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Vitamin D schützt vor Grippe

Vitamin D kann das Sterberisiko durch Grippe senken. In einer Studie zeigte sich, dass Vitamin D eine ganz besondere regulatorische Wirkung auf das Immunsystem ausübt. Je stärker im Winter der Vitamin-D-Mangel ausgeprägt ist, umso höher steigt den Forschern zufolge nicht nur die Zahl der Grippekranken, sondern auch die Gefahr, an der Grippe zu sterben. Achten Sie daher auf eine gute Vitamin-D-Versorgung.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Stand: 27 April 2026
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Grippe bei Vitamin-D-Mangel?

Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel könnte an Grippewellen (Influenza) beteiligt sein. Vitamin D wird nur in geringen Mengen über die Nahrung aufgenommen. Den Großteil unseres Vitamin-D-Bedarfs decken wir hingegen in Eigenproduktion.

Doch brauchen wir dazu die Sonne. Denn erst unter dem Einfluss der UVB-Strahlung kann Vitamin D in unserer Haut gebildet werden.

Nun treten Grippewellen aber meist im Herbst und in den Wintermonaten auf - also genau in einer Zeit, wenn der Vitamin-D-Spiegel vieler Menschen niedrig ist.

Denn im Winter scheint die Sonne nur selten und selbst bei Sonnenschein reicht die UV-Strahlung nicht aus, um die körpereigene Vitamin-D-Produktion in Gang zu werfen. Also zehrt der Mensch in den kalten Monaten von seinen Vitamin-D-Vorräten aus dem Sommer.

Gelang es aber auch im Sommer nicht, genügend Vitamin D aufzunehmen und einzuspeichern, kommt es im Herbst umso schneller zu einem Mangel.

Grippe-Sterberate steigt bei Vitamin-D-Mangel

Aus einer Studie norwegischer Wissenschaftler geht hervor, dass die Gefahr, an Grippe zu erkranken und an ihr zu sterben, umso größer ist, je tiefer der Vitamin-D-Spiegel im Körper gesunken ist.

Die Forscher stellten bei niedrigem Vitamin-D-Spiegel (1) eine um das 20- bis 600-fache erhöhte Sterberate fest.

Laut dieser Studie lässt sich bei Grippewellen immer dann ein starker Anstieg in der Zahl der Infektionen und Todesfälle beobachten, wenn sich die Einstrahlung von Sonnenlicht (und damit die Bildung von Vitamin D) verringert.

Dies gilt nicht nur für die Erkrankung an sich, sondern auch für ihren Verlauf.

Vitamin D wirkt wie Antibiotika?

Vitamin D wirkt wie ein Antibiotikum und stärkt das Immunsystem,

so Professor Johan Moan, der die Studie leitete.

UV-Strahlung regt die Produktion von Vitamin D in der Haut an. In den Wintermonaten steht die Sonne selbst im Zenit so niedrig, dass die Produktion von Vitamin D in der Haut gar nicht stattfindet. Dies hat ein Absinken des Vitamin-D-Pegels im Körper und damit eine nur mäßige Schutzwirkung dieses Vitamins zur Folge.

Nun wissen wir aber, dass Antibiotika nicht in jedem Falle positiv wirken, sondern auch eine Menge Nebenwirkungen haben können – und zwar ganz besonders auf das Immunsystem.

Antibiotika beeinträchtigen massiv die Darmflora des Menschen. Die Darmflora jedoch ist ein maßgeblicher Bestandteil unseres Immunsystems, so dass gerade dieses am Ende einer Antibiotika-Therapie oft deutlich geschwächt ist.

Vitamin D als natürliches Sonnenvitamin hat – richtig dosiert - diese Nebenwirkungen jedoch nicht, weshalb der Vergleich mit Antibiotika ein bisschen unglücklich gewählt ist. Professor Moan wollte damit lediglich ausdrücken, wie stark er die Schutzwirkung des Vitamins beurteilt.

Vitamin D spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem

Bekannt ist, dass Vitamin D eine wichtige Rolle im Immunsystem spielt. Professor Moans Forschungen zeigen nun, wie konkret Vitamin D das Immunsystem beeinflussen kann. Dies geschieht gleich auf mehreren Ebenen.

So reguliert das Vitamin D die erworbene Immunantwort, die gerade bei Autoimmunerkrankungen so überaktiv ist, nach unten, während es die angeborene, also die unspezifische Immunantwort stärkt.

Letzteres geschieht zum Beispiel, indem Vitamin D die sog. AMPs stärkt. AMPs sind antimikrobielle Proteine, die Mikroorganismen effizient und schnell abtöten können – und zwar lange bevor das erworbene Immunsystem mit der Aktivierung von spezialisierten Abwehrzellen reagieren kann.

Zum Beutespektrum der AMPs gehören nicht nur Bakterien, sondern auch Viren, einschließlich der Influenza-Viren (Grippe-Viren).

Macht Vitamin D resistent gegen Grippe?

Außerdem hemmt Vitamin D die Produktion des sog. NF-κB Transkriptionsfaktors, was im Hinblick auf die Abwehr ganz besonders vorteilhaft ist. So wurde nämlich bereits in Studien von Nimmerjahn et al. gezeigt, dass jene menschlichen Zellen, die niedrige NF-κB-Werte aufwiesen, resistent gegen Grippeinfektionen waren.

Gleichzeitig steigt die Gefahr, an der Krankheit zu sterben, mit der Menge der NF-κB Transkriptionsfaktoren im Körper. Fazit: Je mehr Vitamin D, umso weniger NF-κB Transkriptionsfaktoren, umso besser die Grippeabwehr und umso niedriger das Sterberisiko (2).

Vitamin bei Autoimmunerkrankungen

Damit nicht genug. Vitamin D aktiviert auch die sog. TLRs (Toll-Like Receptor). TLRs sind Strukturen des angeborenen Immunsystems. Sie arbeiten an der Front der körpereigenen Abwehr und erkennen, welche Zellen und Substanzen zum Körper gehören und welche gefährliche Eindringlinge darstellen. Je besser die TLRs ausgebildet sind, umso effizienter kann das Immunsystem arbeiten, ohne jedoch überzureagieren (3).

Die Tatsache, dass Vitamin D also die unspezifische (angeborene) Immunantwort stärkt und gleichzeitig – wie oben erwähnt – die erworbene Immunantwort drosselt bzw. von einer überschiessenden Reaktion abhält, ist den Wissenschaftlern zufolge der Grund für die verminderte Sterblichkeit bei Grippepatienten, die gut mit Vitamin D versorgt sind.

So weiß man, dass die Gefahr, an der Grippe zu sterben, umso höher ist, je mehr entzündungsfördernde Botenstoffe ausgeschüttet werden.

Vitamin D hemmt nun die Ausschüttung eben dieser entzündungsfördernden Botenstoffe (Zytokine) und aktiviert parallel dazu die Ausschüttung von entzündungshemmenden Botenstoffen.

Das wiederum sorgt nicht nur für einen glimpflichen Verlauf einer Influenza, sondern reguliert die körpereigene Abwehr auch im Hinblick auf Autoimmunerkrankungen auf eine solche Weise, dass es zu keiner Entgleisung des Immunsystems kommen kann.

Vitamin D beugt gegen Grippe vor

Wenn in gemässigten Zonen die Sonneneinstrahlung nun nicht dazu ausreicht, den erforderlichen Vitamin-D-Status zu erreichen, dann bietet sich die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten an. Doch in welcher Dosis?

In etlichen Studien wurden Vitamin-D-Präparate im Hinblick auf ihre Grippeschutzwirkung untersucht. In der ersten randomisierten und kontrollierten Studie ging es eigentlich um die Knochenschutzwirkung des Vitamin D bei Frauen nach den Wechseljahren.

Dabei stellte sich dann heraus, dass Vitamin D nicht nur die Knochengesundheit der Frauen schützte, sondern dass jene Frauen, die täglich 800 IE Vitamin D einnahmen, dreimal besser vor Erkältungen und Influenza geschützt waren als die Frauen aus der Placebo-Gruppe.

In jener Gruppe, die über ein ganzes Jahr hinweg noch höhere Vitamin-D-Dosen einnahm (2000 IE pro Tag), erkrankte in diesem Zeitraum gar nur eine einzige Teilnehmerin an einer Erkältung.

Auch Schulkinder profitieren von der schützenden Wirkung des Vitamin D, wie sich in einer weiteren randomisierten, doppelblinden und placebo-kontrollierten Studie herausstellte. Jene Kinder, die während des Winters und im frühen Frühjahr 1200 IE Vitamin D pro Tag nahmen, erkrankten signifikant seltener an der Grippe (4) als Kinder, die das Placebo-Präparat schluckten (4).

Vitamin D ist also ein wichtiger Faktor bei der gesunden Regulation des Immunsystems und daher nicht nur in der Grippeprävention, sondern unbedingt auch in der Therapie von Autoimmunerkrankungen zu berücksichtigen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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