Zentrum der Gesundheit
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23 Mai 2022
14 min

Rohkost: Die wichtigsten Rohkostformen

Die Rohkosternährung ist weit mehr als eine blosse Ernährungsweise. Sie ist ein ganz eigener Lifestyle und – wenn richtig umgesetzt – äusserst gesund dazu. Viele Menschen berichten von fast unglaublichen Heilerfolgen bei den unterschiedlichsten Erkrankungen. Rohkost ist überdies keinesfalls eintönig, denn in Rohkostqualität gibt es mittlerweile alles - von Brot über Kuchen und Torten bis hin zu Nudeln und Schokolade. Wer also glaubt, Rohkost bedeute Verzicht, ist nicht up to date.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner

Rohkost und Rohkosternährung: Geschichte

Als Begründer der Rohkost bzw. Rohkosternährung im deutschsprachigen Raum gilt der Schweizer Arzt Maximilian Bircher-Benner (1867 – 1939). Bircher-Benner lernte durch Experimente während einer Gelbsuchterkrankung die Heilkraft von rohen Obst- und Gemüsesorten kennen und schätzen.

Der Arzt beobachtete Schweizer Schäfer und Hirten in den Bergen und ihre einfache Ernährung bei gleichzeitig bester Gesundheit. Schliesslich vertrat er die Theorie, dass pflanzliche Nahrung Sonnenenergie speichert und diese im menschlichen Körper wieder abgibt. Er bezeichnete die Pflanzennahrung als „Sonnenlichtakkumulatoren“.

Definition für Rohkost

Im Grunde gilt für die Rohkosternährung ein einziger Merksatz:

Alles kann gegessen werden, wenn es nur nicht über 40 bis 42 Grad erhitzt wurde. Diese Temperatur stellt die sog. Fiebergrenze dar. Denn Eiweiss, das über 42 Grad erhitzt wird, denaturiert - zumindest im menschlichen Körper, wenn dieser Fieber hat. Der Mensch stirbt in diesem Fall und daher geht man davon aus, dass dies auch bei Pflanzen, Früchten und Gemüse der Fall ist.

Rohköstler aber möchten „lebendige“ Nahrung verzehren, Nahrung im Vollbesitz ihrer Lebenskräfte. Denn nur dann kann diese Lebenskraft in jenen übergehen – so heisst es – der die Nahrung isst. Gekochte Nahrung sei im Gegensatz zur Rohkost tot, ihrer Lebenskraft beraubt. Also könne sie auch keine Vitalität und somit keine Gesundheit spenden. Als überzeugendes Beispiel wird gerne der legendäre Apfel angeführt, aus dem – würde man ihn vergraben – ein Apfelbäumchen spriessen würde. Aus Apfelmus hingegen wird sich wohl nie ein Baum entwickeln (also auch dann nicht, wenn noch Samen im Mus wären).

Welche Lebensmittel gehören zur Rohkost?

Zur Rohkost können also alle Lebensmittel gehören, die man roh bzw. höchstens bis 42 Grad erhitzt verzehren kann. Dazu gehören:

  1. Früchte
  2. Gemüse
  3. Salate
  4. Nüsse
  5. Ölsaaten
  6. Getreide
  7. Pseudogetreide
  8. Wildpflanzen
  9. Manche Hülsenfrüchte in Sprossenform, z. B. Mungosprossen oder Kichererbsensprossen

Von Nicht-Veganern werden auch tierische Produkte in die Rohkosternährung integriert - obwohl Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte definitiv nicht mehr „lebendig“ sind, ob man nun die Fiebergrenze einhält oder nicht.

Sie haben schon jetzt Lust auf Rohkost? Dann sind Sie herzlich willkommen in unserer Rezepte-Rubrik. Unsere Köche haben eine Vielzahl köstlicher Rohkost-Rezepte entwickelt.

Da es sehr viele verschiedene Ansichten darüber gibt, wie die Rohkosternährung praktiziert werden sollte, zunächst ein Überblick über einige gängige Rohkost-Formen:

Die Formen der Rohkosternährung

Fast alle Ernährungsrichtungen können rohköstlich umgesetzt werden.

  1. Die Rohkosternährung kann vegan sein. Dann wird die Rohkost aus rein pflanzlichen Lebensmitteln zusammengestellt.
  2. Die Rohkosternährung kann aber auch vegetarisch gestaltet sein und Rohmilchprodukte (Rohbutter, Rohmilch, Rohmilchkäse etc.) sowie rohe Eier enthalten.
  3. Die Rohkosternährung kann genauso rohes Fleisch und rohen Fisch, in manchen Fällen auch Insekten enthalten.

Steinzeitliche Rohkost oder kulinarische Rohkost

Selbst die genannten drei Formen der Rohkosternährung können jeweils noch weiter unterteilt werden. Denn sie alle können urköstlich/steinzeitlich sein oder kulinarisch praktiziert werden. Urköstlich/steinzeitlich bedeutet, dass die Rohkost möglichst unbearbeitet verzehrt wird, kulinarisch heisst dagegen das folgende:

Kulinarische Rohkost

Spaghetti, Lasagne, Maultaschen, Reisgerichte, Suppe mit Klösschen, Pastete mit Sauce, belegte Brote, Zwiebelbaguette, Frühlingsrollen, Kuchen und Torten – das alles ist Rohkost – kulinarische Rohkost!

„Kulinarisch“ bedeutet „auf die Küche/Kochkunst bezogen“. Diese Form der Rohkosternährung ist daher für Menschen ideal, die Spass am Kochen haben. Natürlich wird jetzt nicht mehr gekocht. Doch arbeitet man mit zahlreichen Küchengerätschaften und kann daraus viele faszinierende supergesunde Gerichte zubereiten.

Küchengeräte in der kulinarischen Rohkost

In der kulinarischen Rohkost finden insbesondere diese Geräte häufige Verwendung:

  1. Hochleistungsmixer
  2. Dörrgerät (z. B. von Sedona)
  3. Saftpresse (Slow juicer)
  4. Spiralschneider

Küchengeräte, die Sie künftig nicht mehr brauchen

Stattdessen können Sie nun die folgenden Küchengeräte auf dem Dachboden oder im Keller einlagern:

  1. Herd
  2. Backofen
  3. Mikrowelle
  4. Dampfgarer
  5. Schnellkochtopf
  6. Brotbackautomat
  7. Pfannen
  8. Eierkocher
  9. Fritteuse etc.

Spaghetti, Reis und Pizza in der kulinarischen Rohkost

In der kulinarischen Rohkostküche werden beispielsweise Spaghetti mit dem Spiralschneider aus Zucchini oder anderem Gemüse hergestellt. Lasagneblätter lassen sich aus Kohlrabi zurechtschneiden, Reis macht man aus Blumenkohl, und auch Brot und Brötchen gibt es nach wie vor, nämlich aus dem Dörrgerät.

Mag man Klösschensuppe - die natürlich nur leicht erwärmt wird - bestehen die Klösschen aus einem Mix aus Avocados und Pinien- oder Cashewkernen.

Selbstverständlich schmecken alle diese Rezepturen anders als die gewohnten. Doch wer sagt, dass eine Pizza so schmecken muss, wie wir sie bislang kannten? Und warum sollten Klösschen immer nur aus Fleisch oder Mehl bestehen müssen? Warum müssen Nudeln kleben? Ja, oft ist es so, dass man sich – einmal an die Rohkost gewöhnt – gar nicht mehr dazu überwinden kann, ganz normale Brote, Nudeln oder gar Pizza zu essen.

Die Rohkost schmeckt so frisch und unverfälscht. Man spürt ihre Kraft, ihre Vitalität. Man will nicht mehr zurück. Und tut man es doch, so stellt sich anschliessend nicht selten Kopfschmerz oder eine Art dumpfes Gefühl ein, als sei man benebelt. Natürlich ist eine solche Erfahrung rein subjektiv – doch testen Sie es am besten selbst! Vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich und Sie erleben durch die Rohkost ungeahnte Kräfte.

Die kulinarische Rohkosternährung ist erst in den letzten Jahren bekannt geworden. Davor praktizierten Rohkostanhänger eher urtümliche Formen der Rohkosternährung, wie etwa die Urkost nach Franz Konz:

Steinzeitliche Rohkost: die Urkost-Ernährung

Die Urkost ist die Rohkosternährung nach Franz Konz, der eigentlich mit dem Verfassen von Steuerratgebern sehr erfolgreich war, dann aber in den 1960er Jahren an Magenkrebs erkrankte. Bei einer anschliessenden Operation wurde ihm seinerzeit der halbe Magen entfernt. Der Schulmedizin traute er eine vollständige Heilung nicht zu und entwickelte daraufhin seine UrMedizin. Diese besteht nicht nur aus der als Urkost bezeichneten Rohkost, sondern auch aus viel Bewegung an der frischen Luft, aus Abhärtung und Sonnenlicht. Die UrMedizin – so Konz – soll ihn trotz seines schwer angeschlagenen Magens bis ins hohe Alter gesund gehalten haben, bevor er 2013 mit fast 87 Jahren verstarb.

*Details sind im Buch von Franz Konz, dem „Grossen Gesundheits-Konz“ nachzulesen, einem höchst umfangreichen (fast 1500 Seiten) und sehr empfehlenswerten Werk für naturverbundene Menschen, das Sie hier erhalten: Der grosse Gesundheits-Konz

Die Urkost ist eine wunderbare Ernährungs- und Lebensweise für Menschen, die sich der Natur wirklich nah fühlen und so essen und leben möchten, wie es möglicherweise unsere Vorfahren in fernen Urzeiten taten. Hauptbestandteil der Urkost sind daher auch Wildpflanzen, die selbst gesammelt werden. Denn diese enthalten ein Vielfaches an Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen als jeder Kultursalat. Wildpflanzen haben einen sehr intensiven Geschmack. Sie schmecken wunderbar würzig, so dass für Wildpflanzensalate kein Salz mehr gebraucht wird.

Einen weiteren grossen Teil der Urkost nehmen Früchte ein, wenn möglich regionale Obstsorten. Doch können auch Tropenfrüchte zur Urkost gehören, da man davon ausgeht, dass die ersten unserer Ahnen in tropischen Regionen lebten, so dass die dort heimischen Früchte sozusagen zu unserer Urnahrung gehörten. Zusätzlich sind diese Früchte – abgesehen von Bananen, Mangos und Papayas – meist nicht annähernd so überzüchtet wie unsere Äpfel, Birnen, Kirschen, Erdbeeren usw.

Äusserst exquisite Genüsse versprechen beispielsweise Durian, Brotbaumfrüchte, Jackfrucht, Rambutan, Tamarinden, Litchies, Mangostan, Trinkkokosnüsse und die aussergewöhnlichen Kopyor Kokosnüsse, deren Inneres wie Hüttenkäse schmeckt.

Manche Exoten sind überdies – im Vergleich zu unseren einheimischen Früchten – sehr viel nährstoffreicher, wie beispielsweise die afrikanische Fettfrucht Safu mit 22 Prozent Fett und 4 Prozent Proteinen. Lässt man sie reifen, schenkt sie einen herzhaft-cremigen Genuss, der an Mettwurst erinnert.

Und bevor Sie über die Umweltschädlichkeit oder den CO2-Abdruck der Tropenfrüchte schimpfen, der Verzehr von importierten Früchten kann auch Vorteile haben, da in den oft armen Erzeugerländern auf diese Weise viele Familien vom Anbau und Verkauf der Früchte leben können.

Denn gerade die bei uns selteneren Tropenfrüchte werden anders als die Massenware Banane nicht in Plantagen, sondern in kleinbäuerlichen Kooperativen angebaut. Auf dem einheimischen Markt erhalten die Erzeuger dafür nur wenige Cent, so dass sie allein mit regionalen Abnehmern nicht von ihrem Früchteverkauf leben könnten.

Natürlich werden in der passenden Saison auch Nüsse und Ölsaaten in die Urkost eingebaut. Im Grunde wären auch Insekten erlaubt, wer das wollen würde, zumindest jene, die man unbeabsichtigt mit den frisch gepflückten Wildpflanzen verspeist. Aber auch Ameisen riet Franz Konz in den Speiseplan zu integrieren.

Instinktive Rohkost: die Instincto-Ernährung

Eine weitere Variante der Rohkosternährung ist die Instincto-Ernährung. Sie geht auf ihren Erfinder Guy-Claude Burger (*1964) zurück und setzt voraus, dass der Mensch über einen Instinkt verfügt, der ihm sagt, was er in diesem Augenblick gerade benötigt und essen muss. Doch funktioniert der Instinkt laut Burger nur, wenn man unverarbeitete Lebensmittel zur Verfügung hat.

Man riecht also beispielsweise an Blumenkohl, Papaya, Mangold, Mandeln und einem Stück rohen Fleisch. Riecht eines dieser Lebensmittel besonders gut, dann ist dies ein Zeichen dafür, dass der Körper genau diese Nähr- und Vitalstoffe aus diesem Lebensmittel gerade braucht.

Anschliessend isst man das ausgewählte Lebensmittel als Rohkost und ausserdem völlig unverarbeitet, also auch ungeschnitten, ungewürzt und ohne Dressings, Saucen oder sonstige „Verfälschungen“. Die sog. Sperre zeige an, wenn der Körper genug von diesem Lebensmittel hat. Dann kann man ein weiteres Lebensmittel essen. Man spürt also – laut Burger – ganz genau, welche Menge von welchem Lebensmittel gerade erforderlich ist.

*Hier erhalten Sie die deutsche Übersetzung von Burgers Buch "Manger vrai": Die Rohkosttherapie als Kindle-Ausgabe

Rohkost aus Früchten: die Sonnenkost

Helmut Wandmaker (1916 – 2007) ist ebenfalls einer der grossen Rohkostpioniere. Er soll von den beiden Amerikanern Harvey und Marilyn Diamond inspiriert worden sein, die in den 1980ern grosse Erfolge mit Ihrem „Fit for Life“-Konzept feierten und dazu zwei Bücher herausgaben, die für viele Menschen den Startschuss in ein gesundes und aktives Leben darstellten.

*Hier erhalten Sie Fit fürs Leben Teil 1

*Hier erhalten Sie Fit fürs Leben Teil 2

Wandmaker nannte seine Form der Rohkost „Sonnenkost“, da sie hauptsächlich aus sonnengereiften Früchten besteht. Seiner Meinung nach ist der Mensch ein Früchteesser. Daher empfiehlt er, den ganzen Tag verschiedene Früchte zu essen und insgesamt nur etwa 20 Prozent Rohkostgemüse und 5 Prozent Nüsse. Von Wildpflanzen hielt er nichts und lieferte sich daher zu Lebzeiten immer wieder Wortgefechte mit Franz Konz.

Rohkost in den USA: The Sunfood Diet

In den USA entstand in 1990er Jahren „The Sunfood Diet“ von David Wolfe (*1970). Wolfe stellte mit 18 Jahren fest, dass er an einer Laktoseintoleranz litt. Von diesem Zeitpunkt an beschäftigte er sich mit gesunder Ernährung, wurde alsbald Rohköstler und gründete mit 25 Jahren seine Rohkostfirma. Zunächst verkaufte er aus seinem Kofferraum Rohkostprodukte, heute ist sein Unternehmen eines der grössten auf dem Rohkostmarkt.

Wolfes Sonnendiät ist vegan. Sie besteht aus Früchten, die man stets mit grünem Blattgemüse kombinieren soll. Gesunde Fette stellen die dritte Säule seiner Form der Rohkost dar. Für Wolfe steht nicht nur die Gesundheit im Mittelpunkt, sondern auch der spirituelle Aspekt sowie der Umweltschutz. Denn eine Ernährung auf Basis tierischer Produkte wird früher oder später zum Kollaps unserer Erde führen.

*Hier erhalten Sie David Wolfes Buch Die Sonnendiät

Paleo- oder Steinzeit-Rohkost

Paleo- oder Steinzeit-Rohkost sind Begriffe für Rohkostrichtungen, die sich - wie die Urkost von Franz Konz - an der Ernährung unserer Vorfahren in der Urzeit orientieren, aber im Gegensatz zur Urkost auch reichlich Fleisch und Fisch enthalten. Hier werden nur Lebensmittel verzehrt, die es in alten Zeiten gab, also weder Getreide noch Hülsenfrüchte, keine isolierten Fette und Öle – und Milchprodukte schon gar nicht.

Auch gibt es keine verarbeiteten Rohkostgerichte, denn Familie Feuerstein ass nur das, was sie eben in freier Wildbahn fand. Mixer und Entsafter gab es genauso wenig wie das Wissen über fermentierte Gerichte. Also gibt es hier weder Sauerkraut noch Säfte noch Smoothies. Dafür häufig Fleisch, Fisch und Eier – natürlich roh.

Ist eine Ernährung aus 100 Prozent Rohkost gesund?

Schon allein die grossen Unterschiede der einzelnen Rohkostformen zeigen, dass man kaum eine pauschale Aussage zum gesundheitlichen Wert der Rohkost treffen kann. Da jedoch bei fast jeder Rohkosternährung automatisch ein sehr grosser Anteil aus Obst und Gemüse besteht, liefert diese Ernährungsform auch deutlich mehr Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien als Ernährungsformen aus dem Bereich der Kochkost - zumal bei letzterer ja auch noch mit Nährstoffverlusten durchs Kochen gerechnet werden muss.

So wird Rohkost besser vertragen

Voraussetzung für den gesundheitlichen Wert der Rohkosternährung ist natürlich, dass man die Rohkost gut verträgt. Wer bisher selten Rohkost ass, wird bei der Umstellung eher Probleme haben als Menschen, die schon immer gerne Salate und Früchte gegessen haben.

Oft ist es aber nicht die Schuld der Rohkost an sich, dass sie zunächst nicht vertragen wird. Meist wird sie viel zu schnell gegessen und kaum gekaut. Dann liegt sie schwer im Magen und es kommt zu Beschwerden. Auch ungünstige Kombinationen (z. B. Früchte mit Nüssen) oder spätes Essen am Abend können zu Unverträglichkeiten der Rohkost führen.

Rohkost mit viel Bewegung verbinden

Wie bei jeder Ernährungsform kommt es überdies auch bei der Rohkosternährung darauf an, wie genau sie umgesetzt wird, wie ausgewogen und wie abwechslungsreich und wie die übrige Lebensführung aussieht. Wer beispielsweise nach wie vor den ganzen Tag sitzend verbringt, wird auch mit der Rohkosternährung nicht den entscheidenden gesundheitlichen Durchbruch erleben. Kombinieren Sie die Rohkost daher mit viel Bewegung und Sport und einem guten Stressmanagement.

Inzwischen liegen zahlreiche Erfahrungsberichte vor, die zeigen, dass eine Rohkosternährung ein ganzheitliches Konzept bei Krankheiten sehr gut unterstützen kann. Ob Krebs, Arthritis oder Fibromyalgie, viele Krankheiten können mit Hilfe der Rohkost äusserst positiv beeinflusst werden.

Die Rohkosternährung aus wissenschaftlicher Sicht

Aus wissenschaftlicher Sicht sind die Ergebnisse zur Rohkosternährung nicht einheitlich. Besonders zwei Universitäten haben sich bislang näher mit dem Thema befasst:

  1. Die Universität Giessen, die eher die negativen Folgen ermittelt hat und
  2. die finnische Universität Kuopio, die überwiegend positive, aber auch negative Auswirkungen festgestellt haben will.

Die möglichen positiven Auswirkungen

Zu den positiven Auswirkungen der Rohkosternährung können laut der bisher vorliegenden Studien die folgenden gehören. (Aus individuellen Erfahrungsberichten liegen natürlich noch viele mehr vor):

  1. Niedriger Cholesterinspiegel
  2. Erhöhte Vitamin A- und Carotinoid-Werte im Blut
  3. Höherer Antioxidantienspiegel
  4. Linderung bei Fibromyalgie-Symptomen und rheumatoider Arthritis

Die möglichen negativen Auswirkungen

Zu den möglichen negativen Auswirkungen der Rohkosternährung können diese gehören (wobei wir jeweils dahinter schreiben, woran es liegen könnte, dass sich die jeweilige unerwünschte Wirkung überhaupt entwickeln konnte):

  1. Niedriger Omega-3-Spiegel - zu wenige Ölsaaten wie gemahlene Leinsaat und Hanfsaat, zu wenige grüne Blattgemüse (empfehlenswert ist eine Nahrungsergänzung mit omega-3-reichen Algenöl-Kapseln)
  2. Körpergewichtsverlust - wenn insgesamt zu wenig gegessen wird
  3. Menstruationsstörungen bzw. Ausbleiben der Periode - wenn zu wenig, also nicht bedarfsgerecht, gegessen wird
  4. Zahnerosionen - wenn zu viel Obst/Trockenobst und gleichzeitig zu wenig mineralstoffreiches Gemüse gegessen wird
  5. Niedrige Knochendichte - hier gilt dasselbe wie bei den Zahnerosionen, auch muss generell überprüft werden, ob z. B. Magnesium, Calcium, Zink und Silicium sowie Vitamin D3 und K2 supplementiert werden sollten, was aber für andere Ernährungsformen ebenfalls gilt
  6. Vitamin-B12-Mangel - Vitamin B12 sollte grundsätzlich regelmässig überprüft werden, nicht nur bei der Rohkosternährung, sondern bei allen Ernährungsformen, insbesondere wenn Medikamente genommen werden oder chronische Erkrankungen vorliegen. Worauf Sie bei der Deckung des Vitamin-B12-Bedarfs achten sollten, welche Werte bei der Überprüfung des Vitamin-B12-Spiegels wichtig sind und vieles andere rund um Vitamin B12 lesen Sie im Link, den Sie weiter unten finden.

Die Rohkost: gesund oder riskant?

Bei vielen zur Rohkosternährung durchgeführten Untersuchungen wurden jedoch nicht reine Rohköstler analysiert, sondern Personen, die z. B. von mindestens 70 Prozent von Rohkost lebten. Man kann die wissenschaftlichen Ergebnisse daher nicht unbedingt auf eine 100-prozentige Rohkosternährung übertragen.

Auch bedeutet die obige Aufzählung der negativen Auswirkungen nicht, dass jeder der Probanden daran litt. In einer Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung aus dem Jahr 2005 beispielsweise zeigte sich an 201 Personen (die zu 70 bis 100 Prozent von Rohkost lebten), dass 38 Prozent einen Vitamin-B12-Mangel und 12 Prozent Anzeichen einer Anämie (Blutarmut) aufwiesen ( 1 ). Ob dies jedoch als typischer Nachteil der Rohkosternährung zu werten ist, dürfte angesichts der Zahlen aus der normalessenden Bevölkerung fraglich sein.

In einer Schweizer Untersuchung ergab sich beispielsweise, dass bis zu 23 Prozent der normalessenden Frauen im gebärfähigen Alter an einem Eisenmangel leiden, der zu einer Anämie führen kann.

Ein Vitamin-B12-Mangel wird ebenfalls häufig in der normalessenden Bevölkerung beobachtet, wie wir schon hier erklärt hatten: Vitamin-B12-Mangel beheben und kann überdies sehr leicht mit einer Nahrungsergänzung behoben werden bzw. gar nicht erst auftreten, wenn man entsprechend vorbeugt. Ähnliches gilt für einen Omega-3-Mangel sowie alle anderen potenziellen Mängel, denn eine Rohkosternährung muss natürlich - so wie jede andere Ernährung auch - gut geplant und organisiert und mit den individuell erforderlichen Nahrungsergänzungsmitteln ergänzt werden.

Die Fortsetzung des Artikels finden Sie hier: Rohkosternährung gesund oder riskant?

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Quellen
  1. (1) Koebnick C et al, Long-term consumption of a raw food diet is associated with favorable serum LDL cholesterol and triglycerides but also with elevated plasma homocysteine and low serum HDL cholesterol in humans., The Journal of Nutrition, 2005 Oct;135(10):2372-8
  2. (2) Garcia AL et al, Long-term strict raw food diet is associated with favourable plasma beta-carotene and low plasma lycopene concentrations in Germans., The British Journal of Nutrition, 2008 Jun;99(6):1293-300
  3. (3) Rauma AL et al, Antioxidant status in long-term adherents to a strict uncooked vegan diet., The American Journal of Clinical Nutrition, 1995 Dec;62(6):1221-7
  4. (4) Donaldson MS et al, Fibromyalgia syndrome improved using a mostly raw vegetarian diet: An observational study, BMC Complementary & Alternative Medicine, 2001; 1: 7,
  5. (5) Häninen et al, Antioxidants in vegan diet and rheumatic disorders., Toxicology, 2000 Nov 30;155(1-3):45-53
  6. (6) Kaartinen K et al, Vegan diet alleviates fibromyalgia symptoms., Scandinavian Journal of Rheumatology, 2000;29(5):308-13
  7. (7) Nenonen MT et al, Uncooked, lactobacilli-rich, vegan food and rheumatoid arthritis, British Journal of Rheumatology,1998 Mar;37(3):274-81,
  8. (8) Peltonen R et al, Faecal microbial flora and disease activity in rheumatoid arthritis during a vegan diet., British Journal of Rheumatology, 1997 Jan;36(1):64-8.