Ashwagandha - Wie wirkt die Heilpflanze?
- Ashwagandha ist eine vielseitig eingesetzte Heilpflanze aus dem Ayurveda, bei der vor allem die Wurzel verwendet wird.
- Besonders bekannt ist die Pflanze für ihre beruhigenden, ausgleichenden und stressreduzierenden (adaptogenen) Eigenschaften, weshalb sie häufig bei Stress, innerer Unruhe, Angstzuständen und Schlafproblemen eingesetzt wird.
- Darüber hinaus werden Ashwagandha weitere positive Effekte zugeschrieben, etwa auf Konzentration, Hormonhaushalt, Energielevel und allgemeines Wohlbefinden.
- Bei der Anwendung kommt es auf Qualität, passende Dosierung und individuelle Verträglichkeit an. Nicht für jede Person ist die Einnahme geeignet.
Ashwagandha, die schlafbringende Pflanze
Ashwagandha (Withania somnifera) ist eine Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse - ein kleiner Strauch mit ovalen Blättern und kleinen orange-roten Beeren. Heimisch ist er vor allem in Indien, Nordafrika und dem Nahen Osten, ist aber mittlerweile in vielen tropischen und subtropischen Gebieten zu finden, z. B. in Afrika, Spanien, Griechenland, auf den Kanaren und der arabischen Halbinsel.
Der Name Ashwagandha kommt aus dem Sanskrit und bedeutet soviel wie: Geruch des Pferdes, da die Wurzeln stark nach Pferd duften. Im deutschsprachigen Raum wird die Pflanze auch Schlafbeere, Winterkirsche oder „Indischer Ginseng“ genannt.
Besonders der Begriff Schlafbeere ist dabei interessant. Er weist bereits auf die Wirkung hin und greift auch die Bedeutung des botanischen Namens der Pflanze auf. Denn darin steckt das Wort somnifera. Es kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „schlafbringend“ (somnus = Schlaf, ferre = bringen). Und genau das ist auch das Haupteinsatzgebiet von Ashwagandha: Schlafstörungen und innere Unruhe.
Auch der Schlafmohn trägt in seiner botanischen Bezeichnung das lateinische "schlafbringend". Er heißt Papaver somniferum.
Eine der bedeutendsten Heilpflanzen aus dem Ayurveda
Ashwagandha ist eine der bedeutendsten Heilpflanzen in der ayurvedischen Medizin. Dort gilt sie als Rasayana (Verjüngungsmittel) (1).
Trotz ihres Namens (Schlafbeere) werden nicht die auffälligen Früchte der Pflanze genutzt, sondern vor allem die Wurzeln und gelegentlich auch die Blätter. Denn hier sind die wertvollen Wirkstoffe enthalten - die Withanolide. Sie gehören zur Klasse der Steroidlactone und stellen die bisher am besten erforschten Wirkstoffe in Ashwagandha dar.
Dabei gibt es nicht nur ein einzelnes Withanolid, sondern mindestens 40 verschiedene, die man bisher in Pflanzen der Gattung Withania identifizieren konnte. Des Weiteren finden sich in der Schlafbeere u. a. Alkaloide, Tannine und Flavonoide.
In der modernen Naturheilkunde werden vor allem Wurzelextrakte eingesetzt. Traditionell wurde hingegen einfach die getrocknete und pulverisierte Wurzel verwendet. Erhältlich ist heute beides: Extrakte und das natürliche Wurzelpulver.
Verwechslungsgefahr: Ashwagandha und Physalis
Die Früchte der Schlafbeere ähneln stark den Früchten der Physalis peruviana (Andenbeere, Kapstachelbeere), die ebenfalls zu den Nachtschattengewächsen gehört. (Blätter, Blüten und Wuchsform beider Pflanzen unterscheiden sich jedoch beträchtlich!).
Die Beeren beider Pflanzen können jedoch unter Umständen verwechselt werden. Sie werden beide von einer papiernen Hülle umgeben (die getrockneten Blütenblätter, die die Beeren umschließen). Ja, manchmal wird die Schlafbeere sogar Physalis somnifera genannt, was noch deutlicher auf die nahe Verwandtschaft hinweist.
Allerdings sind die Beeren der Schlafbeere nicht genießbar. Während die Physalis im reifen Zustand erfrischend süß schmeckt, sind die Ashwagandha-Beeren sehr bitter und in größeren Mengen aufgrund ihres Alkaloidgehaltes giftig.
Gegessen werden sie daher schon allein wegen des unangenehmen Geschmackes nicht. Doch kann man sie dank ihres hohen Saponingehaltes zur Seifenherstellung nutzen. Für naturheilkundlich Interessierte sind aber die Wirkungen und Anwendungsgebiete der Wurzel natürlich viel spannender:
Wie wirkt Ashwagandha?
In einer Übersichtsarbeit des Los Angeles College of Chiropractic aus dem Jahr 2000 werden zahlreiche Wirkungen und Eigenschaften von Ashwagandha (5) aufgelistet:
- Die Pflanze gilt als schlaffördernd und angstlösend.
- Sie hat eine Anti-Stress-Wirkung.
- Sie wirkt immunmodulierend und antioxidativ.
- Sie fördert die Blutbildung.
- Sie gilt als entzündungshemmend.
- Sie ist ein Rasayana, also eine Anti-Aging-Pflanze (erhöht den DHEA-Spiegel, ein Anti-Aging-Hormon).
- Sie kann den Hormonhaushalt günstig beeinflussen.
- Sie ist gut für das Herz-Lungen-System und das zentrale Nervensystem.
- Auch werden ihr Anti-Demenz- und Anti-Krebs-Eigenschaften nachgesagt.
Hinweis: Für viele der genannten Wirkungen und Anwendungsbereiche reicht laut NCCIH die klinische Evidenz derzeit aber nicht aus. Man hat sie in Labor- und Tierstudien oder in nur kleinen Humanstudien beobachtet, die dem offiziellen Anspruch nicht genügen. Das NCCIH ist die US-amerikanische Bundesbehörde, die sich der wissenschaftlichen Erforschung von komplementären und integrativen Gesundheitsansätzen widmet.
Um aber großangelegte Studien durchzuführen, stehen gar nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung - denn Ashwagandha ist "nur" ein Nahrungsergänzungsmittel und kein Pharmaprodukt.
Gegen Stress
Im Ayurveda wird Ashwagandha seit etlichen tausend Jahren bei zahlreichen Leiden eingesetzt, etwa bei Schlaflosigkeit, Angstzuständen, Gelenkschmerzen, Fruchtbarkeitsproblemen und Impotenz, aber auch zur Verbesserung der Hirnleistung und zur Stimmungsaufhellung.
Wegen ihrer Fähigkeit, die Stressresistenz zu erhöhen, zählt die Schlafbeere zu den sog. Adaptogenen. Der Begriff steht für Heilpflanzen, die stressresistenter machen, was bedeutet, dass unter ihrer Einwirkung Stress die Gesundheit nicht mehr so stark angreifen kann. Weitere Adaptogene sind z. B. Rhodiola rosea oder auch der Ginseng.
Senkt den Stresshormonspiegel
Cortisol ist ein wichtiges Stresshormon, dessen Spiegel bei anhaltenden Stressbelastungen chronisch erhöht bleiben und so der Gesundheit schaden kann.
Folgen eines zu hohen Cortisolspiegels können Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Reizdarmsymptome, depressive Verstimmungen bis hin zu Angststörungen, erhöhte Schmerzempfindlichkeit und vieles mehr sein. Sogar ein Diabetes kann sich entwickeln, wenn der Stress einfach nicht mehr nachlässt.
Ashwagandha ist ein adaptogenes Kraut, das Stress abbaut und das Nervensystem stärkt. Kombiniert mit Meditation, verbessert es Entspannung, geistige Klarheit und emotionales Gleichgewicht für optimale Gesundheit und Wohlbefinden.
In einer Studie aus dem Jahr 2012 erhielten 64 Teilnehmer zweimal täglich je 300 mg eines Wurzelextraktes oder ein Placebopräparat. Nach zwei Monaten war der Cortisolspiegel in der Ashwagandha-Gruppe signifikant gesunken (um 30 Prozent). In der Placebogruppe nicht.
Auch das subjektive Stressempfinden sank in dieser Gruppe um 64 Prozent. Genauso nahmen Angstzustände und Schlaflosigkeit (13) um fast 70 Prozent ab.
Die Schlafbeere könnte daher auch begleitend bei der Neigung zu Panikattacken oder der posttraumatischen Belastungsstörung PTBS eingesetzt werden.
Cortisolspiegel sinkt, Anti-Stress-Hormon DHEA steigt
In einer weiteren placebokontrollierten Doppelblindstudie von 2008 überprüfte man die Wirkung des Wurzelextraktes bei chronisch gestressten Personen (10). Man teilte die 130 Patienten in vier Gruppen auf:
- Gruppe1 erhielt 1-mal täglich 125 mg Ashwagandha-Extrakt
- Gruppe 2 erhielt 2-mal täglich 125 mg
- Gruppe 3 erhielt 2-mal täglich 250 mg
- Gruppe 4 erhielt ein Placebo
Die Einnahmedauer betrug 60 Tage. Die Stresswerte der Probanden wurden vor Beginn der Studie, in der Mitte der Studie (Tag 30) und zum Ende der Studie gemessen.
Bereits die kleine einmal täglich eingenommene Ashwagandha-Dosis konnte in Gruppe 1 im Vergleich zum Placebo die typischen Stressparameter wie Blutdruck, Pulsgeschwindigkeit und Cortisollevel signifikant senken.
Der Cortisollevel fiel in Gruppe 1 um 14 Prozent, in Gruppe 2 um 24 Prozent und in Gruppe 3 um 30 Prozent. In der Placebogruppe stieg er um 4,4 Prozent.
Gleichzeitig stieg der DHEA-Spiegel um 32 Prozent in den Gruppen 2 und 3 und um 13 Prozent in Gruppe 1 (in der Placebogruppe fiel er um 10 Prozent).
DHEA gilt als Anti-Stress- und Anti-Aging-Hormon. DHEA ist der Gegenspieler von Cortisol. Steigt der Cortisolspiegel, sinkt der DHEA-Spiegel und umgekehrt. Verfügt man über einen gesunden DHEA-Spiegel, ist man stresstoleranter bzw. stressresistenter. Da im Laufe des Lebens der Cortisolspiegel altersbedingt steigt und der DHEA-Spiegel sinkt, sind Maßnahmen zur Steigerung des DHEA-Spiegels ein wichtiger Punkt in jedem Stressmanagement.
Auch der CRP-Wert, der bei Stress erhöht sein kann und ein Hinweis für chronische Entzündungen im Körper ist, sank in den Aswhagandha-Gruppen. Genauso die VLDL- und LDL-Cholesterinwerte sowie die Triglyceride (Blutfette), während das HDL-Cholesterin leicht stieg. In der Placebogruppe verschlechterten sich diese Werte sogar noch.
Achtsam dosieren - aber zu geringe Dosen vermeiden
Je höher die Ashwagandha-Dosis war, die von den Teilnehmern eingenommen wurde, umso deutlicher waren die positiven Veränderungen zu erkennen – und zwar nicht nur in Bezug auf die genannten Werte, sondern auch in Bezug auf die typischen Stresssymptome (Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen, Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, Zittern, Schwitzen, Mundtrockenheit, Schlaflosigkeit).
Sie alle verbesserten sich dosisabhängig in den Gruppen 1 bis 3, während sie in der Placebogruppe größtenteils unverändert blieben.
Die üblicherweise empfohlene Dosierung von 2-mal täglich 300 mg (hier waren es 2-mal täglich 250 mg) hat sich also auch in dieser Studie als optimal bestätigt.
Unterstützend bei Angstzuständen
In Versuchen mit Ratten zeigte sich schon im Jahr 2000, dass der Wurzelextrakt nach bereits 5 Tagen bei den kleinen Nagern eine vergleichbare angstlösende Wirkung zeigte wie die üblichen Medikamente (z. B. Lorazepam (ein Benzodiazepin)).
Im selben Jahr erschien eine Humanstudie, in der die beruhigende Wirkung der Schlafbeere (9) am Menschen untersucht wurde. In der sechswöchigen placebokontrollierten Doppelblindstudie erhielten 39 Teilnehmer mit Angststörungen zweimal täglich entweder einen Extrakt (250 mg pro Gabe) oder ein Placebo.
88 Prozent der Teilnehmer in der Ashwagandha-Gruppe berichteten von einer signifikanten Verbesserung ihrer Symptome gegenüber nur 50 Prozent in der Placebogruppe. Nebenwirkungen gab es keine.
Im Jahr 2009 erschien eine 12-wöchige kanadische Studie vom Canadian College of Naturopathic Medicine in Toronto, die mit 75 Probanden durchgeführt wurde. Sie alle litten an Angststörungen (11).
Die Hälfte der Teilnehmer (Gruppe 1) erhielt eine ganzheitliche Therapie aus Ernährungsberatung, Atementspannungsübungen, Multivitaminpräparaten und zweimal täglich jeweils 300 mg Ashwagandha-Wurzelextrakt (mit einem Withanolidgehalt von 1,5 Prozent, entspricht 9 mg Withanoliden pro Tag).
Die andere Hälfte der Teilnehmer (Gruppe 2) erhielt Psychotherapie, Atementspannungsübungen sowie ein Placeboprodukt (statt Ashwagandha).
In Gruppe 1 gingen die Beschwerden um 56,5 Prozent zurück, in Gruppe 2 immerhin um 30,5 Prozent. Zu den Beschwerden zählten u. a. Hitzegefühle, Kribbeln, Benommenheit, Zittern, Angst vor dem Tod, Angst vor Kontrollverlust, Angst, dass jeden Augenblick etwas Schreckliches passieren könnte, Probleme beim Atmen, Ruhelosigkeit, Nervosität, Unsicherheit, Unfähigkeit zu entspannen etc.
Außerdem verbesserten sich in Gruppe 1 auch andere Merkmale, etwa die Konzentrationsfähigkeit, Tagesmüdigkeit und der Energielevel etc.
Bei Schlaflosigkeit
Stress, Angstzustände und Schlafstörungen sind aus dem modernen Leben gar nicht mehr wegzudenken, gehören jedoch gleichzeitig zu den wichtigen Mitverursachern der unterschiedlichsten Erkrankungen. Entsprechende Medikamente (Angstlöser, Schlafmittel) bleiben selten ohne Nebenwirkung, so dass sich viele Menschen auf die Suche nach pflanzlichen Mitteln begeben. Ashwagandha ist eines dieser Mittel.
Die erste placebokontrollierte Doppelblindstudie, in der ein verschiedene Ashwagandha-Wurzelextrakte gegen u. a. Schlaflosigkeit eingesetzt wurde (23) stammt aus dem Jahr 2019.
60 gestresste Frauen und Männer nahmen teil (die auf der PSS-Stressskala mehr als 20 Punkte erreichten (PSS, Perceived Stress Scale)) und erhielten über 8 Wochen hinweg zweimal täglich je 125 mg oder 300 mg Extrakt oder ein Placebo.
In den beiden Extrakt-Gruppen sanken die Werte auf der PSS-Skala deutlich, die Cortisolspiegel sanken und – im Vergleich zur Placebogruppe – berichteten die Extrakt-Probanden von einer merklichen Verbesserung ihrer Schlafqualität.
Ebenfalls aus 2019 stammt eine Untersuchung, in der die Auswirkungen von zweimal täglich 300 mg Wurzelextrakt (oder Placebo) auf die Schlafqualität der Probanden überprüft wurde (24).
In der Extrakt-Gruppe konnten die Teilnehmer nach 10 Wochen viel schneller einschlafen, sie hatten insgesamt einen erholsameren Schlaf und wachten zwischendurch auch viel seltener auf.
Eine ebenfalls placebokontrollierte Doppelblindstudie aus 2020 beginnt mit einem Lob in den höchsten Tönen: Ashwagandha sei ein exzellentes Adaptogen, das seit uralten Zeiten im Ayurveda zur allgemeinen Verbesserung des Wohlbefindens, aber auch bei konkreten Krankheiten eingesetzt werde, u. a. auch in der Geriatrie (bei älteren Menschen).
12 Wochen lang gab man älteren Menschen zwischen 65 und 80 Jahren einen entsprechenden Wurzelextrakt (600 mg pro Tag) oder ein Placebo. In der Extrakt-Gruppe verbesserte sich die Schlafqualität deutlich, so dass die gesamte Lebensqualität eine Steigerung erfuhr (25).
Im August 2020 erschien eine Studie mit 150 Personen, die unter einem nicht-erholsamem Schlaf litten (28).
Sie erhielten 6 Wochen lang einmal täglich 120 mg eines standardisierten Ashwagandha-Extrakts (Shoden®).
Die Schlafqualität besserte sich um 72 Prozent; in der Placebo-Gruppe nur um 29 Prozent.
In der Extrakt-Gruppe verkürzte sich die Einschlafzeit; die Erholsamkeit des Schlafs nahm zu, genauso die Gesamtschlafzeit und die Schlafzeit bis zum ersten Aufwachen. Nebenwirkungen traten keine auf.
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Bei hohem Blutdruck
Alle oben genannten Wirkungen deuten bereits darauf hin, dass Ashwagandha eine Heilpflanze gegen zu hohen Blutdruck sein könnte. Denn ein hoher Stresshormonspiegel, Angstzustände und Schlafstörungen können zu Bluthochdruck beitragen. Wenn eine Pflanze nun hier gegensteuert, behebt sie diese häufigen Mitursachen von Bluthochdruck.
In einer Studie von 2012 untersuchte man, ob ein Wurzelpulver aus der Schlafbeere bei Bluthochdruck helfen könnte (26). 51 Personen zwischen 40 und 70 Jahren, die alle an stressmitbedingtem Bluthochdruck litten, wurden in zwei Gruppen eingeteilt.
Die eine erhielt 2 g des Pulvers in Milch (Gruppe 1), die andere erhielt es in Wasser (Gruppe 2) - jeweils am Morgen. Drei Monate lang wurde nun der Blutdruck überprüft. (Eine Kontrollgruppe ohne Ashwagandha gab es leider nicht).
Der systolische Blutdruck sank nur in Gruppe 1 (Milch) signifikant von 164 auf 158 mmHg, während der diastolische Blutdruck in beiden Gruppen sank - von 100 auf 85 mmHg in der Milch-Gruppe und von 101 auf 92 mmHg in der Wasser-Gruppe.
Da der Blutdruck in der Milch-Gruppe besser sank, empfiehlt man im Ayurveda bei Bluthochdruck die Einnahme der Schlafbeere mit Milch. Da Milch (Vollmilch) insbesondere etwas Fett, Eiweiß und Zucker sowie Calcium liefert, könnte man auch eine pflanzliche Milchkombination wählen, die diese Eigenschaften zeigt, z. B. mit Calcium angereicherte Reis- oder Hafermilch gemischt mit Sojamilch.
Wenn Sie bereits blutdrucksenkende Medikamente nehmen, besprechen Sie die Einnahme von Ashwagandha mit Ihrem Arzt. Andernfalls könnte Ihr Blutdruck u. U. zu stark sinken.
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Für Gehirn und Gedächtnis
Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Ashwagandha auch die Gehirnleistung und das Gedächtnis verbessern kann, was in Zeiten der zunehmenden Demenzerkrankungen von großer Bedeutung sein könnte.
Versuche an Ratten zeigten bereits im Jahr 2013, dass die Pflanze Gedächtnisstörungen verbessern und auch – unter Stress – die Gehirnleistungen steigern kann.
In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie von 2014 nahmen 20 Männer 14 Tage lang zweimal täglich je 250 mg eines Wurzelextrakts ein. Im Vergleich zur Placebogruppe verbesserten sich die kognitiven Fähigkeiten der Probanden (20) in verschiedenen Tests signifikant, z. B. ihre Reaktionszeit.
Drei Jahre später zeigte sich, dass die Schlafbeere bei bereits leichter Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten das Gedächtnis, die Reaktionszeit, die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung und die Aufmerksamkeit signifikant verbessern konnte.
Die Probanden hatten in dieser Studie 8 Wochen lang zweimal täglich 300 mg eines Extraktes eingenommen.
Eine weitere ayurvedische Heilpflanze zur Verbesserung der Gedächtnisleistung ist Brahmi, das kleine Fettblatt. Brahmi verbessert die Gedächtnisleistung, erhöht die Konzentration und fördert die Regeneration der Nervenzellen im Gehirn, so dass diese wieder zügiger Informationen verarbeiten können.
Die Pflanze wird meist in Form von hochwertigen und hochdosierten Kapseln mit Brahmi-Extrakt eingenommen.
Bei Schizophrenie
Auch Schizophreniepatienten könnten von der Schlafbeere profitieren, wie eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie mit 64 Schizophreniepatienten an der Universität in Pittsburgh ergab. Die Patienten nahmen 12 Wochen lang täglich 1000 mg Wurzelextrakt oder ein Placebo.
In der Extrakt-Gruppe sanken die Entzündungsmarker (14), während sie in der Placebogruppe stiegen. Signifikant waren die Veränderungen jedoch nicht.
Bedeutsam hingegen war die Verbesserung der Schizophreniesymptome und des Stresslevels der Patienten, was beides in der Placebogruppe nicht beobachtet werden konnte. In der Extrakt-Gruppe kam es gelegentlich zu Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit und dünnem Stuhl.
Bei anderen psychischen Störungen, wie z. B. Zwangsstörungen, kann die Schlafbeere ebenfalls ein Teil der Therapie sein.
Bei Schilddrüsenunterfunktion
Häufig wird Ashwagandha in der Naturheilkunde bei einer Schilddrüsenunterfunktion empfohlen. Details dazu beschreiben wir in unserem Artikel über die Schilddrüsenunterfunktion natürlich behandeln.
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion leidet man häufig an Erschöpfung und Müdigkeit, so dass man möglicherweise skeptisch ist, ausgerechnet die Schlafbeere einzunehmen. Diese jedoch sorgt eher für einen guten Schlaf, nicht aber zu Tagesmüdigkeit.
Da die Schilddrüsenunterfunktion auch die Folge u. a. einer stressbedingten Überlastung sein kann, ist Ashwagandha als Adaptogen hier ein Versuch wert, da die Pflanze gerade die stressbedingte Erschöpfung wie z.B. Burnout lindern kann. Gleichzeitig soll sie die Schilddrüsenhormonproduktion ankurbeln, was jedoch – wie so häufig – wissenschaftlich noch nicht hundertprozentig abgesegnet ist.
Mäusestudien Ende der 1990er Jahre zeigten, dass die Schlafbeere die Schilddrüsenhormonwerte (T3 und T4) der Tiere erhöhte. Allerdings hatten die Tiere hohe Dosen per Magensonde erhalten.
Klinische Studie: T4-Wert steigt
In einer klinischen Studie aus den USA aus dem Jahr 2014 wollte man eigentlich die Wirkung der Schlafbeere bei bipolarer Störung testen (21). Lediglich am Rande überprüfte man auch die Schilddrüsenwerte der 60 Teilnehmer.
Zu Beginn der Studie hatte man bei 10 der Teilnehmer abnormale Schilddrüsenwerte festgestellt, drei davon in der Ashwagandha-Gruppe, sieben aus der Placebogruppe.
Nach der Ashwagandha-Kur war bei allen drei Probanden der T4-Spiegel gestiegen. Einer davon hatte zuvor an einer Unterfunktion gelitten, die sich nun normalisiert hatte. Bei sechs der sieben Probanden aus der Placebogruppe hingegen nahm der T4-Wert sogar ab, beim siebten entwickelte sich sogar eine Unterfunktion.
Klinische Studie: T3 und T4 steigen; T3 sogar um über 40 Prozent
In einer indischen Pilotstudie aus 2018 ergab sich dagegen ein eindeutigeres Bild: Die 50 Teilnehmer im Alter von 18 bis 50 Jahren, litten alle an einer Schilddrüsenunterfunktion und erhielten über 8 Wochen hinweg entweder 600 mg Ashwagandha-Extrakt oder ein Placeboprodukt. Die Unterfunktion war subklinisch, was bedeutet, dass die Teilnehmer noch keine Symptome hatten und auch kein L-Thyroxin genommen hatten.
Die Schilddrüsenhormone T3 und T4 erhöhten sich in der Ashwagandha-Gruppe um 41,5 Prozent (T3) und um 19,6 Prozent (T4). Der TSH-Wert - der bei einer Unterfunktion meist erhöht ist - konnte um 17,5 Prozent gesenkt werden, was auf eine Aktivierung der Schilddrüse hinweist (22).
Informationen zur Anwendung und Dosierung der Schlafbeere bei Schilddrüsenunterfunktion lesen Sie bitte im oben angegebenen Schilddrüsenartikel (er heißt Schilddrüsenunterfunktion natürlich behandeln).
Lesen Sie auch den Abschnitt weiter unten mit der Überschrift: Warum Ashwagandha bei Schilddrüsenstörungen offiziell nicht empfohlen wird.
Bei Hashimoto
Ganz unten unter "Wer bei Ashwagandha vorsichtig sein sollte" schreiben wir, dass man mit der Einnahme der Schlafbeere bei Autoimmunerkrankungen vorsichtig sein sollte.
Hashimoto geht nun zwar mit einer Schilddrüsenunterfunktion einher, so dass man denken könnte, die Pflanze sei auch bei Hashimoto geeignet. Denn auch Hashimoto geht mit einer Unterfunktion einher. Allerdings besteht ein Unterschied zwischen einer hashimotobedingten Unterfunktion und einer Unterfunktion ohne Hashimoto.
Bei Hashimoto gibt es immer wieder auch Überfunktionssphasen, in denen Ashwagandha diese dann u. U. noch fördern könnte. Auch fürchtet man, dass die Wurzel das Immunsystem stimulieren könnte, was bei den Autoimmunprozessen einer Hashimoto vermieden werden sollte.
Gleichzeitig gilt die Schlafbeere als Adaptogen, also als pflanzliches Mittel, das die Stressresistenz erhöht - und genau Stressreaktionen fördern Hashimoto. Die Pflanze wird häufig auch eher als immunmodulierend bezeichnet, so dass sie das Immunsystem eher regulieren als stimulieren könnte. Zusätzlich gilt sie als entzündungshemmend und antioxidativ, was bei einer entzündlichen Erkrankung natürlich gut wäre.
Da es keine konkrete Studien zu Ashwagandha bei Hashimoto gibt, kann man jedoch leider nicht sagen kann, welche Seite nun überwiegt - die hilfreiche oder die weniger hilfreiche. Wir würden daher bei Hashimoto keine Experimente durchführen. Dies ist auch nicht nötig. Denn es gibt viele andere naturheilkundliche Maßnahmen, die bei der Erkrankung sicher sind. Lesen Sie gern dazu unseren Artikel Hashimoto - Ursachen, Symptome und ganzheitliche Wege.
Bei Kniegelenkschmerzen
Im Ayurveda wird Ashwagandha häufig bei Gelenkproblemen eingesetzt, z. B. im Zusammenhang mit Arthrose. Dies prüfte man in einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie aus dem Jahr 2016. Teilnehmer waren 60 Personen, die seit mindestens sechs Monaten an Schmerzen im Kniegelenk litten.
Sie erhielten nun zwölf Wochen lang 2-mal täglich jeweils 125 mg oder 250 mg eines standardisierten Extrakts (Sensoril®) oder ein Placebo. Der Extrakt enthielt mindestens 10 % Withanolide. Die Tagesdosen entsprachen somit mindestens 25 beziehungsweise 50 mg Withanoliden.
Im Vergleich zur Placebogruppe verbesserten sich Schmerzen, Steifigkeit und die Gelenkfunktion in beiden Ashwagandha-Gruppen. Die höhere Dosierung zeigte die stärkere Wirkung (19).
Bei erhöhten Blutfett- und Blutzuckerwerten
An der Sardar Patel University in Indien hat man im Jahr 2007 an Ratten eine cholesterinsenkende und antioxidative Wirkung nach Gabe eines Wurzelpulvers aus der Schlafbeere festgestellt.
Die Gabe von entweder 0,75 g oder 1,5 g des Extraktes pro Tag führte zu einer signifikanten Verbesserung der Blutfettwerte (Gesamtcholesterin sank, Triglyceride ebenfalls, während das HDL-Cholesterin stieg).
Eine indische Studie von 2012 bestätigte diese Wirkung (6) an 18 menschlichen Probanden (6), denen man nach einer anfänglichen 20-tägigen Phase der langsamen Dosissteigerung (jeweils 10 Tage lang 750 mg, dann 1000 mg) schließlich 10 Tage lang jeweils 1250 mg eines Ashwagandha-Extraktes gab. Nebenwirkungen gab es so gut wie keine.
In einer weiteren Untersuchung ein Jahr später zeigte sich an 30 Patienten, die vier Wochen lang dreimal täglich jeweils 400 mg Extrakt oder ein Placebo erhielten, dass der Extrakt den Triglyceridspiegel und auch den Nüchternblutglucose-Wert merklich senken konnte (7).
Bei Diabetes
Bei den obigen Studien wurden jeweils gesunde Probanden eingesetzt, während man in einer Studieaus dem Jahr 2000 bei tatsächlichen Diabetes-Typ-2-Patienten die Wirkung der Schlafbeere auf den Blutzuckerspiegel überprüfte (8).
Nach 30-tägiger Gabe eines entsprechenden Wurzelpulvers (3 g pro Tag) stellte man sodann eine Senkung des Blutzuckers um 12 % fest (durchschnittlich von 206 mg/dl vor der Studie auf 182 mg/dl nach 30 Tagen).
In der Kontrollgruppe hatten die Patienten ein antidiabetisches Medikament erhalten, das denselben Effekt hatte.
Ashwagandha und Krebs
Zu einer möglichen krebshemmenden Wirkung von Ashwagandha gibt es bisher nur Tierversuche oder In-vitro-Studien. Dabei hat sich gezeigt, dass die Schlafbeere die Apoptose einleiten kann (Selbstmord der Krebszellen) sowie bei Eierstockkrebs, Brustkrebs, Lungenkrebs, Darmkrebs sowie Hirntumoren das Krebszellwachstum hemmt. Dies trifft offenbar auch auf Prostatakrebs zu, so ein Review von 2021.
In einer Rattenstudie von 2013 konnte die Pflanze die Zahl und Größe von hormonrezeptorpositiven Brusttumoren reduzieren.
In einem Mäuseversuch zeigten die isolierten Wirkstoffe aus Ashwagandha bei Mäusen mit Eierstocktumoren eine bis zu 80-prozentige Reduktion des Tumorwachstums. Auch konnte eine Streuung in andere Organe vermindert werden.
Ashwagandha für Männer
Die Schlafbeere hält für Männer ganz spezifische Wirkungen bereit. Extrakte oder auch das Pulver aus der Schlafbeere sind bei männlicher Unfruchtbarkeit offenbar eine empfehlenswerte Nahrungsergänzung.
Denn die Pflanze kann - wie schon oben gezeigt wurde - den Hormonhaushalt positiv beeinflussen, und zwar nicht nur in Sachen DHEA und Cortisol, sondern auch in Bezug auf den Testosteronspiegel. Wir stellen dazu sechs Studien vor:
Studien 1: Spermien werden beweglicher
Zusätzlich kann sie die Spermienzahl und auch die Spermienbeweglichkeit verbessern (15) – so eine Studie aus dem Jahr 2010 mit 150 Männern, wovon die Hälfte unfruchtbar war.
In der Untersuchung erhöhten sich im Sperma der unfruchtbaren Männer dank der Schlafbeere sogar die antioxidativen Enzyme und die Spiegel der Vitamine A, C und E, so dass die Samenzellen nun besser vor oxidativen Schäden geschützt waren.
Studie 2: Testosteron steigt
Die Behandlung mit der Pflanze erhöhte ferner den LH-Spiegel. Das LH (Luteinisierende Hormon) regt wiederum die Testosteronbildung an, so dass mit steigendem LH-Spiegel auch der Testosteronspiegel stieg.
Gleichzeitig sank der Prolaktinspiegel – ein gutes Zeichen, da ein erhöhter Prolaktinspiegel die Bildung von LH und Testosteron hemmen kann. Die Ashwagandha-Dosierung und Einnahmedauer wurden leider nicht angegeben.
Es eignen sich jedoch offenbar sowohl das Wurzelpulver als auch ein Extrakt, wie die drei folgenden Studien zeigen:
Studie 3: Täglich 5 g Wurzelpulver bessern Spermienqualität
In einer Studie zur Unfruchtbarkeit bei Männern erhielten die Teilnehmer drei Monate lang täglich 5 g eines Pulvers aus der Schlafbeere. Auch hier besserten sich die Spermienqualität und die Hormonwerte (16).
Studie 4: Täglich 700 mg Extrakt erhöht Spermienanzahl
Gab man unfruchtbaren Männern täglich knapp 700 mg eines Extrakts (ebenfalls drei Monate lang, auf drei Dosen pro Tag verteilt), erhöhte sich die Spermienanzahl (17) um 167 Prozent, das Samenvolumen stieg um 53 Prozent und die Spermienmotilität um 57 Prozent.
Studie 5: Täglich 5 g Wurzelpulver verbessert Hormonhaushalt
In einer weiteren Studie litten 60 männliche Probanden an Unfruchtbarkeit, darunter waren 20 Raucher, bei 20 vermutete man eine stressbedingte Unfruchtbarkeit und bei weiteren 20 kannte man die Ursache nicht.
Allerdings konnte Ashwagandha (5 g Pulver pro Tag) nach 3 Monaten den Hormonhaushalt in allen drei Gruppen sehr gut beeinflussen. Der Testosteronspiegel stieg (12), ebenso der LH-Spiegel, während der Cortisolspiegel sank. Bei immerhin 14 Prozent der Männer stellte sich in diesem Zeitraum eine Schwangerschaft bei der Partnerin ein.
Studie 6: DHEA- und Testosteronspiegel steigen
Schon oben hatte sich also gezeigt, dass die Schlafbeere den Testosteronspiegel erhöhen kann und u. a. so die männliche Fruchtbarkeit erhöht. Eine australische Studie von 2019, randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert, widmete sich erneut dem Testosteronspiegel.
Es ergab sich, dass die Pflanze den DHEA- und Testosteronspiegel erhöhen kann – und zwar auch bei Probanden, die übergewichtig oder gar fettleibig waren und über Erschöpfungszustände sowie einen geringen Energielevel klagten.
Nach 8 Wochen mit der täglichen Einnahme eines Extraktes, der in dieser Tagesdosis 21 mg Withanolide enthielt, war der DHEA-Spiegel um 18 Prozent im Vergleich zur Placebogruppe gestiegen (18), der Testosteronspiegel um 17,7 Prozent.
Ashwagandha in den Wechseljahren
Auch in den Wechseljahren kann Ashwagandha hilfreich sein (27). Ende 2021 erschien eine randomisierte placebokontrollierte Doppelblindstudie mit Frauen in der Perimenopause (Phase vor der letzten Regelblutung). Die 100 indischen Teilnehmerinnen litten an Wechseljahresbeschwerden und nahmen 8 Wochen lang entweder zweimal täglich je 300 mg Extrakt oder ein Placebopräparat.
In der Extrakt-Gruppe besserten sich nicht nur die Beschwerden deutlich - sowohl die psychischen als auch die körperlichen - auch der Hormonspiegel veränderte sich.
Durch die Schlafbeere stieg der Östrogenspiegel wieder, während die Spiegel der beiden Hormone FSH und LH, die in den Wechseljahren stark steigen, wieder sanken. In der Placebogruppe wurden keine entsprechenden Veränderungen beobachtet. Der Testosteronspiegel blieb in beiden Gruppen unverändert.
Die Heilpflanze kann somit auch eine sichere und wirksame Option bei milden bis gemäßigten Wechseljahresbeschwerden sein (27), schrieben die Wissenschaftler in ihrer Schlussfolgerung.
Worauf Sie beim Kauf von Ashwagandha achten sollten
Wenn Sie Ashwagandha probieren möchten und auf der Suche nach einem hochwertigen Produkt sind, achten Sie beim Kauf auf Bio-Qualität, um eine mögliche Pestizidbelastung zu vermeiden.
Die Pflanze ist in Form der getrockneten und gemahlenen Wurzel erhältlich. Diese gibt es als loses Pulver oder abgefüllt in Kapseln oder gepresst zu Tabletten.
Wurzelpulver
Beim Pulver werden die konkreten Wirkstoffgehalte im Allgemeinen nicht angegeben, da diese - im Vergleich zu Extrakten - nicht standardisiert sind und die Wirkstoffmengen von Charge zu Charge schwanken können.
Wurzelextrakte
Zusätzlich gibt es Wurzelextrakte. Sie enthalten die Ashwagandha-typischen Wirkstoffe in hoher Konzentration und sind daher häufig auch wirksamer als das Pulver. Ideal sind Tabletten oder Kapseln à 300 mg, da diese Dosis (zweimal täglich) auch in den meisten der oben vorgestellten Studien eingesetzt wurde.
Bei manchen Präparaten ist der Withanolidgehalt in Prozent oder mg angegeben, z. B. 5 Prozent bzw. 15 - 30 mg Withanolide pro Tagesdosis. Ist der Gehalt nicht angegeben, fragen Sie vor dem Kauf beim Hersteller/Händler nach.
Was ist KSM-66?
KSM-66 ist ein standardisierter Vollspektrum-Extrakt aus der Wurzel, hergestellt durch ein spezielles, patentiertes Extraktionsverfahren (wasserbasiert, ohne Alkohol oder chemische Lösungsmittel) und mit einem standardisierten Gehalt von mindestens 5 % Withanoliden.
* Hier finden Sie Bio-Ashwagandha in Kapseln (KSM-66) - mit 600 mg pro Tagesdosis (300 mg pro Kapsel) - 2-mal täglich 1 Kapsel.
Wie Sie Ashwagandha dosieren können
Vom Ashwagandha-Pulver wird häufig die Dosierung von zweimal täglich jeweils 2 bis 4 g genannt, die man nach Bedarf anpassen kann.
Von Extrakten wird in Studien meist täglich so viel eingesetzt, dass eine Tagesdosis von 8 - 30 mg Withanolide erreicht wird.
Beginnen Sie mit einer niedrigen Dosis und testen Sie erst, wie Sie Ashwagandha vertragen.
Wenn Sie nur schwache Beschwerden haben, genügt u. U. das reine Pflanzenpulver. Liegen stärkere Beschwerden vor, kann es sein, dass Extrakte sinnvoller sind, die aber auch schneller zu einer zu starken Wirkung führen können, was bedeutet, dass man sorgfältig – in Absprache mit einem naturheilkundlich versierten Arzt – dosieren sollte, besser mit kleineren Dosen startet und die Reaktionen des Körpers genau beobachtet.
Bei der Anwendung von Ashwagandha ist Geduld erforderlich, da etliche Wochen bis Monate vergehen können, bis sich eine Wirkung einstellt. Manchmal tritt die Wirkung aber auch schon nach wenigen Tagen ein.
Hinweis: Da sich Ashwagandha-Produkte hinsichtlich ihrer Extraktionsverfahren und Zusammensetzung unterscheiden und keine allgemein anerkannte therapeutische Standarddosierung für alle Anwendungsgebiete besteht, gibt es keine universelle Dosis. Man muss also immer individuell vorgehen.
Welche Dosierung gilt als sicher?
Die Sicherheit von Ashwagandha bzw. die sichere Dosierung wurde nicht nur in Tierstudien geprüft, sondern war immer auch in Studien am Menschen Thema.
1000 mg über 4 Wochen
Eine Studie von 2024 untersuchte bei 18 gesunden Männern 2-mal täglich je 500 mg Wurzelextrakt über vier Wochen. Das Präparat hieß Witholytin®, enthielt mindestens 1,5 % Withanolide, also mindestens 15 mg Withanolide pro Tag (31).
600 mg über 8 Wochen
In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie von 2021 beispielsweise erhielten 80 gesunde Frauen und Männer entweder acht Wochen lang 2-mal täglich je 300 mg Wurzelextrakt (KSM-66) oder ein Placebo (2). KSM-66 ist auf 5 % Withanolide standardisiert, liefert also in der genannten Menge 30 mg Withanolide pro Tag.
400 mg über 6 Monate
In einer weiteren placebokontrollierten Doppelblindstudie, veröffentlicht Ende 2025, nahmen 40 Personen sechs Monate lang 2-mal täglich je 200 mg Wurzelextrakt oder ein Placebo ein. Das Präparat hieß LongeFera™ und enthielt mindestens 2,5 % Withanolide, also 10 mg Withanolide pro Tag (32).
In allen drei Studien hieß es, man habe keine unerwünschten Wirkungen und keine relevanten nachteiligen Veränderungen der untersuchten Sicherheitswerte festgestellt (Organfunktionen, Blutwerte etc.).
Fazit: Kurweise einnehmen, hohe Dosen kurz, niedrige Dosen auch etwas länger
Das bedeutet, dass niedrige Extraktdosen mehrere Monate (400 mg über 6 Monate), mittlere Dosierungen mehrere Wochen (600 mg über 8 Wochen) und hohe Dosierungen über wenige Wochen (1000 mg über 4 Wochen) als verträglich und sicher gelten.
Die Ergebnisse beziehen sich aber natürlich auf die in den jeweiligen Studien eingesetzten Präparate. Die übliche Dosierung jedoch von 2-mal täglich je 300 mg in Form von KSM-66 über eine Kur von 8 Wochen dürfte somit ideal und sicher sein. KSM-66 ist problemlos im Handel erhältlich.
Ausnahmen - siehe weiter unten unter "Wer Ashwagandha nicht oder mit Vorsicht nehmen sollte" und "Warum Ashwagandha bei Schilddrüsenstörungen nicht empfohlen wird".
Wie Sie Ashwagandha am besten einnehmen
Ashwagandha-Extrakt nimmt man mit viel Flüssigkeit ein. Das Pulver rührt man am besten in Wasser oder Fruchtsäfte. Es kann aber auch in Smoothies oder Müslis gegeben werden.
Nimmt man Ashwagandha - ob Extrakt oder Pulver - zu einer Mahlzeit, könnte die Wirkung geringer ausfallen bzw. länger auf sich warten lassen. Daher wird meist empfohlen, es eine Stunde vor den Mahlzeiten oder zwei Stunden danach einzunehmen.
Die Tageszeit spielt weniger eine Rolle. Gerade bei chronischen Beschwerden ist es wichtig, für eine regelmäßige Einnahme zu sorgen, etwa zweimal täglich morgens und abends.
Auf diese Weise kann man tagsüber auf die adaptogene (vor Stress schützende) Wirkung zählen und nachts auf die schlaffördernde Wirkung.
Oft ist es ferner das Beste, auf die Reaktionen des eigenen Körpers zu achten. Sollten Sie nach der Einnahme der Schlafbeere am Morgen müde werden, nehmen Sie es nur noch am Abend ein.
Wenn eine abendliche Einnahme kurz vor dem Schlafengehen für einen erholsamen Schlaf nicht genügt, dann nehmen Sie das Präparat etwas früher, evtl. schon am Nachmittag.
Eine äußerst genussvolle Möglichkeit, die Schlafbeere einzunehmen, ist der nachfolgend beschriebene Trunk. Er enthält jedoch das reine Pulver, also keinen Extrakt und hat daher meist nur eine milde Wirkung:
Der ayurvedische Schlaftrunk mit Ashwagandha
Für den Ashwagandha-Drink - der auch als ayurvedischer Schlaftrunk bekannt ist - benötigen Sie das Wurzelpulver der Pflanze (1 TL pro 250 ml Hafermilch), ein paar Gewürze (Kurkuma, Kardamom, Zimt u. a.), die Hafermilch und ein Süßungsmittel, z. B. Yaconsirup.
Traditionell wird das Getränk am Abend zum besseren Einschlafen getrunken, aber auch in stressigen Situationen, da es im Ayurveda als entspannend und beruhigend gilt.
Das Rezept und weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel Ashwagandha-Drink - Ayurvedischer Schlaftrunk.
Mögliche Nebenwirkungen
Ashwagandha gilt in den empfohlenen Dosierungen (siehe "Welche Dosierung gilt als sicher?") und Zubereitungen und bei begrenzter Anwendungsdauer als sicher und nebenwirkungsarm (5). Gelegentlich können aber Verdauungsbeschwerden in Form von z. B. Durchfall auftreten. Ist das der Fall, reduziert man die Dosis oder legt eine Einnahmepause ein.
Kann Ashwagandha Leberschäden verursachen?
Laut eines Kapitels in LiverTox: Clinical and Research Information on Drug-Induced Liver Injury (aktualisiert am 2. Mai 2019) soll es in der Vergangenheit vereinzelt zu (reversiblen) Leberschäden bei Personen gekommen sein, die Ashwagandha eingenommen hatten (2 bis 12 Wochen nach der Einnahme) (3).
Allerdings wird betont, dass man in vielen dieser Fälle nicht genau wisse, ob die Problematik von der Schlafbeere herrührte oder einem anderen Inhaltsstoff, da einige der Betroffenen Mischpräparate eingenommen hatten.
Die eingenommenen Dosen lagen zwischen 450 und 1350 mg Wurzelextrakt (von NOW, Infowarslife und Nature’s Way). Die Symptome zeigten sich in Form von Gelbsucht, Juckreiz, Übelkeit und Lethargie.
Aktueller ist eine indische Fallserie aus 2023 (33). Darin ist von acht Fällen die Rede, in denen die Einnahme von Ashwagandha zu Leberschäden geführt haben soll. Fünf der Leute hatten bereits eine Vorerkrankung im Bereich der Leber (Leberzirrhose, alkoholbedingte Lebererkrankung und nichtalkoholische Lebererkrankung).
Drei davon starben im Anschluss, allerdings vermutlich an der Lebererkrankung, die schon da war, weniger direkt an der Einnahme von Ashwagandha. Die Präparate könnten die bereits beeinträchtigte Leber eher zusätzlich geschwächt haben.
Dies bedeutet aber nicht, dass die Pflanze grundsätzlich leberschädlich ist.
Wie auch weiter unten beim Thema "Ashwagandha bei Schildddrüsenstörungen" erklärt, sprechen die genannten Ausnahmefälle für eine individuelle Überempfindlichkeit. Viele Menschen vertragen die Präparate problemlos, während bei einzelnen die Leber negativ reagiert. Eine vorgeschädigte Leber hat zudem weniger Reserven und kann eine zusätzliche Belastung schlechter verkraften.
Keine der 8 Personen nahm überdies einen standardisierten Extrakt ein. Es handelte sich stets um Pulver, Tee, Paste oder nicht näher definierte Tabletten. Die Einnahmedauer bewegte sich zwischen 14 Tagen und knapp 1,5 Jahren.
Wer Ashwagandha nicht oder mit Vorsicht nehmen sollte
Abgesehen von Schwangeren und Stillenden und Personen mit Lebererkrankungen gibt es noch weitere Personen, die Ashwagandha nicht nehmen sollten bzw. die Einnahme vorab mit ihrem Arzt besprechen sollten. Dazu gehören u. a. Patienten mit Diabetes, Bluthochdruck, psychischen Störungen und Autoimmunerkrankungen.
Besonders, wenn bei diesen Beschwerden bereits Medikamente genommen werden, ist eine Absprache mit dem Arzt unumgänglich.
So könnte z. B. durch die zusätzliche Gabe der Schlafbeere der Blutdruck zu stark sinken, wenn Sie bereits blutdrucksenkende Arzneimittel nehmen, oder Ihr Blutzucker sinkt bei Diabetes zu stark, wenn Sie bereits blutzuckersenkende Arzneimittel nehmen.
Auch bei einer gutartigen Prostatavergrößerung sollte Ashwagandha besser nicht genommen werden, da die Pflanze DHEA und Testosteron erhöhen kann, was die Vergrößerung der Drüse erneut triggern könnte.
Warum Ashwagandha bei Schilddrüsenstörungen nicht empfohlen wird
Offiziell wird vor einer Einnahme bei bestehenden Schilddrüsenfunktionsstörungen abgeraten - ganz gleich, ob es sich um eine Unterfunktion, eine Überfunktion oder Hashimoto handelt. Das Thema Hashimoto haben wir oben schon erklärt. Bei einer Überfunktion würde Ashwagandha die Produktion der Schilddrüsenhormone womöglich noch weiter ankurbeln, was in dieser Situation natürlich nicht erwünscht ist.
Man fürchtet eine Überdosierung, wenn gleichzeitig L-Thyroxin genommen wird
Oben stellten wir jedoch eine Studie vor, in der sich die Pflanze als vorteilhaft bei einer subklinischen Unterfunktion zeigte. Oft ist eine solche Unterfunktion stressbedingt. Ashwagandha reduziert die Stressreaktion im Körper (senkt z. B. das Cortisol), was nun die Schilddrüse wieder aufatmen lässt, so dass sie wieder aktiver wird und wieder mehr Hormone bilden kann.
Warum also wird in den Medien (z. B. von den Verbraucherschutzbehörden) von Ashwagandha grundsätzlich bei ALLEN Schilddrüsenproblematiken abgeraten, warum differenziert man nicht und gibt an, dass die Wurzel bei einer Unterfunktion durchaus Sinn machen könnte?
Ganz einfach: Man will auf Nummer sicher gehen. Wenn Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion bereits medikamentös mit synthetischen Hormonen (wie L-Thyroxin) eingestellt sind, könnte Ashwagandha zu einer Überdosierung beitragen.
Auch wenn die Pflanze also für manche Schilddrüsenstörungen gut geeignet wäre (insbesondere für eine stressbedingte subklinische Unterfunktion), rät man daher lieber pauschal ab, aus Angst, auch Leute, die L-Thyroxin nehmen, könnten zu Ashwagandha greifen.
Man fürchtet Risiken durch die unterschiedliche Qualität der erhältlichen Ashwagandha-Präparate
Ein weiterer Faktor ist die unterschiedliche Qualität der erhältlichen Präparate. In Studien werden standardisierte Extrakte verwendet, so dass man genau weiß, wie hoch die Wirkstoffmenge ist. Im Handel gibt es aber auch Präparate, die nicht standardisiert sind. Man kennt ihre Wirkstoffmenge nicht, was eine gezielte Anwendung dann schwierig macht.
Man fürchtet eine - extrem seltene - Thyreotoxikose
Letztendlich befürchtet man, die Betroffenen könnten die Präparate dauerhaft nehmen, womöglich in zu hoher Dosis und dann eine Thyreotoxikose erleiden. Dieser Begriff beschreibt einen Zustand, wenn plötzlich zu viele Schilddrüsenhormone im Blut schwimmen.
Die Ursache kann eine Überfunktion sein, wenn die Schilddrüse also eigenständig zu viele Hormone bildet. Die Ursache kann aber auch eine Schilddrüsenentzündung sein, bei der Drüsengewebe verfällt, also abstirbt und dabei viele Schilddrüsenhormone frei werden, die sich in den Schilddrüsenzellen befanden.
Fallberichte zur Thyreotoxikose
Es gibt Fallberichte, denen zufolge Ashwagandha genau eine solche Thyreotoxikose ausgelöst haben soll. Doch wird z. B. im Fallbericht eines 47-jährigen Japaners (der nicht einmal eine Schilddrüsenfunktionsstörung hatte) mit keinem Wort erwähnt, wie viel Ashwagandha er eingenommen hat, welche Wirkstoffkonzentration (Withanolide) vorlag oder ob es sich vielleicht um ein verunreinigtes bzw. gestrecktes Produkt gehandelt hatte. Lediglich die Einnahmedauer wird mit zwei Monaten angegeben (29).
In einem anderen Fallbericht nahm die 62-jährige Frau zwei Monate lang täglich 1950 mg eines Ashwagandha-Extrakts. Dies ist eine deutlich überhöhte Dosis (30). In den oben vorgestellten Studien wurden meist 250, 300 oder 600 mg eingenommen, in seltenen Fällen 1000 mg, diese Dosis aber nur kurzfristig.
Thyreotoxikose ist eine extrem seltene Überempfindlichkeit einzelner Personen
Insgesamt ist eine Thyreotoxikose durch Ashwagandha sehr selten. In der Medizin spricht man von einer idiosynkratischen Reaktion - eine extrem seltene, unvorhersehbare Überempfindlichkeit eines einzelnen Organismus, die völlig unabhängig von der tatsächlichen pharmakologischen Wirkung eines Mittels oder einer Pflanze auftritt. Bei Millionen von Konsumenten passiert also nichts – und nur bei einzelnen Patienten reagiert das System aufgrund einer individuellen, genetischen oder immunologischen Veranlagung über.
All das führte dazu, dass offiziell kategorisch von Ashwagandha bei Schilddrüsenfunktionsstörungen abgeraten wird.
Ashwagandha in der Schwangerschaft und Stillzeit
Da es (noch) keine Studien zur Anwendung von Ashwagandha in der Schwangerschaft und Stillzeit gibt, wird empfohlen, entsprechende Präparate in diesen Lebensphasen besser nicht einzunehmen (5).
Fazit: Ashwagandha ist - bei achtsamer Anwendung - ein wirksames Adaptogen
Dank seiner adaptogenen Eigenschaften ist Ashwagandha somit immer dann empfehlenswert, wenn chronischer Stress, Angstzustände oder stressbedingte Schlafstörungen die Lebensqualität beeinträchtigen. Die Pflanze bzw. ihre Wurzel verhilft dem Körper insbesondere zu einer besseren Stressresistenz.
Sinnvoll ist die kurweise Einnahme (8 Wochen) von zweimal täglich jeweils 300 mg Wurzelextrakt (KSM-66), um typische Symptome wie Nervosität, Konzentrationsschwäche und Erschöpfung zu lindern. Die genannte Dosis und Einnahmedauer gilt als sicher und nebenwirkungsarm.
Update 2.6.2023
Wir ergänzten den Abschnitt "Ashwagandha in den Wechseljahren".
Update 12.9.2024
Wir fügten Studie 28 und einen entsprechenden Abschnitt hinzu.
Update 26.9.2026
Wir ergänzten den Hinweis, dass Ashwagandha bei gutartiger Prostatavergrößerung besser nicht genommen werden sollte im Abschnitt "Wer A. nicht oder mit Vorsicht nehmen sollte".
Update 5.10.2026
Wir ergänzten den Artikel mit dem Abschnitt "Warum Ashwagandha bei Schilddrüsenstörungen nicht empfohlen wird" und aktualisierten den Abschnitt über Leberschäden sowie den Abschnitt zur Sicherheit und richtigen Dosierung.