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  • Süssholz: Ein uraltes Heilmittel
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Süßholz - Wirkungen und Nebenwirkungen

Aus der Süßholzwurzel wird Lakritz hergestellt. Süßholz ist aber auch ein hervorragendes Naturheilmittel. Es wirkt gegen Viren, freie Radikale und gegen den Magenkeim Helicobacter pylori. Die Wurzel gilt üauch als Phytoöstrogen und kann daher in den Wechseljahren helfen. Wir erklären, wie Sie die süße Wurzel anwenden können.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Stand: 17 April 2026
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Was ist Süßholz?

Mit Süßholz ist die Wurzel der Pflanze Glycyrrhiza glabra (Echtes Süßholz) gemeint. Man verwendet für Tee, Tinkturen, Arzneimittel etc. also nicht etwa ein "Holz", sondern die getrocknete Wurzel.

Auch ist die Pflanze kein Baum. Sie besitzt also gar kein Holz. Es ist eine mehrjährige Staude, die im Winter oberirdisch abstirbt und im Frühjahr neu austreibt.

Sie gehört zur Familie der Schmetterlingsblütler (Leguminosen) und ist eine Hülsenfrucht, also mit Bohnen, Erbsen etc. verwandt. Ihre Schoten oder Samen sind jedoch ungenießbar.

Der typische süße Geschmack der Süßholzwurzel kommt vom Inhaltsstoff Glycyrrhizin, der ca. 50-mal so süß wie Zucker ist.

Süßholz raspeln

In längst vergangenen Zeiten, als Zucker noch ein seltener Luxus der Reichen war, wurde die Süßholzwurzel gern als Süßungsmittel verwendet.

Wenn nun ein nicht ganz so reicher Mann seiner Angebeteten eine Freude machen wollte, raspelte er etwas von der Wurzel und schenkte es ihr – als Zeichen seiner Liebe. Heute raspeln im übertragenen Sinne jene Menschen Süßholz, die in übertriebener Weise Komplimente machen, die Schmeichler also und die Schönredner.

Arzneipflanze Süßholz

Es gibt etwa 20 bis 30 Glycyrrhiza-Arten. In Studien werden vorwiegend zwei Arten untersucht: Glycyrrhiza glabra und Glycyrrhiza uralensis (5).

Glycyrrhiza glabra ist das Echte Süßholz. Es kommt ursprünglich aus Europa, Vorderasien und dem Nahen Osten. Aus ihm wird in Europa traditionell Lakritz hergestellt.

Glycyrrhiza uralensis wird oft „Chinesisches Süßholz“ genannt. Es kommt aus Zentralasien, Russland, China und der Mongolei und ist ein wichtiger Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).

Glycyrrhiza inflata ist eine weitere Art, die vor allem in Nordwest-China und Sibirien verbreitet ist. Auch sie zählt - wie die anderen beiden - zu den anerkannten Arzneipflanzen.

So wird Lakritze hergestellt

Die Süßholzwurzel (Liquiritiae radix) ist den meisten Menschen ein Begriff, da aus ihr Lakritze gewonnen wird.

Für die beliebte Süßigkeit stellt man zunächst aus der Wurzel einen Extrakt her. Dazu kocht man sie mit Wasser aus, presst sie ab und dampft sie nach dem Filtrieren ein.

Diesen Extrakt vermischt man dann mit Mehl, einem Geliermittel, Aromen und verschiedenen Zuckerarten. Am Schluss kommt ein Überzugsmittel darüber – fertig ist die Lakritz. Allerdings muss Lakritz in Deutschland nur mindestens zu 3 % aus Süßholzextrakt bestehen. Oft sind es 5 %, aber nicht mehr als 10 %.

Bei herkömmlicher Lakritz isst man somit nichts anderes als eine Zucker-Stärke-Mischung, die mit einem Hauch Süßholz aromatisiert ist. Der Glycyrrhizin-Gehalt liegt bei unter 100 mg pro 100 g Lakritz.

Was ist Salz- oder Salmiaklakritz?

Bei Salz- oder Salmiaklakritz kommt der salzig-herbe Geschmack vor allem durch Ammoniumchlorid („Salmiak“) zustande. Der Süßholz- bzw. Glycyrrhizinanteil kann hier genauso niedrig sein wie bei süßer Lakritz, kann aber auch höher sein.

Wir fanden Salmiakpastillen mit 4,4 und mit 10 % Süßholzwurzelextrakt, während der Salmiakanteil bei beiden identisch war (7,5 %).

Diese Lakritzart ist vor allem in skandinavischen Ländern traditionell verbreitet und dort beliebter als süße Lakritz. Die Herstellung erfolgt wie bei klassischer Lakritz, nur wird Salmiak meist nach dem Kochen oder während des Eindickens zugesetzt.

Salzlakritz dient hauptsächlich als Süßigkeit, wird aber auch gelegentlich wegen des intensiven Geschmacks zur Atemerfrischung oder bei Heiserkeit gelutscht.

Was ist Starklakritz?

Starklakritz ist Lakritz - ob süß oder salzig - mit deutlich erhöhtem Glycyrrhizingehalt (mehr als 200 mg pro 100 g Endprodukt). Sie muss daher entsprechend gekennzeichnet sein und ist ein reines Erwachsenenprodukt, also nicht für Kinder geeignet.

Mehr als 50 g pro Tag sollten nicht verzehrt werden, damit man nicht über 100 mg Glycyrrhizin kommt.

Starklakritz ist ein traditionelles Hustenmittel.

Die Herstellung unterscheidet sich nicht grundsätzlich von anderer Lakritz, allerdings wird konzentrierter Süßholzextrakt verwendet oder in größerer Menge zugesetzt.

Dadurch entsteht ein besonders intensiver Geschmack, der weniger über Zucker/Salz, sondern mehr über den Extrakt selbst definiert ist.

Was ist reine Lakritz?

Reine Lakritz bezeichnet das ursprüngliche Lakritzprodukt, das ausschließlich aus eingedicktem Saft der Süßholzwurzel besteht. Dazu werden Wurzeln ausgekocht, der Sud stark eingedampft und dann als zähe Masse ausgehärtet. Zucker, Stärke, Gelatine oder Aromastoffe werden nicht zugesetzt.

Diese Form war historisch ein Apotheken- bzw. Heilmittel und wurde als Kaumasse oder hustenlinderndes Mittel verwendet. Heute dient reine Lakritz meist als Rohstoff für die weiterverarbeitende Süßwaren- oder Arzneimittelherstellung oder wird in kleinen Stückchen als „Blocklakritz“ angeboten.

Sie besitzt einen stark konzentrierten, süß-herben Geschmack und ist deutlich intensiver als handelsübliche Lakritz.

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Ein uraltes Heilmittel

In der traditionellen chinesischen Medizin wurde die Süßholzwurzel bereits im Shennong ben cao jing, dem ältesten bekannten Buch über Heilpflanzen, beschrieben.

Sie wurde zum Beispiel als Stärkungsmittel für die Muskeln und Knochen, zur Glättung der Haut sowie als Gegenmittel bei Vergiftungen eingesetzt und zählt im heutigen China zu den zehn wichtigsten Naturheilmitteln.

Außerdem fand die Wurzel in der vorchristlichen Zeit in babylonischen und altägyptischen Quellen als Heilpflanze Erwähnung. Den alten Ägyptern diente sie als Grabbeigabe, was auf die hohe Wertschätzung hindeutet. Da die Wurzel hilft, Hunger und Durst zu überwinden, glaubte man, dass die Wurzel den toten Pharaonen den Weg ins Jenseits erleichtern könnte.

Diesen Effekt sollen sich auch die Skythen, ein nomadisches Reitervolk, zunutze gemacht haben, um Wüsten und Steppen leichter durchqueren zu können. Sie kauten dazu einfach auf einem Stück Süßholzwurzel. Heute weiß man, dass die appetitzügelnde Wirkung daher kommt, dass die Wurzel das Sättigungshormon Leptin aktiviert.

In Mittel- und Nordeuropa etablierte sich die Wurzel erst im Mittelalter zu einem festen Bestandteil der Hausapotheke. Die Universalgelehrte Hildegard von Bingen beschrieb das Heilmittel als wirksam bei Lungenleiden und Verdauungsbeschwerden.

Die Anwendungsgebiete

Heute gelten die folgenden Anwendungsbereiche der süßen Wurzel als wissenschaftlich belegt:

Erkältungskrankheiten der oberen Luftwege (Husten, Bronchialkatarrh, Covid-19), Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre sowie Gastritis

Laut der Europäischen Arzneimittel-Agentur ( EMA), welche für die Beurteilung und Überwachung von Arzneimitteln zuständig ist, kann die Wurzel außerdem begleitend bei den folgenden Beschwerden eingesetzt werden:

Entzündungen, Allergien, oxidativem Stress, Viren und Bakterien, Krebs, Thrombosen, Diabetes, Lebererkrankungen und zum Schutz von Nervenzellen und Nervenfasern

Die Wirkstoffe

Die Süßholzwurzel zählt zu den am besten untersuchten pflanzlichen Heilmitteln. Sie enthält zahlreiche Wirkstoffe, von denen bislang rund 400 identifiziert wurden. Zu den wichtigsten zählen – laut einer Studie an der Beijing University of Chinese Medicine – mehr als 20 Triterpensaponine.

Eines dieser Saponine ist das sog. Glycyrrhizin, das auch für den süßen Geschmack der Wurzel zuständig ist. Es ist gar 50-mal süßer als Haushaltszucker. Beim Glycyrrhizin handelt es sich genau genommen um das Salz der Glycyrrhizinsäure. Die beiden Begriffe werden jedoch oft synonym verwendet.

Neben dem Glycyrrhizin stecken in der Wurzel rund 300 Flavonoide. Sie sind u. a. für die gelbe Färbung der Wurzel verantwortlich, haben jedoch auch heilende Wirkungen. Laut einer Übersichtsarbeit iranischer Forscher von der University of Medical Science, weisen die Flavonoide der Lakritz-Wurzel die folgenden Eigenschaften auf:

Sie wirken gegen Bakterien, Parasiten, Viren (z.B. der Corona-Virus) und Krebs. Sie können eine östrogenähnliche Wirkung haben (auf die Knochen, die Brust etc.) und gelten daher als Phytoöstrogene. Sie regen die Gallenfunktion an. Sie haben eine antioxidative Wirkung.

Sie helfen bei der Prävention von Übergewicht, Alzheimer, Diabetes und weiteren altersbedingten degenerativen Erkrankungen.

Besonders spannend ist, dass das Süßholz eine antivirale Wirkung zeigt. Denn während viele Heilpflanzen oder auch Lebensmittel (Kresse, Zwiebeln, Knoblauch etc.) antibakterielle Eigenschaften mit sich bringen, ist eine Wirkung gegen Viren eher selten (6).

* Starklakritze finden Sie hier unter diesem Link.

Mit Süßholz gegen Viren

Viren gelten als Ursache für Grippe, SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom), Corona, Herpes, Hepatitis C, HIV und viele Krankheiten mehr. Die süße Wurzel zeigte sich hier in zahlreichen Studien als wirksam:

Bei Erkältung und Grippe

Da die Süßholzwurzel sowohl gegen Viren als auch gegen Bakterien wirkt und entzündungshemmende, schleimlösende, antioxidative sowie immunmodulierende Eigenschaften hat, ist sie das ideale Heilmittel bei einem grippalen Infekt, bei Mandelentzündung oder auch einer Grippe bzw. Erkältung.

Eine doppelblinde Studie am National Defense Medical College in Japan hat gezeigt, dass Glycyrrhizin die natürliche Immunreaktion erhöht, Viren in ihrem Wachstum hemmt und diese sogar inaktiviert (37).

Koreanische Forscher von der Chosun University haben überdies in einer Studie herausgefunden, dass die Wirkstoffe der Wurzel gegen diverse Grippeviren aktiv sein können (20).

Das Besondere daran ist, dass damit auch resistente Viren unschädlich gemacht werden können, wogegen die üblichen Anti-Viren-Medikamente – z. B. mit dem Wirkstoff Oseltamivir – oft nicht mehr helfen.

Bei Husten und Bronchitis

Insbesondere bei Husten bzw. einem Bronchialkatarrh hat sich die Lakritz-Wurzel bewährt. Aus diesem Grunde ist sie ein fester Bestandteil vieler pflanzlicher Hustensäfte.

Während etwa codeinhaltige Hustensäfte einfach nur den Hustenreiz ausschalten, regen die Saponine der süßen Wurzel die Schleimproduktion an und erleichtern das Abhusten, was den natürlichen Heilprozess fördert.

Das Tee-Rezept bei Atemwegsinfekten

Auch Heilpflanzehn-Kombinationen sind denkbar, wodurch auch die Bandbreite der Wirkung gesteigert werden kann, z. B. mit der folgenden Teemischung (nach Apotheker Peter Theiss aus Homburg/Saar), die im fortgeschrittenen Stadium der Bronchitis empfohlen wird:

30 g Thymian, 20 g Königskerzenblüten, 20 g Anis, 20 g Schlüsselblumenwurzel und 10 g Süßholzwurzel.

Pro Tasse (150 ml) nimmt man 1 TL der Kräutermischung, übergießt sie mit kochendem Wasser und lässt sie 10 Minuten ziehen. Natürlich kann immer auch ein reiner Lakritz-Wurzeltee getrunken werden.

Fällt die Wirkung nicht zufriedenstellend aus, wird ein Extrakt besser sein, da er höher konzentriert ist als ein Tee.

SARS und Covid-19

Die Infektionskrankheit SARS wurde im Jahr 2003 von der WHO als weltweite Bedrohung eingestuft.

Eine spezielle schulmedizinische Therapie gibt es noch nicht und es ist auch keine in Sichtweite. Wissenschaftler von der Frankfurt University Medical School entdeckten, dass Glycyrrhizin SARS-Viren hemmen kann (32). Sie schlugen vor, die Süßholzwurzel für die Behandlung von SARS und Covid-19 in Erwägung zu ziehen.

HIV

Bereits im Jahr 1989 erschien eine Studie, die gezeigt hat, dass eine tägliche Gabe von 150 bis 225 Milligramm Glycyrrhizin den Ausbruch von AIDS verhindern bzw. zumindest hinauszögern kann.

Während nach zwei Jahren 3 von 10 HIV-Patienten in der Kontrollgruppe an AIDS erkrankten bzw. daran starben, blieben alle 10 Patienten in der Glycyrrhizin-Gruppe verschont.

Inzwischen steht fest, dass Glycyrrhizin die T-Suppressorzellen im Blut senkt und HI-Viren hemmt.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass die Wurzel AIDS heilen kann. Da aber Studien zufolge eine hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) in Kombination mit Glycyrrhizin besser wirkt, kann es bei einer HI-Infektion durchaus sinnvoll sein, unterstützend Süßholzwurzeltee zu trinken oder einen Wurzelextrakt einzunehmen.

Hepatitis C

In der traditionellen japanischen Medizin wird die Wurzel bereits seit langem zur Behandlung von chronischen Lebererkrankungen eingesetzt (27). Seit einigen Jahrzehnten werden in Japan Patienten mit Hepatitis B und C klinisch mit dem Süßholzwurzelextrakt Stronger Neo-Minophagen C (SNMC) behandelt.

Der Extrakt wird jedoch mittels Injektionen verabreicht, so dass wir an dieser Stelle nicht näher auf dieses Anwendungsgebiet eingehen, da wir bevorzugt Maßnahmen vorstellen, die jeder bei sich zu Hause umsetzen kann.

* Hier finden Sie eine Süßholz-Tinktur

Mit Süßholz Magen und Darm heilen

Ob Völlegefühl, Blähungen, Reizdarm, Gastritis oder Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre: Die Süßholzwurzel ist hier ein probates Mittel und daher wichtiger Bestandteil so mancher Magenmedikamente, wie z. B. von Iberogast, den bekannten Magentropfen.

Schon Napoleon soll stets ein Pulver aus der Wurzel mit sich geführt haben, um seine Gastritis in Schach zu halten. Inzwischen konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, warum der kleine Diktator mit dem großen Hut – zumindest in diesem Fall – absolut richtig lag.

Denn die süße Wurzel wirkt entzündungshemmend, regt die Schleimproduktion im Magen an, wirkt daher magenschützend und ist außerdem in der Lage, das Bakterium Helicobacter pylori zu bekämpfen. Dieses Bakterium gilt als Ursache für Magenschleimhautentzündungen, Magenkrebs sowie Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre.

An einer koreanischen placebokontrollierten Studie nahmen 100 Probanden teil, die alle mit dem Magenkeim infiziert waren. 50 von ihnen nahmen für 60 Tage einen Süßholzwurzelextrakt ein und wurden daraufhin erneut getestet. Und siehe da: Bei 48 von ihnen fiel der Helicobacter-Test negativ aus.

Dies ist umso interessanter, da die übliche Therapie bei Helicobacter-Infektionen (2 Antibiotika und 1 Säureblocker) aufgrund der Resistenzbildung der Bakterien zunehmend unwirksam wird. Das Antibiotikum Metronidazol wirkt z. B. laut einer französischen Studie in Europa und in den USA bei 20 bis 40 Prozent der Infizierten gar nicht mehr (38) und in den Entwicklungsländern liegen diese Raten schon bei bis zu 80 Prozent.

Analysen japanischer Wissenschaftler von der Toho Universityhaben ergeben, dass Süßholzwurzelextrakt sogar dann gegen Helicobacter pylori wirkt (25), wenn dieser bereits gegen die gängigen Antibiotika – wie Clarithromycin und Amoxicillin – eine Resistenz entwickelt hat.

Die Anwendung bei Magen-Darm-Beschwerden

Leichtere Magen-Darm-Beschwerden können durchaus mit Süßholzwurzeltee behandelt werden. In Teemischungen für den Magen, die oft sehr bitter schmecken, sorgt die süße Wurzel zudem für eine deutliche Verbesserung des Geschmacks.

Bei chronischen Leiden wird jedoch meist ein Extrakt empfohlen, der auch in die Therapie einer Gastritis oder eines Geschwürs integriert werden kann. Sprechen Sie jedoch vor der Anwendung eines Extraktes mit Ihrem Gastroenterologen.

Wenn Sie Säureblocker vom Typ der Protonenpumpenhemmer nehmen (z. B. Omeprazol, Pantoprazol o. ä.), könnte Süßholzwurzeltee Ihnen dabei helfen, langsam aber sicher die nebenwirkungsreichen Medikamente abzusetzen. Weitere Tipps zum Absetzen von PPI finden Sie auf unserer Seite: PPI – Der Teufelskreis der Säureblocker

Süßholz gegen Karies und Parodontitis

Dort, wo das Süßholz zu Hause ist, verwenden die Einwohner die Wurzeln traditionell als Zahnbürste. Kein Wunder steckt in vielen gängigen Mundpflegeprodukten wie Zahnpasten und Mundspülungen Glycyrrhizin (8).

Inzwischen konnte durch einige Studien bestätigt werden, dass die Wurzel nicht nur eine präventive Wirkung hat, sondern auch zur Therapie von Karies, Parodontitis, Candidose (Pilzinfektion) und wiederkehrenden Geschwüren der Mundschleimhaut (Aphthen) herangezogen werden kann.

Deutsche Forscher vom Institute for Pharmaceutical Biology and Phytochemistry in Münster haben etwa offenbart, dass Süßholzwurzelextrakt nicht nur der Einnistung des Helicobacter pylori in der Magenschleimhaut entgegenwirkt, sondern auch das Bakterium Porphyromonas gingivalis effektiv daran hindert, sich in der Mundhöhle anzuhaften (3).

Dieser Keim ist für die Entstehung der Parodontitis und damit auch für die entsprechenden Zahnverluste verantwortlich.

Die Anwendung im Mundbereich

Für die Herstellung einer Mundspülung können Sie entweder aus den Wurzelstückchen einen starken Tee brühen oder eine Tinktur mit Wasser verdünnen.

Wichtig ist, dass die Spülung nicht hinuntergeschluckt, sondern ausgespuckt wird. Die Mundspülung kann morgens und abends nach dem Zähneputzen und auch zwischendurch angewandt werden.

Süßholz in den Wechseljahren

Die Lakritz-Wurzel enthält östrogenähnlich wirkende Stoffe, sog. Phytoöstrogene. Diese können sowohl die Auswirkungen eines Östrogenmangels als auch jene eines Östrogenüberschusses lindern. Ernsthafte Nebenwirkungen sind dabei nicht zu befürchten, da Phytoöstrogene den Organismus nicht hormonell überschwemmen.

Wenn längerfristig ein Mangel an Östrogenen besteht, wird nur noch der Estrogenrezeptor-α (ERα) ausreichend aktiviert, nicht aber der Estrogenrezeptor-β (ERβ). Die Süßholzwurzel nun kann den ERβ aktivieren und somit das Gleichgewicht der beiden Estrogenrezeptoren wiederherstellen.

Dadurch wirkt die Wurzel auch präventiv gegen hormonabhängige Tumoren wie Brust- und Prostatakrebs, denn über den ERβ werden sowohl wachstumshemmende als auch antientzündliche Effekte vermittelt. Wird hingegen nur der ERα aktiviert, wird die Entwicklung von hormonabhängigen Tumoren gefördert.

In China und Japan wird die Süßholzwurzel traditionell erfolgreich bei hormonellen Problemen angewandt. Man glaubt, dass aufgrund der Verabreichung von Phytoöstrogenen die Frauen in Asien nicht so häufig an Wechseljahresbeschwerden leiden und im Alter auch seltener Opfer von Krebs oder anderen chronischen Erkrankungen werden.

Die Anwendung bei Wechseljahresbeschwerden

Sollten Sie also an Wechseljahresbeschwerden oder aber auch an Krämpfen und Schmerzen während der Menstruation leiden, können Sie Süßholzwurzeltee im Rahmen eines ganzheitlichen Konzeptes – z. B. in Kombination mit einer Aromatherapie und Entspannungstechniken – wunderbar zum Zug kommen lassen.

Dabei sollten Sie allerdings auf das Chinesische Süßholz setzen. Denn amerikanische Forscher haben den östrogenähnlichen Effekt bei menopausalen Beschwerden von verschiedenen Süßholzwurzelarten verglichen und dabei festgestellt, dass dieser bei der Glycyrrhiza uralensis am stärksten ausgeprägt ist. Im besten Fall lassen Sie sich von einem TCM-Heilpraktiker beraten (TCM = Traditionelle Chinesische Medizin).

Süßholz schützt Nerven und Gehirn

Hildegard von Bingen war bereits der Meinung, man könne Geisteskrankheiten mit der Süßholzwurzel behandeln.

Und tatsächlich, die Wurzel hat eine positive Wirkung auf die kognitiven Fähigkeiten und kann sogar das Risiko für Demenzerkrankungen senken, zumindest bei Frauen. Denn sie leiden häufiger an Alzheimer als Männer, was u. a. auf den Östrogenmangel in und nach den Wechseljahren zurückgeführt wird – so eine Studie der University of Southern Californiaim Jahr 2007.

Fallen die Östrogene weg, verändert sich der Energiehaushalt der Gehirnzellen – und genau hier kann die Wurzel mit ihren regulierenden Phytoöstrogenen ansetzen (24). Des Weiteren aktivieren manche Inhaltsstoffe der Wurzel bestimmte Enzyme (Sirtuine) im Gehirn, die sich wiederum schützend um die Nervenzellen kümmern und den Alterungsprozess regulieren.

Süßholz bei zu niedrigem Blutdruck

Wenn Sie an einem zu niedrigen Blutdruck leiden, kann die Wurzel ebenfalls hilfreich sein. Lesen Sie dazu unseren Artikel Niedriger Blutdruck – Ursachen und Lösungen.

Sollten Sie hingegen ein Bluthochdruckpatient sein, dann lesen Sie bitte vor der Anwendung von Süßholzwurzelextrakten zunächst den nächsten Absatz zum Thema Nebenwirkungen.

Eine Tasse Süßholztee pro Tag können Sie jedoch in den meisten Fällen problemlos trinken. Sprechen Sie dennoch vorsichtshalber mit Ihrem pflanzenheilkundlich bewanderten Arzt, Apotheker oder Heilpraktiker.

Mögliche Nebenwirkungen

In 2,5 g getrockneter Süßholzwurzel sollen 100 mg Glycyrrhizin enthalten sein. Für eine große Tasse (250 ml) kommt man meist mit der Hälfte der Wurzelmenge zurecht.

Mit Nebenwirkungen wird hingegen erst bei Dosen von mehreren 100 mg Glycyrrhizin pro Tag gerechnet.

Nach 6 Wochen pausieren - sonst sind Nebenwirkungen möglich

Trinken Sie den Tee nicht dauerhaft (aber das ist bei jedem Heilpflanzentee so). Nach spätestens 6 Wochen sollten Sie eine Pause von einigen Wochen einlegen, bevor Sie den jeweiligen Kräutertee erneut trinken.

Bei Süßholzwurzeltee könnte man nach einigen Wochen deutliche Nebenwirkungen spüren oder auch schon eher, nämlich dann, wenn man ihn höher konzentriert zubereitet.

Glycyrrhizin erhöht Cortisolspiegel

Bei hohen Dosierungen oder Dauergebrauch erhöht das Glycyrrhizin den körpereigenen Cortisolspiegel, da es jenes Enzym hemmt, dass zum Abbau des Cortisols führen würde.

Das überschüssige Cortisol imitiert nun ein anderes Hormon (Aldosteron) und es kommt zu einer übermäßigen Aldosteronwirkung. Aldosteron regelt normalerweise den Natrium- und Kaliumhaushalt. Zu viel Aldosteron lässt den Natriumpegel steigen, während der Kaliumspiegel sinkt.

Zu den möglichen Folgen zählen u. a. Wassereinlagerungen (dicke Beine), Muskelschwäche, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen.

Die Beschwerden verschwinden zwar nach dem Absetzen der hohen Süßholzdosierungen schnell, doch oft werden diese eben nicht mit der Pflanze in Verbindung gebracht. Sollten Sie unter der Anwendung von Süßholzwurzelpräparaten entsprechende Beschwerden entwickeln, informieren Sie in jedem Fall Ihren Arzt davon.

Um dem Absinken des Kaliumspiegels während der Anwendung präventiv entgegenzuwirken, ist es sinnvoll, auf eine kaliumreiche Nahrung (z. B. getrocknete Aprikosen, Kartoffeln, Kohlgemüse und Blattgemüse) zu achten.

Bei der Anwendung von Süßholz in Teemischungen sind keine Überdosierungen zu befürchten.

Wann ist Vorsicht geboten?

Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hypokaliämie (Kaliummangel), schweren Lebererkrankungen und ausgeprägter Niereninsuffizienz sollten die Anwendung von Süßholzwurzelpräparaten mit dem Arzt besprechen.

Mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie Medikamente nehmen, wie etwa Schleifendiuretika, Herzmedikamente, Kortisonpräparate und/oder Abführmittel, sollten Sie erst mit Ihrem Arzt sprechen, bevor Sie die Süßholzwurzel regelmäßig nutzen.

Schwangere, Stillende und Kinder

Schwangeren und stillenden Frauen wird geraten, vorsichtshalber auf die Süßholzwurzel zu verzichten (4).

Laut der Weltgesundheitsorganisation ist die Sicherheit der Wurzel in Bezug auf Kinder noch nicht wissenschaftlich geklärt, was jedoch bei Heilpflanzen nicht ungewöhnlich ist.

Worauf beim Kauf achten?

Süßholzwurzeln sind in Apotheken, Bioläden, Teeläden etc. erhältlich. Bioqualität zeigt hier an, dass die Droge zwar nach den Bio-Richtlinien erzeugt wurde. Man kennt jedoch nicht den Wirkstoffgehalt.

In Apotheken hingegen verfügen die Wurzeln über Arzneibuchqualität. Es heißt, dass dies Qualitätsbezeichnung Schadstoffbelastungen ausschließe. Gleichzeitig fordert das Arzneibuch für die pharmazeutisch relevanten Inhaltsstoffe einen Mindestgehalt, wodurch die Wirksamkeit garantiert werden könne.

Heilpflanzen in Arzneibuchqualität dürfen überdies kein Bio-Siegel tragen, auch dann nicht, wenn sie tatsächlich aus biologischer Erzeugung stammen. Denn sie gelten nicht mehr als Lebensmittel, sondern als Arzneipflanzen.

Süßholzwurzeln werden – v. a. in Asien – in großen Mengen an ihren natürlichen Wuchsorten geerntet. Um zu garantieren, dass Wildpflanzen langfristig erhalten bleiben, wurden bereits einige Projekte ins Leben gerufen. Sie können hierbei etwa auf die FairWild-Zertifizierung achten, die außerdem einen fairen Handel garantiert. Meist stammt das Heilmittel aber vordergründig aus Kulturen in China, Russland, der Türkei, Bulgarien, Italien, Frankreich und Spanien.

Die verschiedenen Präparate

Im Handel gibt es die folgenden Süßholzwurzelprodukte:

Süßholzwurzel (Liquiritiae radix)

Die Wurzeln sind getrocknet, ungeschält oder geschält, im Ganzen, in Stückchen geschnitten oder als Pulver erhältlich und werden traditionell in erster Linie für die Teezubereitung verwendet. Die Dosierungsempfehlungen variieren – natürlich auch abhängig von den zu behandelnden Leiden.

Die European Medicines Agency ( EMA) empfiehlt 1 bis 5 g Droge (also Wurzel) pro 150 ml Wasser. Der Tee kann als Aufguss oder Dekokt (Wurzelstückchen in Wasser geben und kurz aufkochen lassen) zubereitet werden. Die Ziehdauer beträgt in beiden Fällen 10 bis 15 Minuten.

Es können täglich 3 bis 4 Tassen vom Tee getrunken werden, am besten nach dem Essen. Bewahren Sie das Süßholz in einem gut schließenden Behälter auf, geschützt vor Licht und Feuchtigkeit.

Süßholzwurzelextrakt

Trockenextrakte aus dem Süßholz werden in Tabletten, Dragees und Kapseln eingearbeitet. Meist sind jedoch Flüssigextrakte/Tinkturen erhältlich (mit oder ohne Alkohol). Bei Extrakten hängt die Dosierung vom Glycyrrhizingehalt ab bzw. von der Konzentration des Extraktes.

Orientieren Sie sich an der jeweiligen Einnahmeempfehlung oder fragen Sie Ihren Heilpraktiker, Arzt oder Apotheker. Mehr als 3- bis 4-mal täglich jeweils 1,5 g Extrakt sollte man laut der EMA jedoch nicht nehmen.

Süßholzwurzeltinktur selber machen

Eine Tinktur können Sie leicht selbst zubereiten: Geben Sie einfach 50 g der Wurzelstückchen in ein verschließbares Glasgefäß, übergießen Sie den Inhalt mit 200 Millilitern 40-prozentigem Alkohol und lassen Sie die Tinktur an einem warmen Ort für drei Wochen ausziehen. Schütteln Sie die Mischung einmal täglich. Wichtig ist, dass alle Pflanzenteile mit dem Alkohol bedeckt sind.

Anschließend werden die Wurzelteile abgefiltert und die Tinktur wird in dunkle Fläschchen gefüllt, die Sie unbedingt beschriften sollten (Datum und was darin ist).

Fazit: Süßholz ist eine starke Heilpflanze

Die Süßholzwurzel ist eine wirklich potente Heilpflanze. Nutzen Sie sie mit Bedacht und immer nur kurweise und nur, wenn Sie nicht zu einer der oben genannten Personengruppen zählen, die die Wurzel nicht anwenden sollten.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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