a. Studenten), die gerne Fleisch assen.

Im Fachjournal Appetite wurden die Ergebnisse im August 2015 unter dem Titel "Rationalising Meat Consumption. The 4 Ns" veröffentlicht.

Die Forscher rund um Dr. Jared Piazza untersuchten dabei die psychologischen Mechanismen, die bei Menschen anspringen, wenn sie versuchen, ihren Fleischverzehr zu rechtfertigen, obwohl sie tief im Innern wissen, dass dies weder aus ethischen noch aus ökologischen Gründen in Ordnung ist und es daher besser wäre, weniger oder gar kein Fleisch mehr zu essen.

Dr. Piazza spricht vom Fleisch-Paradoxon, wenn er diesen Konflikt der Fleischesser beschreibt.

Wie erwartet, hatten die befragten Fleischesser keinen einzigen überzeugenden Grund für ihren Fleischverzehr parat. Ihre Argumente beschränkten sich bei bis zu 91 Prozent der Befragten auf die vier üblichen Scheinargumente, die man im englischen Sprachraum inzwischen als die vier Ns bezeichnet: Natural, Necessary, Normal, Nice (zu Deutsch: natürlich, notwendig, normal, lecker/angenehm)

Die 4 N-Argumente für Fleischverzehr

Dr. Piazza sagte:

“Die 4 Ns sind eine weit verbreitete Strategie der Fleischesser, mit der sie Schuldgefühle zu zerstreuen suchen, die sie andernfalls beim Verzehr tierischer Produkte empfinden würden.“

1. Natural: Ich esse Fleisch, weil Fleisch die natürliche Nahrung des Menschen ist und dies schon immer war. Der Mensch ist natürlicherweise ein Allesesser.

2. Necessary: Ich esse Fleisch, weil Fleisch notwendig, ja lebenswichtig ist. Es versorgt mich mit essentiellen Nährstoffen.

3. Normal: Ich esse Fleisch, weil Fleisch für mich normal ist. Ich bin damit aufgewachsen und bin es gewöhnt, Fleisch zu essen.

4. Nice: Ich esse Fleisch, weil Fleisch essen Spass macht und Fleisch einfach lecker ist.

Fleisch schmeckt – Alles andere ist Ablenkung

Vermutlich ist Argument 4 für die meisten Fleischesser der Hauptgrund, wenn nicht gar der einzige Grund, warum sie Fleisch essen. Alle anderen Argumente dienen lediglich der Tarnung. Man versucht also, den Fleischverzehr irgendwie ein bisschen wissenschaftlich zu begründen und so von der eigenen moralischen Verwerflichkeit abzulenken – so Dr. Piazzas Analyse.

Allerdings geschieht all das meist eher unbewusst. Kaum ein Fleischesser würde je zugeben, sein Handeln bzw. Essen sei moralisch verwerflich – nicht einmal sich selbst gegenüber.

Ethische Kriterien bei der Lebensmittelauswahl gibt es für viele Fleischesser nicht

Leute, die ihren Fleischverzehr mit den 4 Ns rechtfertigen, haben überdies laut Dr. Piazza gewisse Charaktermerkmale gemein, die sie eindeutig von vegetarisch lebenden Menschen unterscheidet. So degradieren sie Tiere beispielsweise gerne zu "Sachen“ und trauen ihnen auch sehr viel weniger mentale Fähigkeiten zu, als das Vegetarier tun.

Ethische Kriterien bei der Lebensmittelauswahl kommen bei ihnen kaum zur Anwendung und sie denken eher selten daran, sich in irgendeiner Weise für Tierrechte oder Tierschutz einzusetzen. Es sei denn, es handelt sich um das eigene Heimtier.

Tiere zum Kuscheln und Tiere zum Essen: Ein grosser Unterschied

Bei Heimtieren gelten bei nahezu allen Tierhaltern unter den Fleischessern ganz andere Regeln und man tut so, als sei das Zwergkaninchen des Kindes etwas völlig anderes als der Hasenbraten, der sonntags auf dem Tisch steht. Auch der eigene Hund oder die eigene Katze scheinen nach Ansicht dieser Menschen nichts mit jenen Tieren zu tun zu haben, die sie täglich essen.

Während für Hund und Katze alles getan wird, um ihnen ein möglichst angenehmes und langes Leben zu ermöglichen, interessiert es kein bisschen, wie es Kuh, Schwein und Henne in der Massentierhaltung ergeht.

Damit dieses seltsame und inkonsequente Verhalten nicht weiter auffällt, redet man sich und anderen immer wieder die 4 Ns ein, um weiter einer Ernährungsweise frönen zu können, die in der heutigen Zeit – zumindest in der modernen Welt – ihren Zenit längst überschritten hat.

Auch das ist Fleischessern – ebenfalls eher unterbewusst – längst klar. Daher wird von ihnen oft schon die blosse Gegenwart eines vegetarisch oder vegan lebenden Menschen als eine Art moralischer Vorwurf empfunden, so Dr. Piazza. Und auch wenn der Veganer kein Sterbenswörtchen über das Thema verliert, wird von Seiten der Fleischesser keine Gelegenheit ausgelassen, sich – meist belustigend – über die vegetarische oder vegane Ernährungsweise auszulassen.

Die 4 Ns: Nur Scheinargumente für Fleischverzehr

Die 4 Ns können übrigens schnell ad acta gelegt werden. Sie können die Nachteile des Fleischverzehrs nicht annähernd kompensieren. Stellen Sie sich die 4 Ns wie eine Feder auf der Pro-Seite der Fleischverzehr-Waage vor, während die Contra-Seite von mehreren Frachtschiffladungen mit Stahlträgern in die Tiefe gezogen wird.

Was also gibt es zu den 4 Ns zu sagen? Da es sich über Geschmack – das vierte N – nicht streiten lässt und das dritte N nichts weiter aussagt, als dass der Betreffende offenbar im Rad seiner anerzogenen Gewohnheiten feststeckt, ohne sich je Gedanken darüber gemacht zu haben, gehen wir nachfolgend nur auf die ersten beiden Ns näher ein:

Natürlicher Fleischverzehr sieht anders aus

1. Natural: Es mag durchaus sein, dass Fleisch in alten Zeiten zur natürlichen Nahrung des Menschen gehört hatte. Auch ist der Mensch tatsächlich ein Allesesser.

Es ist jedoch eher davon auszugehen, dass der Urmensch als hauptsächlicher Sammler – wann immer möglich – auf leicht zu beschaffende Nahrung zurückgegriffen hat: Auf Früchte, Wildpflanzen, Wurzeln, Blätter, aber auch auf Eier, Insekten, Maden, Schnecken etc. All das ist bedeutend ungefährlicher, als sich den Gefahren einer Grosswildjagd auszusetzen.

Der moderne Mensch will also unbedingt so essen wie sein Vorfahre in grauer Urzeit, aber Insekten, Maden & Co. kommen seltsamerweise nicht in Frage.

Und selbst wenn der Urmensch – was die Fleischversorgung angeht – ausschliesslich von Mammutsteak, Hirschfilet und Elchgulasch gelebt haben sollte, so dürfte dieses Fleisch von deutlich anderer Qualität gewesen sein als das, was heute im Allgemeinen im Handel ist. Auf Wild – das noch am ehesten als ursprünglich gelten könnte – greifen jedoch die wenigsten modernen Fleischesser zurück.

Und das Fleisch sog. alter Haustierrassen ist wenig gefragt, da es in der Ära des Billigwahns zu teuer ist und überdies sein Fettgehalt den Diätbesessenen zu hoch ist.

Interessant ist daher, dass immerzu nur jene Aspekte des urzeitlichen Lebens Vorbildfunktion einnehmen dürfen, die in das Bild der eigenen Gewohnheiten passen. Denn in Höhlen ohne Heizung leben all die Fleischesser ja nicht. Auch Auto, Smartphone und Computer will niemand missen, obwohl es all das in der Urzeit nicht gab und daher auch nicht zum "Paleo“-Stil passt.

Inzwischen zeigen überdies moderne Analysemethoden urzeitlichen Zahnsteins, dass unsere Ahnen bevorzugt Pflanzenkost zu sich genommen hatten und somit der derzeitige Paleo-Hype mit viel Fleisch kein archäologisch-wissenschaftliches Fundament aufweist – wie Archäologin Dr. Christina Warinner hier ausführlich erklärt: Paleo-Ernährung – Trend ohne wissenschaftliches Fundament

Auch wird das Tier selbstverständlich nicht mehr selbst geschlachtet. Kaum noch jemand hat heute das nötige Know-how dazu, von der erforderlichen Überwindung ganz zu schweigen. Stattdessen greift man gedankenlos zum anonymisierten und hygienisch abgepackten Stück Fleisch, das ohne jeden Aufwand im Supermarkt in Minutenschnelle und zum Spottpreis gekauft werden kann. Von Jagd – wie in der Urzeit üblich – keine Spur mehr.

Zur natürlichen Kost des Urmenschen gehörten überdies reichlich Wildpflanzen. Davon aber wollen gerade die leidenschaftlichsten Fleischesser so gut wie gar nichts wissen, denn ihr (durch Fleisch) so weit entwickeltes Gehirn (siehe Argument 9) signalisiert ihnen, dass es sich hierbei um "Kaninchenfutter“ handeln muss.

Zuletzt eine Frage, die in diesem Zusammenhang besonders wichtig ist: Wenn etwas über Jahrmillionen getan wurde, bedeutet dies, dass es so bleiben muss und wir es auch weiter tun müssen? Bedeutet es, dass wir uns nicht ändern und auch nicht weiter entwickeln dürfen? In fast allen anderen Bereichen des Lebens unterscheiden wir uns längst von den Ahnen. Warum muss am Fleischverzehr fest gehalten werden? Zumal Fleisch nachweislich nicht lebenswichtig ist.

Fleisch ist weder notwendig noch lebenswichtig

2. Necessary: Noch immer glauben viele Menschen, Fleisch sei lebenswichtig. Dabei zeigen Millionen Vegetarier weltweit, dass dies nicht der Fall ist. Und zahlreiche vegetarisch und vegan lebende Sportler zeigen, dass es offenbar ganz andere Kraftquellen gibt.

Während die meisten Fleischesser zu diesem zweiten N-Argument nicht wirklich viel sagen können, ausser dass im Fleisch unglaublich tolles Eiweiss enthalten ist, zählen die wissenschaftlich Interessierten unter ihnen noch weitere ernährungsphysiologische Eigenschaften auf, die im Fleisch verborgen sein sollen:

Gleich nach dem Eiweiss werden Eisen, Zink und Vitamin B12 genannt. Eisen und Zink sei in Fleisch in höherer Bioverfügbarkeit enthalten als in pflanzlichen Lebensmitteln – so heisst es – da in letzteren (z. B. in Getreide und Hülsenfrüchten) die sog. Phytinsäure die Bioverfügbarkeit dieser Mineralstoffe reduzieren soll.

Fast alles ist richtig: Fleisch enthält zweifelsohne tolles Eiweiss, denn es ist bekanntlich ein Stück aus einem perfekten Tierkörper, das da auf dem Teller liegt. Ein Tierkörper jedoch ist uns in Sachen Eiweisszusammensetzung selbstverständlich sehr viel ähnlicher als ein Salatblatt, eine Nuss oder eine Himbeere.

Da jedoch der perfekte Tierkörper auf dem Teller aus nichts anderem entstanden ist als Pflanzenkost, dürfte es einleuchtend sein, dass dies auch uns gelingen müsste. Und so weiss man heute, dass eine rein pflanzliche Ernährung wunderbar mit Eiweiss versorgt und Eiweissmängel wirklich nur dann auftauchen, wenn jemand – wie in Ländern mit Hungersnöten üblich – beispielsweise nur von Hirsebrei oder nur von Polenta leben würde oder schlicht gar nichts zu essen hat.

Auch Eisen und Zink ist im Fleisch enthalten – jedoch nicht in höheren Mengen als in guten pflanzlichen Eisen- und Zinkquellen. Es sei denn, man würde ausschliesslich auf Innereien zurückgreifen, was heutzutage sowieso kaum noch jemand tut und mag.

Was die bessere Bioverfügbarkeit besagter Mineralstoffe im Fleisch betrifft, so ist diese nicht der Rede wert. Denn erstens treten Eisenmängel bzw. Anämien auch bei Fleischessern recht häufig auf, zweitens wurde bei Untersuchungen festgestellt, dass Vegetarier gleich hohe Zinkspiegel aufweisen wie Fleischesser und drittens erhöht Vitamin C die Eisenaufnahme so gut und kompensiert die vermeintlich resorptionshemmende Wirkung der Phytinsäure so umfassend, dass damit die angeblich schlechtere Bioverfügbarkeit der Mineralien aus Pflanzenkost aufgehoben wird. Gleichzeitig ist eine vegetarische/vegane Kost automatisch sehr Vitamin-C-reich, so dass es nicht einmal einer grösseren geistigen Anstrengung oder besonderer Kochkünste bedarf, diesen Effekt für sich zu nutzen.

Vitamin B12 ist – nach offizieller Auffassung – ausschliesslich in tierischen Lebensmitteln zu finden. Ob dies tatsächlich so ist, bleibt abzuwarten, da immer mehr Veganer mit den unterschiedlichsten pflanzlichen Lebensmitteln experimentieren, um rein vegane B12-Quellen ausfindig zu machen. Sobald wir hierzu nähere Informationen haben, wird es einen ausführlichen Artikel dazu geben.

Grundsätzlich ist es jedoch so, dass es noch nie eine rein vegane Ernährung gab. Erst in der modernen ultrahygienischen Welt ist dies möglich geworden. Denn abgesehen von Mammut, Ei und Schnecke assen unsere Ahnen selbst mit der Pflanzenkost immer auch reichlich Vitamin-B12-haltige Kleinstlebewesen. Auf Beeren sitzen kleine Käferchen, in Wurzeln stecken kleine Maden etc. Heute jedoch kommen solche Lebensmittel selbstverständlich gar nicht mehr erst in den Handel – und die hundertprozentige vegane Ernährung kann praktiziert werden.

Da B12-Supplemente jedoch weder teuer noch schwierig einzunehmen sind und vom B12 nur wenige Mikrogramm täglich nötig sind, ist auch dieses Vitamin kein Grund für Fleisch.

Selbst Vitamin K2, das zwar auch, aber eher selten im Zusammenhang mit der "Notwendigkeit“ von Fleisch genannt wird, ist kein Grund für Fleisch, da Vegetarier und Veganer keinerlei Vitamin-K2-Mangel-Symptome aufweisen.

Abgesehen von den 4 Ns und den Ergebnissen von Piazzas Studie gibt es natürlich noch weitere Argumente, die angeführt werden, wenn Fleischverzehr verteidigt werden soll.

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Argument 5: Tiere essen doch auch Fleisch

Besonders interessant ist, wie das fehlende Mitgefühl für die Fleisch liefernden Tiere erklärt wird.

Oft wird angeführt, dass es in der Natur so üblich sei, keine emotionalen Regungen zu zeigen, schon gar nicht, wenn es ums Essen geht. Immerhin habe man noch keinen Löwen gesehen, der heulend die eben gerissene Antilope verspeiste oder vor Trauer und Gewissensbisse gleich ganz den Appetit verlor.

Es ist kaum zu glauben: Doch wird hier tatsächlich die Tierwelt zum Vorbild genommen. Man orientiert sich an einem Tier, um sein eigenes Verhalten zu rechtfertigen. An einem Tier! Und das, wo man als Mensch doch gerade den Tieren so überlegen sein will! Immer wieder wird betont, dass der Mensch als Krone der Schöpfung über dem Tier steht.

Schliesslich ist es der Mensch, der mit Gehirn, Verstand und Intelligenz gesegnet ist, während die arme Tierwelt rein instinktgesteuert durchs Leben wankt.

Und nun stellt sich der Allesesser-Mensch plötzlich höchst freiwillig auf dieselbe Stufe mit instinktgesteuerten Wesen – und zwar nicht nur, was das fehlende Mitgefühl angeht. Auch der Fleischverzehr an sich wird mit der Existenz fleischfressender Tiere begründet: Tiere essen doch auch Fleisch.

Oder die Sache mit der Nahrungskette kommt ins Spiel:

Argument 6: Der Mensch steht an der Spitze der Nahrungskette

Der Mensch stehe nun einmal am Ende der Nahrungskette, heisst es oft so schön und dürfe daher alles essen, was da kreucht und fleucht.

Auch das scheint nicht wirklich durchdacht zu sein. Denn wer dies glaubt, kann auf einer Safari im Raubtiergehege gerne einmal ausprobieren, wer hier am Ende der Nahrungskette steht.

Argument 7: Naturvölker essen auch Fleisch

Ähnlich irritierend sind die Hinweise auf schamanische Lehren, von denen man "viel über Naturverehrung, rituelles Töten, Respekt für alle Lebewesen“ lernen könne. Alle Lebewesen seien eingebunden in den Zyklus von Fressen und Gefressenwerden, erklärt Christian Rätsch, der laut eigener Aussage viele Jahre lang bei Schamanen gelebt hat.

In aller Ruhe von Fressen und Gefressenwerden kann jedoch nur jener reden, der sicher ist, dass da niemand kommt und ihn frisst – einfach deshalb, weil alle, die es könnten, längst ausgerottet oder eingesperrt sind.

Auch ist es dem Opfer vermutlich einerlei, ob es rituell oder nicht rituell getötet wird. Ein möglichst schneller Tod oder noch besser: Ohne jeden Ritus leben, wäre ihm vermutlich das Allerliebste.

Weiter argumentiert Rätsch ganz im Sinne der Schamanen: "Alles was wir essen – ganz gleich ob Pflanzen oder Tiere – müssen wir töten. Nur durch den Tod anderer Lebewesen können wir leben.“

Argument 8: Pflanzen müssen auch getötet werden

Ja, das stimmt. Doch weiss jeder, dass die Zahl der getöteten Pflanzen steigt, wenn man sie zunächst dazu einsetzen muss, um ein Tier damit zu mästen. Man geht von etwa 15 Kilogramm Getreide aus, das pro Kilogramm Fleisch erforderlich ist. Würde man den Tieren ihre artgerechte Grünnahrung zukommen lassen, wären es noch mehr Pflanzen pro Kilogramm Fleisch.

Ein Kilogramm Fleisch macht vielleicht zwei Tage satt, 15 Kilogramm Getreide sättigen sicher einen Monat lang. Die pflanzliche Ernährung ist folglich jene, die das Leid geringstmöglich hält.

Nichtsdestotrotz sah in der einstigen Welt der Schamanen das Leben und Überleben der Menschen sicher ganz anders aus. Und wenn Naturvölker frei lebende Tiere für ihr Überleben töten, dann wird kaum jemand ein solches Verhalten mit der Qual von Milliarden von Tieren vergleichen können, die allein für den Genuss eines Luxusvolkes ein Leben lang leiden und ohne jeden Respekt sterben müssen.

Und auch hier stellt sich dieselbe Frage wie schon weiter oben bei der Nachahmung der Urzeit-Lebensweise: Warum wird aus dem Leben der Naturvölker und Schamanen nur der empfohlene Fleischverzehr übernommen? Warum nicht auch deren TV-Abstinenz oder deren Leben in der Natur ohne Toilette und ohne Badezimmer?

Argument 9: Erst Fleisch sorgte für die so spezielle Entwicklung unseres Gehirns

Ein immer beliebter werdendes Argument ist auch dieses. Denn ohne Fleisch – so die Meinung mancher Forscher – wäre unser Gehirn das eines Menschenaffen geblieben. (Manchmal heisst es auch, ohne Kochkost.) Ob sich das Gehirn des Menschen jedoch nicht auch ohne Fleisch (und ohne Kochkost) in seiner speziellen Weise entwickelt hätte, wie dies mit Fleisch (und mit Hilfe des Kochtopfs) geschah, vermag niemand zu beurteilen.

Wer hindert uns jedoch daran, dieses wie auch immer entstandene so wundervolle Gehirn auch zu benutzen? Und zu erkennen, dass die Ära des Fleischverzehrs zu Ende geht, ja, dass sie zu Ende gehen muss, wenn uns die Erde am Herzen liegt und wir auch nur ein klein wenig an jene zu denken vermögen, die nach uns den Planeten bevölkern werden. Denn kaum eine menschliche Gewohnheit führt zu einer so starken ökologischen Belastung, Klimabeeinträchtigung und Umweltzerstörung wie der Fleischverzehr – und das ohne jede Notwendigkeit

Unser grossartiges Gehirn lässt uns überdies wissen, dass die Zeit nie still steht, dass Evolution immer weiter voran schreitet und dass sich mit ihr auch die Menschen ändern – langsam aber sicher. Sie entwickeln sich weg von jener Spezies, die nur deshalb Fleisch isst, weil es die Ahnen taten, weil es so schön den Gaumen kitzelt, weil es so gut duftet, weil es so schnell zuzubereiten ist… hin zu Menschen, die tatsächlich anders sind als instinktgesteuerte Wesen. Menschen mit Mitgefühl für alle Geschöpfe dieser Erde. Menschen mit Weitsicht, Menschen, die bewusst ihr Leben gestalten und sich bewusst dafür entscheiden, dass für ihre Existenz weder Tiere sterben noch der gesamte Planet zu leiden hat.

Mögen alle Wesen glücklich sein!

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