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  • Soja Brustkrebs
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Soja bei Brustkrebs - wann schädlich, wann nützlich

Soja wird manchmal als krebserregend, dann wieder als krebshemmend bezeichnet. Vermutlich kommt es auf die Zubereitungsform an, in welcher man Soja zu sich nimmt. Isolierte Isoflavone könnten das Wachstum von Brustkrebs beschleunigen. Vollwertige Sojaprodukte unterdrücken den Krebs eher.

Fachärztliche Prüfung: Dr. med. Jochen Handel
Stand: 12 Mai 2026
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Führt Soja zu Brustkrebs oder nicht?

Die Sojabohne ist der Rohstoff für Sojadrink, -joghurt, -sahne, -mehl sowie Tofu, Tofuwürstchen und vieles mehr. Und obwohl alle diese Lebensmittel immer beliebter werden, fehlen natürlich auch die Kritiker nicht, die regelmäßig davor warnen, z. B. im Zusammenhang mit Krebs.

Diese Produkte sollen das Brustkrebsrisiko erhöhen, heißt es oft, da sie sog. Phytoöstrogene enthalten, also Pflanzenstoffe, die ähnlich wie Östrogene wirken und daher Krebs antreiben könnten. In anderen Informationen wieder wird erklärt, der Konsum könne das Brustkrebsrisiko senken.

Studie: Krebserregend oder krebsschützend?

Forscher der University of Illinois hatten 2015 die Gene kartiert, die von den Wirkstoffen – den Isoflavonen – beeinflusst werden. Sie stellten fest, dass ein nur minimal verarbeitetes Sojamehl Brustkrebs unterdrückt (1), während isolierte Isoflavone jene Gene stimulieren, die das Tumorwachstum beschleunigen.

Mäuse erhielten dazu eine Diät aus Sojamehl mit der natürlicherweise im Mehl enthaltenen Isoflavonmischung, eine andere Mäusegruppe erhielt einen Mix aus isolierten Isoflavonen (kein Mehl). Jede Diät enthielt eine Genisteinmenge, die man auch mit einer typischen asiatischen Kost zu sich nehmen würde.

Genistein ist das wichtigste Isoflavon und etliche Studien aus den letzten Jahren hatten in Bezug auf die Langzeitwirkung des Genisteins und seiner Rolle in der Krebsentstehung Bedenken angemeldet. Die Forscher von Illinois gingen auf diese Bedenken ein, um die zwiespältige Situation zu klären.

* Hier finden Sie den Kochkurs asiatisch kochen mit Ben.

Der Unterschied: Lebensmittel oder isolierte Isoflavone

Asiatische Frauen haben ein drei- bis fünfmal kleineres Risiko, Brustkrebs zu bekommen als Frauen, die sich nach westlichen Maßstäben ernähren. Das verminderte Krebsrisiko wird von manchen Forschern mit dem in Asien üblichen Verzehr von Tofu, Tempeh und ähnlichen Lebensmitteln erklärt.

Nun essen Asiatinnen aber Tofu und andere Produkte, während man Frauen im Westen häufig die isolierten Isoflavone als Nahrungsergänzung anbietet.

Die Frage, die sich die Wissenschaftler nun stellten, war, ob die isolierten Isoflavone – die von den meisten westlichen Frauen erst mit Beginn der Wechseljahre eingenommen werden – dieselben gesundheitlichen Vorteile bringen können wie der lebenslange Tofuverzehr in Asien.

Es zeigte sich, dass vollwertige Produkte wie Tofu oder minimal verarbeitetes Mehl verstärkt jene Gene aktivieren, die Tumoren unterdrücken. Gleichzeitig werden Gene gehemmt, die das Tumorwachstum und die unkontrollierte Ausbreitung von Krebszellen fördern würden.

Vollwertige Lebensmittel stärken das Immunsystem

"Besonders wichtig erschien uns die Tatsache, dass Sojamehl die gesamte Immunfunktion stärkte, was ebenfalls erklären könnte, warum es das Tumorwachstum nicht stimulierte", so die leitende Forscherin Yunxian Liu (angehende Doktorin in Humanernährung und Master für Statistik).
"Die isolierten Isoflavone aktivierten hingegen krebsfördernde Gene und schwächten sogar die Immunfunktionen des Organismus und so auch seine Fähigkeiten, Krebszellen aufzuspüren und zu zerstören."

Liu stellte ferner fest, dass die isolierten Isoflavone zwei Gene förderten, die bei betroffenen Frauen zu einer kürzeren Überlebensrate führten (2). Gleichzeitig wurde ein anderes Gen unterdrückt, dass die Überlebensrate verlängern würde.

Keine Isoflavone als Nahrungsergänzung

Lius Erkenntnisse unterstützen damit die Hypothese namens Soy Matrix Effect, derzufolge die krebsschützende Wirkung nur aus dem vollständigen Lebensmittel stammt. Es sind also keineswegs die Isoflavone, sondern die Kombination aller im Lebensmittel enthaltenen bioaktiven Substanzen, die in ihrer Gesamtheit gesundheitliche Vorteile mit sich bringen.

Interessant war zudem, dass beide Gruppen dieselbe Genisteinmenge zu sich nahmen. Einmal isoliert und das andere Mal im Rahmen des vollwertigen Lebensmittels – und während die Stoffe in isolierter Form schädlich waren, konnten dieselben Stoffe im Verbund mit all den anderen Stoffen aus der Bohne sehr positiv wirken.

Betroffene Frauen sollten daher keinesfalls Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten Isoflavonen einnehmen, sondern einfach Produkte, wie z. B. Tofu oder Tempeh in einen gesunden und vitalstoffreichen Speiseplan aus viel Obst, Hülsenfrüchten, Gemüse und Vollkorngetreide einbauen.

Update 6.4.2025

In einer Übersichtsarbeit von 2019 hieß es:

"Während der zehnjährigen Nachbeobachtung erkrankten 2289 Frauen an Brustkrebs (von mehr als 300.000 Frauen). [...] Jede Erhöhung der Soja-Isoflavon-Zufuhr um 10 mg/Tag war mit einer Verringerung des Brustkrebsrisikos um 3 % verbunden. [...]. Eine höhere Sojazufuhr könnte einen angemessenen Nutzen für die Brustkrebsprävention bieten." (3)

In einer Meta-Analyse von 2022 lautete die Schlussfolgerung:

"Die Daten wiesen auf eine klare inverse Korrelation zwischen der Menge der konsumierten Isoflavone und dem Brustkrebsrisiko bei Frauen vor und nach der Menopause hin. Der Konsum von Soja-Isoflavonen kann das Krebsrisiko bei Frauen vor und nach der Menopause senken." (4)

Im März 2025 erschien eine Studie, in der man bei 432 Brustkrebsüberlebenden (Durchschnittsalter 52 Jahre) den Zusammenhang zwischen Sojakonsum (bzw. Isoflavonen) und Entzündungsmarkern untersuchte. Es zeigte sich: Je höher der Konsum, umso niedriger die Entzündungswerte (5).

Lesen Sie auch unseren Artikel Soja schützt vor Brustkrebs.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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