Was ist Tagatose?
Tagatose ist ein bislang noch seltener Zucker, der fast so süß schmeckt wie normaler Haushaltszucker – aber deutlich weniger verwertbare Kohlenhydrate enthält. Die Kalorienzahl wird mit 1,5 bis 2,8 kcal pro Gramm angegeben, während Haushaltszucker etwa 4 kcal pro Gramm liefert.
Chemisch ist er ein Einfachzucker (Monosaccharid), ähnlich wie Glucose oder Fructose. Allerdings werden etwa 75 bis 80 % der aufgenommenen Tagatose im Dünndarm nicht resorbiert. Der Großteil gelangt also nicht ins Blut, sondern in den Dickdarm.
Dort wirkt der Zucker präbiotisch, fördert also eine gesunde Darmflora. Das heißt, er wird von den Bakterien im Dickdarm fermentiert und dient ihnen somit als „Futter“ – ähnlich wie ein Ballaststoff. Hierbei können kurzkettige Fettsäuren entstehen, die zur Regeneration der Darmschleimhaut beitragen und entzündungshemmende Eigenschaften haben.
Gleichzeitig können sich durch die Fermentation – je nach verzehrter Tagatose-Menge – aber auch Verdauungsbeschwerden entwickeln (Blähungen, Völlegefühl, Durchfall), einer der wenigen Nachteile der Zuckeralternative.
Da die Zuckeralternative den Blutzucker kaum beeinflusst, ist sie sehr interessant für Diabetiker und für Menschen mit Insulinresistenz, aber natürlich auch für alle anderen, die gerne ihren Zuckerkonsum einschränken würden, ohne auf süße Produkte zu verzichten.
Dazu kommt, dass Tagatose von Kariesbakterien nicht verwertet wird und daher als zahnfreundlich gilt.
Wie wird Tagatose in Lebensmitteln verwendet?
Er hat fast dieselbe Süßkraft wie Haushaltszucker (90 bis 95 %) und auch ganz ähnliche Eigenschaften. Daher kann sie in Lebensmitteln und Rezepten herkömmlichen Zucker sehr gut ersetzen – im Verhältnis 1:1.
Sie eignet sich zum Süßen – sowohl von kalten als auch von heißen Speisen und Getränken. Auch kann man sie zum Backen verwenden. Sie bräunt und karamellisiert sehr gut.
Nur bei hohen Temperaturen (über 160 °C) bräunt die Zuckeralternative schneller, was beim Backen bedacht werden sollte. Das heißt, höhere Backtemperaturen sollten auf maximal 160 Grad reduziert werden. Die niedrigere Temperatur kann dann mit einer etwas längeren Backzeit kompensiert werden.
Wie natürlich ist Tagatose?
In manchen Definitionen liest man, Tagatose sei ein „natürlich vorkommender“ Zucker. Das ist im Grunde korrekt, aber dennoch irreführend.
Denn der Zucker kommt zwar in Milch und manchen Früchten natürlicherweise vor, aber nur in Spuren (unter 0,01 g/100 g) oder sogar unterhalb der Nachweisgrenze. Erst bei bestimmten Verarbeitungsprozessen, etwa wenn Milch erhitzt und Kakao fermentiert wird, steigen die Mengen etwas (auf 0,03-0,08 g/100 g), aber auch das ist nicht der Rede wert.
Man kann den Zucker daher auch nicht direkt aus Lebensmitteln gewinnen, sondern muss ihn biotechnologisch herstellen. Haushaltszucker, der bekanntlich aus Zuckerrohr oder Zuckerrüben hergestellt wird, ist diesbezüglich ein deutlich natürlicherer Zucker.
Wie viele Kohlenhydrate enthält der Zucker?
Pro 100 g liefert diese Zuckerart genau wie Haushaltszucker 100 g Kohlenhydrate. Beim Haushaltszucker sind aber auch 100 Prozent verwertbar. Diese werden im Dünndarm verdaut und gelangen als Glucose ins Blut sowie als Fructose zur Leber.
Bei der Zuckeralternative haben wir hingegen nur 20 bis 25 Prozent verwertbare Kohlenhydrate. Die übrigen 75 bis 80 Prozent gelangen in den Dickdarm und werden dort fermentiert bzw. zum Teil ausgeschieden.
Für die Darmbakterien bzw. die Darmflora bedeutet dies, dass ihnen eine gut verfügbare Energiequelle zur Verfügung steht, die das Wachstum bestimmter Bakterienstämme fördern kann.
Besonders solche Bakterienstämme werden gefördert, die kurzkettige Fettsäuren bilden. Der Zuckerersatz wirkt damit präbiotisch und kann zur Unterstützung einer gesunden Darmflora beitragen.
Wie wird der Zucker im Körper verstoffwechselt?
Der kleine Teil, der resorbiert wird, gelangt zunächst zur Leber. Dort wird er nur langsam verarbeitet, ein Teil auch zu Glucose oder Glykogen (Speicherform des Blutzuckers). Da dieser Prozess aber sehr langsam verläuft, kommt es nicht zu einem messbaren Anstieg des Blutzuckers oder der Insulinfreisetzung.
Wie hoch ist der glykämische Index/die glykämische Last?
Die beiden Werte des glykämischen Index und der glykämischen Last geben an, wie stark ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel beeinflusst. Je höher die Werte, umso stärker der Einfluss.
Der glykämische Index von Tagatose liegt bei etwa 3. Zum Vergleich: Der GI von Glucose liegt bei 90, der GI von Saccharose (Haushaltszucker) bei 64, der GI von Fructose bei 20-25, der GI von Xylit bei 13 und der GI von Erythrit und Stevia bei 0.
Die glykämische Last liegt bei unter 1 pro 10-g-Portion. Werte unter 10 gelten als niedrig, Werte zwischen 11 und 19 als mittel und Werte über 20 als hoch.
Wie wird Tagatose hergestellt?
Zur Herstellung der Zuckeralternative wird meist noch Milchzucker verwendet. In diesem Fall ist der Zucker nicht vegan. Inzwischen gibt es jedoch auch schon einige wenige Hersteller von veganer Tagatose. Als Rohstoff wird z. B. Gummi Arabicum verwendet.
Für beide Varianten – ob aus Milchzucker oder aus veganen Quellen – wird aus den jeweiligen Rohstoffen erst Galactose hergestellt. Dieser Schritt ist aus Milchzucker deutlich einfacher. Man braucht lediglich Lactase, das milchzuckerspaltende Enzym, das ohnehin weltweit in großen Mengen hergestellt und im Einsatz ist.
Bei veganen Herstellungsverfahren muss die Galactose erst aus Gummi arabicum isoliert werden. Dazu sind deutlich mehr Schritte nötig – bei geringerer Ausbeute und höherem Energieeinsatz.
Liegt erst einmal Galactose vor, dann ist der Herstellungsprozess bei beiden Qualitäten identisch. Die Galactose wird enzymatisch in Tagatose umgewandelt. Da diese Umwandlung aber nicht vollständig verläuft, entsteht ein Gemisch aus Galactose und Tagatose. In weiteren Verarbeitungsschritten wird dann die Galactose abgetrennt, so dass nur noch Tagatose übrigbleibt.
Was ist von Galactose-Tagatose-Mischungen zu halten?
Gerne spart man sich die letzten Schritte und verkauft direkt das Galactose-Tagatose-Gemisch, aber allein aus ökonomischen Gründen. Denn je höher der Reinheitsgrad der Tagatose, umso teurer wird das Produkt.Gesundheitliche Vorteile hat die Mischung aber nicht. Im Gegenteil. Durch den Galactose-Anteil erhöht sich der verwertbare Zuckeranteil und damit auch die glykämische Last, also der Einfluss auf den Blutzuckerspiegel.
Auch in der Küche hat die Mischung keine Vorteile. Sie schmeckt weniger süß, weniger haushaltszuckerähnlich und ist schwieriger zu dosieren, weil man das genaue Mischungsverhältnis und die entsprechend individuelle Süßkraft berücksichtigen muss.
Wo kann man Tagatose kaufen?
Die Zuckeralternative gibt es bislang vorwiegend im online-Handel, also eher nicht in Drogerie- und Supermärkten, auch nicht im Bioladen oder Reformhaus. Möglicherweise kann man sie bestellen, wenn Sie nachfragen, genauso in Apotheken. Aufgrund des hohen Preises ist der Zucker aber eindeutig noch ein Nischenprodukt.
Man muss mit einem Kilopreis von 70 bis 80 Euro rechnen.
Was ist Tagatesse?
Wenn man nach „Tagatose kaufen“ sucht, stößt man zwangsläufig auf Tagatesse. Dabei handelt es sich um ein Süßungsmittel, das zwar Tagatose enthält, aber noch weitere Süßungsmittel und Zutaten, so dass wir es nicht empfehlen.
Tagatesse-Tabletten bestehen beispielsweise nur zu 20 % aus Tagatose. Der Rest besteht aus Lactose (Milchzucker), vernetzter Carboxymethylcellulose (einem technischen Hilfsstoff, der Volumen bringt), Stärke und dem Süßstoff Sucralose (9,5%).
Tagatesse-Pulver hingegen besteht aus Isomalt (einem Zuckeralkohol), Polydextrose (einem synthetischen Ballaststoff), Inulin, Tagatose und ebenfalls Sucralose.
Wenn Sie also gesund mit Tagatose süßen wollen, ist Tagatesse keine Lösung.
Wird die Zuckeralternative schon in Lebensmitteln verwendet?
Es gibt bisher nur sehr wenige Lebensmittel, in denen die Zuckeralternative verwendet wird. Und selbst wenn sie auf der Zutatenliste steht, wird sie selten als alleiniges Süßungsmittel verwendet, sondern meist als Teil einer Zuckermischung (wie bei Tagatesse – siehe oben), also gemeinsam mit Süßstoffen, Zuckeraustauschstoffen und (synthetischen) Ballaststoffen.
Auf dem Etikett kann zwar „mit Tagatose“ stehen, aber letztendlich ist nur wenig davon enthalten, da die Hauptsüße von anderen Süßungsmitteln stammt, die man vielleicht gar nicht zu sich nehmen will. Lesen Sie daher in jedem Fall die Zutatenliste.
Was ist der Unterschied zwischen Tagatose und Galactose?
Galactose wird im Dünndarm nahezu vollständig aufgenommen und in der Leber rasch weiterverarbeitet, vor allem zu Glucose und Glykogen. Energetisch ist sie damit ein vollwertiger Zucker und liefert etwa 4 kcal pro Gramm – genau wie Haushaltszucker.
Der Blutzucker steigt nach Galactose jedoch langsamer, weshalb sie zeitweise als „diabetikergeeignet“ galt. Da sie jedoch reichlich Kalorien liefert und dabei kaum Süßkraft hat (nur halb so süß wie Haushaltszucker), gibt es kaum einen Grund für ihren Einsatz.
Sie ist lediglich besser darmverträglich, verursacht also – im Gegensatz zu Tagatose – auch bei höherem Verzehr keine Verdauungsbeschwerden.
Was ist besser: Tagatose oder Erythrit und Xylit?
Um es gleich vorweg zu nehmen: Wäre der hohe Preis nicht, könnte man gleich sagen, Tagatose ist besser.
Zwar hat Erythrit 0 kcal, ist insulinunabhängig und ist vom Darm her besser verträglich als die beiden anderen, doch ist seine Süßkraft mit 60-70 Prozent geringer. Auch verhält sich Erythrit beim Backen anders (bräunt nicht und hat geschmacklich einen Kühleffekt).
Xylit wiederum hat eine 100-prozentige Süßkraft, ist gut zum Backen und bringt kaum Kühleffekt, löst aber häufig Blähungen und Durchfall aus – oft schon bei Mengen ab 10-20 g.
Tagatose hat nur eine klein wenig geringere Süßkraft als Haushaltszucker und verhält sich auch beim Backen fast wie dieser. Nur muss man auch bei ihr wegen möglicher Verdauungsbeschwerden aufpassen.
Alle drei Zucker sind zahnfreundlich, fördern also keine Karies.
Eine 2023 veröffentlichte Studie brachte hohe Erythrit-Spiegel im Blut mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall) in Verbindung.
In dieser Untersuchung förderte Erythrit in vitro die Verklumpung der Blutplättchen (Thrombozytenaggregation) und beschleunigte bei Probanden die Bildung von Blutgerinnseln, was auf ein erhöhtes Thromboserisiko hinweisen könnte (1).
Ein Jahr später veröffentlichte dasselbe Forscherteam eine Studie zu Xylit mit ähnlichen Ergebnissen in Sachen Thromboserisiko (2).
Für Tagatose wurden derartige Effekte bislang nicht berichtet. Weiter unten unter „Wie ist die Wirkung auf Herz, Gefäße und Kreislauf?“ lesen Sie sogar von sehr positiven Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System.
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Was ist besser: Tagatose oder Stevia?
Beides ist im Grunde nicht zu vergleichen. Denn Tagatose wird ja in Mengen wie Zucker eingesetzt, während Stevia ein Süßstoff ist, den man nur tropfenweise und in Form winziger Tabletten verwendet.
Stevia ist gut geeignet für Getränke, auch wenn man schmeckt, dass kein Zucker zum Süßen verwendet wurde. Stevia wird bei falscher Dosierung leicht bitter und hat einen metallischen Nachgeschmack. Backen kann man mit Stevia so gut wie nicht oder nur, wenn man auf speziell für Stevia entwickelte Rezepte zurückgreift.
Allenfalls in Kombination mit Erythrit (* Goviosid) kann man Stevia etwas besser zum Backen und Süßen einsetzen. Allerdings hat Stevia 0 kcal und verursacht im Allgemeinen keine Verdauungsbeschwerden
Ist Tagatose gesund?
Die Zuckeralternative hat die folgenden Auswirkungen auf die Gesundheit:
Wie ist die Wirkung auf den Blutzuckerspiegel und bei Diabetes?
Die Zuckeralternative besitzt einen niedrigen glykämischen Index und beeinflusst den Blutzucker- und Insulinspiegel kaum.
Beispielsweise sank in einer placebokontrollierten Studie das LDL-Cholesterin sowie das Gesamtcholesterin unter Tagatose deutlich stärker als unter Placebo (8). Auch der Langzeitzucker nahm deutlich ab. Die teilnehmenden Diabetiker sollten 1 Jahr lang dreimal täglich je 15 g des Zuckers mit 125-250 ml Wasser zu den Mahlzeiten nehmen.
In einer anderen Studie stieg unter 1-jähriger Einnahme der Zuckeralternative (dieselbe Dosis wie oben) das schützende HDL-Cholesterin an, während das Körpergewicht um 5 kg und die Fettmasse abnahmen (3). Auch hier waren die Teilnehmer Diabetiker.
Die Zuckeralternative gilt daher als vielversprechender „Anti-Diabetes”-Zucker, der zur Prävention und Behandlung von Typ-2-Diabetes beitragen könnte.
Wie ist die Wirkung auf die Darmflora?
Etwa 80 % der aufgenommenen Tagatose werden im Dünndarm nicht resorbiert, sondern gelangen in den Dickdarm. Dort fördert der Zucker das Wachstum nützlicher Darmbakterien. Er wirkt also präbiotisch.
Die Darmbakterien wiederum fermentieren den Zucker, wobei kurzkettige Fettsäuren (SCFAs) wie Acetat, Butyrat und Propionat entstehen.
Die SCFAs können einerseits von der Darmschleimhaut als Energiequelle genutzt werden (was zur Regeneration der Schleimhaut und zum Schutz der Darmbarriere beiträgt), gelangen aber auch ins Blut, wo sie entzündungshemmende Eigenschaften haben (4).
Andere Süßstoffe (z. B. Sucralose, Acesulfam-K) hatten in der Studie keinen positiven Effekt auf die Darmflora.
In einer Mausstudie konnte die Zuckeralternative eine medikamentenbedingte Verstopfung auflösen sowie die Diversität und die Zahl der Darmbakterien auf ein gesundes Niveau steigen lassen (5).
Wie ist die Wirkung auf die Zahngesundheit?
Die Zuckeralternative wird von Kariesbakterien kaum verwertet und gilt daher als zahnfreundlich. Laborstudien belegen, dass sie die Stoffwechselaktivität von Streptococcus mutans (Kariesbakterien) deutlich hemmt.
Selbst wenn Haushaltszucker gegessen wird, kann Tagatose die vom Zucker verursachte Säureproduktion und Plaquebildung hemmen (6).
Auch zeigte eine randomisierte Studie, dass die Zuckeralternative auf die Mundflora sogar eine selektive Wirkung hatte. Sie hemmte das Wachstum und die Biofilmbildung von Kariesbakterien und auch von Bakterien, die Parodontitis verursachen (Streptococcus gordonii). Der harmlose Keim Streptococcus oralis wurde hingegen nicht beeinflusst.
Sogar in Anwesenheit von Glucose wirkte Tagatose für die schädlichen Keime wachstumshemmend, während der harmlose Keim unbeeinträchtigt blieb.
Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist der Meinung, dass der Zuckerersatz gut für die Zähne ist. Sie stellte in einem Gutachten fest, dass Zuckeraustauschstoffe einschließlich Tagatose die Zahnmineralisierung fördern.
Die US-amerikanische FDA hat gleich einen Health Claim zur kariesschützenden Wirkung zugelassen. Das bedeutet, in den USA dürfen Hersteller Produkte mit der Zuckeralternative mit "schützt vor Karies" bewerben.
Wie ist die Wirkung aufs Gehirn?
In einer Studie von 2025 zeigte sich an 12.772 Probanden: Je mehr künstliche Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe die Leute zu sich nahmen, umso schneller ließen Gedächtnis und andere kognitive Funktionen nach (7).
Zu den untersuchten Süßungsmitteln mit dieser negativen Wirkung zählten Aspartam, Saccharin, Acesulfam-K, Erythrit, Sorbitol und Xylit.
Tagatose hingegen war die einzige der untersuchten Zuckeralternativen, bei der keine statistisch signifikante Verschlechterung der kognitiven Leistung beobachtet wurde. Sie scheint damit in Bezug auf die langfristige Hirngesundheit neutral zu sein.
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Wie ist die Wirkung auf Herz, Gefäße und Kreislauf?
Tagatose könnte sich vorteilhaft auf klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren auswirken. In klinischen Studien mit Diabetikern zeigten sich durch den Verzehr des Zuckers signifikante Verbesserungen der Blutfett- und Blutzuckerwerte – wie wir schon weiter oben beschrieben haben.
Wenn diese Werte gut kontrolliert werden, dann geht zumeist die chronische Entzündung zurück und die Gefäßsituation bessert sich.
Wie ist die Wirkung im Vergleich zu Fructose?
Da Tagatose eng mit der Fructose verwandt ist, stellt sich die Frage, ob es ähnliche negative metabolische Folgen hat wie eine hohe Fructosezufuhr, z. B. Fettleibigkeit, Fettstoffwechselstörungen oder auch eine Fettleber.
Beide Einfachzucker haben immerhin die identische Summenformel (C₆H₁₂O₆). Der einzige Unterschied ist, dass am vierten Kohlenstoffatom bei der Fructose die OH-Gruppe in die eine Richtung zeigt, bei der Tagatose in die andere Richtung.
Diese kleine Änderung reicht aber bereits aus, dass sich die beiden Zucker ganz unterschiedlich verhalten und im Körper auch ganz unterschiedlich behandelt werden.
Ein Vergleich von 30-prozentiger Fructose-Diät mit 30-prozentiger Tagatose-Diät über 24 Wochen zeigte, dass Fructose bei Ratten eine starke Gewichtszunahme (plus 49 %) sowie verschlechterte Blutzucker-, Insulin- und Blutfettwerte bewirkte (9).
Tagatose dagegen führte nicht zu einer solchen metabolischen Entgleisung. Im Gegenteil, die entsprechenden Tiere wiesen weniger oxidativen Stress und Entzündungsmarker im Gewebe und auch in der Leber auf.
Sogar bei einem simulierten Herzinfarkt, waren die Tagatose-gefütterten Tiere klar im Vorteil: Ihre Herzmuskel-Schädigung und Entzündungsreaktion fiel geringer aus als bei den Fructose-Tieren.
Zudem wiesen Tagatose-Tiere höhere Werte an der sog. endothelprotektiven eNOS (Endothel-Nitric-Oxid-Synthase) im Herzgewebe auf, was auf eine bessere Gefäßfunktion hindeutet.
In einer Mäusestudie zur Fettleber bildeten Mäuse unter einer Tagatose-reichen Diät deutlich weniger Fett und weniger Entzündungsmarker in der Leber als mit Fructose gefütterte Tiere. Dies deutet darauf hin, dass erstere – anders als Fructose – weniger zur Fettleberbildung beiträgt.
Tagatose erhöht in der Leber z. B. die Glykogenbildung durch Aktivierung eines Enzyms (der Glucokinase) und vermindert so die Umwandlung von Zucker in Fett (10).
Kann man mit der Zuckeralternative abnehmen?
Aufgrund des niedrigen Kaloriengehalts und der minimalen Blutzuckerwirkung kann die Zuckeralternative auch zur Gewichtabnahme beitragen.
In einer Übersichtsarbeit zu 50 Studien mit seltenen Zuckerarten hieß es, dass Tagatose eine Gewichtsabnahme begünstigen kann (12) – und zwar besonders bei übergewichtigen Personen und bei Diabetikern.
33 Frauen mit Insulinresistenz (ohne Diabetes) erhielten an drei Tagen je ein anderes Getränk vor einem standardisierten Testessen: Wasser (Kontrolle), Stevia-Lösung oder Tagatose-Lösung (5 g).
Bereits 60 Minuten nach Tagatose-Einnahme berichteten die Probandinnen ein höheres Sättigungsgefühl als nach Wasser (Kontrolle). Die Zuckeralternative zeigte tendenziell eine appetithemmende Wirkung. Zum Vergleich erhöhte Stevia in dieser Studie den Blutzucker sogar etwas und steigerte den Essenswunsch nach 2 Stunden (13).
Tagatose und Krebs?
Konkrete Humanstudien zur Tagatose und Krebs liegen bisher nicht vor. Allerdings existieren erste Tierstudien, die dem Zucker hier eher eine schützende Wirkung zuschreiben.
In einem Mausmodell für Darmkrebs entwickelten Tiere, die 10 Wochen lang Tagatose erhielten, weniger Tumore als unbehandelte Mäuse. Man vermutet, der Zucker schützt deshalb vor Krebs, da er die Integrität der Darmbarriere bewahrte (z. B. über den Schutz der Tight Junctions) und auf diese Weise weniger entzündungsfördernde Substanzen in die Darmschleimhaut gelangten (11).
Tight Junctions sind winzige „Dichtungen“ zwischen benachbarten Zellen, die verhindern, dass unerwünschte Stoffe unkontrolliert zwischen den Zellen hindurchtreten und in die Darmschleimhaut sowie ins Blut gelangen.
Zusätzlich verfügt die Zuckeralternative über antioxidative Eigenschaften (der Zucker neutralisiert freie Radikale). Da oxidativer Stress bei der Entstehung vieler Krebserkrankungen eine wichtige Rolle spielt, könnte der Zucker auch über diesen Weg Zellstress vermeiden helfen und krebspräventiv wirken.
Wie sicher ist Tagatose langfristig?
Die Zuckeralternative ist gründlich auf Sicherheit geprüft worden. In zahlreichen Studien und klinischen Tests zeigte sie keine Hinweise auf Toxizität selbst bei hohen Dosen. Es wurden keine genotoxischen (erbgutschädigenden) Effekte beobachtet. Auch auf das ungeborene Kind hat der Zucker keine negativen Auswirkungen (6).
Aufgrund dieser unauffälligen Befunde hat der Gemeinsame FAO/WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA) bereits 2006 auf die Festlegung einer erlaubten täglichen Höchstaufnahme (ADI) für Tagatose verzichtet – ein Indikator dafür, dass der Zucker als sehr sicher gilt.
Die US-amerikanische FDA hat ihn schon 2001 als „Generally Recognized As Safe (GRAS)” anerkannt, und in der EU ist er seit 2005 als neuartiges Lebensmittel ohne Mengenbeschränkung zugelassen.
Welche Mengen sind verträglich?
Die Fermentierung im Dickdarm kann ab bestimmten Mengen auch zu Verdauungsbeschwerden führen (Blähungen, Völlegefühl, Bauchschmerzen oder Durchfall). Denn bei der bakteriellen Fermentation des Zuckers entstehen Gase und osmotisch wirksame Abbauprodukte (ziehen Wasser in den Darm und verflüssigen den Stuhl).
Die individuelle Verträglichkeit variiert stark und hängt sowohl von der konsumierten Menge als auch von der Zusammensetzung der persönlichen Darmflora ab.
In einer mehrmonatigen Studie mit leicht diabetischen Probanden erhielten diese täglich bis zu 30 g Tagatose (3-mal je 10 g), was gut vertragen wurde. Es traten keine Gesundheitsprobleme auf (3).
In einer 12-monatigen Pilotstudie an Typ-2-Diabetikern, die täglich 3-mal je 15 g Tagatose nahmen, traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf (8). Allerdings berichtete dort ein Teil der Teilnehmer über milde gastrointestinale Symptome wie Blähungen, weichen Stuhl oder Völlegefühl, insbesondere zu Beginn der Einnahme.
Die Dosis war jedoch mit insgesamt 45 g pro Tag sehr hoch. Auch heißt es, dass die Beschwerden vorübergehend seien. Man gewöhne sich im Laufe weniger Wochen daran.
Für empfindliche Personen (z. B. mit Reizdarm) können aber schon bei 5–10 g pro Portion Beschwerden auftreten. Auch weniger empfindliche Leute sollten nicht zu viel Tagatose auf einmal zu sich nehmen und pro Einzelportion unter 20 g bleiben.
3-mal 10 g pro Tag werden also besser vertragen als 30 g in einer einzelnen Dosis.
Wenn Sie beispielsweise einen Kuchen mit 150–200 g Tagatose backen und ihn in zwölf Stücke schneiden, enthält ein Stück schon etwa 12–17 g. Mehr als ein Stück auf einmal würde man also erst einmal nicht essen.
Fazit: Tagatose ist die derzeit beste Zuckeralternative
Tagatose ist ein Zucker, der süß wie Haushaltzucker schmeckt und auch genauso wie dieser in Lebensmitteln eingesetzt werden kann. Dabei hat er deutlich weniger Kalorien, fast keinen Einfluss auf den Blutzucker und gilt zusätzlich als darm- und zahnfreundlich.
Lediglich in Mengen von 15-20 g kann der Zucker Verdauungsbeschwerden verursachen. Wäre der hohe Preis nicht, könnte man ihn fast als die perfekte Zuckeralternative bezeichnen.
Denken Sie aber immer daran, allein die Art des verwendeten Zuckers entscheidet nicht darüber, ob Ihre Ernährung gesund ist. Denn meist braucht man ein Süßungsmittel nicht für Salat und Gemüse, sondern für Kuchen, Kekse und Süßgetränke - und diese sollten ohnehin Ausnahmen bleiben.